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„Ein Brief wird erhalten!“: Passivfehler iranischer DaF-Studierender
Das deutsche Passiv stellt für Lernende mit der Ausgangssprache Persisch eine spezifische Schwierigkeit dar. Deswegen hat die vorliegende Untersuchung sich zum Ziel gestellt, die diesbezüglichen Probleme der Lernenden herauszuarbeiten, d.h. sie zu diagnostizieren und die jeweiligen Gründe dafür zu klären. Entsprechend dieser Zielsetzung wurden die Fehler von 38 persischsprachigen DaF-Studierenden an der Universität Isfahan bei der Absolvierung einiger Passivübungen untersucht, und es wurde analysiert, bei welchen der Passivkonstruktionen sie größere Probleme haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Fehler im Hinblick auf das Passiv überwiegend beim Vorgangspassiv im Perfekt und Plusquamperfekt sowie bei solchen Verben, die im Persischen passivfähig sind, im Deutschen dagegen nicht (und umgekehrt), aber auch beim Zustandspassiv und bei der Transformierung der Kasusformen auftreten. Diese kleine Studie zeigt, dass eine Reihe von Fehlern, die bei der Bildung und Verwendung des Passivs von persischen Lernenden gemacht werden, offensichtlich Interferenzfehler sind, d.h. unter dem Einfluss des Systems der Muttersprache entstehen.The German passive is a specific difficulty for L1 Persian learners of German. For this reason, the present study has aimed to elucidate the problems of the learners in this area, to diagnose them and to clarify the respective reasons. In accordance with this objective, the mistakes of 38 L1 Persian learners of German at the University of Isfahan were examined and it was analyzed with which of the passive constructions they have major problems. The results show that mistakes with regard to the passive forms are predominant in case of present perfect and past perfect tenses, as well as in verbs which can become passive in Persian, but not in German (and vice versa), but also in the transformation of the case forms. This small-scale study shows that a series of mistakes made in the formation and use of the passive forms of Persian learners are obviously interference errors, that is, under the influence of the system of the mother tongue
Bedingungen und Ertrag der Erkenntnis kultureller Hybridität in Saša Stanišićs Roman Wie der Soldat das Grammofon repariert
Aus transkultureller wie auch aus poststrukturalistischer Perspektive erscheint die Beschäftigung mit Formen von Hybridität in der Chamisso-Literatur geboten. Der vorliegende Beitrag geht zwei unterschiedlichen Suchrichtungen auf der Spur kultureller Hybridität in Saša Stanišićs Roman Wie der Soldat das Grammofon repariert nach. Aus kognitiv-didaktischer Perspektive erscheint die Beschäftigung mit dem Zusammenbruch des tito-sozialistischen kulturellen Koordinatensystems des Ich-Erzählers Aleksandar dabei im fremd- wie auch im erstsprachlichen Literaturunterricht ergiebiger als die seinerzeit im Feuilleton dominierende Auseinandersetzung mit evozierten und gegebenenfalls ironisch gebrochenen Balkan-Klischees.From a transculturalist as well as from a poststructuralist perspective, hybridity in texts of Chamisso literature deserves a closer look. This paper examines two interpretative approaches towards cultural hybridity in Saša Stanišić`s novel Wie der Soldat das Grammofon repariert. Arguing from a perspective of cognitive didactics, it is shown how looking at the collapse of the cultural normalcy which the first-person narrator, Aleksandar, experiences, can yield greater transcultural learning results in the L2 literature classroom than a discussion of German stereotypes about the Balkans and whether the novel renders them ironically or not.
,Rezeption mehrsprachiger und interkultureller Literatur‘ – zwischen Alteritätserfahrung und Identifikation
Saša Stanišićs essayistische Erzählung Doppelpunktnomade kann als prototypisches Beispiel für interkulturelle und mehrsprachige Literatur gelten, da sie, wie viele Werke von Chamisso-Autor*innen, mit kultureller und sprachlicher Hybridität spielt. Dies kann bei der Rezeption Irritation und Alteritätserfahrungen auslösen. Literarische Rezeptionsprozesse laufen bekanntlich sehr individuell ab. Es kann sich als sehr produktiv erweisen, diese individuellen Reaktionen und Assoziationen Lernender im Unterricht aufzugreifen, deren Spannbreite von höchst subjektiv und biographisch geprägt bis hin zur reflektierten oder auch normativen Auseinandersetzung mit der eingangs erwähnten kulturellen und sprachlichen Hybridität reicht.Saša Stanišić's essayistic narrative Doppelpunktnomade can be seen as prototypical for intercultural and multilingual literature. Like many other works of literature by Chamisso authors it plays with cultural and linguistic hybridity which can elicit reactions of irritation and otherness. Even though reader response is a profoundly individual process it can be productive to assess the reactions and associations students have while exploring texts like Doppelpunktnomade. These reactions range from highly subjective and often biographical associations to engaging with the aforementioned cultural and linguistic hybridity in both normative and reflective ways. In order to effectively facilitate learning processes it seems vitally important to use these spontaneous reactions as the starting point for constructing meaning in literary texts in a classroom setting.
