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Syntaktische Variation in den Regionalsprachen des Deutschen
Zu den Zielen des Projekts Regionalsprache.de (REDE) gehört die erstmalige systematische Dokumentation und Analyse der Struktur und Dynamik der modernen Regionalsprachen des Deutschen (nach Schmidt / Herrgen 2011). In der jetzigen Projektphase betrifft dies die Morphosyntax der Sprechlagen und Varietäten der Regionalsprachen. Untersucht werden die regional bedingten syntaktischen Varianten von Sprecher*innen mit unterschiedlichem sozio-demographischem Profil, gleich ob sie Varianten des Dialekts, Regiolekts oder Kolloquialstandards (nach Schmidt / Herrgen 2011) darstellen. Unsere Untersuchung zielt somit auf das gesamte variative Spektrum zwischen den zwei Polen Dialekt und Standardsprache.
Neuerdings hat Kallenborn (2019: 47) auf das Desiderat hingewiesen, dass „die moderne Regionalsprachenforschung und die Dialektsyntax bisher noch nicht ausreichend zusammengeführt wurden“. Während die Dialektsyntax in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt hat und mittlerweile einige Ergebnisse darüber vorliegen, welche Konstruktionen in welcher Häufigkeit in welchen Teilräumen vorkommen (z. B. SyHD, Plattdüütsch hüüt), liegen kaum Untersuchungsergebnisse dazu vor, welche syntaktischen Phänomene in welcher Häufigkeit in der Vertikale vorkommen. Es liegen keine großangelegten Studien vor, die systematisch die horizontalen und vertikalen Variationsdimensionen syntaktischer Phänomene untersuchen, auch wenn Einzelstudien (etwa Berg 2012, Langhanke 2012) zum vertikalen Spektrum im niederdeutschen Raum vorliegen.
In Anlehnung an die Methoden des Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA) werden Fragebogen mit einem Umfang von etwa 25 bis 30 Aufgaben in regelmäßigen Abständen ins Internet gestellt. Dabei entstammen die Erhebungsaufgaben dem Aufgabenpool regionaler (dialektsyntaktischer) Atlasprojekte. Im Unterschied zum AdA kontrollieren wir allerdings die Varietät und erheben die syntaktische Systemebene und im Unterschied zu den dialektsyntaktischen Projekten interessieren wir uns nicht nur für die horizontale, sondern auch für die vertikale Differenzierung syntaktischer Varianten (vgl. Kasper / Pheiff 2019). Im Gegensatz zu den üblichen Methoden der Dialektsyntax präsentieren wir die Stimuli standardsprachlich (zur theoretischen Begründung s. Kasper / Pheiff 2018). Mittlerweile wurden drei Umfragen verschickt, für die mehrere Tausend vollständige ausgefüllte Fragebogen vorliegen.
Wir werden im Vortrag die Ergebnisse für drei ausgewählte Phänomene präsentieren: Präteritumschwund, Ausdruck von Progressivität und Relativsatzeinleitungen. Dabei zeigen wir die horizontale (= regionale), vertikale und intergenerationelle Strukturierung der Varianten. Wir können einige ausgewählte Ergebnisse folgendermaßen zusammenfassen: Der Präteritumschwund erfolgt areal gestaffelt und zwar auch in allen Varietäten über die Zeit hinweg in Übereinstimmung mit Fischer (2018, 2020). Die Ergebnisse zum Ausdruck von Progressivität decken sich weitgehend mit der Literatur in Bezug auf die tun- Periphrase und den am-Progressiv. Die Ergebnisse einer Analyse in apparent time sind aber insofern überraschend, als sie Erwartungen über das Vorkommen des am-Progressivs in standardnäheren Sprechlagen zu widersprechen scheinen (vgl. Flick / Kuhmichel 2013). In Bezug auf die Relativsatzeinleitungen nehmen die Varianten was und welch- in standardnäheren Sprechweisen in der Frequenz zu.
Literatur
AdA = Elspaß, Stefan / Robert Möller (2015): Atlas zur deutschen Alltagssprache. (ADA). In: Roland Kehrein / Alfred Lameli / Stefan Rabanus (eds.): Regionale Variation des Deutschen. Projekte und Perspektiven. Berlin / Boston: De Gruyter Mouton, 519–539.
