Querelles - Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung (QJB)
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Review of: Ulf Gebken, Söhnke Vosgerau (Hg.): Fußball ohne Abseits. Ergebnisse und Perspektiven des Projekts ‚Soziale Integration von Mädchen durch Fußball‘. Wiesbaden: Springer VS 2014.
Seit 2006 wurden im Rahmen des vom Deutschen Fußball-Bund durchgeführten Modellprojektes „Soziale Integration von Mädchen durch Fußball“ an über 200 Standorten Schul-AGs in sogenannten Brennpunktbezirken aufgebaut. Im vorliegenden Sammelband beleuchten die Autor/-innen ausführlich die Funktion von Sport für die pädagogische Kompetenzvermittlung. Zudem erbringen sie einen umfassenden Projektbericht und leisten ein Plädoyer für die Modernisierung des Verhältnisses zwischen Schule und Vereinen, Lehrplan und Ehrenamt. Somit stellt das Buch, wie auch das Projekt, einen enorm wichtigen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit im Sport dar. Gleichzeitig jedoch liest sich eine Reihe an Texten etwas zu sperrig für den Bericht einer Praxisforschung, und Begriffe im Feld der ‚Integration’ bleiben schwammig.Since 2006, the model project of the German Football Association, “Social Integration of Girls through Football” established over 200 school project groups in so-called social hotspots. The editors of the volume at hand take a closer look at the function of sport within pedagogical training. Additionally, they deliver an extensive project report and a plea for a modernization of relationships between schools, clubs, curricula and volunteering. The volume and the project are tremendous contributions to gender equality in sports. At the same time, several texts are cumbersome to read for a practical investigation, and terms in the field of “integration” remain unclear
Review of: Gabriele Dietze: Weiße Frauen in Bewegung. Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken. Bielefeld: transcript Verlag 2013.
Gabriele Dietze zeichnet das Verhältnis der Kategorien Race und Gender innerhalb der US-amerikanischen Geschichte von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Präsidentschaftswahl von Barack Obama nach. Dabei demonstriert sie anhand von zentralen Figuren der weißen Frauenbewegung deren ambivalente Positionen, die oftmals für progressive Inhalte wie das Eintreten für Frauenrechte stehen, gleichzeitig aber dann Anliegen von African Americans nicht artikulieren oder gar zum Schweigen bringen. Ebenso zeigt Dietze mithilfe von Texten einiger schwarzer Autor_innen sowie anhand berühmter Gerichtsprozesse, dass schwarze Emanzipation nicht notwendigerweise mit feministischen Positionen einhergehen musste, sondern sich vielmehr eine Konkurrenzsituation zwischen Race und Gender entspann.Gabriele Dietze traces the relation of the categories of race and gender within US-American history from the middle of the 19th century up to the presidential elections of Barack Obama. In doing so, she, based on central figures of the white feminist movement, illustrates their ambivalent positions that often stand for progressive contents like the advocacy of women’s rights but at the same time do not articulate the concerns of African-Americans or even put them to silence. Additionally, using texts by some black authors as well as famous lawsuits, Dietze shows that black emancipation did not necessarily go hand in hand with feminist positions but that rather a competitive situation between race and gender developed
Review of: Sigrid Metz-Göckel, Kirsten Heusgen, Christina Möller, Ramona Schürmann, Petra Selent: Karrierefaktor Kind. Zur generativen Diskriminierung im Hochschulsystem. Opladen u.a.: Verlag Barbara Budrich 2014.
Basierend auf quantitativen Datenanalysen, die 65 Prozent des wissenschaftlichen Personals an deutschen Hochschulen abdecken, gehen Sigrid Metz-Göckel, Kirsten Heusgen, Christina Möller, Ramona Schürmann und Petra Selent der These nach, dass die Prekarisierung junger Wissenschaftler/-innen den Ausstieg aus Hochschule und Forschung oder aber den Verzicht auf die Familiengründung fördert. Leider übernehmen die Autorinnen in ihrer Argumentation unhinterfragt das neue Leitbild der Doppel-Karriere-Familie als Norm der Lebensführung von Frauen und Männern und belegen ihre starken Aussagen nur teilweise. Dennoch stellt die Studie ein erfrischendes Plädoyer für politische Interventionen in die zunehmende Befristung von Beschäftigungsverhältnissen und den Anstieg von Teilzeitstellen in der Wissenschaft dar.Based on quantitative data analysis covering 65 percent of scientific staff at German universities, Sigrid Metz-Göckel, Kirsten Heusgen, Christina Möller, Ramona Schürmann and Petra Selent follow the thesis that precarization forces young researchers to either withdraw from higher education and research or forego starting a family. Unfortunately, the authors accept unquestionably the double-career-family model as the lifestyle norm for women and men and their powerful statements are only partially proven. Nonetheless, the study remains a refreshing plea for political intervention in lieu of increasing fixed-term employment and part-time work in higher education and research
Review of: Anna Heinze, Friederike Krippner (Hg.): Das Geschlecht der Antike. Zur Interdependenz von Antike- und Geschlechterkonstruktionen von 1700 bis zur Gegenwart. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2014.
