Querelles - Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung (QJB)
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Review of: Stefan Schoppengerd: Hoffnungslos vereinnahmt? Kritik der Geschlechterverhältnisse in Marketing und Popkultur. Münster: Westfälisches Dampfboot 2014.
In seiner Studie überprüft Stefan Schoppengerd die Diagnose der Vereinnahmung feministischer Kritik durch den neoliberalen Kapitalismus auf ihre Gültigkeit. Es gelingt ihm zu zeigen, dass diese Diagnose in ihrem Anspruch auf Allgemeingültigkeit nicht zutrifft, indem er mittels einer empirischen Untersuchung konkrete Orte des Widerstands im Diskurs des sogenannten Popfeminismus ausmacht. Hier, so Schoppengerd, ist weiterhin auch grundsätzliche feministische Kapitalismuskritik möglich. Während der empirische Teil sehr detailliert ist, hat die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen theoretischen Positionen, die der Studie zugrunde liegen, eher den Charakter eines Überblicks. Dies liest sich zwar äußerst pointiert und zugänglich, lässt aber auch Fragen offen.Stefan Schoppengerd’s study examines the diagnosis of the appropriation of feminist criticism through neoliberal capitalism for its validity. By means of an empirical survey with which he detects concrete points of resistance within the discourse of the so-called pop feminism, he succeeds in showing that this diagnosis’ claim to universality does not apply. According to Schoppengerd, fundamental feminist critique of capitalism is still possible here. While the empirical part is very detailed, the discussion of the various theoretical positions, which underlie the study, seems more like an overview. While this guarantees a pointed and accessible read, it also leaves questions unaddressed
Review of: Erna Appelt, Brigitte Aulenbacher, Angelika Wetterer (Hg.): Gesellschaft. Feministische Krisendiagnosen. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot 2013.
Der von Erna Appelt, Brigitte Aulenbacher und Angelika Wetterer herausgegebene Sammelband zielt auf eine feministische Analyse und Kritik der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung, die in aktuellen Zeitdiagnosen häufig als krisenhaft beschrieben wird. In zwölf Beiträgen von sozial-, politik- und geschlechterwissenschaftlich ausgewiesenen Autor/-innen werden Krisen bezüglich der gesellschaftlichen Naturverhältnisse, Lebenssorge und Ökonomie, Öffentlichkeit und Privatheit sowie Normierungen und Ideologien bearbeitet und durch eine Einleitung der Herausgeberinnen in Bezug zueinander gesetzt. Die Aufsätze sind durchweg anregend und bereichernd für die gegenwärtigen zeitdiagnostischen Debatten, könnten jedoch zum Teil begrifflich und empirisch präziser und argumentativ etwas gründlicher sein.Erna Appelt, Brigitte Aulenbacher, and Angelika Wetterer’s anthology aims at a feminist analysis and criticism of the current development of society, which is often described as critical in contemporary diagnoses of the time. The twelve articles by authors from the fields of social science, political science, and gender studies deal with crises regarding the social relations to nature, life care and economy, publicity and privacy, as well as standardization and ideologies and the editors’ introduction relates the articles to each other. Without exception, the articles are inspiring and enriching for the current time diagnostic discussions; however, they could in parts be more precise regarding terminology and empiricism as well as slightly more thorough regarding the argumentation
Review of: Anette Dietrich, Ljiljana Heise (Hg.): Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus. Formen, Funktionen und Wirkungsmacht von Geschlechterkonstruktionen im Nationalsozialismus und ihre Reflexion in der pädagogischen Praxis. Frankfurt am Main u.a.
Die Herausgeber/-innen dieses Sammelbandes verfolgen ein deutliches Ziel: Sie wollen die Kategorie Männlichkeit zur Analyse des Nationalsozialismus sowie den von ihm begangenen Verbrechen in den Geschichtswissenschaften etablieren. Dabei markieren sie einen eklatanten Forschungsbedarf: Wie konnte dieses Terrain bis dato derart unbeachtet bleiben, wurde der Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Gewalt andernorts doch vielfach herausgearbeitet? Um diese Lücke zu schließen, enthält der Band eine große thematische Breite, zielgenaue Fragestellungen und facettenreiche Beiträge. Allein der Versuch, das Connell’sche Konzept der ‚hegemonialen Männlichkeit‘ aus der Soziologie auf das eigene Feld zu übertragen, führt zu Schwierigkeiten.The editors of this volume follow a clear goal: they want to establish the category of masculinity as an analytic perspective on National Socialism and its crimes in the field of historical studies. In the process they highlight a glaring need for research: how could this field be ignored for such a long time, if the connection between masculinity and violence has been frequently pointed out in other fields? In order to close this gap, the volume covers a broad range of topics, poignant questions and facetted contributions. Only the attempt to transfer Connell’s concept of “hegemonic masculinity” from sociology to their own field raises issues
Review of: Catherine M. Orr, Ann Braithwaite, Diane Lichtenstein (Eds.): Rethinking Women’s and Gender Studies. London: Routledge 2012.
