Austrian Law Journal (Universität Graz)
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Legal Personhood for Nonhuman and Future Entities Ordering the Discourse
Die Definition und Allokation von juridischen Rechten und damit auch die Zuerkennung von Rechtspersönlichkeit ist eine Möglichkeit, nichtmenschliche Wesen (wie Tiere, Pflanzen und Ökosysteme) und die Interessen künftiger Generationen zu schützen. Dieser Beitrag soll einige Grundlagen für rechtliche und rechtspolitische Debatten über solche Schutzmaßnahmen klären. Ich beginne mit einigen Anmerkungen dazu, was Rechtspersönlichkeit ist (einschließlich eines kurzen Vergleichs mit ähnlichen moralischen Konzepten), und zu zwei unterschiedlichen Zielen, die mit Überlegungen zu Rechtspersönlichkeit verfolgt werden können. Der Großteil des Artikels widmet sich drei Fragen zur Rechtspersönlichkeit nichtmenschlicher und noch nicht existierender Wesen: der analytischen Frage, der rechtlichen Frage und der rechtspolitischen Frage. Die erste Frage wird recht eindeutig beantwortet werden können. Da die zweite Frage für jedes Rechtssystem gestellt werden kann, wird meine Antwort etwas grob und eher tentativ ausfallen. Die dritte Frage bleibt überhaupt unbeantwortet. Stattdessen werde ich drei Arten von Überlegungen unterscheiden, die für die Analyse von Politiken der Rechtspersönlichkeit relevant sind. Am Ende werde ich kurz auf die Rolle eingehen, die das Recht bei der Bestimmung des moralischen Status spielen oder nicht spielen kann, bevor ich mit einigen allgemeinen Prinzipien abschließe, die in der Diskussion über die Rechtspersönlichkeit von anderen Wesen als lebenden Menschen beachtet werden sollten.Defining and allocating legal rights, and, by implication, assigning legal personhood, is one way to protect nonhuman entities (such as animals, plants, and ecosystems) and the interests of future people. This paper aims to clarify some basic issues underlying legal and legal policy debates about such protections. I shall begin with a few remarks on what legal personhood is (including a brief comparison with similar moral notions), and on two different goals when dealing with it. The bulk of the paper is devoted to three questions concerning the legal personhood of nonhuman and not yet existing entities: the analytical question, the legal question, and the legal policy question. The first one will be answered quite definitively. Since the second question can be raised for each and every legal system, my answer will be somewhat rough and more tentative. The third question will remain unanswered. Instead, I will distinguish three types of considerations that are relevant to the analysis of legal personhood policies. At the end, I shall briefly consider the role law may or may not play in determining moral status, before I conclude with a few general principles that should be observed when discussing legal personhood for entities other than living human beings
Section 617 of the Code of Civil Procedure – An Austrian Consumer Arbitration Paradox?
Der Beitrag untersucht die strukturellen Inkohärenzen des § 617 ZPO. Einerseits bietet die Bestimmung Schutz, wo keiner erforderlich (und auch nicht erwünscht) ist – etwa bei gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten und Streitigkeiten über einen Anteilserwerb. Andererseits soll § 617 ZPO und der damit verbundene Schutz nach Rsp und Lit nur auf inländische Schiedsverfahren anwendbar sein. Folgt man dieser Ansicht, würde § 617 ZPO an seinem Ziel komplett “vorbeischießen”. Dieser Beitrag stellt die diesbezügliche überwiegende Ansicht in Frage.Schlagworte: Schiedsverfahren, Verbraucherstreitigkeiten, Gesellschafterstreitigkeiten, Exante-Schiedsvereinbarungen, Ex-post-Schiedsvereinbarungen, Schiedsort, § 617 ZPO,RechtsbelehrungThis article examines the structural inconsistencies inherent in Section 617 of the Austrian Code of Civil Procedure. While the provision affords an extensive level of consumer protection, it does so in areas where such protection is neither required nor intended – for example, in corporate law disputes. At the same time, its effectiveness is substantially undermined by the prevailing view that Section 617 applies only to arbitrations seated in Austria. This article examines whether this prevailing view withstands scrutiny. Keywords: arbitration, consumer disputes, corporate law disputes, ex ante arbitration agreements, ex post arbitration agreements, seat of arbitration, Section 617 of the Austrian Code of Civil Procedure, mandatory written legal advic
Julia Schimpfhuber
Der EuGH nahm mit den jeweils in Großer Kammer am 18. Juni 2024 ergangenen Entscheidungen in der Rs A./Generalstaatsanwaltschaft Hamm und der Rs QR/Bundesrepublik Deutschland erstmals zu Fragen betreffend die Wirkung von mitgliedstaatlichen Asylentscheidungen Stellung. Der vorliegende Beitrag dient einerseits der Besprechung dieser Entscheidungen und geht andererseits der Frage nach, ob, und wenn ja, welche Auswirkungen die Entscheidungen des EuGH auf das GEAS haben werden.
