Pädagogische Hochschule St. Gallen (PHSG): PHIQ
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Konflikte im pädagogischen Umfeld. Analyse von schulischen Konfliktfeldern, Konfliktabläufen nach Glasl (2004) sowie daraus resultierende Lösungsansätze nach Rosenberg (2004)
Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Frage, in welchen Rahmen und welchen Formen Konflikte einer Lehrperson begegnen können. Dazu werden im ersten Teil unterschiedliche Konfliktfelder erarbeitet und anschliessend einander gegenübergestellt, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Konfliktfelder herauszuarbeiten (Die Konfliktfelder sind LP-SuS, LP-Eltern, LP-Kollegium & LP-Institution). Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich anschliessend mit der Kategorisierung von ausgewählten Konflikten in Bezug auf deren zustande kommen, Aufbau und Mechanismen. Mitberücksichtigt sind dabei die unterschiedlichen Konfliktformen, sowie Merkpunkte, an denen diese Konfliktformen zu erkennen sind. Dieser Teil der Arbeit versucht Konflikte in ihrer Gesamtheit so zu erfassen, so dass sie durch bestimmte Eigenschaften kategorisiert werden können und daraus mögliche Lösungsmuster abgeleitet/erarbeitet werden können. Die ausgewählten theoretischen Grundlagen gründen hauptsächlich auf den Arbeiten von Glasl (2004) mit Schwerpunkt auf seinem neunstufigen Eskalationsmodell. Der dritte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Umgang mit Konflikten. Er führt die Arbeit der ersten beiden Teile zusammen. In Kombination mit weiteren theoretischen Grundlagen werden Verhaltensweisen betrachtet, welche bei der Arbeit mit Konflikten im pädagogischen Umfeld für Lösungen förderlich oder hinderlich sind. Dieser dritte Teil schliesst mit einer eingehenden Betrachtung der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg (2004). Diese Kommunikationstechnik setzt auf der Ebene der Beziehung zwischen zwei Menschen an und findet daher optimale Anwendung in vielen Konflikten, welche sich Lehrpersonen stellen, und dies unabhängig von den Konfliktfeldern, in welchem sie sich befinden. Die Arbeit kommt zum dem Schluss, dass ein Konflikt in jedem Fall eine Störung der Beziehung oder gar ein Beziehungsabbruch bedeutet. Daher kann eine Lehrperson am ehesten auf der Beziehungsebene intervenieren, wenn sie mit Konflikten im schulischen Umfeld konfrontiert ist
Kompetenzen und Schwierigkeiten im Umgang mit dem Stellenwertsystem zu Beginn der 5. Klasse
Für die Weiterentwicklung mathematischer Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, dass sie über grundlegende Kompetenzen im Bereich des Stellenwertverständnisses verfügen und diese in verschiedenen Aufgabensituationen anwenden können. Die vorliegende Arbeit zeigt Kompetenzen und Schwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern im Bereich des Stellenwertverständnisses zu Beginn der fünften Klasse auf. Für die Erhebung wurden 136 Schülerinnen und Schüler aus der Ostschweiz in den ersten vier Wochen nach Schuljahresbeginn getestet. Die Leistungen wurden mithilfe einer schriftlichen Standortbestimmung erhoben und qualitativ und quantitativ ausgewertet. Die Aufgaben der Standortbestimmung enthielten unter anderem Bündelungsaufgaben, Aufgaben zum Finden von Nachbarzahlen und Aufgaben zum Transfer von ikonischer zu symbolischer Darstellung und umgekehrt. Um die Leistungen zu analysieren und einzuordnen, wurden sie mit der Fachliteratur verglichen. In der Untersuchung zeigte sich, dass das Stellenwertverständnis zu Beginn der fünften Klasse bei einigen Schülerinnen und Schüler schon gut gesichert ist. Bündelungsaufgaben und Aufgaben zu Nachbarzahlen lösten die meisten Schülerinnen und Schüler sehr routiniert. Mehr Probleme bereiteten Aufgaben, die ein Übertragen von der ikonischen zur symbolischen Darstellung erforderten. Interessanterweise stellte der Transfer von der symbolischen zur ikonischen Darstellung keine grossen Probleme dar
Mutig statt gehemmt! Wie Kinder aus neurologischer Sicht soziale Ängstlichkeit mithilfe der Lehrperson bekämpfen können
Mangelndes Selbstvertrauen, Passivität, Versagen in Vorträgen usw. können Indikatoren für eine soziale Ängstlichkeit sein. Die Hirnforschung sagt jedoch, dass Lernen unter Angst wenig bis gar keinen Erfolg verspricht. Es ist deshalb von grosser Bedeutung, dass eine soziale Angst früh erkannt und das Kind bestmöglich unterstützt wird.