Der Sammelband von Catherine M. Orr, Ann Braithwaite und Diane Lichtenstein bietet eine aktuelle Auseinandersetzung mit den zentralen Konzepten der Selbst-/Zuschreibung in den Women’s and Gender Studies (WGS) im Kontext der gegenwärtigen Umstrukturierung der Universitäten – wie z. B. Methoden, Pädagogik, Community, Disziplin und Institutionalisierung. Dabei wird zum einen ein genealogischer Zugang gewählt, um die Funktionsweise dieser Konzepte aufzuzeigen, und zum anderen werden durch Selbstreflexion der Autor_innen auf ihre eigene Lehre und Position innerhalb der WGS Änderungsvorschläge eingebracht, um potentiell neue Richtungen für die Frauen- und Geschlechterforschung aufzuzeigen.The anthology by Catherine M. Orr, Ann Braithwaite, and Diane Lichtenstein offers an up-to-date examination of the central concepts of self-/attribution in Women’s and Gender Studies (WGS) in the context of the current restructuring of universities – such as, methods, pedagogy, community, discipline, and institutionalization. In doing so, the authors, on the one hand, choose a genealogical approach in order to illustrate the functionality of these concepts; on the other hand, based on self-reflection on their own teaching and position within WGS, they introduce suggestions for modifications in order to potentially present new directions for Women’s and Gender Studies
Review of: Lily Tonger-Erk: Actio. Körper und Geschlecht in der Rhetoriklehre. Berlin: De Gruyter 2012.
Lily Tonger-Erk beschäftigt sich mit Rhetorik als Körperbildungsmacht, indem sie die geschlechtliche Konstruktion der Actio, der körperlichen Dimension des Redeauftritts in der rhetorischen Lehre, in drei für die Geschichte der Rhetorik bedeutsamen historischen Momenten von der klassischen Antike über das 18. bis zum späten 20. Jahrhundert analysiert. Dabei gelingt ihr ein ausgezeichneter Brückenschlag zwischen detailreicher und epochenübergreifender Rhetorikgeschichte und einer analytischen Genderperspektive. Diese Untersuchung der Redner_innenbildung als rhetorischer Körperbildung (im Doppelsinne von Erziehung und Subjektivierung) legt einen wichtigen Grundstein für weitere Studien zur rhetorischen Produktion von Geschlecht und Körper.By analyzing the gendered construction of actio, the bodily dimension of discourse in rhetoric theory, in three for the history of rhetoric meaningful, historical moments from classical antiquity to the 18th and finally to the late 20th century, Lily Tonger-Erk deals with rhetoric as body building power. In doing so, she manages to successfully bridge the gap between a detailed and epoch-spanning history of rhetoric and an analytical gender perspective. This analysis of the development of speakers as rhetoric body building (with the double meaning of education and subjectivization) lays an important foundation for further studies on the rhetoric production of gender and body
Review of: Saskia-Fee Bender, Marianne Schmidbaur, Anja Wolde (Hg.): Diversity ent-decken. Reichweiten und Grenzen von Diversity Policies an Hochschulen. Weinheim: Beltz Juventa Verlag 2013.
Das Schlagwort Diversity wird immer populärer und hat mittlerweile auch die Hochschulpolitik erreicht. Damit verbundene Maßnahmen und Politiken stellen an deutschsprachigen Hochschulen aber ein noch relativ neues Unterfangen dar, und deren Potentiale und Auswirkungen sind umstritten, gerade im Hinblick auf den Abbau sozialer Ungleichheit und den Aufbau einer geschlechtergerechten Hochschule. Für eine ernstzunehmende Inklusionspolitik, die im Kontext der unternehmerischen Hochschule bestehen kann, ist eine kritische Reflexion von Diversity-Konzepten und -Praktiken unbedingte Voraussetzung. Der vorliegende Sammelband ist ein begrüßenswertes Handbuch für alle, die an Diversity-Politiken an der Hochschule beteiligt sind, und eine gute Grundlage für eine informierte, kritisch-reflexive Praxis.Diversity is an increasingly popular catchphrase and has meanwhile reached higher education policy. Associated measures and policies, however, are still relatively new endeavors for german-speaking universities. Potentials and impacts of diversity measures and policies are controversial, especially regarding the reduction of social inequality and the setup of gender equal universities. Critical reflection on concepts and practices of diversity are crucial prerequisites for a serious inclusion policy for the entrepreneurial university. The collection at hand is a welcome guide for all who are involved in diversity policies in higher education and provides a good foundation for an informed, critical-reflective practice
Review of: Heike Guthoff: Kritik des Habitus. Zur Intersektion von Kollektivität und Geschlecht in der akademischen Philosophie. Bielefeld: transcript Verlag 2013.