Schlagworte: Anerkennung, Asyl, Auslieferung, EU, GEAS, grenzüberschreitende Wirkung, internationaler Schutz, Mitgliedsstaat(en), Non‑Refoulement, Vertrauen, ZuerkennungsentscheidungWith the decisions issued in the Grand Chamber on June 18, 2024 in the cases A./Generalstaatsanwaltschaft Hamm and QR/Bundesrepublik Deutschland, the CJEU commented for the first time on questions concerning the effect of asylum decisions by the member states. On the one hand, this article serves as a discussion of the decisions and, on the other hand, examines the question of whether and, if so, what effects the CJEU’s decisions will have on the CEAS
Berger, Dolezal, Zandonella, Wood, Staudegger
Neurotechnologien sind als wirkmächtige Technologien einem rasant wachsenden Wirtschaftssektor zuzurechnen. Die Nutzung im medizinischen Bereich ist bereits etabliert, daneben drängen Unternehmen vor allem in den sog „Enhancement“- Sektor. „Neuroenhancement“ soll hier grundsätzlich als Einsatz der Neurotechnologie am gesunden Menschen zur bloßen Selbstverbesserung verstanden werden. Dabei sind die Grenzen zwischen medizinisch-therapeutischen Zwecken und Enhancement fließend, weil sich Neurotechnologien als besonders transgressive Technologien erweisen, mit transformativen gesellschaftlichen Konsequenzen. Da sich beim Grenzübergang vom medizinisch-therapeutischen in den Enhancement-Bereich die moralischen, ethischen und gesetzlichen Grundlagen ändern, ist die plausible kategoriale Abgrenzung der beiden Bereiche von besonderer Bedeutung. Der Beitrag stellt den in interdisziplinärer Zusammenarbeit gewonnenen Vorschlag einer praktikablen Unterscheidung zur Diskussion.
Schlagworte: Neurotechnologien, Enhancement, Gesundheit, Therapie, Selbstverbesserung, TranshumanismusNeurotechnologies are powerful technologies that are part of a rapidly growing industry. Their use in the medical field is already well-established, but the market is also pushing into the so-called ‘enhancement’ sector. The term ‘neuroenhancement’ is used here to refer to the use of neurotechnology on healthy people for the sole purpose of self- improvement. The boundaries between medical-therapeutic purposes and enhancement are blurred, as neurotechnologies are proving to be particularly transgressive technologies with transformative social consequences. As the moral, ethical and legal foundations change in the transition from the medical-therapeutic to the enhancement area, the plausible categorical demarcation of the two areas is of particular importance. In this article, the proposal for a practicable distinction developed in interdisciplinary co-operation is presented for further discussion.
Keywords: Neurotechnologies, recovery, discovery, enhancement, enchantment, health, therapy, self-improvement, transhumanis
Katharina Huber
Im neuen Verbrauchergewährleistungsrecht wird erstmals gesetzlich geregelt, dass ein zur Nacherfüllung berechtigter Käufer auch verlangen kann, dass der Verkäufer die Kosten für die Entfernung der mangelhaften Ware sowie für die neuerliche Montage oder Installation der verbesserten Ware oder Ersatzware nach § 13 Abs 3 VGG trägt. Damit positiviert der Gesetzgeber im Grundsatz das umstrittene Urteil Weber/Putz. Die Formulierung weicht aber in mehreren Punkten vom Urteil ab und wirft neue Fragen auf. Vor diesem Hintergrund untersucht der folgende Beitrag diese neue Regelung. Er diskutiert und untersucht verschiedene Lösungsansätze und stellt einen eigenen Ansatz zur Problemlösung vor.
Schlagworte: Gewährleistung; Aus- und Einbaukosten; Nacherfüllungsanspruch; Kostenerstattungsanspruch; Händlerregress, Aufwandersatzanspruch; Vorhersehbarkeitsregel; Mitverantwortung.The new consumer warranty law, implementing the Directive 2019/771, stipulates for the first time that a buyer entitled to repair or replacement can also demand that the seller bears the costs of removal and installation. In doing so, the legislator has in principle affirmed the controversial judgment of the ECJ Weber/Putz. However, the wording deviates from the judgement in several respects and raises new questions. Against this background, the following article analyses this new provision. It discusses and analyses various possible solutions and presents its own approach to adressing the problem
KlimaSeniorinnen: Changing Legal Opportunity Structures in the Face of the Climate Crisis
Der Beitrag bespricht die KlimaSeniorinnen Entscheidung des EGMR vom April 2024. Ausgewählte Fragestellungen dazu, wie etwa rund um die Beschwerdberechtigung von Vereinigungen, werden näher diskutiert.The essay discusses the recent KlimaSeniorinnen judgement of the European Court of Human Rights. Selected issues such as standing for associations are elaborated on in more detail
Dwayne Bach/Patrick Petschinka/Fabian Ziermann
Abstract: Der EuGH hat das Match zwischen der European Superleague Company und den Fußballverbänden zwar abgepfiffen. Seine Erwägungen werden jedoch auch zukünftig fortwährend relevant sein. Der vorliegende Beitrag analysiert die Auswirkungen der Entscheidung und fokussiert sich im Wesentlichen auf zwei Bereiche: Zum einen wird der Anwendungsbereich des Meca-Medina-Tests näher beleuchtet. Zum anderen wird dargestellt, inwiefern die Aussagen zu Art 106 und Art 102 AEUV eine neue Ära der Missbrauchskontrolle einläuten könnten.
