Journal für Psychologie (Neuen Gesellschaft für Psychologie - NGfP)
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The role of inner speechs quality in problem solving
In der kulturhistorischen Psychologie ist das innere Sprechen ein zentrales Thema. Grundsätzlich geht es um die Erforschung der Verflechtung inneren Sprechens mit höheren psychischen Prozessen. Als günstige Methode zur Erforschung dieses Zusammenhangs hat sich die Methode des lauten Denkens, ein qualitatives Analyseverfahren, erwiesen. Die durchgeführte Studie greift exemplarisch für höhere psychische Prozesse das Problemlösen heraus und versucht anhand von Denkprotokollen einen Zusammenhang zwischen Sprechen und Problemlösen aufzuzeigen. Aus dieser Studie wird eine Spur der Interpretation herausgegriffen, indem drei Ergebnisse dargestellt und diskutiert werden: (1) Darlegung des Zusammenhangs zwischen innerem Sprechen und Problemlösen, (2) Betrachtung von Unterschieden zwischen guten und schlechten Problemlösern, und (3) Darstellung unterschiedlicher Problemlöse-Sprech-Typen. Die Ergebnisse führen zu dem Schluss, dass insbesondere die Qualität des inneren Sprechens einen Einfluss auf das Problemlösen hat.Inner speech is an important issue in cultural-historical psychology, and it is a fundamental ability necessary for higher mental functions. The investigation of inner speech is difficult, and the best method which is known is the method of thinking aloud. This study deals with problem solving as one higher mental process and tries to find coherence between inner speech and problem solving using the method of thinking aloud. One trace of interpretation is picked up while presenting and discussing three results: (1) presentation of the coherence between inner speech and problem solving, (2) analysis of the differences between good and bad problem solvers, (3) presentation of different problem solving-speaking-types. The results lead to the interpretation that the quality of inner speech plays an important role in problem solving
Professionalisierung durch theoretische Begründung: Sind die anthropologischen Grundlagen psychologischer Beratungstheorien noch zeitgemäß?
Ausgehend von den den Psychotherapien entlehnten »klassischen« Beratungstheorien und ergänzt um die Arbeits- und Organisationspsychologie werden die Theoriegrundlagen von Beratung unter dem Aspekt ihrer Anthropologien diskutiert. Zentrale Fragestellung ist hierbei, inwiefern diese Theorien vor dem Hintergrund der soziokulturellen Bedingungen der Postmoderne überhaupt noch als gültig und zeitgemäß erachtet werden können. Vorgeschlagen wird, die Theorien, wenn nicht einer Revision, so mindestens einer Betrachtung aus einer erweiterten Perspektive zu betrachten. Einen wesentlichen Beitrag könnten hier die Subjekttheorien verschiedener Fachdisziplinen liefern. Abschließend und ausblickend wird vorgeschlagen, die (Weiter-)Entwicklung der theoretischen Fundamente von Beratung am von Glaser und Strauss entwickelten Verfahren der Grounded Theory als Option zu überprüfen.Professionalization of counseling through theory-grounded practice: are the ideas of man covered by psychological theories still up-to-date?Counseling is grounded in psychological theories, which come either from clinical psychology or from organizational psychology. Each have ideas of man as a basic concept, though each theoretical approach seems to have its own special perspective. None of these different approaches serves as an appropriate theoretical basis for counseling in the post-modern society. There will be discussed, if cross-disciplinary theories of the subject instead might contribute to a general theory of counseling. Finally Grounded Theory as proposed by Glaser and Strauss is suggested as a method for generating a more appropriate theoretical basis of professional counseling
Unindended dialogues – religious mission and intercultural symmetry
