Die Materialwerkstatt (DiMawe) - Zeitschrift für Konzepte und Arbeitsmaterialien für Lehrer*innenbildung und Unterricht
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Anspruch und Wirklichkeit evidenzorientierter Materialentwicklung und eines interdisziplinären Austauschs von Lehrmaterialien: Editorial zum zweiten Jahrgang der Zeitschrift Die Materialwerkstatt – Zeitschrift für Konzepte und Arbeitsmaterialien für Lehrer*innenbildung und Unterricht
Im Editorial zum zweiten Jahrgang der Zeitschrift Die Materialwerkstatt – Zeitschrift für Konzepte und Arbeitsmaterialien für Lehrer*innenbildung und Unterricht soll neben der Orientierungsfunktion für die Leser*innen durch einen Überblick über die Beiträge auch den beiden weiteren, weniger offensichtlichen Funktionen von Zeitschrifteneditorials, der Reflexions- und Legitimationsfunktion, entsprochen werden. Das Open-Access-Journal ist ein Publikationsort für den interdisziplinären und phasenübergreifenden Austausch von und über Materialien für Hochschullehre in der Lehrer*innenbildung, für die Fortbildung von Lehrpersonen und für den Schulunterricht und hat sich den Anspruch gesetzt, sich bei seiner Qualitätssicherung an einem breiten, pragmatischen Konzept der Evidenzbasierung zu orientieren. Im Editorial wird eruiert, inwiefern diesen Ansprüchen in den ersten beiden Jahrgängen entsprochen werden konnte
Reflexions- und Feedbackformate zur kohärenten Ausgestaltung des Praxissemesters: Einführung in das Themenheft des QLB-Projekts KoLBi
In diesem Themenheft werden Reflexions- und Feedbackformate zur kohärenten Ausgestaltung des Praxissemesters vorgestellt. Diese Formate wurden im vom BMBF geförderten Projekt „KoLBi – Kohärenz in der Lehrerbildung“ an der Bergischen Universität Wuppertal entwickelt, erprobt, erforscht und evaluiert. Die Darstellung der unterschiedlichen Formate ist so aufbereitet, dass diese hochschuldidaktisch eingesetzt werden können
Informationsgestützte Auseinandersetzung mit pädagogischen Situationen: Ein Lehrkonzept für die bildungswissenschaftliche Vorbereitung des Praxissemesters
In dem vorgestellten Lehrkonzept wird durch die Auseinandersetzung mit realen pädagogischen Situationen ein Vorgehen zur informationsbasierten Reflexion für das Praxissemester eingeübt. Das Konzept schließt an den aktuellen Diskurs zur Evidenzorientierung sowie an das professionstheoretische Modell metareflexiver Lehrerbildung an. Es wird davon ausgegangen, dass eine intensive Auseinandersetzung mit pädagogischen Situationen den (angehenden) Lehrkräften komplexe Fähigkeiten abverlangt, die u.a. die Wahrnehmung und das Verstehen einer Situation, die Informationssuche und -bewertung bildungswissenschaftlicher Theorien und Befunde, die argumentative und reflektierte Auseinandersetzung sowie das Ableiten alternativer Handlungen umfassen. Anhand eines Videofalls wird ein mehrschrittiger Reflexionsprozess eingeübt, der aus folgenden Elementen besteht: (1) die Beschreibung einer pädagogischen Situation, (2) die Erklärung der gewählten Situation anhand interner und externer Informationsquellen sowie (3) die Schlussfolgerung mit der Ableitung von Handlungsoptionen für die eigene professionelle Praxis. In der hier vorgestellten Form dient das Lehrkonzept als Trainingseinheit für praxissemesterbegleitende Reflexionsaufgaben in Form von Lerntagebüchern, die von den Studierenden verfasst werden und die sich auf selbst erlebte pädagogische Situationen an ihrer Praxissemesterschule beziehen
Reflexion fachspezifischer Beliefs: „Meine musikdidaktische Position“