Der Sammelband bietet vielfältige und differenzierte Zugänge zur bürgerlichen Rezeption antiker Geschlechterentwürfe. Deutlich wird, wie ‚das Geschlecht‘ ‚der Antike‘ erst interessegeleitet von den Rezipient/-innen hergestellt wird. Der Band und seine Beiträge zur Antike-Rezeption sind sehr zu empfehlen, kritisch ist lediglich anzumerken, dass – mehr beiläufig – ein statisches Verständnis der Möglichkeiten von Frauen in den antiken Gesellschaften gezeichnet wird.The volume offers numerous and differentiated approaches to bourgeois reception of antique gender identities. It shows how the “gender” of “antiquity” is primarily interest-led and created by the recipients. The volume and its contributions to the reception of antiquity is highly recommended – a critical comment would be that, incidentally, the volume draws from a static understanding of women in antique societies
Review of: Kathrin Schrader: Drogenprostitution. Eine intersektionale Betrachtung zur Handlungsfähigkeit drogengebrauchender Sexarbeiterinnen. Bielefeld: transcript Verlag 2013.
In ihrer Dissertation geht Kathrin Schrader der Frage nach, welche Selbsttechnologien Frauen entwickeln, deren Lebensrealitäten von der Verschränkung von Drogenkonsum und Sexarbeit geprägt sind. Auf der Basis von acht Interviews mit drogengebrauchenden Sexarbeiterinnen analysiert sie mittels einer gouvernementalitätstheoretischen Perspektive und der Intersektionalen Mehrebenenanalyse die Handlungsfähigkeiten im Kontext massiver gesellschaftlicher Diskriminierungen in den Subjektkonstruktionen der interviewten Frauen. Auf diese Weise kann sie sehr überzeugend die Wechselwirkungen von gesellschaftlichen Strukturen, Stereotypen und Diskursen sowie Identitätskonstruktionen herausarbeiten und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Dekonstruktion des gesellschaftlichen Umgangs mit dieser Gruppe.In her dissertation Kathrin Schrader researches the mechanisms of agency developed by women whose lives are defined by drug use and sex work. Based on eight interviews with drug-using female sex workers, she analyzes her interviewee’s agency in the face of massive social discrimination and their subject construction from the perspective of governmentality theory and intersectional multi layered analysis. In this way she can convincingly point out interdependencies between social structures, stereotypes and discourses, as well as identify identity constructions. Her analysis constitutes an important contribution to the deconstruction of how society deals with this group
Review of: Anna-Maria Götz: Die Trauernde. Weibliche Grabplastik und bürgerliche Trauer um 1900. Köln u.a.: Böhlau Verlag 2013.
Die Sozialhistorikerin Anna-Maria Götz macht Perspektiven der Geschlechterforschung für die Analyse europäischer bürgerlicher Bestattungs- und Erinnerungskulturen fruchtbar. Am Beispiel der weiblichen Grabplastik erhellt die Autorin das Wirkungsgefüge von Geschlechterbildern, visuellen und materiellen Kulturen und individuellem Repräsentationsbestreben. Entstanden ist eine überaus wertvolle Handreichung für Fragestellungen im Bereich akademischer disziplinübergreifender Sepulkralforschung und Geschichtswissenschaft wie auch für Anwendungsfelder in nichtakademischen Bereichen (z. B. bürgerschaftliches Engagement).The social historian Anna-Maria Götz makes fruitful use of gender studies perspectives in the analysis of European bourgeois commemorative culture. Using the example of womanly grave sculptures she sheds light on the complex interaction of images of gender, visual and material culture and individual striving for representation. What emerged here is an especially valuable guide for questions in the field of interdisciplinary academic sepulchral studies and history, as well as a guide for non-academic fields such as civic engagement
Christina Mundlos: Mütterterror. Angst, Neid und Aggressionen unter Müttern. Marburg: Tectum Wissenschaftsverlag 2012.
