1,721,063 research outputs found

    Emotionsfokussierte Therapie (EFT)

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    Die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) stellt die Arbeit mit Emotionen in den Mittelpunkt (Greenberg, 2015). EFT-Therapeuten helfen ihren Patienten, ihre Emotionen wahrzunehmen, zu erlauben, zu akzeptieren, zu explorieren, ihnen bewusst eine Bedeutung zu verleihen, sie flexibel zur Lösung aktueller Probleme zu nutzen und zu transformieren, wenn sie nicht hilfreich sind. Veränderungen auf emotionaler Ebene werden als Motor für Veränderungen auf der Ebene der Kognitionen und des Verhaltens gesehen. Die EFT hat sich aus der Psychotherapieprozessforschung, insbesondere der sorgfältigen Untersuchung der Rolle von Emotionen im therapeutischen Veränderungsprozess, entwickelt. Ihre Wurzeln liegen in den prozess-erlebensorientierten Ansätzen wie der Personenzentrierten Therapie und der Gestalttherapie. Die EFT verknüpft die klassischen humanistisch-erlebensorientierten Theorien mit psychologischer Emotionsforschung und affektiven Neurowissenschaften zu einer neohumanistischen Theorie, die Emotionen in den Mittelpunkt stellt. Die Verankerung der EFT in der humanistisch-erlebensorientierten Tradition der Psychotherapie zeigt sich u.a. in der Betonung der therapeutischen Beziehung als eigenständigem Wirkfaktor sowie der Selbstexploration subjektiven (emotionalen) Erlebens als primärer Quelle von therapeutischer Veränderung

    Neurobiologische Korrelate von Trauma-bezogener Psychopathologie

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    The understanding and treatment of trauma-related psychopathology is a crucial challenge in the field of global mental health today. The etiology and mechanisms of two common trauma-related symptoms – intrusive re-experiencing and dissociative symptomatology – are still not well understood. The present work aims to advance the understanding of these phenomena by investigating their neurobiological underpinnings in two disorders: depersonalization/derealization disorder (DPD), in which dissociation depicts the core feature, and the dissociative subtype of posttraumatic stress disorder (PTSD-D), in which dissociative symptomatology and intrusive re-experiencing co-occur and correlate in regard to their severity. Alterations in fiber tract networks in white matter, which are crucial for communicating between brain regions, have not yet been investigated in DPD or PTSD-D. In Study I, white matter network alterations were explored in 23 patients with DPD compared to 23 matched healthy controls. Results yielded relatively lower structural connectivity in left and right temporal regions in DPD, which have previously been associated with dissociative symptomatology in DPD and in other disorders. Furthermore, a trend indicated alterations in a fronto-limbic circuit, which a neurobiological model proposes underlies dissociation in DPD as well as PTSD-D. In Study II, we tested whether fronto-limbic circuits are also altered in PTSD-D (n=23) compared to ‘classic’ PTSD patients (n=19) using the same analysis pipeline as in Study I. No respective white matter changes were detected on a network level in PTSD-D. However, subsequent exploratory analyses revealed alterations in two subcortical networks comprising a limbic-thalamic circuit and low-level motor regions, respectively. The limbic-thalamic network is crucial for declarative and spatial mnemonic processes, which according to dual memory models play a crucial role for the development of intrusive memories. We tested the respective memory model in Study III and confirmed for the first time empirically, that spatial-contextual (allocentric) memory ability is negatively associated with severity of intrusive memories in 33 patients with PTSD. The findings of the present work indicate that (1) dissociation in DPD is underpinned by different alterations in structural connectivity than in PTSD-D and (2) dissociative and intrusive memories are associated with aberrations in similar sub-cortical circuits, supporting the notion that in PTSD-D, a lower state of consciousness exacerbates de-contextualization of the traumatic content, resulting in heightened intrusive symptomatology. Clinical implications of our findings are discussed.Eine der wichtigsten Herausforderungen im Rahmen globaler Gesundheit ist das Verständnis und die Behandlung Trauma-assoziierter Psychopathologien. Die Ätiologie und zugrundeliegenden Mechanismen zweier häufig auftretender Trauma-assoziierter Symptome – intrusives Wiedererleben und dissoziative Symptomatologie – sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, durch die Untersuchung neurobiologischer Mechanismen in zwei Störungen das Verständnis dieser Phänomene zu verbessern: In der Depersonalisation/Derealisation Störung (DPD), in der Dissoziation die Kernsymptomatik darstellt, und im dissoziativen Subtyp der Posttraumatischen Belastungs-störung (PTSD-D), in welchem dissoziative Symptome und intrusives Wiedererleben gemeinsam auftreten und hinsichtlich ihrer Schwere miteinander korrelieren. Netzwerkveränderungen der zerebralen Nervenbündel, die kritisch für die Kommunikationen zwischen Gehirnregionen sind, wurden bislang weder in der DPD noch in der PTSD-D untersucht. In Studie I wurden strukturelle Netzwerkveränderungen in 23 Patienten mit DPD im Vergleich zu 23 gesunden Kontrollen exploriert. Die Ergebnisse zeigten eine relativ verringerte strukturelle Konnektivität in DPD Patienten innerhalb des linken sowie des rechten Temporallappens, die bereits zuvor mit dissoziativer Symptomatik in der DPD und in anderen Störungen assoziiert wurden. Des Weiteren fand sich ein Trend, der auf Alterationen in einem frontal-limbischen Netzwerk hindeutet, von dem neurobiologische Modelle annehmen, dass hiesige Dysfunktionen der Dissoziation sowohl der DPD als auch der PTSD zugrunde liegen. In Studie II wurde anhand des gleichen Analyseprozesses wie in Studie I getestet, ob frontal-limbische Schaltkreise auch in PTSD-D Patienten (n=23) relativ zu Patienten der „klassischen“ PTSD (n=19) verändert sind. Es zeigten sich keine entsprechenden relativen Netzwerkveränderungen in der weißen Masse in der PTSD-D. Eine anschließende explorative Analyse zeigte jedoch Alterationen in zwei subkortikalen Netzwerken, die limbisch-thalamische bzw. basale motorische Regionen umfassen. Limbisch-thalamische Verbindungen spielen eine wichtige Rolle bei deklarativen und räumlichen Gedächtnisprozessen, von denen duale Gedächtnismodelle annehmen, dass sie eine zentrale Rolle bei der Entstehung von intrusiven Erinnerungen spielen. Wir testeten in Studie III das entsprechende theoretische Modell und konnten erstmals empirisch nachweisen, dass die räumlich-kontextuelle (allozentrische) Gedächtnisleistung mit der intrusiven Symptomschwere in 33 PTBS-Patienten negativ assoziiert ist. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit deuten darauf hin, dass (1) Dissoziation in der DPD mit unterschiedlicher strukturelle Konnektivität assoziiert ist im Gegensatz zur PTSD-D und dass (2) dissoziative und intrusive Symptome mit ähnlichen subkortikalen Netzwerkveränderungen assoziiert sind. Dies unterstützt die Annahme, dass in der PTSD-D ein verringerter Bewusstseinszustand die De-kontextualisierung traumatischer Inhalte verstärkt und eine erhöhte intrusive Symptomatik nach sich zieht. Klinische Implikationen der Ergebnisse werden diskutiert