Das vorgestellte Material zielt darauf ab, Lehramtsstudierende mit dem Fach Musik dabei zu unterstützen, sich ihre Beliefs über Musikunterricht bewusst zu machen, und entsprechende Reflexionsprozesse im Kontext des Praxissemesters anzuregen. Inhaltlich stehen dabei normative Vorstellungen über Musikunterricht im Mittelpunkt. Das Material besteht aus einer ausführlichen Anleitung dazu, sich die Beliefs zu Zielen, Inhalten und Methoden von Musikunterricht soweit wie möglich bewusst zu machen. Im nächsten Schritt werden diese schriftlich formuliert sowie mit den zugrundeliegenden Erfahrungen verknüpft. Ebenso sollen Veränderungen vor bzw. während des Praxissemesters reflektiert werden
Die Sicht von Schüler*innen auf Klassenführungsstrategien als Reflexionsanlass für angehende Lehrer*innen: Handreichung zur Unterstützung in schulpraktischen Phasen
Das vorgestellte Material – eine Handreichung – leitet Studierende zu einer Reflexion von Klassenführungsstrategien unter Zuhilfenahme der Sicht der Schüler*innen an. Das Konzept hinter dem Material basiert auf den Ideen der Aktionsforschung. Zentrales Element ist ein Fragebogen, mit dem die Studierenden die Sicht der Schüler*innen und ihre eigene auf den von ihnen gehaltenen Unterricht bzw. ihre gezeigten Klassenführungsstrategien erfassen. Nach der Auswertung reflektieren die Studierenden die Ergebnisse der Erhebung, und entwickeln bezugnehmend auf ihre unterrichtsbezogenen „Schwächen“ theoriebasiert Handlungsstrategien, die sie im weiteren Verlauf ihres eigenen Unterrichts einsetzen. Abschließend nehmen sie wiederholt die Sicht ihrer Schüler*innen und ihre eigene mit dem Fragebogen auf, werten sie aus und reflektieren den Erfolg ihrer Strategien und der Vorgehensweise
Lehr-Lern-Labore auf Distanz? Ein Erfahrungsbericht aus der Mathematikdidaktik
Zusammenfassung: Lehr-Lern-Labore sind – meist als Projektseminare in Studiencurricula von Lehramtsstudiengängen implementiert – ein Format, das sich in jüngerer Zeit besonders im „MINT“-Bereich an vielen Universitäten als Komponente von Lehramtsstudien etabliert. Unabhängig von Fachschwerpunkt und thematischer Ausrichtung eines Lehr-Lern-Labors ist das persönliche Miteinander von Schüler*innen, Studierenden und Forschenden zentrales Charakteristikum des Formats, verbunden mit einer Trias entsprechender Zielperspektiven für die Förderung der Lernenden, die Bildung der Studierenden und die aus einem Lehr-Lern-Labor heraus entstehenden Forschungsarbeiten. Offensichtlich ist das persönliche Miteinander eine geradezu selbstverständliche Rahmung, kann man sich doch den „Betrieb“ in einem Lehr-Lern-Labor so vorstellen, dass Schüler*innen z.B. zu einem bestimmten Gegenstand „forschen“ oder sich zumindest Lerngegenstände konstruktiv erschließen, während die Studierenden als Lernbegleitende fungieren und ihrerseits Kompetenzen im Diagnostizieren und Fördern (im thematischen Schwerpunkt des jeweiligen Formats) entfalten. Die COVID-19-Pandemie führte im Jahre 2020 deutschlandweit zur Einstellung des Präsenzlehrbetriebs an Universitäten, so dass u.a. das persönliche Miteinander in Lehr-Lern-Laboren unmöglich wurde. Wie lässt sich ein solches Format nun produktiv mit eigenem Wert als Distanzformat organisieren? Dieser Frage wird auf der Basis eines explorativen Präsenz-/Distanz-Vergleichs zweier Lehr-Lern-Labor-Konzepte aus der Mathematikdidaktik an der Bergischen Universität Wuppertal nachgegangen. Ein zentrales Momentum scheint darin zu bestehen, dass es eine Akzentverschiebung hinsichtlich der jeweils fokussierten Fach- und Methodenkompetenzen der Studierenden gibt: Der Schwerpunkt ändert sich von der Entfaltung von Kompetenzen im Diagnostizieren im Präsenzformat hin zur Entfaltung von Kompetenzen im Fördern im Distanzformat, wobei die Entwicklung von Lernprodukten durch die Studierenden (z.B. Lernvideos) als Schwerpunkt des Distanzformats den Hauptstimulus der Akzentverschiebung zu liefern scheint. Ferner ergeben sich für die Kinder hier besondere Potenzen zur Förderung von Fähigkeiten im selbstgesteuerten Lernen