Chiellino, Carmine (2016), Interkulturelle Literatur in deutscher Sprache: Das große ABC für interkul-turelle Leser. Bern: Peter Lang Verlag
„Es wurde mehr als nur ein Elfchen...“. Literarisches Lernen mit Chamisso-Literatur – Lernen im Dialog im universitären Kontext
Der Umgang mit Literatur ist in der Lehramtsausbildung des Faches Deutsch als Zweitsprache von zentraler Bedeutung. Einen besonderen Mehrwert für didaktische Konzeptionen in universitären Veranstaltungen besitzen in diesem Zusammenhang literarische Werke, die eine literarische Hybridität fokussieren. Der vorliegende Beitrag stellte dar, wie literarisches Lernen nach Spinner (2006) am Beispiel der Chamisso-Autorin Uljana Wolf erfolgen kann. Dabei werden die ersten drei Aspekte – Lebendige Vorstellungen entwickeln, Subjektive Involviertheit und genaue Textwahrnehmung miteinander ins Spiel bringen und Sprachliche Gestaltung bewusst wahrnehmen – des literarischen Lernens von Spinner genauer in den Blick genommen, wobei aufgezeigt wird, welche Wirkung die im Text angelegte literarische Hybridität auf die Studierenden hat. Methodisch orientiert sich das vorgestellte Projekt am dialogischen Lernen nach Gallin und Ruf (2014). Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse zu, wie Inhalte einer transkulturellen Literaturdidaktik in die Lehramtsausbildung integriert werden können.Engaging with literary texts is not only a central component when studying to become a teacher for German as a first but also as a second language. Works of literature displaying literary hybridity seem to be of particular interest for university level didactics. The following paper will show how Spinner’s (2006) conception for literary learning can be adapted when working with texts by Chamisso-author Uljana Wolf. It will focus on the first three aspects of literary learning – developing vivid images when engaging with a text, balancing subjective involvement and detailed perception and paying close attention to the linguistic style – and show how students perceive the literary hybridity inherent in the text. The methodology will be based on Gallin and Ruf’s concept of dialogical learning (2014). The paper will conclude by discussing how contents of a transcultural literary didactic can be incorporated into university level teacher training
Hilfe oder Hindernis? Meinungen finnischer Sprachstudierender über Mehrsprachigkeit als Ressource beim Deutschlernen
Der Fremdsprachenunterricht in Finnland befindet sich gerade in einer Umbruchphase, denn mit der Einführung neuer Lehrpläne im Jahr 2016 werden Verfahren der Mehrsprachigkeitsdidaktik in Zukunft eine zentrale Rolle spielen. In diesem Beitrag wird untersucht, ob und wie finnische Universitätsstudierende, die selbst von einer eher monolingual ausgerichteten Lerntradition geprägt sind, ihr mehrsprachiges Repertoire als Ressource beim Lernen weiterer Fremdsprachen sehen. Zu diesem Zweck wurde eine Befragung unter Lehramtsstudierenden der Fächer Anglistik und Skandinavistik, die Germanistik als Nebenfach studieren möchten, durchgeführt. Die Analyse zeigt, dass die Studierenden zwar mehrheitlich positive Einstellungen gegenüber Mehrsprachigkeit aufweisen, dass es aber Entwicklungsbedarf im Hinblick auf Sprachbewusstheit, multilinguale Fähigkeiten und bei den Einstellungen gegenüber Sprachmischungen gibt.Foreign language education in Finland is currently undergoing a period of change, as the introduction of new curricula in 2016 will lead to a central role of multilingualism in teaching. This article examines whether and how Finnish university students, who themselves were influenced by a more monolingual learning tradition, consider their multilingual repertoire as a resource for learning other foreign languages. For this purpose, a survey was conducted among teacher students of English and Swedish, who would like to study German as a minor. The analysis shows that while the majority of students have positive attitudes towards multilingualism, there is a need for development in terms of language awareness, multilingual skills, and attitudes towards language mixes
Lernziel interkulturelle Kompetenz – Lernangebote im Englischunterricht der Klassenstufe 9 – Eine Reanalyse der Unterrichtsvideos der DESI-Studie
Obwohl die Förderung von interkulturellen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in den Rahmenlehrplänen des Englischunterrichts aller Schulformen und den Bildungsstandards fest verankert ist, gibt es bisher nur wenige empirische Forschungsergebnisse zum interkulturellen Lernen im Unterricht. Dieser Beitrag untersucht anhand einer Substichprobe der DESI-Videostudie (n=24) die thematische Ausrichtung von Englischunterricht mit interkultureller Zielstellung. In den Ergebnissen spiegelt sich eine unterschiedliche Umsetzung der interkulturellen Themenschwerpunkte in den Schulformen Hauptschule, Realschule und Gymnasium wider. Even though the development of students’ intercultural competencies is an established component of the official syllabi for English as a Foreign Language for all types of German schools and the national standards of academic objectives, only little research has been conducted on how intercultural learning is realized in the classroom. This paper sets out, by evaluating a sub-sample of the DESI-video study (n=24), to examine the content of lessons as well as the teaching approaches aimed at intercultural learning. Results of this analysis indicate a difference in the delivery of intercultural topics in the three school types (Hauptschule, Realschule, Gymnasium).