In dieser Arbeit steht die folgende Fragestellung im Zentrum: „Wie kann eine Lehrperson soziale Ängstlichkeit eines Kindes erkennen und welche Möglichkeiten gibt es aufgrund von Erkenntnissen aus der Hirnforschung, das Kind im Bekämpfen seiner Ängste zu unterstützen?“ Um die Frage mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung beantworten zu können, wird zu Beginn der Arbeit das Lernen aus neurologischer Sicht erklärt. Einzelne Strukturen des Gehirns werden genauer beleuchtet, so dass die Thematik der Gefühle beim Lernen sowie die Motivationssysteme und deren Nutzen besser verstanden werden können. In einem nächsten Schritt wird die soziale Ängstlichkeit aufgegriffen. Ergänzend zur Theorie der sozialen Ängstlichkeit wurde ein Raster mit Merkmalen entwickelt. Dieses soll Lehrpersonen helfen, sozial ängstliche Kinder in einer Schulklasse zu erkennen. Der zweite Teil der Arbeit umfasst ein Repertoire an verschiedenen Übungen. Im Zentrum dieser Übungen steht das Aufbauen des Selbstvertrauens, das Verbessern des persönlichen Auftretens sowie das positive Denken und Handeln. Ausserdem werden zusätzliche Strategien vorgestellt, welche helfen, sich in herausfordernden Situationen wieder zu beruhigen und die Balance zu finden. In Anlehnung an die literarische Arbeit wurde ein Produkt für Lehrpersonen entwickelt. Das Produkt beinhaltet das oben beschriebene Raster mit Merkmalen der sozialen Ängstlichkeit sowie Übungen in den verschiedenen Bereichen
Audiodatei 5
Während meiner Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen in Rorschach wurde ich immer wieder mit Kinderliedern konfrontiert. Ich möchte mit dieser Arbeit klären, welche musiktheoretischen Grundkenntnisse nötig sind um eigene Kinderlieder und passende Arrangements zu einem bestehenden Bilderbuch zu kreieren.
Um erfolgreich ein eigenes Kinderlied zu schreiben, kommt man nicht an grundlegenden musiktheoretischen Kenntnissen vorbei. Im theoretischen Teil gehe ich genauer auf Songstrukturen, Text, Melodie und dazu passende Akkorde ein. Ebenfalls ist dieser Teil mit kinderliederspezifischen Aspekten, die zwangsläufig beim Songschreiben beachtet werden müssen, ergänzt.
Das Liederheft mit fünf selbst komponierten Kinderliedern stellt den Kern der gesamten Arbeit dar. Passend zum Bilderbuch „Fünf freche Mäuse machen Musik“ wurden die aus der Theorie gewonnen Erkenntnisse umgesetzt. Die Lieder wurden nicht nur notiert, sondern auch eigenständig im Tonstudio aufgenommen und gemischt. Das entstandene Produkt ist hauptsächlich für Lehrpersonen zur Verwendung im Unterricht gedacht, soll aber auch als Anstoss zum Schreiben eigener Kinderlieder dienen und motivieren.
