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Implications of an EU Import Stop on Food: A Dark Cloud with a Silver Lining?
Disruptions of international trade chains are omnipresent: The COVID-19 pandemic, the recent US-Chinese “trade war” and the congestion of the Suez Canal. What are the effects and underlying mechanisms of a comprehensive trade stop? To answer these questions, I used the partial equilibrium model CAPRI and simulated an almost complete stop for all food imports into the EU. In the import stop scenario, EU prices increased for all products, but to different extent. This led to an increase in agricultural production, which caused an increase in GHG emissions. The EU’s trading partners experienced a decrease in income from exports. As also the EU’s exports decreased, the trading partners substituted these through an increase in domestic production. This increase was largest in animal production which is associated with a high value-added and thus income opportunities to the concerned regions. These results clearly show that an EU import stop in food has a substantial negative impact in monetary and environmental terms in- and outside of the EU. However, the results suggest that a reduction of EU exports can foster the economic development in other regions. I could show that the effects of a comprehensive, far-reaching import stop are higher than the sum of the effects of the single product import stops. This finding indicates that the implication of imposing or lifting a trade restriction for a specific product can differ depending on which trade restrictions are in place for other products
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Disruptions of international trade chains are omnipresent: The COVID-19 pandemic, the recent US-Chinese “trade war” and the congestion of the Suez Canal. What are the effects and underlying mechanisms of a comprehensive trade stop? To answer these questions, I used the partial equilibrium model CAPRI and simulated an almost complete stop for all food imports into the EU. In the import stop scenario, EU prices increased for all products, but to different extent. This led to an increase in agricultural production, which caused an increase in GHG emissions. The EU’s trading partners experienced a decrease in income from exports. As also the EU’s exports decreased, the trading partners substituted these through an increase in domestic production. This increase was largest in animal production which is associated with a high value-added and thus income opportunities to the concerned regions. These results clearly show that an EU import stop in food has a substantial negative impact in monetary and environmental terms in- and outside of the EU. However, the results suggest that a reduction of EU exports can foster the economic development in other regions. I could show that the effects of a comprehensive, far-reaching import stop are higher than the sum of the effects of the single product import stops. This finding indicates that the implication of imposing or lifting a trade restriction for a specific product can differ depending on which trade restrictions are in place for other products
Fundamental Changes in Food: Improving the Toolbox of Simulation Modeling
Zusammenfassung
Hintergrund
Das globale Agrar- und Ernährungssystem trägt entscheidend zur Überschreitung der planetarischen Grenzen bei (Rockström et al., 2009b, 2009a). Crippa et al. (2021) schätzen, dass das Agrar- und Ernährungssystem weltweit 34 % der anthropogenen Treibhausgasemissionen verursacht. Im Gegensatz zu anderen Sektoren, die durch technologische Fortschritte vollständig dekarbonisiert werden können, bedarf es in der Landwirtschaft zusätzlicher Strategien (Grethe et al., 2021). In Anbetracht der Tatsache, dass etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Emissionen auf die Landnutzung zurückzuführen ist (Crippa et al., 2021), ist die Verringerung des Flächenverbrauchs eine wichtige Option zur Emissionsreduktion. Statt zur Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln könnten freiwerdende Flächen durch Aufforstung, Wiedervernässung organischer Böden oder Wiederherstellung von natürlicher Vegetation für die Kohlenstoffbindung genutzt werden. