Querelles - Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung (QJB)
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Review of: Lena Gunnarsson: The Contradictions of Love. Towards a feminist-realist ontology of sociosexuality. London: Routledge 2014.
In ihrer Studie theoretisiert Lena Gunnarsson überzeugend Ursachen und Erscheinungen der anhaltenden Tendenz einer Unterordnung von Frauen unter Männer in den Bereichen Liebe und Sexualität in westlichen Gesellschaften. Ausgehend von einer Kritik an Judith Butlers Queer Theory und einer positiven Bezugnahme auf Anna Jónasdóttirs Theorie der Ausbeutung weiblicher Liebe analysiert die Autorin Ungleichheit stabilisierende Mechanismen in heterosexuellen Paarbeziehungen sowie deren inhärenten Widersprüche. Aus metatheoretischen Überlegungen wird ein grundlegendes Interesse von Männern an der Aufhebung dieser Widersprüche abgeleitet sowie eine auf zwei Ebenen operierende Strategie weiblicher Emanzipation formuliert.Lena Gunnarsson’s study convincingly theorizes the causes and appearances of the continuing tendency of a submission of women to men in realms of love and sexuality in Western societies. Based on a critique of Judith Butler’s queer theory and a positive reference to Anna Jónasdóttir’s theory on the exploitation of female love, the author analyzes inequality-stabilizing mechanisms in heterosexual partner relationships as well as their inherent contradictions. Based on metatheoretical considerations the author extrapolates the fundamental male interest in resolving these contradictions and formulates a two-layered strategy of female emancipation
Review of: Susanne Rode-Breymann, Antje Tumat (Hg.): Der Hof. Ort kulturellen Handelns von Frauen in der Frühen Neuzeit. Köln u.a.: Böhlau Verlag 2013.
Der interdisziplinär angelegte Sammelband erfasst die Schnittstellen zwischen Hofgeschichte und all denjenigen Disziplinen, in denen kulturelles Handeln von Frauen fassbar ist. Anzuführen sind unter anderem Musikwissenschaft und -geschichte, Geschichte, Germanistik, Literatur- bzw. Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte und die Geschichte der Landwirtschaft. Die Autor/-innen untersuchen Kultur vorrangig als Praxisform am fürstlichen Hof und in diesem Zusammenhang insbesondere die Rollen, die Frauen in diesem Rahmen aktiv ergriffen haben oder die ihnen zugewiesen wurden. In den Aufsätzen wird eine genderspezifische Fragestellung verfolgt, die dazu geeignet ist, kulturelles Handeln von Frauen sichtbar zu machen bzw. neue Fragestellungen zu entwickeln, die der Sichtbarmachung dienen.The interdisciplinary anthology captures the intersections between court history and all those disciplines that deal with cultural actions of women, including, among others, musicology and music history, history, German studies, literary studies and cultural studies, art history, and the history of agriculture. The authors examine culture mainly as a form of practice at the royal court and in this context particularly the roles that women actively assumed or were assigned. The articles pursue gender-specific questions that tend to uncover cultural actions of women or tend to develop questions that serve as a means for uncovering these actions
Review of: Nancy E. Riley: Gender, Work, and Family in a Chinese Economic Zone. Laboring in Paradise. Wiesbaden: Springer VS 2013.
Das Buch eignet sich vor allem für Wissenschaftler/-innen, die sich mit den Lebenswirklichkeiten von Arbeitsmigrantinnen in China aus geschlechtertheoretischer Sicht beschäftigen. Nancy E. Riley interessiert sich ethnographisch für den Zusammenhang von Geschlecht, Arbeit und Familie. Konkret geht die Autorin dabei der Frage nach, inwiefern die in der Dalian Economic Zone (DEZ) arbeitenden Frauen Erwerbsarbeit als eine Ressource der sozialen Mobilität und der Verhandlung innerfamilialer Machtpositionen nutzbar machen können. Mit Fokus auf dieser (Sonder-)Wirtschaftszone und den familialen Lebenswirklichkeiten der Frauen erschließen sich spannende Einsichten in das wirtschaftlich aufstrebende China und den damit einhergehenden sozialen Wandel von Geschlechterverhältnissen.The book is particularly useful for scholars who deal with the everyday realities of female migrant laborers in China from a gender theoretical perspective. Nancy E. Riley is ethnographically interested in the correlation between gender, work, and family. In practice, the author addresses the question as to what extent women working in the Dalian Economic Zone (DEZ) are able to utilize their gainful employment as a resource of social mobility as well as negotiation of innerfamilial positions of power. The focus on this (special) economic zone and the familial everyday realities of women offers exciting insights into the economically rising China and the concomitant social transformation of gender relations
Review of: Torsten Linke: Sexualität und Familie. Möglichkeiten sexueller Bildung im Rahmen erzieherischer Hilfen. Gießen: Psychosozial Verlag 2015.
