Zeitschrift für Japanisches Recht (ZJapanR)
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Zur Reform des einstweiligen Rechtsschutzes im geistigen Eigentum Chinas
Der einstweilige Rechtsschutz des geistigen Eigentums, also insbesondere Anordnungen zur Unterlassung von Verletzungshandlungen, außerdem die Beweissicherung und die Sicherung von Vermögen, ist zwar im chinesischen Zivilprozessrecht wie auch in Spezialvorschriften umfassend geregelt, wird aber selten in Anspruch genommen. Der Beitrag beleuchtet neuere Entwicklungen in der Rechtsprechung, die auf einen erleichterten Zugang zu diesem Schutzinstrument hoffen lassen.On the reform of the Chinese system of provisional measures to protect intellectual propertyProvisional measures to protect intellectual property, in particular injunctions to cease infringement, but also evidence preservation orders and orders to secure or to freeze assets, are comprehensively regulated by civil procedure law and special provisions but rarely resorted to. This article illustrates new case law that gives reason to expect that access to this instrument of protection will be facilitated in the near future.
Mitteilung des Obersten Volksgerichts zur Bekanntmachung der zehnten Gruppe von anleitenden Fällen
ÜbersetzungTranslatio
Erläuterungen des Obersten Volksgerichts zu einigen Fragen der Rechtsanwendung bei der Behandlung von Streitfällen zur Haftung für Schäden bei ärztlicher Behandlung
Bekanntmachung des Obersten Volksgerichts
Die „Erläuterungen des Obersten Volksgerichts zu einigen Fragen der Rechtsanwendung bei der Behandlung von Streitfällen zur Haftung für Schäden bei ärztlicher Behandlung“ sind am 27. März 2017 auf der 1.713. Sitzung des Rechtsprechungsausschusses des Obersten Volksgerichts verabschiedet worden, werden nun bekannt bekanntgemacht und vom 14. Dezember 2017 an angewendet.
Oberstes Volksgericht 13.12.201
The New Chinese National Intelligence Law
Der Beitrag analysiert das am 28. Juni 2017 in Kraft getretene Nationale Nachrichtendienstegesetz der Volksrepublik China (NDG; 中华⼈民共和国国家情报法). Es ist der vorerst letzte Baustein in einer Reihe von Gesetzen, die das Fundament eines neugeordneten Staatssicherheitssystems bilden, um die Machtposition der kommunistischen Partei Chinas zu erhalten. Der Autor geht zunächst näher auf die Hintergründe des neuen Gesetzes ein, um anschließend die einzelnen Regelungen, insbesondere die Befugnisse der Sicherheitsbehörden und die Einbindung der Zivilbevölkerung und anderer Behörden bei der Informationsbeschaffung im Detail zu erläutern. Ein Schwerpunkt liegt auch auf den Rechtsfolgen bei Verstößen gegen die Regelungen des NDG. Abschließend wird auf die Gefahr einer vollumfänglichen Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung durch die chinesische Regierung hingewiesen.The article analyzes the National Intelligence Law of the People’s Republic of China (NIL; 中华⼈民共和国国家情报法) which came into effect on June 28, 2017. For the moment, the new law is the latest component in a series of laws forming the foundation of a new security system designed to maintain the powerful position of the Chinese Communist Party. The author first describes the background of the new law before explaining its regulations in detail, in particular the powers of the security authorities as well as the obligations of the civil population and other authorities to provide information. Another focus of the paper lies on the legal consequences resulting from violations of NIL regulations. Finally, the author points out the risk of the Chinese government establishing a full surveillance and control system over the Chinese society
Interpretation of the Supreme People’s Court on the handling of malpractice disputes
Mit der am 28. Juli 2018 in Kraft getretenen überarbeiteten Fassung der „Special Administrative Measures for Access of Foreign Investment (Negative List)“ der National Development and Reform Commission der V. R. China und des Ministry of Commerce der VR China entfallen eine Reihe von Investitionshemmnissen ausländischer Unternehmen vor allem im Bereich des verarbeitenden Gewerbes in China. Der Beitrag nimmt diese Entwicklung zum Anlass, die derzeit noch vorhandenen Investitionsbeschränkungen im Bereich der Automobilindustrie im Einzelnen darzustellen und dabei, ausgehend vom chinesischen Originaltext, insbesondere die bestehenden Unklarheiten der neuen gesetzlichen Regelung im Detail zu untersuchen.The updated version of the Special Administrative Measures for Access of Foreign Investment (Negative List) published by the National Development and Reform Commission of the P. R. China and the Ministry of Commerce of the P. R. China – in effect since June 28, 2018 – abolishes a number of investment obstacles of foreign investors in China in particular in the manufacturing sector. In light of such recent development, the article summarizes the still existing restrictions on foreign investment in the automobile sector and – on the basis of the Chinese language version – examines in detail the ambiguities of the current legal framework
