Journal für Psychoanalyse (Psychoanalytisches Seminar Zürich - PSZ)
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Für oder wider die Struktur oder die Illusion der Abstinenz auf dem Weg zu einer gruppenanalytischen bzw. psychoanalytischen Identität
Gäbe es das Seminar für Gruppenanalyse Zürich (SGAZ) ohne das PSZ? Die Frage ist müssig, aber sicher ist, dass das SGAZ, so wie es sich heute präsentiert, ohne das PSZ nicht denkbar ist. Zwar bietet es einen curricularen Ausbildungsgang mit Abschluss an, verfügt als Verein über entsprechende Strukturen mit Statuten, Dinge also, die dem Grundgedanken des PSZ widersprechen, und trotzdem sind die Ähnlichkeiten unübersehbar. Das liegt aber nicht nur daran, dass das SGAZ trotz seiner Strukturen basisdemokratisch organisiert ist. Meine Überlegungen gehen dahin, dass sich der gemeinsam geteilte Hintergrund der Psychoanalyse bestimmend auf die Institutionsdynamik auswirkt und mit der Etablierung der beruflichen Identität eines jeden Einzelnen verbunden ist. An strukturellen Debatten wird nicht nur Organisationales abgehandelt, sondern es geht immer auch um die Entwicklung einer gruppenanalytischen bzw. psychoanalytischen Identität. Dieser Thematik werde ich im Folgenden nachgehen und aufzeigen, dass psychoanalytische Organisationen – und dazu zählt auch die Gruppenanalyse – die organisationale und die individualpsychologische Ebene ständig vermischen müssen, weil die Etablierung einer beruflichen Identität über den Ablösungsprozess von den Vorbildern verläuft. Lehnt die Organisation eine Hierarchisierung ab, so verläuft die Ablösung über informelle Strukturen, die sich durch die verschiedenen Generationen zwangsläufig etablieren. Um diese Vermischung deutlich zu machen, muss der Begriff der Abstinenz in die Auseinandersetzung miteinbezogen werden. Ich plädiere für die Schaffung eines Raumes, in dem kontinuierlich an dieser Thematik gearbeitet werden kann. Die Institutionsgrossgruppe ermöglicht dann nicht nur eine organisatorische Selbstreflexion, die zur Organisationsentwicklung beiträgt, sondern fördert auch die Identitätsbildung der Einzelnen
Im Spiegel der Sprache (Buchbesprechung von Peter Widmer: Metamorphosen des Signifikanten. Zur Bedeutung des Körperbildes für die Realität des Subjekts)
Buchbesprechun
Die Zeit der Macheten – ethnopsychoanalytische Annäherungen an fünfzig Jahre Genozid im Zwischenseengebiet Zentral-Ostafrikas (Rwanda, Burundi)
Ausgehend von einer kritischen Diskussion des viel beachteten Beitrags Jean Hatzfelds (2004) zu den Opfern und Tätern des letzten großen Genozids in Rwanda versucht der Autor, die betont biographisch orientierte Arbeitsweise der Psychoanalyse in die dazu passenden gesellschaftlichen Zusammenhänge zu transponieren und die Bildung der Genozidkonfiguration im Zwischenseengebiet mit dem Verlauf von vier verschiedenen Interpretationsebenen zu verknüpfen. Erstens geht es um die Bewertung alltäglicher Vorkommnisse, die in Zeiten politischer Krisen in gleichsam kaskadenhafte Ereignisketten münden, zweitens um die Bewertung zahlreicher ethnischer Mythenbildungen und Gleichzeitigkeiten, die auf eine sehr reichhaltige gesellschaftliche Produktion von Unbewusstheit schließen lassen, drittens um die sehr schwierige Übertragungssituation und viertens schließlich um die Geschichte der politischen Herrschaftssicherung und deren Verschränkung mit kulturellen und sozialen Strukturkonflikten. Dem verbreiteten Versuch, den Genozid Rwandas mit der Shoa in Verbindung zu bringen, hält der Autor die Bedeutung einer kontextbezogenen, ethnopsychoanalytischen Betrachtung entgegen, die erst einen Dialog auf gleicher Augenhöhe ermöglicht
THEORIE der/und/oder TECHNIK – Zutreffendes bitte streichen
Eine kurze Kritik der Morgenthalerschen Dialektik als psychoanalytischer Erkenntnisform Widersprüche im Denken und Widersprüche im Objekt sind letztlich nicht voneinander zu trennen. (Laplanche: Leben und Tod in der Psychoanalyse)Zusammenfassung:Fritz Morgenthalers Konzept eines Primats der Technik vor der Metapsychologie wird in ihren Implikationen dargestellt und als eine »Entdifferenzierung« der psychoanalytischen Theorie kritisiert: Morgenthalers Technik-Verständnis läuft Gefahr eine vermeintliche »Orthodoxie« durch eine »Orthopraxis« zu ersetzen
Die Idee der Plombe. Anmerkungen zu Fritz Morgenthalers Perversions-Theorie
Kein Abstract vorhanden
Zur Rolle »okkulter« Wahrnehmungen bei der Generierung von Trauminhalten und ihrer Deutungen