Das gesellschaftliche Mutterbild und die politische Regulierung von Mutterschaft, so die Kernthese von Christina Mundlos, isolieren Mütter voneinander, fördern Konkurrenz unter ihnen und verhindern somit Solidarität und gemeinsame befreiende Aktionen. Das Sachbuch kann als eine Art Ratgeber gelesen werden, der zum Widerstand gegen etablierte Vorstellungen der ‚guten Mutter‘ ermuntert. Dies ist begrüßenswert und überfällig. Mundlos reproduziert jedoch bestimmte Verkürzungen, die in der politischen und medialen Diskussion über Mutterschaft vorgenommen werden, so etwa die fast ausschließliche Fokussierung auf Probleme der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier zeigen sich Problemstellungen, die einer feministischen Bearbeitung bedürfen.According to Christina Mundlos’ central hypothesis, the societal mother image and the political regulation of motherhood isolate mothers from each other, promote competition among them, and thus inhibit solidarity and common liberating actions. This nonfiction book can be read as a type of guidebook that encourages resistance against the established notions of the ‘good mother.’ This is welcome and overdue. However, Mundlos reproduces certain reductions that are adopted in the political and medial discussion about motherhood, for example, the almost exclusive focus on problems of the compatibility of family and career. This reveals problems that require a feminist revision
Review of: Ina E. Bieber: Frauen in der Politik. Einflussfaktoren auf weibliche Kandidaturen zum Deutschen Bundestag. Wiesbaden: Springer VS 2013.
Ina E. Bieber untersucht in ihrer Dissertation die Einflussfaktoren für erfolgreiche Bundestagskandidaturen von Frauen. Anhand von Längsschnitt- und Querschnittsdaten analysiert sie Faktoren auf der Mikroebene wie individuelle Eigenschaften und Dispositionen sowie Faktoren auf der Makroebene wie Partei- und Wahlsystemeinflüsse. Vor allem letztere wirken sich signifikant auf die Wahlchancen von Frauen aus. Allein das Geschlecht ist kein signifikanter Faktor für den Wahlerfolg zum Bundestag – vor allem die Zugehörigkeit zu Parteien des linken Spektrums und Kandidaturen auf Listenplätzen zeitigen für Frauen größere Chancen, erfolgreich zu kandidieren. Bei den individuellen Faktoren sind erwartete geschlechterspezifische Effekte, zum Beispiel durch Familienstand etc., nicht aufgetreten.Ina E. Bieber’s dissertation examines the influencing factors of women’s successful candidacies for the German parliament. Using longitudinal and cress-section data, Bieber analyzes micro level factors such as individual characteristics and dispositions as well as macro level factors such as party and electoral system influences. Above all the latter ones have a significant impact on the women’s chance of being elected. The sex, however, is not a significant factor for the successful election into the parliament – for women, above all the affiliation with parties from the left-wing spectrum and candidacies on party lists yield greater chances of contesting successfully. Regarding the individual factors, expected gender specific effects, for example, through marital status etc., did not emerge
Review of: Claire M. Renzetti: Feminist Criminology. New York u.a.: Routledge 2013.
Das schlanke Buch bietet einen kompakten, aber nuancierten Überblick über feministische Kriminologien. Allerdings beschränkt sich Claire M. Renzetti weitgehend auf eine Analyse des US-amerikanischen Kontexts. Zudem wird gesellschaftliche Restrukturierung vor allem als Wandel des Frauenanteils unter kriminologischen Wissenschaftler_innen, Gesetzesübertretenden sowie Polizeikräften, Richter_innen oder Strafvollzugsbeamt_innen thematisiert, während z. B. Prozesse der Neoliberalisierung keine Berücksichtigung finden. Schließlich fehlen relevante jüngere Ansätze wie Foucault’sche oder neuere materialistische Perspektiven. Insgesamt liefert das Buch damit vor allem bezüglich der Frühphasen feministischer Kriminologie in den USA hilfreiche Einordnungen.The slim volume gives a brief but nuanced overview over feminist criminologies. However, Claire M. Renzetti mainly limits herself to analyzing the U.S.-American context. More importantly, she understands societal restructuring as a change in the share of women among criminologists, perpetrators, law enforcement and prison officers, while neglecting processes such as neoliberalization. Also missing are relevant emerging perspectives, such as foucauldian or new materialistic approaches. Altogether, the volume predominantly provides helpful placements for the early stages of feminist criminology in the United States