Querelles - Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung (QJB)
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Review of: Brigitte Aulenbacher, Birgit Riegraf, Susanne Völker: Feministische Kapitalismuskritik. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot 2015.
In drei Teilbereichen ─ Kapitalismus als Herrschaftszusammenhang, Gerechtigkeitstheorien sowie kapitalismuskritische Praxis ─ fassen die drei Autorinnen in diesem Einstiegsband wesentliche Debatten aus der Schnittmenge von feministischer und kapitalismuskritischer Soziologie zusammen. Dabei richtet sich ihr Augenmerk nicht nur auf wissenschaftliche, theoretische Diskurse, sondern auch auf das praktische Handeln ─ im Sinne einer doppelten Rolle der Soziologie als Gesellschaftsanalyse und als Herstellerin und Reproduzentin gesellschaftlicher Verhältnisse. Das Buch wird durch ein Interview mit der ökofeministischen Aktivistin Ariel Salleh abgerundet. Es bietet als Einstiegsband eine gute Grundlage für die weitere Beschäftigung mit den Themensträngen. In this introduction, the three authors summarize key debates in the intersection of feminist sociology and a sociological critique of capitalism. These are presented in three sections: capitalism as a context of power, theories of justice, and practices of criticizing capitalism. The focus is not only on academic, theoretical discourses, but also on practical actions, thus reflecting sociology\u27s dual role: to produce and to reproduce social relations. The book is topped off by an interview with ecofeminist activist Ariel Salleh. This introductory volume serves as an excellent starting point for further research and exploration
Review of: Ingrid Gilcher-Holtey (Hg.): Eingreifende Denkerinnen. Weibliche Intellektuelle im 20. und 21. Jahrhundert. Stuttgart: Mohr Siebeck Verlag 2015.
Der Sammelband geht auf eine von der Herausgeberin Ingrid Gilcher-Holtey veranstaltete Tagung zurück. In ihm werden die Interventionen von 14 kritischen Intellektuellen (‚weiblichen‘ Geschlechts) präsentiert und reflektiert − von Käthe Kollwitz bis Naomi Klein. Er trägt damit dem Desiderat einer stärkeren Auseinandersetzung mit ‚weiblichen‘ Intellektuellen Rechnung. Die von der Herausgeberin verfasste Einleitung bietet einen reflektierten und lesenswerten Einstieg in das Themenfeld ‚Intellektuellenforschung‘ und die dort bislang zumeist herrschende Vernachlässigung von Frauen. Die Beiträge des Bandes sind geeignet, die Leser/-innen zu einer weitergehenden Auseinandersetzung mit den teilweise noch eher unbekannten Denkerinnen einzuladen.This anthology is the result of a conference organized by its editor Ingrid Gilcher-Holtey. It comprises the interventions of 14 critical intellectuals (of \u27female\u27 gender) - from Käthe Kollwitz to Naomi Klein, thus responding to the rising demand for including a greater number of \u27female\u27 intellectuals into academic debate. The introduction written by the editor provides a highly readable and sophisticated starting point to the field of \u27research on intellectuals\u27, and to the fact that women tend to be neglected in this area. The contributions of this volume invite their readers to delve deeper into the works of these (in some cases yet rather unknown) female thinkers
Review of: Maddie Breeze: Seriousness and Women’s Roller Derby. Gender, Organization and Ambivalence. London u.a.: Palgrave Macmillan 2015.
