HannahArendt.net (E-Journal)
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Der Ort politischen Urteilsvermögens – Arendt, Jaspers und der "Raum der humanitas"
Dass Arendt der Tätigkeit des Handelns die Öffentlichkeit als den ihr entsprechenden Ort zuschreibt, ist hinlänglich bekannt. Der Beitrag geht der Frage nach, ob auch dem Urteilen ein spezifischer Raum zugesprochen werden kann und was diesen ausmacht. Beantwortet wird diese Frage mit Verweis auf einen ‚Ort‘, den Arendt in der Beschreibung ihres Freundes und Lehrers Karl Jaspers vorstellt: der ‚Raum der humanitas‘. Hier realisiert sich auf geistiger Ebene der Anspruch der Pluralität und Intersubjektivität des Arendtschen Denkens, was hinsichtlich des Begriffs der Menschlichkeit und der Praxis des Urteilens in diesem Raum aufgeschlüsselt wird. Unter Einbeziehung einiger Überlegungen von Jaspers zu Arendts ‚Ort unabhängigen Denkens‘ mündet der Beitrag in der These, dass es der ‚Raum der humanitas‘ ist, in dem auch Arendts eigenes Denken und Urteilen statthat
Hannah Arendts Charakterisierung des Verstehens in „Understanding and Politics“ im Vergleich mit dem Manuskript „On the Nature of Totalitarianism: An Essay in Understanding
Der Essay „Understanding and Politics“ verdeutlicht in verdichteter Form das Verstehensproblem, von dem aus Hannah Arendts Denken und Schreiben seinen Ausgang nahm: dem Verstehen der historischen Wirklichkeit des Totalitarismus. In seiner Ausgestaltung zeugt der Text von den Schwierigkeiten, die sich der Autorin in ihrem Anliegen stellten: Er wirkt mitunter unzusammenhängend und vage, seine Thesen werden weder begründet noch problematisiert, sodass es schwer fällt, dem im Essay entwickelten Gedankengang zu folgen. Gleichzeitig sticht die komplexe Komposition und poetische Sprache des Essays hervor.Um dem inneren Zusammenhang des „seltsam diffusen Produkts“ (Ursula Ludz) näher auf die Spur zu kommen, wird „Understanding and Politics“ (UP) in dieser Arbeit mit dem vorher entstandenen Manuskript „On the Nature of Totalitarianism: An Essay in Understanding“ (ONT) verglichen. Beide Texte entstanden in der Zeit unmittelbar nach der Veröffentlichung von The Origins of Totalitarianism und zeigen an, dass Arendt sich weiterhin intensiv mit dem Thema des Buches beschäftigte. Auch in den Vorbemerkungen des Manuskripts, in denen bereits etliche Textpassagen des Essays in veränderter Abfolge enthalten sind, geht es Arendt im Wesentlichen um das Verstehensproblem hinsichtlich des Phänomens des Totalitarismus. Allerdings unterscheidet sich ihre Darstellung des Verstehens im Manuskript sowohl inhaltlich als auch formal von der im später entstandenen Essay. Das Ziel der Arbeit besteht darin, Gründe dafür aufzuzeigen, warum Arendt ihre Darstellung des Verstehens in UP der in ONT letztlich vorzog. Auf diesem Weg soll eine kohärente Interpretation der Komposition des Essays „Understanding and Politics“ erarbeitet werden.Zugrunde gelegt wird hierbei die Annahme, dass Arendt in beiden Texten unterschiedliche Absichten verfolgt: Während sie in ONT auf ein politiktheoretisches Verständnis des Wesens des Totalitarismus hinarbeitet, wofür ihre Ausführungen zum Verstehen nur Vorbemerkungen darstellen, werden diese in UP zum zentralen Thema erhoben. In der Veröffentlichung geht es Arendt im Wesentlichen darum, die grundlegende Bedeutung des Verstehens für das menschliche Leben herauszustellen. Durch die wohldurchdachte Neuanordnung der Textteile wird darüberhinaus eine eindrucksvolle Wirkung des Textes erreicht
Dichtung und Wahrheit- Anne Bertheau: „Das Mädchen aus der Fremde“: Hannah Arendt und die Dichtung. Rezeption – Reflexion – Produktion
Besprechun
Herausforderungen der Pluralität: Hannah Arendts politische Urteilskraft als ein Mittel zur Verbesserung des öffentlichen Diskurses um Migration