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Bodennutzung geht auf die Tierhaltung zurück (Alexander et al., 2015; Ritchie and Roser, 2024). Der Verbrauch von tierischen Erzeugnissen ist weltweit ungleich verteilt, wobei der Pro-Kopf-Verbrauch in den Industrieländern höher ist als in Ländern mit geringerem Einkommen (Heinrich Böll Stiftung, 2021). Eine Ernährungsumstellung in den Industrieländern ist dementsprechend ein wichtiger Hebel um die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft zu verringern (Gerten et al., 2020; Springmann et al., 2018, p. 4; Sun et al., 2022). Neben den hohen Verzehrmengen tierischer Lebensmittel, sind „western diets“ durch hohe Verzehrmengen von Getreide, raffiniertem Zucker, pflanzlichen Ölen und Salz, sowie durch geringe Verzehrmengen von Ballaststoffen gekennzeichnet (Adolph and Tilg, 2024). Diese Ernährungsweise wird mit Überernährung bei gleichzeitigem Mangel an Mikronährstoffen, sowie chronischen Krankheiten (Adolph and Tilg, 2024) und weniger gesunden Lebensjahren (Afshin et al., 2019) in Verbindung gebracht. Die isolierte Analyse kausaler Zusammenhänge zwischen einzelnen Lebensmitteln und Krankheiten reicht nicht aus, um die gesundheitlichen Auswirkungen eines Ernährungsstils zu erfassen. Stattdessen sollte das gesamte Ernährungsmuster betrachtet werden. So wird beispielsweise rotes Fleisch häufig in ungesunden Fast-Food-Kombinationen verzehrt. Entsprechend unterscheiden sich vegetarische Ernährungsformen von einer fleischreichen Ernährung nicht nur hinsichtlich des Fleischverzehrs, sondern beispielsweise auch durch eine geringere Energieaufnahme (Scarborough et al., 2023). Viele Ernährungsempfehlungen zielen heute darauf ab, geringe negative Umweltauswirkungen mit individueller Gesundheit in Einklang zu bringen (Schäfer et al., 2024; Willett et al., 2019). Die Veränderung von Ernährungsgewohnheiten ist jedoch ein komplexer Prozess (Conti et al., 2021). Verschiedene Faktoren wie die Verfügbarkeit und Präsentation von Lebensmitteln, relative Preise und in der Kindheit erlernte Gewohnheiten beeinflussen die Verbraucher*innen. Eine erfolgreiche Ernährungsumstellung erfordert eine faire Ernährungsumgebung, in der eine gesunde und nachhaltige Ernährung die einfachste und kostengünstigste Wahl für die Verbraucher*innen ist. Selbst in wohlhabenden Ländern wie Deutschland können sich nicht alle Konsument*innen eine gesunde Ernährung leisten und Haushalte mit geringem Einkommen sind teilweise von Ernährungsarmut betroffen (DGE, 2024; WBAE, 2023, 2020).
Der internationale Handel hat dazu beigetragen, Lebensmittelpreise zu senken und die Verfügbarkeit von Lebensmitteln zu verbessern. Dies ist vor allem in Ländern, die nicht über die Ressourcen verfügen, um ausreichend und vielfältige Lebensmittel für ihre Bevölkerung zu produzieren, von entscheidender Bedeutung (Allouche, 2011; Porkka et al., 2017; Suweis et al., 2015). Entsprechend trägt internationaler Handel in einigen Regionen zur Erreichung des zweiten Ziels für nachhaltigen Entwicklung (SDG) "Kein Hunger" bei. Etablierte Handelsbeziehungen mit mehreren Ländern erhöhen die Widerstandsfähigkeit der nationalen Agrar- und Ernährungssysteme, indem sie Preisschocks abfedern (Gouel and Laborde, 2021; Puma et al., 2015; Stevanović et al., 2016; Zimmermann et al., 2018) und die Wertschöpfungsketten weniger anfällig für plötzliche Unterbrechungen, wie etwa lokale extreme Wetterereignisse, machen (Godfray et al., 2010; Kummu et al., 2020; Marchand et al., 2016). Auf diese Weise kann der globale Handel die Anpassung an den Klimawandel unterstützen (Cottrell et al., 2019; Godfray et al., 2010; Kummu et al., 2020; Marchand et al., 2016; Puma et al., 2015). Zum umgekehrten Effekt, also der Frage, wie der internationale Handel auf das Klima wirkt, lassen sich jedoch keine eindeutigen Aussagen treffen. Einerseits bedeutet der internationale Handel eine globale Produktionsallokation entsprechend den komparativen Vorteilen und den niedrigsten Produktionskosten. Der sich daraus ergebende Rückgang der globalen Preise führt zu erhöhtem Konsum und damit zu erhöhter Produktion und Treibhausgasemissionen (Lin et al., 2019; Liu et al., 2020). Andererseits geht ökonomische Effizienz oft mit Effizienz in puncto Treibhausgasemissionen einher. Günstige klimatische Bedingungen, geeignete Böden und fortschrittliche Technologien senken tendenziell die Produktionskosten und den Flächenbedarf, was die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen pro produzierter Einheit verringert. Daher führt globaler Handel auch zu einer klimaeffizienten globalen Verteilung der Produktion (Lu et al., 2020; Wang et al., 2022).
Forschungslücke
Die Umgestaltung globaler Agrar- und Ernährungssysteme zur Bewältigung von Umwelt- und Gesundheitsproblemen erfordert verschiedene Ansätze. In dieser Arbeit befasse ich mich mit drei Forschungslücken in Bezug auf Verbraucherverhalten und internationalen Handel.