Der Beitrag identifiziert als zentrales Problem des »interkulturellen« Dialogs die Paradoxie, dass bei ernsthafter kultureller Differenz eine Kommunikation über Inkommunikables erforderlich wäre. Am Beispiel der religiösen Gewissheit wird gezeigt, dass die diskursive Auseinandersetzung zwischen religiösen Überzeugungen die religiöse Gewissheit als Kern kulturellerer Eigenheit entweder verfehlen oder auflösen muss. Denn der Modus der Gewissheit zeigt, dass die wesentliche kulturelle Differenz auf der Ebene des impliziten Wissens liegt. In einem zweiten Schritt relativiert der Beitrag die skeptischen Implikationen, die aus der Analyse der inkommunikablen Gewissheit zu folgen scheinen: Die historische Faktizität interkultureller und religiöser Austauschprozesse belegt, dass die identifizierte Kommunikations-Paradoxie auflösbar ist. Der Schlüssel zum Verständnis dieses Faktums liegt, so die weitere Analyse, im Verhältnis zwischen Organisation und performativer Kultur, d.h. religiöse und allgemein interkulturelle Dialoge profitieren von der Dialektik zwischen Organisationsmitgliedschaft und Milieuzugehörigkeit, die sich am Beispiel der Religion in der historischen Verzweigung zwischen Glaubensgemeinschaft, Kirchenorganisation und speziell missionarischer Administration entfaltet hat.The essay describes as a central problem of intercultural dialogue the paradoxical structure of communicating the incommunicable. Religious certainty, taken as a significant example, necessarily is either misrepresented or seriously transformed by discursive dialogues between explicitly articulated religious beliefs, as the core of religious or cultural identity lies on the level of implicit knowledge. The discursive optionalization of religious belief corrupts the constitutive status of implicit religious certainty. In the second part this sceptical account is confronted with the historical factuality of intercultural and religious exchange. Structural conditions are identified which help to overcome the mentioned paradox of communication. Importantly, these conditions are based on the differentiation of forms of religious knowledge andbelief, which again is connected with the difference between membership (in organisations) and participation (in life forms)
Intersubjectivity in Mahāyāna-Buddhism and Relational Psychoanalysis
Der Buddhismus und Achtsamkeitstechniken aus dem buddhistischen Lehrsystem zählen mittlerweile zu den wichtigsten Dialogpartnern für verschiedene psychotherapeutische Ansätze. Im Mahāyāna-Buddhismus wie auch in der relationalen Psychoanalyse kommt dem Begriff der Intersubjektivität eine besondere Bedeutung zu. In der relationalen Psychoanalyse wird das Individuum als eingebettet in eine relationale Matrix analysiert, die für die Herausbildung der psychischen Charakteristiken und Möglichkeiten entscheidend ist. Das Ziel der relationalen Psychoanalyse liegt in der Klärung der für das Individuum wesentlichen Beziehungskonstellationen. Freiheit entsteht durch ein Erkennen der eigenen Erlebens- und Verhaltensweisen als aus der persönlichen Beziehungsgeschichte hervorkommend und aus Verhaltensmodifikationen, die auf dieser Einsicht aufbauen. Im Mahāyāna-Buddhismus ist Intersubjektivität die Folge eines Verständnisses, dass sich alle Phänomene aus einer interdependenten Verbindung als individuelle Phänomene konstituieren. Der Mensch wird als spezifische Kombination von Phänomenen betrachtet, die sich andauernd in Dialog mit allen anderen Phänomenen befinden. Psychologisches Wohlbefinden lässt sich nur in der Einbindung dieser Erkenntnis in alle Aktivitäten des Lebens und der Überwindung jeglicher Selbstbezogenheit verwirklichen. Im Artikel werden philosophisch-psychologische Fundamente fokussiert, die eine Klärung der exakten Bedeutung des Terms \u27Intersubjektivität\u27 in beiden Zugängen ermöglichen sollen. Diese Klärung ist sowohl für die derzeit in diesem interdisziplinären Feld stattfindenden Dialoge (wo sie oft fehlt, bzw. undeutlich ist) als auch für weitere Dialogperspektiven von essentieller Bedeutung.Buddhism has become one of the main dialog partners for different psychotherapeutic approaches within the last years. Seen as a psychological system, it can offer structural elements which are compatible with psychotherapeutic theory and practice. A main concept in Mahāyāna-Buddhism and postmodern psychoanalysis is intersubjectivity. In relational psychoanalysis, the individual is seen in a matrix of relationships which turn out to be the central power in her/his psychological development. By realizing why one has