Hannah Arendts politische Philosophie wurde durch ihre eigene Erfahrung von Flucht und Vertreibung beeinflusst, die sich in mehreren Texten verdeutlicht und Arendt auch für gegenwärtige Herausforderungen der Migrations-Debatte aktuell macht. Ausgehend von ihrem Begriff der Pluralität schlage ich vor, Hannah Arendts Konzept des politischen Urteilens innerhalb dieses Problemfeldes praktisch umzusetzen. Sie selbst bietet dafür eine Art Anleitung, indem sie ihre Essays als ‚Übungen im politischen Denken‘ darstellt. Ich beziehe mich dabei auf eine der zahlreichen Herausforderungen, vor denen uns die Pluralität der Welt stellt: Die Gestaltungsmöglichkeiten des menschlichen Zusammenlebens in einer sich von Migration verändernden Gemeinschaft. Nicht nur ist diese Problematik besonders geeignet, um die Gewichtigkeit Arendts Konzeptes der Pluralität zu verdeutlichen, sondern sie entspricht auch durch ihre existenzielle Dringlichkeit und politische Brisanz dem arendtschen Anspruch, die Sorge um die gemeinsame Welt in den Vordergrund zu stellen
Die Verstetigung des pluralen Moments im Föderalismus
Hannah Arendts Idee von Pluralität ist untrennbar mit ihrem Verständnis freiheitlichen Handelns verbunden und berührt daher den Kern ihres politischen Denkens. Pluralität als Ausdruck für Interaktion und Ergebnisoffenheit markiert somit den Anspruch, den Arendt an eine gelingende Ausformung freiheitlich fundierter Gemeinschaften stellt. Mit dieser Perspektive kann nicht nur Arendts Kritik am nationalstaatlichen Modell, sondern auch eine alternative Facette aufgezeigt werden: Die Idee des Föderalismus und dessen Fähigkeit, den aus Pluralität hervorgehenden Anforderungen an eine permeable Gesellschaftsordnung standzuhalten
In What Way Are Human Rights Abstract? Or how to turn exceptions into examples
This paper looks at judgement deficits in the interpretation of human rights and how they can be rectified. Arendt's famous critique of human rights in her book on totalitarianism explains the failure of human rights with their 'abstractness'.In her late text fragment Das Urteilen (Lectures on Kant’s Political Philosophy), she developed three aspects of being human, whereby the category ‘earthbound creatures' (‘Erdenbewohner’) is the only one that conceives of humans as concrete and plural living beings. In my view this category should guide the interpretation of human rights and avert the dangers of abstraction and rule rigidity in two corrective steps:In her book On Revolution Arendt interprets the Aristotelian phronesis as having a 'sense of the world' (Weltsinn). In a first step, phronesis functions as a corrective in the application of rules in law and in everyday practice. Reflective judgement from Kant's Critique of Judgment comes into play in the second step: it corrects Arendt's determinant judgement retrospectively with the three maxims of common sense. From examples it can also draft new rules for new and marginalized forms of life and thus reduce people’s stigmatization as 'exceptions' and as 'superfluous' humanity
Between Future and Past: An Exercise in Political Ecology
This paper on Arendt and the Anthropocene was presented at the conference, “Post-Truth and Politics,” hosted and organized by the Berlin ICI Institute for Cultural Inquiry in collaboration with the Hannah Arendt Center at Bard College and Bard College Berlin on April 29, 2017. The conference departed from Arendt’s 1967 essay, “Truth and Politics,” which responded to historical exigencies that seem, some fifty years later, to resonate with those presented by the advent of the so-called “post-truth society.
A book never written. The roots of the Arendt-controversy, 1963-1967
The roots of the Arendt-controversy, 1963-196
Interview von Olga Amann mit Hannah Arendt (September 1960)
Aus dem unveröffentlichten Nachlas