Im ersten Band der Reihe „Angewandte Sexualwissenschaft“ führt Torsten Linke in theoretische Grundlagen und Termini der sexuellen Bildung in der Sozialen Arbeit ein, analysiert Ergebnisse der Studie „PARTNER 4 - Jugendsexualität 2013“ und liefert Ansätze für die praktische Arbeit im Bereich der sexuellen Bildung und Beratung. Der analytische Fokus liegt dabei auf der Sozialisationsinstanz Familie, die in der psychosexuellen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen westlicher Gesellschaften, bei zunehmender Digitalisierung und ausgedehnter Postadoleszenz, eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Sexualkultur einnimmt und in der, aus Sicht des Autors, unterschiedliche Wissenszugänge sowie Einstellungen auf Grund von Geschlecht(-erverhältnissen), sozioökonomischem Status und Migrationserfahrungen vorhanden seien.In the first volume of the series “Applied Sexology” Torsten Linke introduces theoretical principles and terms of sexual education in social work, analyzes findings of the study “PARTNER 4 – Adolescent Sexuality 2013” and offers approaches for the practical work in the field of sexual education and counseling. In doing so, the analytical focus lies on the family as an agent of socialization, which, with increasing digitalization and extended post-adolescence, takes up an important role in the psychosexual development of children and adolescents in the Western societies with regards to the communication of sexual culture and in which, from the author’s point of view, differing ways of accessing knowledge as well as attitudes exist, based on gender (relations), socio-economic status, and experience of migration
Review of: Ingrid Galster: Simone de Beauvoir und der Feminismus. Hamburg: Argument Verlag 2015.
Ingrid Galster hat ihre Schriften zu Simone de Beauvoir und zur Frauen- und Geschlechterforschung in einem Band zusammengeführt. Die Artikel vermitteln klare Einsichten und ergeben ein beeindruckendes Gesamtbild, das die – neue oder erneute – Lektüre lohnt
Review of: Annette R. Hofmann, Michael Krüger (Hg.): Rund um den Frauenfußball. Pädagogische und sozialwissenschaftliche Perspektiven. Münster u. a.: Waxmann Verlag 2014.
Die Autor/-innen nehmen sich des Themas aus höchst unterschiedlichen Perspektiven an: So reicht die Bandbreite der Beiträge von journalistischen Betrachtungen zur Frauen-WM 2011 über eine historische Aufarbeitung des Zusammenhangs zwischen Fußball, Nation und Geschlecht bis hin sportpädagogischen Fragestellungen mit Fokus auf Grundschüler/-innen. Doch die einzelnen Teile dieses breiten Fundaments stehen in dem Sammelband zuweilen etwas unverbunden nebeneinander, ihm fehlt eine Zielstellung. Zudem werden sie zumeist von einem unkritischen Sportbegriff getragen, werden allein die Potentiale für soziale Arbeit hervorgehoben, ohne dass auch Risiken, Grenzen und negative Aspekte ausreichend benannt würden.The authors address the topic from highly diverse perspectives: consequently, the broad variety of articles ranges from journalistic considerations on the Women’s World Cup 2011, to a historical examination of the relation between soccer, nation, and gender, to sports-pedagogical questions with a focus on elementary school students. However, the individual parts of this broad fundament seem at times somewhat unrelated to each other, the anthology misses an aim. Additionally, the articles are, in most cases, grounded on an uncritical concept of sports that highlights solely the potentials for social work, without sufficiently naming risks, limits, and negative aspects
Review of: Ulrike Busch, Daphne Hahn (Hg.): Abtreibung. Diskurse und Tendenzen. Bielefeld: transcript Verlag 2015.
Der interdisziplinäre Sammelband bietet eine facettenreiche Auseinandersetzung zu Schwangerschaftsabbrüchen, wobei die Situation in deutschsprachigen Ländern fokussiert wird. Analysiert werden dabei mit hauptsächlich sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden die historischen, gesellschaftlichen, juristischen und ethischen Dimensionen der Thematik. Moralpolitische und religiöse Einflüsse, die Konstruktion und Deutung von Abtreibungen, reproduktionsmedizinische Entwicklungen, die Situation von Professionellen im Handlungsfeld und die ärztliche Sicht der Abtreibungsfrage finden Beachtung. So bieten die Beiträge einen gelungenen, umfassenden Einblick in die aktuellen Spannungsfelder der Debatte und zeigen die Relevanz einer neuen, sachlichen Diskussion des alten Themas Abtreibung auf.The interdisciplinary anthology offers a multifaceted discussion of pregnancy terminations, with a focus on the situation in the German-language countries. Using research methods primarily from the social sciences, the articles analyze the topic’s historical, societal, legal, and ethical dimensions. Moral political and religious influences, the construction and interpretation of abortions, developments in reproductive medicine, the situation of professionals in the field, and the medical perspective on the question of abortion are also addressed. The articles consequently offer successful and comprehensive insights into the debate’s current areas of conflict and highlight the pertinence of a new and objective discussion of the old topic of abortion
Review of: Lisa Andergassen, Till Claassen, Katja Grawinkel, Anika Meier (Hg.): Explizit! Neue Perspektiven zu Pornografie und Gesellschaft. Berlin: Bertz + Fischer Verlag 2014.