become the present individual, and how the personal development is connected with relationships, the freedom to choose and create a life which is more independent from inner restrictions should be strengthened. In Mahāyāna-Buddhism, intersubjectivity is a result of an understanding of all phenomena as being in interdependent connection. Human beings are a collection of different phenomena and in constant interchange with everything else. Personal happiness and freedom from suffering depends on how this interchange can be realized in experience. The article focuses on the philosophic-psychological fundaments in both approaches and emphasizes clarification of what the term ‘intersubjectivity\u27 exactly refers to. This clarification is essential as well for the current dialogs in which it is often missing or vague, as further perspectives in this interdisciplinary field
Reconstructing female experiences of pain during sexual intercourse. A feminist cultural psychological approach to a so called sexual disorder
Frauen, die den Geschlechtsverkehr immer wieder schmerzhaft erleben, stehen in der Regel ratlosen ÄrztInnen gegenüber und müssen lange Behandlungskarrieren hinter sich bringen, bis sie – wenn überhaupt – qualifizierte Hilfe erhalten. Auch als Gegenstand wissenschaftlichen Interesses gibt dieses als »Sexualstörung« verstandene Phänomen nach wie vor Rätsel auf. In den einschlägigen medizinisch-psychologischen Diskursen wird hierfür meist reflexartig die mangelnde methodisch kontrollierte Erforschung dieser »weiblichen Sexualstörung« verantwortlich gemacht. Aus feministisch-kulturpsychologischer Perspektive gilt es jedoch auch die Verfasstheit des vorherrschenden wissenschaftlichen Blicks auf weibliche Erfahrungen wiederkehrender Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zu problematisieren. Wie eine Rekonstruktion der gegenwärtigen Forschungsbemühungen, die explizit auf einen »multidimensionalen« Ansatz zielen, zeigt, reproduzieren diese erneut jene Dilemmata, aus denen sie sich erklärtermaßen lösen möchten. Darüber hinaus sind sie auch in Hinblick auf ihre androzentrische und ahistorisch-objektivistische Grundhaltung kritisch zu hinterfragen. Ausgehend von dieser methodologischen Kritik wird eine feministisch-kulturpsychologisch informierte, rekonstruktive Herangehensweise vorgeschlagen und anhand der Analyse einer Gruppendiskussion aus einem aktuellen Forschungsprojekt zum Thema exemplifiziert.Women who experience recurring pain during sexual intercourse usually face helpless medical practitioners and inappropriate medical care until they are finally – if ever – helped in an adequate way. Even scientific research dedicated to this alleged »sexual disorder« still faces a conundrum. Looking for an explanation, medical and psychological studies usually recite the lack of methodically controlled research on this »female sexual disorder« like a mantra. From a feminist cultural psychological point of view, however, it is also necessary to problematise the predominant scientific gaze on the female experience of pain during sexual intercourse. A critical analysis of current research, which explicitly aims at a »multidimensional« approach, shows that most studies reproduce the very dilemmas they want to overcome. Moreover, these studies have to be challenged in regard to their androcentric, ahistorical, and objectivistic bias. Starting from this methodological critique we propose a feminist cultural psychological, reconstructive approach and exemplify it with an analysis of a group discussion taken from a current research project
Professionalization of Counseling – Questions and Theses
Die Bedeutung von Beratung als zentrale Kommunikationsform der reflexiv modernen Gesellschaft wächst, einige Anzeichen einer schon fortgeschrittenen Professionalisierung lassen sich ausmachen, doch es zeigen sich auch einige Problematiken und Lücken, die eine konsequente sinnvolle Professionalisierung erschweren. Nach einer Übersicht über den Stand der Professionalisierung werden in diesem Beitrag die als besonders problematisch eingeschätzte sich abzeichnende Zersplitterung in verschiedene Beratungsprofessionen sowie die Frage der Wissensgenerierung (Wissenschaft) in und für Beratung kritisch mit Lösungsperspektiven thematisiert.The importance of counseling as a central kind of communication in the reflective modern society is increasing, some indications of an advanced professionalization can be identified, but some problems and lacks can be seen, too, which make further professionalization difficult. After an overview over the status of professionalization the as problematic estimated emerging fragmentation in different counseling professions and the problem of generating knowledge in and for counseling are mentioned and ideas of solving the problems are outlined