Die Kreativität beim Komponieren ist unbegrenzt und genau das macht die Faszination des eigenen Liederschreibens aus
Schriftliche Arbeit
Die Inhalte des Fächerbereichs Natur, Mensch und Gesellschaft (NMG) können oft komplex sein, dementsprechend gestaltet sich das jeweilige Einprägen der Lerninhalte teils schwierig. In der vorliegenden Arbeit wird aufgezeigt, inwiefern Musik einen positiven Einfluss auf den Lernprozess im Fach NMG einnehmen und in Form eines Liedes dem Unterricht «frischen Wind» einhauchen kann.
Der theoretische Teil dieser Arbeit befasst sich als Erstes mit dem Begriff Musik, dazu werden wichtige Komponenten genauer erläutert. Ebenso werden musikalische Inhalte auf ihre Auswirkung bei Kindern im Volksschulalter untersucht. So zeigen sich beispielsweise positive Effekte auf die Motivation, die Motorik, die sprachlichen Fähigkeiten und die Arbeits- und Gedächtnisleistungen der Lernenden. Abgeschlossen wird der Theorieteil durch die detaillierte Analyse diverser Lehrmittel sowie Unterrichtsliteratur, um Kriterien für stufengerechte Lieder im Zyklus 1 aufzuzeigen.
Im praktischen Teil wird die getroffene Auswahl der NMG-Themen anhand des Lehrplan 21 begründet sowie die dazu passenden Kompetenzen genannt. Anschliessend werden die eigens umgeschriebenen Lieder mit Hilfe der aus der Analyse gewonnenen Haupt- und Untercodes analysiert bzw. überprüft und anschliessend Umsetzungsmöglichkeiten für den Unterricht aufgezeigt. Das Produkt der Arbeit entspricht einem Liederheft NMG, dessen Lieder in der Unterstufe gesungen werden können
Sprachförderung in der Mathematik. Herstellung und Evaluation eines eigenen Scaffoldingwerkzeugs zur Vereinfachung des Darstellungswechsels von Brüchen in Dezimalzahlen
Viele Forschungen thematisieren bereits den Umgang mit sprachlich schwächeren Kindern im Fach Mathematik, wobei es oft um die Vereinfachung der Fachsprache geht. In meiner Arbeit gehe ich auf offensive Ansätze der Sprachförderung ein. Die zentrale Frage der Arbeit ist, ob durch ein selbst erstelltes Scaffoldingwerkzeug bei Primarschülern einen Leistungs-fortschritt im Darstellungswechsel von Brüchen in Dezimalzahlen erzielt werden kann. Eng verknüpft mit diesem Werkzeug, sollen Übungen zur Sprachproduktion ermöglicht werden. Die entwickelte Unterrichtseinheit von insgesamt zehn Lektionen wurde in einer 6. Primar-klasse im Kanton St. Gallen durchgeführt und ausgewertet. Dabei wurde einerseits die Sprachproduktion der 14 Schülerinnen und Schüler im Erklären ihres Vorgehens bei Bruchre-chenaufgaben in schriftlichen Lernkontrollen evaluiert. Anderseits wurde in den Lernkontrol-len auch der mathematische Fortschritt zum Thema «Brüche und Dezimalzahlen» sichtbar gemacht. Hauptziel war, dass die Schülerinnen und Schüler einen Bruch in eine Dezimalzahl umwandeln können und umgekehrt. Die Daten wurden mit einem Prä- und einem Posttest erhoben. Die meisten Probanden haben Fortschritte im Rechnen mit den Brüchen erzielt und auch das neue Thema «Umwandlung von Brüchen in Dezimalzahlen» verstanden. In der Sprachproduktion sind keine markanten Entwicklungen zu sehen. Es gibt zwar einige Schüle-rinnen und Schüler, die mit den Fachbegriffen nach der Intervention besser umgehen kön-nen. Die Sprachförderung im Fachunterricht ist nicht in einer Lektionsreihe abzuhandeln, sondern muss über die ganze Schulzeit immer wieder gezielt durchgeführt werde
Figurentheater zum Thema "Stoffe"