Die Anregung von Reflexion im Praxissemester durch Prompts in Lerntagebüchern
Der vorliegende Beitrag beschreibt eine Möglichkeit, die Verbindung von Theorie und praktischen Situationen im Rahmen der Begleitung des Praxissemesters anzuregen. Dem Material liegt hochschuldidaktisch die theoretische Perspektive des selbstgesteuerten Lernens zugrunde, in der der instruktionspsychologische Ansatz der sogenannten Prompts, also gezielter Hinweise zur Aktivierung von Strategien zur Auseinandersetzung mit Wissensbeständen, eine wichtige Rolle spielt. Der Beitrag verdeutlicht, inwiefern Hinweise zur Aktivierung metakognitiver und kognitiver Strategien als Vorlage zur Formulierung der Hinweise zur Verknüpfung von Theorie und Praxis dienen können. Darüber hinaus werden Erfahrungen und Limitationen beim Einsatz der Hinweise nachgezeichnet
Forschendes Lernen im Praxissemester unter den Bedingungen kleiner Fächer: Ein Praxiskonzept für die Begleitung von Studienprojekten im Praxissemester am Beispiel des Faches Latein
Die Betreuung von Studienprojekten im Rahmen des Praxissemesters, in denen Studierende in einer Verzahnung von Theorie und Praxis forschendes Lernen betreiben sollen, stellt kleine Fächer in der universitären Lehrerbildung vor besondere Herausforderungen. Der vorliegende Beitrag zeigt am Beispiel des Faches Latein ein Praxismodell für den Ablauf der Praxissemesterstudienprojektbetreuung, der forschendes Lernen durch begleitete Formulierung der Forschungsfrage und begleitende Reflexionsimpulse unterstützt. Hinzu kommen als Sonderfälle die zeitliche Distanz zwischen Vorbereitungsveranstaltung und Praxissemester, die personelle Diskontinuität bei der Betreuung und die Einbindung von Promovierenden
Fächerübergreifender Unterricht zwischen den Basiskursen Naturwissenschaften und Mathematik
Das Forschungsprojekt BiBi-MINT am Oberstufen-Kolleg Bielefeld („Bielefelder Binnendifferenzierung in den MINT-Fächern“) verfolgt das Ziel eines Fächerübergriffes zwischen dem Naturwissenschafts- und dem Mathematikunterricht. Schüler*innen sollen unterstützt werden, naturwissenschaftliche Phänomene mathematisch zu beschreiben und gleichzeitig mit anwendungsbezogenen naturwissenschaftlichen Kontexten im Mathematikunterricht zu arbeiten. Neben einer zeitlichen Verzahnung des Naturwissenschafts- und Mathematikunterrichts wird auf binnendifferenzierende Maßnahmen in Form von gestuften Lernhilfen zurückgegriffen. Dieser Beitrag führt somit ein fächerübergreifendes und binnendifferenzierendes Gesamtkonzept zwischen Naturwissenschafts- und Mathematikunterricht an, welches sowohl im schulischen Kontext als auch in der universitären Lehrer*innenbildung Anwendung finden kann
Klein, aber Aha! – Reflexionsschema zur Videoanalyse geplanter Experimentiereinheiten von Studierenden
In diesem Beitrag wird beschrieben, wie Studierende der Fächer Biologie, Chemie und Sachunterricht Videoanalysen eigener geplanter Experimentiereinheiten im Vorbereitungsseminar zum Praxissemester durchgeführt haben. Dazu wurde ein existierendes Reflexionsschema modifiziert und eingesetzt, welches die Videoanalyse der Studierenden schrittweise unterstützte. Dieses Reflexionsformat leitet Studierende dazu an, anhand ausgewählter Videosequenzen auftretende Erschwernisse beim Experimentieren wahrzunehmen und zu identifizieren. Darauf folgen die Analyse der Situation und das Durchdenken, wie es zu den Schwierigkeiten gekommen sein könnte. Anschließend entwickeln die Studierenden mit Bezug zur Theorie Handlungsoptionen, um solche Eventualitäten zukünftig bereits bei der Planung von Experimentalunterricht zu antizipieren und, für einen reibungslosen Experimentierprozess, bestenfalls zu verhindern