Die erste Forschungslücke betrifft die Literatur zum internationalen Handel. Es gibt viele wissenschaftliche Veröffentlichungen zu fortlaufender Handelsintegration, konkreten Handelsabkommen und bestimmten Fälle von Handelsunterbrechungen (Headey, 2011; Lu et al., 2020; Rutten et al., 2013; Seti and Daw, 2022). Es gibt jedoch keine Forschung zu Störungen im internationalen Handel, die den gesamten Agrar- und Ernährungssektor betreffen, d. h. keine Forschungsarbeiten, die dabei helfen könnten, zu ermitteln, welche Teile des Agrar- und Ernährungssektors am stärksten von Handelsunterbrechungen betroffen wären.
Die zweite Forschungslücke bezieht sich auf die Reaktionen der Verbraucher*innen auf veränderte Marktbedingungen, wie Preis- oder Einkommensänderungen, und wie diese Reaktionen in Simulationsmodellen erfasst werden. Die Funktionsformen, die die Nachfrage in vielen Simulationsmodellen abbilden, sind nicht universell für alle Kontexte und Szenarien geeignet, für die die Modelle verwendet werden. Dies gilt insbesondere für die Modellierung von Extremszenarien, die zu Ergebnissen führen, die weit vom Gleichgewicht des Referenzszenarios entfernt sind.
Die dritte Forschungslücke hängt mit der zweiten zusammen. Sektorale Simulationsmodelle wie CAPRI verwenden normalerweise Marktbilanzdaten. Diese enthalten die für den menschlichen Verzehr verfügbaren Mengen. Abgesehen von der Nahrungsaufnahme beinhalten diese Mengen auch die Abfälle in den Haushalten und im Einzelhandel. Daher sind Analysen der Aufnahme von Lebensmitteln, Energie und Nährstoffen auf der Grundlage von sektoralen Simulationsmodellen oft ungenau. Darüber hinaus wird der menschliche Konsum in sektoralen Simulationsmodellen in der Regel in Bezug auf Rohprodukte (RPC, z. B. Milch) oder deren Derivate nach erster Verarbeitung (z. B. Butter) dargestellt. Die Verbraucher*innen treffen ihre Ernährungsentscheidungen jedoch nicht in Bezug auf Rohprodukte, sondern auf Lebensmittel, die oft aus mehreren Rohprodukten oder deren Derivaten bestehen. Daher kann eine Nachfragemodellierung auf Ebene der Rohprodukte das Verhalten der Verbraucher*innen nicht genau erfassen. Die derzeitigen sektoralen Simulationsmodelle können nur in begrenztem Maße politische Empfehlungen dazu geben, wie Verbraucher*innen ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen könnten. Zurzeit können diese Modelle lediglich Szenarien abbilden, in denen eine Ernährungsumstellung bereits vollzogen wurde.
Zentrale Ergebnisse und Beiträge
Diese Arbeit leistet auf dreierlei Weise einen Beitrag zur Modellierung fundamentaler Veränderungen in Bezug auf Ernährung. Kapitel 2 leistet einen theoretischen Beitrag. Kapitel 3 bis 5 tragen Modellierungsanwendungen bei. In Kapitel 6 stelle ich eine eigene Modellentwicklung vor, die die Abbildung des Konsumverhaltens in sektoralen Simulationsmodellen verbessert.
In Kapitel 2 stelle ich drei Ansätze zur Nachfragemodellierung vor: erstens Probleme der linearen (LP) und quadratischen Programmierung (QP), zweitens Nachfragesysteme, die sich aus der Maximierung des Nutzens aus dem Konsum von Gütern ableiten, und drittens Nachfragesysteme, die sich aus der Maximierung des Nutzens aus dem Konsum der Charakteristika von Gütern ableiten. Alle drei Ansätze basieren auf der Annahme, dass Verbraucher*innen optimierend handeln. Die Ansätze unterscheiden sich hinsichtlich der Formulierung des Optimierungsproblems: Was ist das Ziel der Optimierung, was ist die Restriktion und was ist die Entscheidungsvariable? Ich stelle die wichtigsten Varianten von LP- und QP-Problemen vor, ausgehend von Stigler‘s „diet problem“, einer möglichst günstigen Ernährung, die den Nährstoffbedarf deckt (Stigler, 1945). Ich beschreibe Weiterentwicklungen, die die Präferenzen der Konsumierenden einbeziehen und in welchen Bereichen die Probleme Anwendung finden, z. B. bei der Menüplanung in der Gemeinschaftsverpflegung (Lancaster, 1992) oder in den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) (Schäfer et al., 2024).