Kinder hören gerne Geschichten. Eine besondere Art des Geschichtenerzählens ist anhand eines Figurentheaters. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich damit, wie mit einem Figurentheater ein naturwissenschaftliches Thema mit Kindern in der Unterstufe bearbeitet werden kann. Diese Methode der Vermittlung von Lerninhalten durch eine Geschichte nennt man Storytelling. Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist eine Unterrichtsreihe zu erstellen, basierend auf dem neuen naturwissenschaftlichen Lehrmittel NaTech 1-2, welche mit einem Handpuppentheater die Methodik Storytelling umsetzt. Dabei soll die Unterrichtsreihe handlungsorientiert sein und mit Experimenten arbeiten. Das naturwissenschaftliche Thema «Stoffe» wurde aufgrund einer Umfrage mit Lehrpersonen der Unterstufe und der Analyse des NaTech Lehrmittels gewählt. Die pädagogische Relevanz von Storytelling und handelndem Lernen, insbesondere dem Experimentieren, wurde mit einer Literaturrecherche erforscht. Die Herstellung von Handtheaterpuppen, das Puppenspielen und das Schreiben eines Theatertextes für diese Puppe wurde mittels Literaturrecherche und einem Interview mit einer Puppenspielerin erreicht
Motivation im Ausdauerextremsport. Ein Vergleich der motivationalen Faktoren im Laufsport und Triathlon
Diese Masterarbeit verfolgt das Ziel, die motivationalen Faktoren des Ausdauerextremsports (Ultramarathon, Ultratriathlon) mit jenen des Ausdauersports (Laufsport, Triathlon) zu vergleichen und gegebenenfalls Unterschiede festzustellen. Wie bspw. die Statistiken der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung (DUV) zeigen, gewinnen Ausdauerextremsportarten immer mehr an Bedeutung. Was aber die Sportlerinnen und Sportler ins Extreme treibt, oder was sie von den anderen Ausdauersportlerinnen und Ausdauersportlern unterscheidet, wurde bisher wenig untersucht. Allgemein ist die Forschung im Bereich der Motivation im Ausdauerextremsport nur vereinzelt vorhanden.
Für diese Arbeit wurden personen- und situationsbezogene Einflüsse auf die Motivation erhoben. Dazu wurden insgesamt acht qualitative, halb-strukturierte Leitfadeninterviews durchgeführt. Zur Erhebung von unbewussten Motiven wurden einzelne Elemente des Tiefeninterviews in die Befragung eingebaut. Zusätzlich wurde die Ausprägung des Leistungsmotivs mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens erhoben. Die Stichprobe bestand aus vier Personen der sogenannten Ultra-Gruppe (Ausdauerextremsport) und weiteren vier Personen der Vergleichsgruppe (Ausdauersport). Die Zusammensetzung der Vergleichsgruppe wurde bezüglich Alter, Sportart und Geschlecht, der Ultra-Gruppe angepasst. Die durchgeführten Interviews wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.
Die Studie kam zum Ergebnis, dass zwischen den beiden Gruppen sowohl diverse Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede festgestellt werden konnten. Es zeigte sich, dass alle Sportlerinnen und Sportler, jene in der Ultra-Gruppe und auch in der Vergleichsgruppe, leistungsorientiert sind und sie das Erleben ihrer eigenen Kompetenz im Sport antreibt. Jedoch wird die eigene Kompetenz nicht gleichermassen bestimmt. Während in den klassischen Distanzen das Messen an einer bestimmten Zeit zentral ist, verliert diese Komponente ihren Anreiz im Ultrabereich. Wie die Untersuchung gezeigt hat, wird das Wegfallen dieser Zeitkomponente von einzelnen Sportlerinnen und Sportlern auch als psychische Entlastung wahrgenommen, wenn die physisch mögliche Bestzeit aufgrund des Alters oder anderer Gründe oft nur noch abnimmt.