Abstract: The ECJ blew the whistle on the match between the European Superleague Company and the football associations. However, its findings will remain continually relevant in the future. This article analyzes the implications of the decision and focuses on two main areas. First, it takes a closer look at the scope of application of the Meca-Medina test. Second, it shows to what extent the remarks on Art 106 and Art 102 TFEU could herald a new era of abuse control
Wolfgang Kozak
Der OGH musste sich in den letzten zwei Jahren mit dem Theaterarbeitsrecht intensiv beschäftigen. Neben der Thematik der Unionsrechtswidrigkeit des Beendigungsrechts des Theaterarbeitsgesetzes (TAG) stand das im Gesetz normierte Recht auf Beschäftigung im Prüfungsfokus. Hielt der OGH beim Thema Beendigungsrecht an der nationalen Regelung fest, verneinte das Höchstgericht ebenso ein durchsetzbares Recht auf Beschäftigung im aufrechten Bühnenarbeitsverhältnis. Der Beitrag analysiert das System des TAG in Hinblick auf Schutz künstlerischer Tätigkeiten in Zusammenhang mit dem Recht auf Beschäftigung.The Supreme Court has had to deal intensively with theatre employment law in the last two years. In addition to the issue of the unlawfulness of the right to terminate the Theatre Employment Act (TAG) under EU law, the focus of the review was on the right to employment standardised in the Act. While the Supreme Court upheld the national regulation on the subject of the right to termination, the Supreme Court also denied an enforceable right to employment in an upright stage employment relationship. The article analyses the system of the TAG with regard to the protection of artistic activities in connection with the right to employment.
 
Independence and Pluralism of Public Service Broadcasting and its Governing Bodies in Austria?
Der VfGH hat mit Erkenntnis vom 05.10.2023, G 215/2022, Bestimmungen des ORF‑G über die Zusammensetzung und Bestellung von Mitgliedern des Stiftungs- und des Publikumsrats des ORF als verfassungswidrig aufgehoben. Diese Vorschriften seien nicht mit den Anforderungen des Art I Abs 2 BVG Rundfunk und Art 10 EMRK vereinbar, nämlich mit den Geboten der Unabhängigkeit und der pluralistischen Zusammensetzung dieser Organe. Dabei hat sich der VfGH insb zur Frage geäußert, inwieweit die Organe des ORF vom Staat, seinen Organen und politischen Parteien unabhängig sein müssen. Der VfGH stellt in seiner Entscheidung begrifflich (anders als das deutsche BVerfG) nicht auf eine „Staatsferne“ der Organe des ORF ab. Wie zu zeigen ist, bestehen zwischen den vom BVerfG und vom VfGH in diesem Zusammenhang aufgestellten Maßstäben jedoch keine grundsätzlichen Unterschiede.The Austrian Constitutional Court has recently annulled provisions of the Federal Act on the Austrian Broadcasting Corporation (ORF Act) regarding the composition and appointment of members of the Austrian Broadcasting Corporation’s (the ORF\u27s) governing bodies as unconstitutional. The Court found that these provisions concerning the Foundation Council and the Audience Council of the ORF were inconsistent with the constitutional requirements as laid down in Art I para 2 Constitutional Broadcasting Act and Art 10 ECHR, namely the requirements of independence and pluralistic composition of these bodies. In particular, the Constitutional Court ruled on the question of the extent to which the bodies of the ORF must be independent from the state, state authorities and political parties. In this decision, unlike the German Federal Constitutional Court did in a case concerning the governing bodies of a German public broadcasting operator, the Austrian Constitutional Court in its decision does not refer to any constitutional guarantee that would require statutory law to ensure the ORF’s bodies’ sufficient “distance from the state” (“Staatsferne”). However, as will be shown in this text, there are no fundamental differences between the constitutional requirements established by the German Federal Constitutional Court and the Austrian Constitutional Court in their respective case law
Harun Pačić
Unter Rückgriff auf arbeitsrechtsvergleichend erschlossene Regelungsmodelle und auf soziologisch eröffnete Einsichten in Arbeitsbeziehungen und Arbeitsverhältnisse wird nach funktionalen Äquivalenten im Arbeitsrecht gefragt und dabei sowohl der Schutz- als auch der Ordnungsfunktion des österreichischen Arbeitsrechts nachgespürt.
Drawing on comparative labor law models and sociological insights into labour relations, the article asks for functional equivalents in labor law and thus traces the protective and regulatory function of Austrian labour law