Ich gebe einen Überblick über vier Nachfragefunktionen, die sich aus der Nutzenmaximierung in Bezug auf den Konsum von Gütern ableite lassen und in Simulationsmodellen genutzt werden: die Nachfragefunktion mit konstanten Substitutionselastizitäten (CES), ihre Unterformen Leontief und Cobb-Douglas sowie das lineare Ausgabensystem (LES). Ich leite die relevanten Eigenschaften jeder funktionalen Form ab und diskutiere, was diese für die Eignung einer funktionalen Form für bestimmte Modellierungskontexte bedeuten. Dies ist nicht immer eindeutig, denn die Eigenschaften haben in einigen Fällen widersprüchliche Implikationen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass keine der vorgestellten funktionalen Formen geeignet ist, um fundamentale Veränderungen in der Ernährung zu modellieren. Zur Simulation von geringeren Veränderungen, sind die beschriebenen Einschränkungen jedoch akzeptabel.
Ich entwickle die Grundzüge eines Nachfragesystems, das auf dem Konzept basiert, dass Verbraucher*innen Nutzen aus dem Konsum der Charakteristika von Gütern ableiten und nicht aus den Gütern selbst. Auf diese Weise addressiere ich die Einschränkungen, die ich in Bezug auf die vorgestellten Nachfragesysteme herausgearbeitet habe: Erstens erlauben die LP- und QP-Modelle keine Differenzierung danach, wie sehr eine so modellierte Ernährung den Nährstoffbedarf verfehlt. In dem von mir in Grundzügen entwickeltem Nachfragesystem leiten Verbraucher*innen den Nutzen aus der Nährstoffaufnahme ab, d. h. je näher die Nährstoffaufnahme dem Optimum ist, desto höher ist der abgeleitete Nutzen. Zweitens verwenden Simulationsmodelle, die eine der vorgestellten funktionalen Formen nutzen, in der Regel nicht den Verzehr von Lebensmitteln als Entscheidungsvariable, sondern kategorisieren Lebensmittel als Rohprodukte (z.B. Milch), Rohproduktderivate (z.B. Butter) oder bilden große Aggregate (z.B. „andere verarbeitete Lebensmittel“). Die Anwendung von funktionalen Formen auf Lebensmittel wäre jedoch aufgrund deren großer Anzahl eine Herausforderung. Auch die Beziehungen zwischen den Lebensmitteln, d. h. ob sie Substitute oder Komplemente sind, sind schwer zu bestimmen. Ein geeigneter Weg, um die Nachfragemodellierung von der Ebene der Rohprodukte auf die Ebene der Lebensmittel zu übertragen, ist, die Nachfrage nach Lebensmitteln auf der Grundlage der Lebensmittelcharakteristika zu modellieren. Ich schlage spezifische Formen für die Nutzenfunktion vor, die die unterschiedlichen Arten der Charakteristika berücksichtigen und sich auf die Anwendung für Lebensmittel fokussieren. Ich gruppiere Charakteristika, die demselben Zweck dienen. Ich lasse verschiedene Spezifikationen der Beziehung zwischen Nutzen und Charakteristika zu, wobei ich mich auf Nährstoffe als eine Gruppe von Charakteristika fokussiere. Ich leite eine Nachfragefunktion aus der Maximierung des Nutzens unter einer Budgetbeschränkung ab.
Als zweiten Beitrag simuliere ich vier Szenarien von Handelsunterbrechungen in Modellen, die funktionale Formen verwenden, die ich in Kapitel 2 vorgestellt habe.
Kapitel 3: Das erste Szenario einer Handelsunterbrechung kann sich aus unterschiedlichen Vorschriften in verschiedenen Ländern ergeben. So entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2018, dass genom-editierte (GE) Pflanzen gekennzeichnet werden müssen, während andere Regionen GE-Pflanzen wie konventionell gezüchtete Pflanzen behandeln und keine Kennzeichnung verlangen. Da es nicht möglich ist, ex-post festzustellen, ob eine Pflanze konventionell oder mithilfe von Genom-Editierung gezüchtet wurde, müssen Importunternehmen das Risiko eingehen, versehentlich nicht gekennzeichnete GE-Pflanzen einzuführen. Zusammen mit Ko-Autor*innen simuliere ich einen Importstopp, der eintreten könnte, wenn EU-Unternehmen zur Vermeidung dieses Risikos ganz auf den Import von Pflanzen verzichten, bei denen es marktreife genom-editierte Sorten gibt. Die Simulation umfasst Getreide und Sojabohnen und wird mit dem partiellen Gleichgewichtsmodell CAPRI durchgeführt.