Zusätzlich werten die befragten Personen aus der Ultra-Gruppe das Erleben der Natur und ungewöhnlicher Zustände, wie z.B. das Flow-Erleben, als zentral. Für die Vergleichsgruppe hingegen ist der Sport ein wichtiger Ausgleich zu den Belastungen des Alltags
Autonomie von Schülerinnen und Schülern mit einer Autismus-Spektrum-Störung im Bildungswesen. Einschätzungen von Lehrpersonen, Eltern und Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung zu organisatorischen und unterrichtsmethodischen Massnahmen zur Förderung der Autonomie
Die Autismus-Spektrum-Störung ist durch Defizite in der sozialen Interaktion und repetitive Verhaltensmuster gekennzeichnet. Vor allem der soziale Aspekt ist Teil vieler Untersuchungen zu dieser Diagnose. Dabei zeigt sich eine Kenntnislücke im Bereich der Forschung zur Autonomieentwicklung, die – wie auch die sozialen Kompetenzen – als Teil des Lehrplans im Unterricht gefördert werden muss. Diese Arbeit soll aufzeigen, mit welchen schulpolitischen Rahmenbedingungen und Unterrichtsmethoden diese Förderung erfolgreich unterstützt werden kann.
Die vorliegende Arbeit soll bei der Schliessung dieser Lücke helfen. Sie untersucht die Forschungsfragen anhand von qualitativen halbstandardisierten Interviews mit Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung, Eltern, Lehrpersonen und einer Beobachtung eines Schülers mit dieser Diagnose. Die Daten zu drei Schülern mit einer Autismus-Spektrum-Störung zeugen von Erfahrungen und Einschätzungen im Bildungswesen in Bezug auf die Autonomieentwicklung. Die Interviews und die Beobachtung wurden anhand der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.
Die Untersuchung zeigt, dass als Grundlage für die Umsetzung erfolgreicher Rahmenbedingungen ein vertieftes Wissen der Lehrperson und ein Austausch mit den Akteurinnen und Akteuren im jeweiligen Fall gewünscht wird. Zudem wird die Unterstützung durch zusätzliche Personen wie Heilpädagoginnen und Heilpädagogen oder Therapeutinnen und Therapeuten geschätzt. Im Unterricht kann vor allem durch ein hohes Mass an Struktur eine Förderung der Autonomie erreicht werden, wobei die Struktur eine Öffnung und damit einen nächsten Schritt in die Selbstständigkeit nicht verhindern darf. Die Äusserungen der Befragten unterstreichen im Zusammenhang einer gesunden Autonomieentwicklung auch eine Haltung der Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber dem Kind oder Jugendlichen mit einer Autismus-Spektrum-Störung
Der Brief aus Rorschach. Eine literatur- und quellenbasierte Studie zur Grenzschliessung der Schweiz 1942
Diese Masterarbeit thematisiert, basierend auf dem aktuellen Forschungsstand, Aspekte der Flüchtlingspolitik der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges, im Besonderen die Weisung vom 13. August 1942 zur Grenzschliessung und deren Folgen. Erlassen hat die Weisung das teils stark fremdenfeindlich und antisemitisch geprägte Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) trotz Wissen um die lebensbedrohliche Lage der Flüchtlinge, vor allem der jüdischen. Daraufhin griffen die Medien erstmals breit das Schicksal der Verfolgten auf. Der Bundesrat sah sich ebenfalls mit Protesten von Organisationen und Teilen der Bevölkerung konfrontiert. Entrüstet über einen Zeitungsbericht von der Rückweisung sechs belgischer Flüchtlinge, verfasste die Sekundarschülerin Heidi Weber aus Rorschach am 7. September 1942 einen Brief, in