Mit ihrer autoethnographischen Studie legt Maddie Breeze eine spannende sportsoziologische Analyse der Sportszene Roller Derby vor. Dabei entwickelt sie aus ihrem empirischen Material ein neues soziologisches Konzept von ‚Ernsthaftigkeit‘ und ‚Ernst-genommen-werden(-Wollen)‘, das sich von etablierten, linear gedachten und normativ ausgerichteten Modellen absetzt, beides wird dabei als eine widersprüchliche und ambivalente Praktik neu gedacht. So kann Breeze zeigen, wie es gelingen kann, in Transformationsprozessen neue Identitäts- und Organisationsformen herauszubilden, ohne dafür vorherige zu negieren und aufgeben zu müssen. Ein sehr empfehlenswertes Buch – nicht nur für Sportsoziolog*innen.In her autoethnographic study in the field of sports sociology Maddie Breeze presents a captivating analysis of the roller derby scene. Starting from empirical material she develops a new sociological concept of \u27seriousness\u27 and \u27(wanting-)to-be-taken-seriously\u27 which contrasts with established, linear and normative models – both are re-conceived as a contradictory and ambivalent practice. Thus, Breeze is able to show how new forms of identity and of organization can be successfully established in processes of transformation, without having to negate or dismiss previous ones. A highly recommendable book, not only for sports sociologists
Review of: Heinz Sieburg (Hg.): Geschlecht in Literatur und Geschichte. Bilder ─ Identitäten ─ Konstruktionen. Bielefeld: transcript Verlag 2014.
Zwölf Aufsätze enthält der unter der Herausgeberschaft von Heinz Sieburg entstandene Sammelband, dessen Adressaten Dozierende in den Kulturwissenschaften im weitesten Sinne sind. Der Band beginnt mit zwei theoretischen Einführungen in den Genderdiskurs, führt dann weiter zu textanalytischen und linguistischen Beiträgen und schließt mit einem anthropologischen Aufsatz ab. Die textanalytischen Beiträge reichen vom Frühmittelalter bis zur Postmoderne und überraschen durch die bisweilen sehr innovative Herangehensweise, die die didaktische Zielsetzung zwar immer erkennen lässt, jedoch größtenteils nicht im rein Lehrhaften verbleibt. Jede literarische Epoche wie auch jedes Genre hat, so wird deutlich, fächerübergreifend einiges für die ‚forschungsleitende Elementarkategorie‘ Gender zu bieten.This compendium, edited by Heinz Sieburg, comprises twelve articles aimed mainly at lecturers in cultural studies in the broadest terms. The volume starts off with two introductions to the theory of gender discourse. It then presents a variety of contributions dealing with text analysis and linguistics, and finishes off with an essay on anthropology. The articles on text analysis range in era from the Early Middle Ages to the post-modern era and provide an astonishingly innovative approach: while always indicative of their didactic purpose, for the most part they do not stay within the merely pedagogical realm. As can be seen, each literary age and genre can provide interdisciplinary insights into gender, the „ʻelementary category’ and leading research question“
Review of: Mechthild Koreuber: Emmy Noether, die Noether-Schule und die moderne Algebra. Zur Geschichte einer kulturellen Bewegung. Berlin/Heidelberg: Springer Spektrum 2015.
Dieses Buch bietet eine sorgfältige Analyse der Arbeitsweise Emmy Noethers und ihrer Wirkung auf die zeitgenössische mathematische Disziplin bis zur Herausbildung der modernen Algebra. Mechthild Koreuber zeigt, auf welche Weise sich von der Mathematikerin ausgehend eine wissenschaftliche Schule bildete, obgleich sie nie die institutionellen Voraussetzungen dazu aufwies. Insbesondere werden die sozialen Voraussetzungen und Wirkungsweisen in den Blick genommen, die bei der Verfertigung mathematischer Forschung als auch bei der Bildung von und dem Bruch mit Denktraditionen bedeutsam sind.This book offers a thorough analysis of Emmy Noether\u27s way of working and her impact on contemporary mathematics up to the development of modern algebra. Mechthild Koreuber shows in which way the mathematician inspired a scientific school, although she never possessed the necessary institutional requirements for this. Special emphasis is given to analyzing the social preconditions and social mechanisms that are important for mathematical research as well as for breaking with established traditions of thinking and creating new ones
Review of: Rudolf Käser, Beate Schappach (Hg.): Krank geschrieben. Gesundheit und Krankheit im Diskursfeld von Literatur, Geschlecht und Medizin. Bielefeld: transcript Verlag 2014.