Berg, Kristian (2012): Spuren niederdeutscher Syntax im lokalen Hochdeutsch. In: Robert Langhanke / Kristian Berg / Michael Elmentaler / Jörg Peters (eds.): Niederdeutsche Syntax. Marburg: Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas, 205–226. (Germanistische Linguistik. 220).
Flick, Johanna / Katrin Kuhmichel (2013): Der am-Progressiv in Dialekt und Standardsprache. In: Jahrbuch für germanistische Sprachgeschichte, 52–76.
Fischer, Hanna (2018): Präteritumschwund im Deutschen. Dokumentation und Erklärung eines Verdrängungsprozesses. Berlin / Boston: Walter de Gruyter. (Studia Linguistica Germanica. 132).
Fischer, Hanna (2020): Gesprochene Sprache im Fokus: Gebrauchslinguistische Studien zu grammatischen Kategorien des Deutschen: Marburg: Habilitationsschrift.
Kallenborn, Tim (2019): Regionalsprachliche Syntax: Horizontal-vertikale Variation im Moselfränksichen. Stuttgart: Steiner. (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte. 176).
Kasper, Simon / Jeffrey Pheiff (2018): Standarddeutsche oder dialektalisierte Stimuli? Zum Einfluss der Stimulusform auf die Ergebnisse indirekter dialektsyntaktischer Erhebungen. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, 85(2), 129–164.
Kasper, Simon / Jeffrey Pheiff (2019): Morphosyntax der Regionalsprachen. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik, 47(1), 249–253.
Langhanke, Robert (2012): Norddeutsche Regiolektsyntax im arealen und intergenerationellen Vergleich. In: Langhanke, Robert / Berg, Kristian / Elmentaler, Michael / Peters, Jörg (Hrsg.): Niederdeutsche Syntax. Marburg: Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas, 227–269. (Germanistische Linguistik. 220).
Schmidt, Jürgen Erich / Joachim Herrgen (2011): Sprachdynamik. Eine Einführung in die moderne Regionalsprachenforschung. Berlin: Erich Schmidt Verlag
Die Erhebung der regionalsprachlichen Syntax des Deutschen: horizontal, indirekt, vertikal und online
Going Beyond Counting First Authors in Author Co-citation Analysis
The present study examines one of the fundamental aspects of author co-citation analysis (ACA) - the way co-citation
counts are defined. Co-citation counting provides the data on which all subsequent statistical analyses and mappings
are based, and we compare ACA results based on two different types of co-citation counting - the traditional type that
only counts the first one among a cited work's authors on the one hand and a non-traditional type that takes into
account the first 5 authors of a cited work on the other hand. Results indicate that the picture produced through this non-traditional author co-citation counting contains more coherent author groups and is therefore considerably clearer. However, this picture represents fewer specialties in the research field being studied than that produced through the traditional first-author co-citation counting when the same number of top-ranked authors is selected and analyzed. Reasons for these effects are discussed
Syntaktische Variation zwischen Standardsprache und Dialekt: Ergebnisse aus dem Projekt "Regionalsprache.de" (REDE)
Variation und Wandel in der Morpho-Syntax der (bundes)deutschen Regionalsprachen
Im Rahmen des Langzeitprojekts Regionalsprache.de (REDE) wird die (Morpho-)Syntax der Regionalsprachen des Deutschen erstmals flächendeckend für die gesamte Bundesrepublik Deutschland erhoben. Die geographische Variation (morpho-)syntaktischer Variablen ist zwar mittlerweile gut untersucht, da die Dialektsyntax in den letzten zwanzig Jahren einen großen Aufschwung erlebt hat, doch gibt es einen „hohen Dokumentationsbedarf“ für syntaktische Varianten, der nach wie vor für einige Dialektgebiete im deutschsprachigen Raum besteht (Fleischer 2019: 636). Allerdings sind es nicht nur die Dialekte, die regionale Variation aufweisen. Die empirische Erforschung der vertikalen Dimension steht weitgehend noch aus (vgl. aber Kallenborn 2019). Dabei wird auf das Desiderat einer Erhebung der regionalen Syntax vom Dialekt bis zur Standardsprache seit mindestens den 1980er Jahren immer wieder hingewiesen (z. B. Henn-Memmesheimer 1989: 171, Kallenborn 2019: 47, u. a.). An dieses Desiderat knüpft unser Vorhaben an.