Die aktuelle Debatte um Pornographie stellt sich andere Fragen als in den kämpferischen 70er Jahren. In den interdisziplinären Beiträgen des Sammelbandes wird Pornographie als kulturelles Artefakt behandelt, als Begriff, der in Diskurse über Sexualität und Moderne, über Identität und Jugend verwoben ist. Die Autor_innen arbeiten mit empirisch-sozialwissenschaftlichen Methoden Fragen nach dem Nutzer_innenverhalten von Onlinepornographie und jugendlichem Pornokonsum auf, bieten theoriegeleitete Zugänge zur Unbestimmbarkeit von Pornographie, zu ihrer notwendigen Einbettung in andere gesellschaftliche Kontexte sowie künstlerische Interventionen zu ihrem emanzipatorischen Potential. Die Beiträge bieten einen gelungenen Einblick in den aktuellen Stand der Debatte dieses noch jungen Feldes.The current debate about pornography asks different questions than it did during the tumultuous 70s. The interdisciplinary articles of this anthology approach pornography as a cultural artifact, as a concept that is interwoven in discourses about sexuality and modernity, about identity and youth. Using empirical, social-scientific methods, the authors address questions about the user behavior of online pornography and adolescent porn consumption, offer theoretical approaches to the indeterminableness of pornography, to its necessary embedding within other societal contexts, as well as artistic interventions for its emancipatory potential. The articles offer successful insights into the current state of the debate of this still young field
Review of: Muriel González Athenas: Kölner Zunfthandwerkerinnen 1650─1750. Arbeit und Geschlecht. Kassel: Kassel University Press 2014.
Die Studie von Muriel González Athenas über die stadtkölnische Wirtschaft zielt darauf, die Verdrängungsthese von Frauen im Handwerk in der Frühen Neuzeit von 1650 bis 1750 zu überprüfen. Aus ihren Tiefenbohrungen in reichhaltigem Quellenmaterial am Beispiel der Goldschmiede-, Wollweber-, Leinenweber- und Schneidergaffel mit insgesamt zehn Zünften fördert sie eine neue Sicht zu Tage: Von einer statischen Benachteiligung oder Verdrängung kann keine Rede sein; die Handlungsmöglichkeiten und Spielräume von Frauen im Handwerk waren in dieser Zeit deutlich größer als das gemeinhin angenommen wird. Vor dem Hintergrund ihrer Perspektive von doing-gender folgert González Athenas, dass sich von einem dekodierbaren und akzeptierten being-Zunfthandwerkerin als angemessener Existenzweise sprechen lässt.Muriel González Athenas’ study on the economy in the city of cologne aims at examining the hypothesis of the displacement of women in craftsmanship in the Early Modern Age from 1650 to 1750. Her deep drillings in rich source material from the goldsmith, wool weaver, linen weaver, and tailor cooperatives, with a total of ten guilds, bring a new perspective to light: a static discrimination or displacement is out of the question; the possibilities for action and the scopes of women in craftsmanship were much greater in this time than commonly assumed. In the light of her perspective of doing-gender, González Athenas claims that a decodable and accepted being-guild-craftswoman as proper mode of existence can be presupposed
Review of: Tina Schmid: Generation, Geschlecht und Wohlfahrtsstaat. Intergenerationelle Unterstützung in Europa. Wiesbaden: Springer VS 2014.
Auf der Basis der SHARE-Studie (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe) untersucht Tina Schmid Geschlechterunterschiede in den Unterstützungsleistungen zwischen den Generationen. Dabei nimmt sie Leistungen von Eltern an erwachsene Kinder und gleichzeitig von erwachsenen Töchtern und Söhnen an ihre Eltern in den Blick. Der innovative Charakter des Buches liegt neben dieser simultanen Betrachtung von Unterstützungsleistungen in beide Richtungen darin, dass die Autorin durch die Verknüpfung von Fragestellungen und Konzeptionen der Generationenforschung mit jenen der Geschlechtersoziologie und der komparativen Wohlfahrtsstaatenforschung zu differenzierten Erkenntnissen und zu einer Perspektivenerweiterung hinsichtlich zeitlicher Unterstützungsleistungen beiträgt.Based on the SHARE-study (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe), Tina Schmid examines gender differences in the benefits between the generations. In doing so, she concurrently takes into account benefits from parents to their adult children as well as benefits from daughters and sons to their parents. The book’s innovative character is due to the author’s simultaneous analysis of benefits in both directions as well as the fact that, by linking questions and concepts from genealogy with those from gender sociology and the comparative study of welfare states, the author provides complex findings and contributes to the expansion of perspectives regarding temporal benefits