Im vorwiegend kulturwissenschaftlich-orientierten Band widmen sich die Autor_innen dem Wechselverhältnis von literarischen und medizinischen Diskursen mit Blick auf die dabei generierten Wertsysteme. Neben der erzähltheoretischen Perspektive auf die literarische Kommunikation pathogener Phänomene fokussieren sie auf die Bedeutung von Literatur für krankheitsbezogene Verständigungs- und Neuordnungsprozesse in deutschsprachigen Gesellschaftsgefügen des 18.─20. Jahrhunderts. Ein zumeist impliziter Schwerpunkt liegt dabei in den sozialen Dynamiken der geschlechtlichen Positionierung in den untersuchten Texten. Wenngleich das Gros der Beiträge bezüglich der untersuchten Gegenstände und Fragestellungen gendertheoretisch unterkomplex bleibt, bietet die Zusammenstellung methodisch innovative Ansätze als auch interpretative Neu-Einsichten in die historische Wandelbarkeit von Gesundheits- und Krankheitsverständnissen im Kontext der jeweiligen kulturellen Felder.In this volume, written predominantly from a cultural studies perspective, the authors deal with the interrelation of literary and medical discourses in reference to the value systems thus generated. Apart from taking a narratological perspective on the literary communication of pathogenic phenomena, the contributors focus on the role of literature in disease-related processes of communication and processes of reorganization within social fabrics of the German-speaking realm during the 18th to 20th centuries. Special (though mostly implicit) emphasis is put on the social dynamics of gender positioning within the analyzed texts. Although - as to the topics and questions examined - the majority of the contributions lack in complexity in terms of gender theory, the compilation presents methodically innovative approaches as well as new interpretive insights into the historical mutability of how health and illness are defined in the context of the respective cultural fields
Review of: Kirsten Achtelik: Selbstbestimmte Norm. Feminismus, Pränataldiagnostik, Abtreibung. Berlin: Verbrecher Verlag 2015.
Die Journalistin Kirsten Achtelik bearbeitet in historischer Perspektive ein bis heute häufig ignoriertes Thema innerhalb des akademischen wie des politischen Feminismus – das feministische Selbstbestimmungskonzept und gesellschaftspolitische Fragen bei der Nutzung der Reproduktionstechnologien. Anlass sind Auseinandersetzungen um biotechnologische Entwicklungen, in der Hauptsache die Pränataldiagnostik, die im Zusammenhang mit Behinderung problematisiert werden. Achtelik gelingt eine überzeugende Zusammenschau von feministischen Positionen und von Positionen behinderter Feministinnen und veranschaulicht dabei, wie eng die Themen Behinderung und Geschlecht miteinander verschränkt sind.From a historical perspective, the journalist Kirsten Achtelik tackles a topic that up to the present day has been widely ignored within the field of academic and political feminism: the feminist concept of self-determination and social-political questions when it comes to using reproductive technologies. Her argumentation is prompted by discussions about recent biotechnological developments, mainly as regards prenatal diagnostics, rendered problematic in a context of diagnosing handicaps. Achtelik creates a convincing synopsis of feminist positions and of positions of feminists with disabilities, thus illustrating just how closely related are the topics of disability and gender
Review of: Brigitte Bargetz, Andrea Fleschenberg, Ina Kerner, Regina Kreide, Gundula Ludwig (Hg.): Kritik und Widerstand. Feministische Praktiken in androzentrischen Zeiten. Opladen u.a.: Verlag Barbara Budrich 2015.