Kapitel 4: Gemeinsam mit Ko-Autoren erweitere ich diesen Importstopp auf alle Lebens- und Futtermittel. Diese Simulation ermöglicht eine detaillierte Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Wertschöpfungsketten im EU-Agrarsektor. Das Szenario kann sowohl als Einfuhrstopp infolge von politischen Entscheidungen der EU als auch als Ausfuhrstopp von Handelspartner*innen der EU interpretiert werden. Sojabohnen sind der zentrale Agrarrohstoff, der die EU-Landwirtschaft mit dem Weltmarkt verbindet. Soja ist ein wichtiges Futtermittel; daher wirkt ein Importstopp auf die EU-Landwirtschaft über den Tiersektor. Der Importstopp bei den meisten anderen Erzeugnissen kann von der EU-Landwirtschaft ohne starke Preisauswirkungen aufgefangen werden, da die EU sich bei vielen Lebensmitteln nahezu selbst versorgen kann und über eine ausreichende Größe und Vielfalt an agrarökologischen Zonen verfügt, um viele verschiedene Erzeugnisse zu produzieren. Aufgrund der geringeren Verfügbarkeit von Soja für Futtermittel in einem Importstopp-Szenario, gehen die Fleischproduktion und die Exporte der EU zurück. In anderen Regionen der Welt nimmt die Produktion zu. Die Fleischproduktion in der EU ist relativ kosteneffizient und verursacht weniger Treibhausgasemissionen pro Einheit als die Fleischproduktion in anderen Regionen. Der EU-Importstopp führt zu einer Umverteilung der Fleischproduktion in Regionen, in denen die Produktion teurer und weniger emissionseffizient ist. Folglich steigen die globalen Preise und die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft. Anstatt Importe zu unterbinden, würde eine Reduktion der Fleischproduktion und des Fleischkonsums die Abhängigkeit der EU von Sojaimporten wirksam verringern, während gleichzeitig globale Treibhausgasemissionen reduziert würden. Flächen, die nicht für die Futtermittelproduktion genutzt werden, könnten ökologischen Zwecken zugeführt werden und dazu beitragen, die Klimaziele und die verbindlichen EU-Richtlinien zur Luft- und Wasserqualität zu erfüllen.
Kapitel 5: Importabhängigkeit ist auch außerhalb der EU ein Thema. In Zeiten zahlreicher Handelsunterbrechungen könnten politische Entscheidungsträger*innen die Förderung der heimischen Nahrungsmittelproduktion als eine Win-Win-Situation betrachten, in der die heimische Beschäftigung geschützt und die Abhängigkeit von unsicheren Handelsbeziehungen verringert wird (Cottrell et al., 2019; Maetz et al., 2011; Marchand et al., 2016; Puma et al., 2015). Ich präsentiere zwei Modellierungsstudien zu Präferenzverschiebung hin zu heimischen Produkten, beispielsweise infolge nichttarifärer Maßnahmen wie Kampagnen zur Förderung lokaler Produkte. Für Benin modelliere ich eine Präferenzverschiebung hin zu inländisch produziertem Fisch, Geflügel und Reis und vergleiche die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Präferenzverschiebung für die einzelnen Lebensmittel. Für Kenia simuliere ich eine Präferenzverschiebung hin zu inländisch produziertem Mais und vergleiche sie mit einem Zoll, der zu demselben Rückgang der Importe führt. Die gestiegene Nachfrage nach heimischen Produkten erhöht den Preis des Produkts. Sie erhöht die inländische Produktion, und aufgrund der Konkurrenz um Produktionsfaktoren steigen auch die Preise anderer Produkte. Insgesamt führt dies zu einem Rückgang des privaten Konsums. Unterschiedliche Faktorintensitäten der betreffenden Produkte beeinflussen das Haushaltseinkommen unterschiedlich. Interessanterweise haben die Interventionen in beiden Ländern starke indirekte Auswirkungen auf die wichtigsten Exportindustrien, nämlich Baumwolle und Baumwollverarbeitung in Benin und Tee und Blumen in Kenia. Daraus schließe ich, dass Interventionen in den Sektoren Geflügel, Reis und Fisch in Benin und Mais in Kenia keine gute Wahl sind, um die Nettozahlungen aus dem Ausland zu erhöhen. Die Szenarien wurden gemeinsam mit Ko-Autor*innen aus beiden Ländern entwickelt. Die Simulationen wurden mit dem allgemeinen Gleichgewichtsmodell STAGE durchgeführt. Ich entwickle eine neue Methode zur Präferenzverschiebung zwischen inländischen und importierten Produkten, den perceived price distortion factor. Dieser Parameter ermöglicht es, das Verhalten der Verbraucher*innen so zu modellieren, als ob der relative Preis des inländischen Gutes niedriger wäre als er ist, während die Preise tatsächlich gleichbleiben.