Interpretation of the Supreme People’s Court on the handling of malpractice disputes
Die Gegenwart zeichnet ein düsteres Bild der Lage in chinesischen Krankenhäusern. Nicht selten ziehen Patient*innen, die etwa durch unzureichende Organisation des Krankenhausbetriebs oder Behandlungsfehler des Krankenhauspersonals einen Schaden erlitten haben, die Selbstjustiz dem beschwerlichen und regelmäßig erfolglosen Weg der juristischen Geltendmachung von Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen vor. Mit der neuen OVG-Erläuterung soll nun das arzthaftungsrechtliche Instrumentarium geschädigter Patient*innen ausgebaut werden. Die „Erläuterungen des Obersten Volksgerichts zu einigen Fragen der Rechtsanwendung bei der Behandlung von Streitfällen zur Haftung für Schäden bei ärztlicher Behandlung“ finden seit dem 14. Dezember 2017 Anwendung. Das chinesische Arzthaftungsregime ergibt sich insbesondere aus den besonderen Vorschriften des „Gesetzes über die Haftung für die Verletzung von Rechten“ (2010), die in der OVG-Erläuterung einer Spezifizierung unterzogen werden. Unter anderem werden die Regelungen rund um den Sachverständigen vertieft, um durch die Einführung standardisierter Verfahren die Glaubwürdigkeit von Sachverständigengutachten zu erhöhen. In der Praxis stellt das Expertengutachten im Arzthaftungsprozess das zentrale Mittel zur Schadensbewertung dar und ist aufgrund seiner faktischen Autorität oft streitentscheidend. Dass chinesische Richter*innen den Gutachten ein großes, vielleicht sogar blindes Vertrauen schenken, war nun Anlass, Regelungen zu erarbeiten, die die juristische Verlässlichkeit fördern sollen. Zwar sieht die Erläuterung Ausschlussmöglichkeiten eines Gutachtens vor und verhindert damit ein „Gutachten um jeden Preis“; wie dies allerdings in der Praxis umgesetzt werden wird, bleibt zu beobachten. Die OVG-Erläuterung nimmt ferner schönheitskosmetische Maßnahmen, d. h. kosmetische Eingriffe, die aufgrund ihrer geringen Invasivität keine Operationen darstellen, explizit in den Anwendungsbereich mit auf und macht Kosmetiker*innen damit einer Arzthaftung vollumfänglich zugänglich. Dies ist vor dem Hintergrund der Hochkonjunktur des Schönheitssektors in Taiwan und Festlandchina sehr zu begrüßen. Insbesondere jene „non-surgery“-Behandlungen, die zwar weniger invasiv sind, wegen der Anwendung aggressiver Chemikalien aber oft ein hohes Schadensrisiko bergen, erfreuen sich großer Beliebtheit, sodass ein weiteres Weilen in der juristischen Grauzone problematisch wäre. Insgesamt leistet die Erläuterung einen bedeutenden Beitrag zum chinesischen Arzthaftungsrecht. Dabei ist gerade dieses Rechtsgebiet ein besonderes, da es gilt, die territorial zum Teil stark verschiedenen Heileinrichtungen mit ihren jeweiligen unterschiedlichen Standards und Gewohnheiten, einheitlich juristisch zu regeln.The present paints a bleak picture of the situation in Chinese hospitals. Where the inadequate operation of hospitals or treatment errors committed by hospital staff result in patients incurring injury, it is not uncommon for these individuals to turn to self-justice rather than to initiate a cumbersome and often unsuccessful legal action. Now, a new Interpretation looks to broaden and develop Chinese malpractice law. The “Explanation of the Supreme People’s Court concerning questions on the application of law in the handling of malpractice disputes” has been applicable since 14 December 2017. The Interpretation results in particular from special provisions in the “Tort Liability Law” (2010) which have been subject to specification in the SPC Interpretation. One key aspect of the new Interpretation is an expansion of the regulations related to expert opinions; through the introduction of a standardized procedure, the credibility of expert reports should be enhanced. In practice, the expert report stands as the crucial element in a medical liability proceeding and is often decisive due to its factual authority. The substantial – perhaps even blind – trust that Chinese judges place in such reports likely motivated the decision to draw up rules aiming to foster their courtroom reliability. Although the Interpretation allows for the exclusion of an expert report so as to prevent a “report at any price” dynamic, just how this will play out in practice remains to be seen. It is to be welcomed that the Interpretation explicitly includes cosmetic procedures, which normally would not be classified as operations due to their minimal invasiveness, and thus makes cosmeticians equally liable. In Taiwan and mainland China, the beauty sector has been booming in recent years, and non-surgical treatments enjoy a great popularity. But since such procedures often pose a great health risk due to the aggressive chemicals used, it would be inappropriate for them to remain in a legal grey area. Overall, the Interpretation contributes significantly to Chinese medical liability law. This particular area of law presents unique challenges since it is necessary to establish consistent legal regulation despite the different regional standards and habits prevailing in medical institutions and cosmetic practice