Ein nach wie vor brisantes Thema wird in diesem Sammelband diskutiert: Formen und Geschichten feministischer Kritik und feministischen Widerstands. Mit einem besonderen Fokus auf das Verhältnis von Theorie und Praxis entsteht dabei ein facettenreicher sozialwissenschaftlicher Blick auf feministisch motivierte Einsprüche in bestehende Verhältnisse. Auch wenn die zentralen Fragen und Erkenntnisse der Beiträge nicht immer neu sind, so ist ihre Zusammenstellung – gerade als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung – ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Geschlechterforschung, der auch zu kontroversen Diskussionen einlädt.This anthology deals with a topic that is still controversially discussed: Forms and History of Feminist Criticism and Feminist Resistance. While foregrounding the relation between theory and practice, the volume provides a multi-faceted, social-scientific perspective on feminist objections to existing social conditions. Even though the key questions and the findings presented are not always new, this compilation still forms an important contribution to current women\u27s studies (particularly as a topic in social scientific research) and will invite debate
Review of: Beate Hochholdinger-Reiterer: Kostümierung der Geschlechter. Schauspielkunst als Erfindung der Aufklärung. Göttingen: Wallstein Verlag 2014.
Von geschlechtlichen Einlagerungen in Sprache und deren Funktionen beim Schreiben der Theatergeschichte der deutschsprachigen Aufklärung handelt die von Beate Hochholdinger-Reiterer vorgelegte Habilitationsschrift. Die von ihr aufgedeckten sprachlichen Codes, die als ‚heimliche Archive‘ fungieren, werden auf die durch sie vermittelte symbolische Ordnung der Geschlechter hin analysiert. Prozesse der Literarisierung, Institutionalisierung und Subventionierung führten in dieser Epoche zur Etablierung des ‚einen‘ Theaters. Diese Prozesse verhandelten jedoch gleichermaßen Fragen des Nationalstaates und der Geschlechterordnung mit und konstruierten hinsichtlich letzterer eine ‚patrilineare Genealogie‘, die ‚andere‘ Diskurse mit ‚anderen‘ Ordnungen, die es in den Umbrüchen nachweislich auch gab, stimmlos gelassen haben.Beate Hochholdinger-Reiterer\u27s postdoctoral thesis deals with how gender is incorporated into language, and how these incorporations function in the process of writing theater history during the age of German-speaking enlightenment. She reveals linguistic codes - which serve as \u27secret archives\u27 - and analyzes the symbolic order of gender they convey. In that era, processes of literarization, institutionalization and subsidization lead to the establishment of the \u27one\u27 theatre. At the same time, however, these processes contributed to debates about the national state and gender and, concerning the latter, constructed a \u27patrilineal genealogy\u27, thus rendering voiceless \u27other\u27 discourses representing \u27other\u27 orders which - verifiably - also existed in those times of change
Review of: Clarissa Rudolph: Geschlechterverhältnisse in der Politik. Eine genderorientierte Einführung in Grundfragen der Politikwissenschaft. Opladen u. a.: Verlag Barbara Budrich 2015.
Clarissa Rudolph legt eine extrem komprimierte Einführung in die politikwissenschaftliche Geschlechterforschung vor und gibt einen ersten Einblick in die empirische Forschung sowie in die theoretischen Debatten des Forschungszweiges. Mit ihrem Buch richtet sie sich an Studierende, die sich einen groben Überblick über das Forschungsfeld verschaffen wollen. Die knappe Darstellung bedingt es, dass Generalisierungen und Verkürzungen nicht ausbleiben. Zum weiterführenden Selbststudium ist das Buch deshalb nur bedingt geeignet. Hierzu sollten unbedingt die jedes Kapitel abschließenden Literaturempfehlungen sowie zusätzliche weiterführende Literatur herangezogen werden.Clarissa Rudolph presents here an extremely concise introduction to gender studies in political science, offering a brief insight into the empirical research of this branch of research as well as into its theoretical debates. This book is aimed at students who want to get a general idea of this field of research. Inevitably, the concise nature of this book entails generalizations and reductions. For a more in-depth understanding of the subject, it is recommended to have a closer look at the further reading suggestions at the end of each chapter and also consult additional literature