Experimental Religion – Transpersonal Psychology as “science of religions” sensu William James
Transpersonale Psychologie wird unter dem Aspekt der Philosophie von William James, eines ihrer historischen Vorläufer, theoretisch rekonstruiert und mit ihrem realen Auftreten verglichen. Dabei zeigt sich das wesentliche Kennzeichen transpersonaler im Unterschied zur Mainstream-Religionspsychologie in einer Vorannahme und Setzung von Transzendenz als Forschungsaxiom. Das Verhältnis zwischen beiden Forschungstraditionen wird mit dem zwischen Kritischer und Mainstream-Psychologie in Analogie gesetzt.Transpersonal Psychology is reconstructed theoretically under aspects of William James\u27 philosophy, one of its historic precursors, and is described in terms of its real appearance. Thereby the essential characteristic of transpersonal in relation to mainstream psychology of religion can be shown as premise of transcendence as a research axiom. The relation between both research traditions can be seen in analogy to critical psychology’s relation to the mainstream
Dialogue and body history. Dialogical perspectives on „disability“
Der vorliegende Aufsatz fragt nach der Dialogizität des Körpers. Im Speziellen wird der Nutzen einer dialogischen Perspektive für die disability studies ausgelotet. Innerhalb der Psychologie wurden dialogische Theorien vor allem im Rahmen des dialogischen Selbst rezipiert. Die Theorie des dialogischen Selbst verfügt allerdings über eine unzureichende Konzeptualisierung leiblicher Existenz. Dagegen bieten Michail Bachtins historische Analysen des mittelalterlichen »grotesken Leibs« eine vielversprechende Perspektive auf die gegenseitige Verschränktheit von Dialog und Körper, da der »groteske Leib« ein fundamental dialogischer Leib ist. Die westliche Geschichte des Körpers ist laut Bachtin eine Geschichte der zunehmenden Monologisierung und »Schließung« des Körpers und kann auch als Geschichte des »monströsen Körpers« erzählt werden. Mit Rückgriff auf gegenwärtige (feministische) disability studies geht der Aufsatz schließlich der Frage nach, was eine dialogische Perspektive für Menschen, deren Körper nicht den dominanten monologischen Körpernormen entsprechen, leisten kann. Als Antwortmöglichkeit wird die durch Dialogdenken geleistete Verschränkung eines ethischen Standpunkts mit einer theoretischen Demontierung einer ontologischen Differenz zwischen Menschen mit »gewöhnlichen« und »außergewöhnlichen Körpern« ins Treffen geführt.The paper inquires the dialogicality of the body. In particular, it explores the value of a dialogical perspective for disability studies. Within psychology, dialogical perspectives have received much attention in the field of so-called dialogical self studies. Dialogical self theory, however, lacks a coherent conceptualization of human embodied existence. Mikhail Bakhtin’s body-historical analysis of the medieval »grotesque body« provides a more fruitful starting point for the interrelation of body and dialogue for the »grotesque body« is a fundamentally dialogical body. According to Bachtin, Western modernity also a history of increasing monologization and »closure« of the body. This history can be told as a history of the »monstrous body.« By engaging with (feminist) disability studies, the paper finally explores the contemporary value of a dialogical perspective for people whose bodies do not comply with dominant monological norms of the body. It is proposed that the promise of a dialogical perspective lies in the combination of an ethical stance with the deconstruction of ontological differences between people with »ordinary« and people with »extraordinary bodies.