Journal für Psychoanalyse (Psychoanalytisches Seminar Zürich - PSZ)
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Mediale Verkehrsformen: Eine Email-Korrespondenz
Unter dem Stichwort «Übertragung» untersucht die Psychoanalyse Bildungen und Produktionen des Subjekts unter dem Aspekt des Verkehrs, nicht zuletzt des sexuellen Verkehrs. Doch gerade dort, wo es um immer noch verfeinertere, technische Übertragungen geht, bei denen sexuelle Wünsche und Phantasien keine geringe Rolle spielen, erklärt sie sich für unzuständig. Die Neuen Medien erscheinen ihr – wie auch die Neuen Sexualitäten – als Bedrohung nicht nur der Psychoanalyse und ihrer Couch, sondern auch des Subjekts, als gespaltenem, schlechthin. In ihrer Email-Korrespondenz gehen Jan van Loh und Olaf Knellessen der Frage nach, inwieweit eine solche Spaltung von Psychoanalyse und Neuen Medien nötig und angemessen ist und ob eine Überwindung möglich erscheint
Das gespaltene Subjekt: Von der Globalisierung zur Identitätsdiffusion
Anhand von kurzen Fallgeschichten und der eigenen Betroffenheit des Autors wird versucht, den abstrakten Begriff der Globalisierung menschlich nachfühlbar zu konkretisieren. Dabei ergibt sich das Problem von doppelten oder gespaltenen Identitäten. Dem Erikson’schen Diskurs folgend erweist sich im Einzelfall, dass eine gesunde synthetische Fähigkeit des Ichs vor dem Abgleiten in die Identitätsdiffusion schützt. Sozialpsychologisch gewendet wird die These vertreten, dass es in einer globalisierten Welt keine einfache national und kulturell abgestützte Identität mehr geben kann. Das durch die neuen Informationstechnologien geschaffene Wissen um die jeweils anderen Welten führt in Richtung einer planetären Identität, die je nach Ich-Stärke mehr oder weniger fragmentiert ist
Psychoanalyse, flüchtige Moderne und die Aufgabe des Selbst
Der Beitrag geht der These nach, dass die veränderten Lebensbedingungen in der Spätmoderne bestimmte bislang bewährte Prädikate des personalen Selbst, wie Kohärenz oder Kontinuität, fraglich werden lassen. Gestützt auf die Kritik der Subjektphilosophie und die Kritik des Individuozentrismus der «westlichen» Psychologie des Selbst werden zunächst jene Positionen beleuchtet, die eine Auflösung des einheitlichen Selbst postulieren. Es wird argumentiert, dass diese Positionen in ihren Interpretationen der spätmodernen Lebensverhältnisse unnötig weit gehen. In der Folge werden daher Vorschläge der intersubjektiven Psychoanalyse vergleichend daraufhin gelesen, inwiefern sie das geeignete begriffliche Instrumentarium aufweisen, um das Selbst im Sinne einer reflexiven Moderne als sozial konstituiert, differenzoffen und intern vielfältig zu begreifen, ohne den Standard des selbstbestimmten (kritischen) Subjekts gänzlich aufzugeben. Zuletzt wird angedeutet, wo die spezifischen Stärken psychoanalytischer Konzeptualisierungen des aus Intersubjektivität emergierenden, «transitorischen» Selbst liegen (könnten): in der Funktion als «Biografiegenerator», in der entwicklungspsychologischen Perspektive, im Pendeln zwischen Theorie und Behandlungssituation sowie in der Bereitschaft zur Relativierung des psychoanalytischen Wissens
Kulturschock und Geschwisterkomplex
Der folgende Artikel basiert auf einer kürzlich publizierten Forschungsmonografie (Bally, 2013), in welcher die Autorin in einem selbstreflexiven Forschungsprozess unter anderem der Frage nachgeht, welche Zusammenhänge sich zwischen der Geschwisterdynamik in der Herkunftsfamilie von indonesischen Migrantinnen und dem Auf-bauen neuer Lateralbeziehungen in der Schweiz erkennen lassen. Das Forschungsmaterial wird in dieser Monografie aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen interpretiert (Sozialanthropologie, Psychoanalyse, Geschlechterforschung) und mit der Forschung zum malaiischen Verwandtschaftssystem verknüpft. Dort lassen sich vielfache Hinweise auf die zentrale Bedeutung von Geschwisterpaaren oder -gruppen für soziale und Verwandtschaftssysteme sowie für rituelle und Alltagspraktiken finden. Anhand von ausgewählten Migrationsschicksalen wird exemplarisch eine Frage von allgemeinerer Bedeutung erforscht: diejenige nach der inneren Repräsentation der Position oder Stellung des Subjekts in der sozialen Welt. Diese innere Repräsentation ist wesentlich durch die Geschwistererfahrung und den Geschwisterkomplex strukturiert. Im vorliegenden Artikel wird ausschnittweise in diese «laterale» Perspektive eingeführt
Ideologie der Sesshaftigkeit und Mobilität
Es stellt sich die Frage, wie unsere Psyche mit einer sich zunehmend dynamisierenden Umwelt interagiert. Ich umkreise den Begriff «Mobilität» aus mentalitätsgeschichtlichen, ethnologischen und psychoanalytischen Perspektiven, um zu zeigen, dass sowohl Alltags- wie Wissenschaftskonzepte unsere Einstellung dem Phänomen gegenüber beeinflussen. Ich stelle die Annahme, dass sich die Psyche einerseits in linearen Entwicklungsprozessen bilde und andererseits durch die Realität zur Anpassung genötigt werde, in Frage, weil ich denke, dass dadurch die Wahrnehmung eines psychischen Funktionierens blockiert wird, das an einer nichtlinearen und kontinuierlichen Schaffung von neuen bewussten und unbewussten psychischen Elementen beteiligt ist. Ich vertrete den Ansatz eines relationalen, wechselseitigen Zueinandersetzens von äusseren und inneren Kräften und möchte dies in Absetzung zu dem zeigen, was ich «Ideologie der Sesshaftigkeit» nenne. Im «?Essay sur les variations saisonnières des sociétés eskimo?» von Marcel Mauss und dem Konzept der Oszillation von P-S<->D von Wilfried Bion finde ich Beschreibungen von sozialen und psychischen Funktionsweisen, die mein Anliegen erhellen. Miteinander in Beziehung gesetzt, fordern sie hergebrachte Definitionen von Unbewusstem und Empirie heraus. Ebenso kommen gängige Abgrenzungen von Individuum und Gesellschaft in Bewegung, wenn – wie angenommen – fortdauernde psychische Funktionsweisen es ermöglichen, sowohl subjektiven wie sozialen Empfindungen ständig neuen Sinn zu geben
Gründung des Dachverbandes Deutschsprachiger PsychosenPsychotherapie (DDPP)
Kein Abstract vorhanden