Der dritte Beitrag ist die Entwicklung eines Modells zur Verbesserung von Simulationsmodellen wie CAPRI und STAGE hinsichtlich ihrer Fähigkeit, den Lebensmittelkonsum und Veränderungen in der Ernährung zu modellieren. Ich stelle diesen Beitrag in Kapitel 6 vor.
Als Grundlage verbessere ich das Verständnis des Status quo-Konsums. Um auf Verzerrungen und Fehler in den Daten einzugehen, erstelle ich eine Datenbank, die Informationen aus sieben Datensätzen kombiniert und zuverlässiger ist als die einzelnen Datensätze. Ich konsolidiere die Datensätze zu einem konsistenten Mengenfluss und verbinde so 619 Rohprodukte in 42 Kategorien der CAPRI-Marktbilanz mit 85 Prozessen, die die Rohprodukte in 797 verschiedene Derivate umwandeln, die entweder in dieser Form verzehrt oder zu einem von 906 Lebensmitteln kombiniert werden. Die Verbindung von Verzehrmengen mit Rezepturen und Verarbeitungskoeffizienten ermöglicht es, sowohl den direkten als auch den indirekten Verzehr von Rohprodukten zu analysieren. Ich quantifiziere das erhebliche Ausmaß, in dem viele Rohprodukte als Zutaten in anderen Lebensmitteln verzehrt werden. Ich stelle fest, dass der Gesamtverzehr von Eiern, rotem Fleisch, Streichfetten und pflanzlichen Ölen wesentlich höher ist als der direkte Verzehr, wie er in der genutzten Verzehrstudie angegeben wird.
Ausgehend von dem konsistenten Mengenfluss, modelliere ich die Umsetzung von Ernährungsempfehlungen. Ich unterscheide zwischen zwei Arten von Empfehlungen. Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen (FBDG) beziehen sich auf Verzehrmengen für Gruppen von Lebensmitteln, z.B. für Getreideprodukte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) veröffentlicht ihre Empfehlungen in diesem Format (Schäfer et al., 2024). Im Gegensatz dazu empfiehlt die Planetary Health Diet (PHD) der EAT-Lancet-Kommission (Willett et al., 2019) Verzehrmengen von Rohproduktäquivalenten, z. B. pflanzlichen Ölen, ohne weitere Angaben, wie diese verzehrt werden sollen. Das von mir entwickelte Modell ermöglicht die Übertragung der Empfehlungen auf die jeweils anderen Ebenen und macht die verschiedenen Arten von Empfehlungen vergleichbar.
Ich berechne die Marktbilanzmengen, die mit einer deutschlandweiten Umsetzung der DGE-Empfehlungen verbunden wären. Diese Übertragung ermöglicht eine genaue Modellierung der FBDG in einem sektoralen Simulationsmodell wie CAPRI. Bei Rohprodukt-basierten Empfehlungen wie der PHD gibt es unendlich viele Kombinationen von Lebensmitteln, mit denen Konsumierende die empfohlenen Verzehrmengen von Rohproduktäquivalenten erreichen können (z. B. können Pflanzenöle direkt oder indirekt in Salatdressing, Kuchen oder Pommes frites verzehrt werden). Ich ermittle die Kombination von Lebensmitteln, die den Essgewohnheiten der Verbraucher*innen möglichst nahe kommt und gleichzeitig die PHD-Empfehlungen zum Verzehr von Rohproduktäquivalenten erfüllt. Anhand des konsistenten Mengenflusses lässt sich außerdem die Genauigkeit der Empfehlungen bewerten. Ich analysiere den direkten und indirekten Verzehr von Rohproduktäquivalenten bei der Umsetzung der DGE-Empfehlungen. Bei einigen Lebensmitteln stelle ich erhebliche Abweichungen fest. So empfiehlt die DGE beispielsweise die Aufnahme von 12 g pflan
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