welchem sie die rigide Überstellung von Flüchtlingen an der Grenze anprangerte, und sandte ihn, unterschrieben von 21 Mitschülerinnen aus ihrer Klasse 2c, an die Bundesräte. Im Spannungsfeld zwischen Überfremdungsängsten, Antisemitismus und humanitärer Tradition sorgte dieser für eine scharfe Reaktion der politischen Behörden. Die Arbeit hat zum Ziel, vielfältige Informationen zum Entstehungskontext und den Folgen jenes Briefes zu gewinnen. Der Quellenkorpus umfasst dazu verschiedene schriftliche Quellen sowie vier Zeitzeugengespräche, die auf der Methode Oral History basieren. Zwei davon wurden mit ehemaligen Schülerinnen der Sekundarschulklasse 2c und eines mit dem Witwer der verstorbenen Briefinitiantin Heidi Weber durchgeführt. Für diese drei Interviews wurden, in erster Linie basierend auf den Textquellen, zwei Interviewleitfäden entwickelt, die sich an das halbstrukturierte Interview anlehnen. Auf das vierte, im Rahmen einer anderen Untersuchung erstellte Gespräch durfte zurückgegriffen werden. Es enthält Tony Webers (geborene Tauba Süsskind) Erzählung von ihrer Flucht in die Schweiz und gibt damit der erwähnten Flüchtlingsgruppe aus Belgien eine Stimme. Anhand der schriftlichen und mündlichen Quellen konnte die Weisung vom 13. August 1942 und deren Folgen von drei Perspektiven aus untersucht werden: 1) aus jener der Behörden, im Speziellen aus jener des damals amtierenden Bundesrates und Vorsteher des EJPD Eduard von Steiger, 2) der ehemaligen Mädchensekundarschulklasse 2c aus Rorschach und 3) der sechsköpfigen belgischen Flüchtlingsgruppe, die am 28. August 1942 illegal Schweizer Boden betrat. Analyse und Auswertung der Oral History-Interviews erfolgten anhand der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Durch die gesamte Quellenarbeit führte folgende Fragestellung: Welche Erkenntnisse lassen sich heute aus der Analyse der Textquellen und unter Verwendung der Zeitzeugenberichte gewinnen? Durch Fachliteratur in den historischen Kontext eingebettet, ist ein mögliches Narrativ zu jenen Vorfällen im August 1942 entstanden, das ein facettenreiches Stück Schweizer Geschichte wiedergibt. Wohl beeinflusst durch ihre ersten Lebensjahre in Afrika, ihren Gerechtigkeitssinn und ihren christlichen Glauben, beschloss Heidi von sich aus, an die Herren Bundesräte zu schreiben. Von 32 Schülerinnen unterschrieben zehn nicht, davon die meisten auf Anraten der Eltern. Die geäusserten Vermutungen, dass dahinter elterliche Sympathien und geschäftliche Verbindungen zu Nazi-Deutschland ständen, konnten nicht gänzlich bestätigt werden. Tony Webers Schilderung zu ihrer Rückweisung zeugte einerseits von einem harten Vorgehen an der Grenze und warf andererseits die Frage nach der Rolle und Situation der Grenzwächter auf. Aus von Steigers Antwortschreiben auf die Zeilen der Mädchen, das er gegen seine Pläne nie veröffentlichte, liessen sich Rechtfertigungen für das Vorgehen an der Grenze finden, die mit Literatur auf ihre Triftigkeit hin geprüft wurden. Vorgelegt wurde der Rorschacher Brief unter anderem der Bundesanwaltschaft, deren Einschätzung zu einem Verhör von Klasse und Lehrer, als vermuteter Drahtzieher, führte: Ein politisch motivierter Akt wurde ausgeschlossen, hingegen mussten sich alle zu Stillschweigen verpflichten. Brief und Zeitungsbericht, aus welchem Heidis Motivation hervorging, lassen sich in die Schweizer Pressepolitik während der Kriegszeit einbetten