Die psychoanalytisch orientierte experimentelle Traumfor-schung hat nachweisen können, dass Inhalte von Träumen von subliminal und telepathisch vermittelten Informationen mitgestaltet werden. Das betrifft auch das Deutungsgeschehen. Strukturelle Voraussetzung für solche wechselseitigen Einflussnahmen sind so genannte okkulte Zustände, die einen von seinem Wesen her primär-narzisstischen Wahrnehmungsmodus der Beteiligten aktivieren. Morgenthalers Behauptung, dass latente Traumgehalte allein aus manifesten »nackten« Traumerzählungen erschlossen werden können, lässt sich stützen, wenn man unterstellt, dass das Latente »subliminal« immer auch mitvermittelt und von Traumgruppen dann assoziativ erschlossen werden kann
»Handhabung« oder »Analyse« der Übertragung? Zur Differenz von Technik und Methode der psychoanalytischen Behandlung
Unter den Aspekten »Handhabung« und »Analyse« der Übertragung wird die Spannung dargestellt, die zwischen dem Technik-Begriff einerseits und der speziellen Dialektik des methodisch geleiteten psychoanalytischen Vorgehens andererseits besteht. Diese Spannung kehrt im Phänomen und im Begriff der Übertragung wieder und lässt sich an den genannten Aspekten, dem »Handhaben« und dem »Analysieren« der Übertragung darstellen. Betrachtet man die veränderte Konzeptualisierung psychoanalytischer Therapie historisch, so können zwei Positionen gegenüber gestellt werden: auf der einen Seite eine Art standardisierte Technik, die in kritischer Zuspitzung empiriefern-idealistisch genannt werden, auf der anderen Seite eine empirienahe-realistische Technik, die an der Übertragung zusätzlich zum Einfluss des Patienten auch den des Psychoanalytikers systematisch berücksichtigt. Die idealistische Position verwischt den wichtigen Unterschied von Technik und Methode, und damit auch die dialektische Spannung, aus der heraus ein Behandlungsverlauf in einen Prozess übergehen kann. Die realistische Position ist bereit, sich schon während der Behandlung durch die Empirie korrigieren zu lassen. Gegenwärtig stützen neue Erkenntnisse über Affektentwicklung, Bindung und Symbolisierung die Auffassung, weniger idealisierend vom »Analysieren« zu sprechen, sondern mehr vom gegenseitigen »Handhaben« bzw. »Behandeln« und »Behandeltwerden«. Mehr noch als zu Morgenthalers Zeit sind heute Inszenierungen (enactments) mit ihrem charakteristischen Übergangscharakter zwischen Denken, Fühlen und Handeln ins Zentrum unseres Interessens gerückt
Zur Übertragung in der Ethnopsychoanalyse: Von »Der schwarze Widerspruch« zum Initiationsritual als Plombe
Reisen in fremde Kulturen haben Fritz Morgenthalers Auseinandersetzung mir der Psychoanalyse skandiert. Es wird im folgenden zu zeigen versucht, dass seine Übertragungsdynamik im Feld des Fremden Bilder und Stichworte zu Tage gefördert hat, die ihn von einer starren Auslegung psychoanalytischer Konzepte entlastet haben. Die ethnopsychanalytische Arbeit ermöglichte ihm Beweglichkeit, indem er das Eigene, die eigenen Konfliktneigungen, in die Begegnung mit dem Fremden hineintrug. Die Autorin nimmt an, dass Morgenthalers Betonung der Differenz zu den Bedingungen für seinen Erkenntnisgewinn gehört, ebenso wie seine unausgesprochene Annahme eines »Unbewussten«, das seiner Vorstellung des »Sexuellen« insofern ähnlich ist, als er es in einer Idealität von Freiheit von Kultur den
Sex und Theorie. Ein kritischer Vergleich der Sexualitätskonzepte von F. Morgenthaler und J. Laplanche
Die Sexualitätskonzepte von Morgenthaler und Laplanche werden verglichen. Sie sind sich darin ähnlich, dass sowohl Morgenthaler wie Laplanche den Versuch machen, dem irritierendsten Aspekt der menschlichen Sexualität, nämlich ihrer nicht naturhaften, sondern kulturell bedingten, fundamentalen Konflikthaftigkeit, einen Ort zuzuweisen. Während Morgenthaler diese v.a. auf Kosten der spezifischen Bedingtheiten unserer gesellschaftlichen Organisationsform setzt, findet Laplanche in seinem Konzept der Urverführung eine von speziellen gesellschaftlichen Strukturen unabhängige anthropologische Grundsituation, die ubiquitär ist und die durch die Asymmetrie zwischen der kindlichen und der erwachsenen Psyche charakterisiert ist. Morgenthalers Modell bedient sich v.a. der statischen Begrifflichkeit der ichpsychologischen Instanzenlehre, Laplanche arbeitet dagegen mit einem dynamischen, interpersonellen Modell des Unbewussten, das er in seiner allgemeinen Verführungstheorie entwickelt hat