Mit einem mehrteiligen Onlinefragen werden Sprachdaten zur (Morpho-)Syntax erhoben. Sprecher:innen unterschiedlichen sozio-demographischen Profils aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland können die Fragebogen für ihre vertrauteste Varietät (d. h. Dialekt, regional geprägte Alltagssprache oder Hochdeutsch) ausfüllen. Dabei werden die Stimuli auf Hochdeutsch präsentiert und in einem konkreten Verwendungskontext eingebettet. Mittlerweile liegen mehrere Tausend ausgefüllte Fragebogen aus vier Erhebungsrunden vor (zur Methode s. Kasper & Pheiff 2019).
Im Vortrag werden Ergebnisse zu zwei Phänomenbereichen präsentiert: Präteritumschwund und Präpositionaladverbien. Zum Präteritumschwund zeigen wir die Auswertungsergebnisse von fünf Aufgaben zu den Verben: kommen, wohnen und bauen, die anhand unterschiedlicher Methoden erhoben wurden (Multiple-Choice- vs. Übersetzungsaufgabe), und die sich hinsichtlich Frequenz und morphologischer Eigenschaften unterscheiden. Die Resultate zeigen u. a., dass die Häufigkeit der Präteritumformen bei allen Aufgaben vom Dialekt zum Hochdeutschen ansteigt, dass Präteritumformen – in Übereinstimmung mit Erwartungen – eher beim tokenfrequenten Verb kommen belegt sind und dass in methodologischer Perspektive der Aufgabentyp keine Rolle bei der Wahl von Präteritum- und Perfektformen spielt. In der Kurzzeitdiachronie können wir darüber hinaus den Rückgang von Präteritumformen in allen drei untersuchten Varietäten beobachten. In der zweiten Teilstudie werden Auswertungsergebnisse zu zwei Aufgaben über die Präpositionaladverbien davon und daran präsentiert. Vor dem Hintergrund, dass die Realisierungsvarianten der Präpositionaladverbien davon abhängen, ob die zugehörige Präposition konsonantisch oder vokalisch anlautet, erwarten wir Differenzen in der Tokenfrequenz und räumlichen Verbreitung der Varianten. Die Ergebnisse zeigen beim Präpositionaladverb davon eine Zunahme der regionalen und standardsprachlichen Varianten da...von bzw. davon vom Dialekt zum Hochdeutschen. Beim Präpositionaladverb daran lässt sich ein Anstieg in der Tokenfrequenz der regionalen Variante da...dran zuungunsten der standardsprachlichen Variante daran vom Dialekt zum Hochdeutschen konstatieren. Die Zunahme der Variante da...dran in der Vertikale geht zudem mit einer horizontalen Ausbreitung vom Süden nach Norden einher. Damit können wir eine „Funktionsaufteilung“ beobachten, bei der sich jeweils die gesplittete Variante (= da...von) bei konsonantisch anlautenden und die gesplittete/reduplizierte Variante (= da...dran) bei vokalisch anlautenden Präpositionen etablieren
Die Erhebung der regionalsprachlichen Morphosyntax des Deutschen im Rahmen des Projekts Regionalsprache.de (REDE)
Syntactic Variation in German: Horizontal, vertical, and Diachronie perspectives. Results from Regionalsprache.de (REDE).
This survey is being conducted as a part of the project “Regionalsprache.de” (REDE). We are investigating the regionally conditioned, (morpho)syntactic variants that speakers of different socio-demographic profiles have. We wish to collect data on variants for the dialects, regiolects, and the intended standard language. Thus, our investigation captures the entire variation space between dialect and standard language.
In this poster, we investigate change with regard to the expression of tense as well as the use of pronominal adverbs
Variations on the Author
“Variations on the Author” discusses two of Eduardo Coutinho’s recent films (Um Dia na Vida, from 2010, and Últimas Conversas, posthumously released in 2015) and their contribution to the general question of documentary authorship. The director’s filmography is characterized by a consistent yet self-effacing form of authorial self-inscription: Coutinho often features as an interviewer that rather than express opinions propels discourses; an interviewer that is good at listening. This mode of self-inscription characterizes him as an author who is not expressive but who is nonetheless markedly present on the screen. In Um Dia na Vida, however, Coutinho is completely absent form the image, while Últimas Conversas, on the contrary, includes a confessional prologue that moves the director from the margins to the center of his films. This article examines the ways in which these works stand out in the filmography of a director who offers new insights into the notion of cinematic authorship
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