Journal für Psychoanalyse (Psychoanalytisches Seminar Zürich - PSZ)
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Psychoanalyse und Setting
Im Zusammenhang mit den aktuellen Diskussionen und den daraus folgenden Entscheidungen für die Weiterbildung zu PsychotherapeutInnen am PSZ, ist es das Anliegen der Autorin darzulegen, dass die Settingdichte in der psychoanalytischen Arbeit spezifische Folgen für die PatientInnen und AnalytikerInnen/PsychotherapeutInnen hat. Sie plädiert für die Wahrnehmung der Unterschiede zwischen hochfrequenten und niederfrequenten Arbeitsbedingungen, zeigt jedoch auf, dass sich daraus keine Unterschiede bezüglich der psychoanalytischen Selbsterfahrung als Basis für psychotherapeutische Arbeit folgern lassen
Ein Purist auf Abwegen
Das irreführende Freudsche Diktum vom reinen Gold der Psychoanalyse und den Legierungen der Psychotherapie hat die Psychoanalytiker immer wieder dazu bewogen, angestrengt die von ihnen idealisierte Psychoanalyse rein zu erhalten. Als Folge davon mussten diejenigen, die die Analyse in der Theorie und Praxis mit der Psychotherapie vermischt haben, sich den puristischen Vorwurf der Verwässerung bzw. Befleckung der reinen Lehre gefallen lassen. Dies ist widersinnig, denn Psychoanalyse und Therapie sind in weiten Bereichen annähernd identisch. Eben deshalb aber ist es notwendig, die tatsächlich vorhandenen, relevanten Unterschiede zu sehen, ernst zu nehmen und die richtigen Konsequenzen aus ihnen für Praxis und Lehre zu ziehen. Mit der Feststellung, es handle sich bei dieser Unterscheidung um eine falsche Alternative,drückt man sich lediglich um eine Stellungnahme. Es geht nicht darum, Unterscheidungskriterien zu definieren, wie das die IPA versucht. So etwas läuft nur darauf hinaus, durch willkürliche Herstellung von Differenzen zwei Dinge auseinanderzudividieren und künstlich die Lehre rein zu halten. Es kommt im Gegenteil darauf an, schlicht und einfach, die bestehenden Unterschiede zu sehen, also Differenzen anzuerkennen, nicht solche herzustellen. Die Anerkennung solcher Differenzen erlaubt uns, das, was wir im jeweiligen Falle tun, genauer zu situieren und gibt uns selbst und unseren Patienten die Möglichkeit zu entscheiden, in welcher Richtung die Prozesse, die wir miteinander unternehmen, gehen sollen: mehr Richtung Psychotherapie oder Richtung Psychoanalyse
Josi Rom: Identitätsgrenzen des Ich. Einblicke in innere Welten schizophrenie- und borderlinekranker Menschen
Buchbesprechun
Das Verenden einer Institution
Institutionen können ihre sozialen Funktionen überdauern und anachron werden, wenn sich ihre Machtstrukturen verselbständigt haben. Dann übernehmen häufig diejenigen, welche die ursprüngliche Institution bekämpft haben, die anfangs in Frage gestellten Strukturen und Werte. «Das Überziehen der alten Institution in die neue, und zwar so, dass die neue Institution immer mehr in den Sog der alten, nicht endenden gerät, nenne ich das Verenden einer Institution» (Mario Erdheim). Psychoanalytisch betrachtet macht diese Form der «Desinstitutionalisierung» die weiterhin auf die Institution bezogenen Individuen melancholisch. Sie geht mit einer zunehmenden Ritualisierung einher, die den Schein von Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufrecht erhält. Innerhalb dieses theoretischen Rahmens untersucht der Autor die Geschichte der Institutionalisierung der Psychoanalyse seit ihren Anfängen und warnt die Teilnehmer der internationalen Vernetzungsbewegung vor möglichen Wiederholungen. Die Phantasie, die Psychoanalyse müsse durch eine Elite vor dem Untergang gerettet werden, war regelmässig Anlass zu opportunistischen Taktiken aller Art – bis hin zur «Auslieferung der Psychoana-lyse an das Göring-Institut». Was die Psychoanalyse hingegen zu einer linken macht, ist ihre aus dem psychoanalytischen Prozess heraus entstammende Kulturkritik, die es gegen die auf Unbewusstheit beruhende Integration in den gesellschaftlichen Machtapparat zu behaupten gilt
30 Jahre Psychoanalytisches Seminar Zürich: Institutionalisierung/Des-Institutionalisierung?
Interview mit Sylvia von Arx (SvA), Olaf Knellessen (OK), Monika Leuzinger (ML), Peter Passett (PP
Die Psychologie der Schweizer
Nach dem Austritt der Jungianer aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) 1914 hatte Freud in der vormals so wichtigen Provinz Schweiz keine organisierte Gefolgschaft mehr. Erst nach dem 1. Weltkrieg gab es wieder eine Schweizer Ortsgruppe. Bei der Lektüre der Briefwechsel Freuds, der Rundbriefe des «Geheimen Komitees» und dem Studium der Geschichte der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse (SGP) zeigen sich Konstanten, die das Verhältnis der Schweizer zur Freud’schen Internationalen auszeichnen. Immer wieder verweigern sich voll ausgebildete Analytiker dem nationalen (SGP) und internationalen Verband (IPV). Und diejenigen, die mitmachten, offenbarten eine partikularistische Schlagseite, die Freud verbatim als «Kantönligeist» bezeichnete. Sie widersetzten sich Kongresstraditionen, was Kongresse platzen liess, hielten sich nicht an die üblichen Ausbildungsrichtlinien – machten immer alles etwas anders als die Andern. Innerschweizerisch war die Einheit der Freudianer immer wieder vom Partikularismus der Ärzte bedroht. Die Schweizer waren deshalb lange die enfants terribles in der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Das letzte Drama in der bald 100-jährigen Geschichte war eine Spaltung, die niemand wollte
«Was lange währt …» – Rückkehr als Heimsuchung. Zum neuen Weiterbildungskonzept am Psychoanalytischen Seminar Zürich
Seit der 1977 erfolgten Trennung von der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa) befasst sich das Psychoanalytische Seminar Zürich (PSZ) obsessiv und ununterbrochen mit Fragen von Institutionalisierung und Ausbildung. Diese Arbeit zeigt, dass dies als Wiederholungszwang in Folge des Traumas, welches die Aussperrung der «non-konformen» KandidatInnen durch die SGPsa bedeutete, gedeutet werden kann. An diesem Trauma arbeiten sich seither alle PSZ-Generationen ab. Noch das im April 2007 von der TeilnehmerInnen-Versammlung des PSZ abgesegnete Weiterbildungskonzept steht mit seinem nur als Symptom zu verstehenden Abschlusskolloquium ebenfalls in dieser Tradition