Diese Dissertation ist ein anspruchsvolles Projekt. Es bedarf einer guten Portion Chuzpe, um diese Variante eines doppelten Spiels zu spielen, nämlich: die eigene Fachkultur der Philosophie aus Doing Gender-Perspektive kritisch zu durchleuchten und dabei die ‚Regeln der Kunst‘ einzuhalten. Heike Guthoffs Kritik ist somit zugleich Anerkennung des kritisierten Feldes. Ihr Witz besteht darin, zentrale begriffliche Werkzeuge anderer Disziplinen zu nutzen, um das eigene Fach einer Genderkritik und dabei gleichzeitig diese Werkzeuge – in diesem Fall das Habituskonzept Bourdieus – in philosophischer Absicht einer kritischen Revision zu unterziehen. Mit diesem transdisziplinären Kunstgriff gelingt es Guthoff, die Fachkultur der Philosophie in einem Atemzug zu kritisieren und zu bestätigen.This is an ambitious dissertation indeed. A good measure of chutzpah is needed in order to play this kind of double game, namely questioning one’s own discipline through the lens of Doing Gender while sticking with the rules of the trade. Heike Guthoff’s critique is thus also an appreciation of her field of study. Her clever approach uses central conceptual tools from other disciplines, in this case Bourdieu’s concept of habitus, to critically apply gender theory to her own field while simultaneously and, with philosophical intent, critically revise the same concepts she uses. With this transdisciplinary device, Guthoff succeeds in criticizing and affirming the discipline of Philosophy in one breath
Review of: Regina Frey, Marc Gärtner, Manfred Köhnen, Sebastian Scheele: Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie. Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung 2013.
Polemiken gegen den Begriff ‚Gender‘ machen Schlagzeilen. Oft wird denjenigen, die sich mit Geschlechterdemokratie, Gleichstellungspolitik und Genderforschung befassen, pauschal vorgeworfen, ‚unwissenschaftlich‘ und ‚ideologisch‘ zu sein. In vier Kapiteln werden die Vorwürfe an je einem Beispiel mit Methodenkritik und Wissenschaftstheorie konfrontiert, wobei deutlich wird, dass die von Gender-Gegner/-innen geäußerten Vorwürfe die eigenen Kriterien von Wissenschaftlichkeit nicht erfüllen, sondern politisch motiviert sind. Die Broschüre ist sowohl ein gut strukturierter Überblick über Argumentationsmuster und publizistische Aktivitäten der Gender-Gegner/-innen als auch eine praktische Argumentationshilfe für alle, die im weitesten Sinne zu Geschlechterthemen arbeiten.Polemics against the term “gender” fill the headlines. Many who deal with gender democracy, equality policy and gender studies are often criticized as being “un-scientific” and “ideological”. In each of the four chapters an example of these accusations are subjected to critical and scientific theory. It becomes clear that accusations from detractors of gender not only do not hold up to scientific criteria, but are politically motivated. The brochure gives a well-structured overview over patterns of argumentation and journalistic methods of detractors of gender as well as offering a practical argumentation aid for anyone who works in the field of gender studies
Review of: Katrin Pittius, Kathleen Kollewe, Eva Fuchslocher, Anja Bargfrede (Hg.): Die bewegte Frau. Feministische Perspektiven auf historische und aktuelle Gleichberechtigungsprozesse. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot 2013.
Der Band bietet feministische, interdisziplinäre Einblicke in diverse Strömungen der Frauenbewegung der letzten 150 Jahre. So wird nicht nur ein historischer Blick auf Frauenkämpfe in der Türkei geworfen, auch die diversen Bewegungsströmungen und Generationenkonflikte zu Zeiten der Weimarer Republik oder der DDR erfahren Aufmerksamkeit. Der Fokus auf historische Verläufe und Generationenverhältnisse innerhalb der Frauenbewegung wird durch aktuelle Bezüge anhand praxisbezogener Artikel ergänzt, die somit die Vermeintlichkeit der gegenwärtig oftmals artikulierten verwirklichten Gleichberechtigung aufzeigen können.The volume offers feministic, interdisciplinary insights into diverse currents in women’s movements of the past 150 years. Not only is an historical view of women’s movements in Turkey given, but different movements and generational conflicts at the time of the Weimar Republic or the GDR are focused as well. The focus on historical processes and generational conflicts within women’s movements is extended by articles related to practice and current events which question the current claim of achieved equality