Ein „Untergrund-Kodex“ in der deutschen multilingualen Gesellschaft: Kanak Sprak
Unser Beitrag fokussiert auf ein sprachliches Phänomen in der gegenwärtigen Gesellschaft in Deutschland, das auch im kulturellen Bereich Folgen hat: die sogenannte „Kanak Sprak“. In ihrer Beziehung zur deutschen Sprache wäre die Kanak Sprak, also die Sprache des Kanaken, ein Ethnolekt, wie Martin Schramm sie in einem Artikel Verhunztes Deutsch oder Sprachkultur? aus dem Jahr 2011 definiert. Nach der Meinung des Journalisten und türkisch-deutschen Schriftstellers Feridun Zaimoğlu wäre Kanake übrigens „ein Etikett, das nach mehr als 30 Jahren Immigrationsgeschichte von Türken nicht nur Schimpfwort ist, sondern auch ein Name, den ‚Gastarbeiterkinder’ der zweiten und vor allem der dritten Generation mit stolzem Trotz führen“ (2007: 9). In diesem Sinne zielt unsere Studie darauf ab, diesen „Untergrund-Kodex“ (2007: 13), wie Feridun Zaimoğlu ihn bezeichnet, in den folgenden Werken von Zaimoğlu zu untersuchen: Kanak Sprak – 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft (Erstauflage 1995; 2007) und Kopf und Kragen – Kanak-Kultur-Kompendium (Erstauflage 2001; 2006). Schließlich soll darauf hingewiesen werden, dass solche Werke als „Konternarrative der Nation“ (Bhabha 1990: 149) interpretiert werden können.Our contribution focuses on a linguistic phenomenon in contemporary society in Germany, which has as well consequences in the cultural field: the so-called kanak sprak. In their relationship with the German language reflects the kanak sprak, the language of the kanaks, an “ethnolect”, as Martin Schramm would define it. According to the journalist and Turkish-German author/writer Feridun Zaimoğlu would kanake be defined as “a label that not only is a dirty word for more than 30 years history of immigration of Turks, but also a name that the children of the Gastarbeiter of especially the second and the third generation lead with proud defiance” (2007: 9). In this sense, our study aims to analyze this “underground Code” (2007: 13), as Feridun Zaimoğlu called, in the following works: Kanak Sprak – 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft (1995; 2007) and Kopf und Kragen – Kanak-Kultur-Kompendium (2001; 2006). Finally, it should be noted that such works can be interpreted as a “counter-narrative of the nation” (Bhabha 1990: 149).
Learning English, and Teaching English – and linking the two together
Degree courses in modern languages, especially those for students wishing to become teachers, tend to consist of different modules with little connection to each other and may have insufficient emphasis on improving language skills. This paper presents the concept and structure of a language course designed to address such issues. It is holistic in approach and focuses on developing students' awareness of language learning processes; the insights acquired by the participants can be applied to any learning or teaching situation.Fremdsprachliche Studiengänge, besonders die für zukünftige Lehrerinnen und Lehrer, bestehen häufig aus verschiedenen Modulen, die nur zum Teil aufeinander bezogen sind und der Verbesserung von Fremdsprachenkenntnissen einen relativ geringen Wert beimessen. Der folgende Artikel stellt einen Sprachkurs vor, der darauf abzielt, sich speziell diesen Themen zu stellen. Der Kurs ist ganzheitlich in seinem Ansatz und konzentriert sich darauf, das Bewusstsein von Studierenden für die Prozesse des Fremdsprachenerwerbs zu schärfen; die von den Teilnehmenden erworbenen Erkenntnisse lassen sich auf jegliche Lern- oder Lehrsituationen anwenden