    Optimizing the effects of psychotherapy: Effectiveness, predictors, and side effects in routine inpatient care

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    In den letzten Jahrzehnten hat sich durch klinische Studien mit methodisch fundierten Designs eine breite Evidenzbasis von Psychotherapie für verschiedene psychische Störungen gebildet. Durch verschiedene randomisiert-kontrollierte Studien (engl.: „randomized controlled trial“; RCT), die in Meta-Analysen zusammengefasst werden, konnte die Wirksamkeit (im Sinne der „efficacy“) mit meist großen Effekten nachgewiesen werden. Gemäß des Phasenmodells der Psychotherapieforschung werden in der letzten Phase – Phase IV – Psychotherapien im naturalistischen Kontext, d.h. unter alltäglichen Routinebedingungen, untersucht. Im Rahmen eines praxisorientierten Forschungsparadigmas können solche praxisbasierten Studien eine Ergänzung zu RCTs darstellen, um vorhandene Probleme in der Psychotherapieforschung zu adressieren (z. B. Research-Practice-Gap, Stagnation von Effekten). Insbesondere in Deutschland werden psychisch schwer erkrankte Patient*innen oft im stationären Kontext (z. B. in psychosomatischen oder psychiatrischen Kliniken) behandelt. In diesem Rahmen mangelt es an Studien, welche diese Art der klinischen Wirksamkeit (im Sinne der „effectiveness“) mit geringeren Ein- und Ausschlusskriterien untersucht. Die Befunde zu Variablen, welche den Behandlungserfolg stabil vorhersagen, sind dabei oft heterogen. Daher soll im ersten Schritt dieser Dissertation die Wirksamkeit von stationärer Psychotherapie bei verschiedenen psychischen Störungen (Borderline-Persönlichkeitsstörung, Posttraumatische Belastungsstörung, Zwangsstörung, Depression) in deutschen psychosomatischen Kliniken untersucht als auch Ansatzpunkte zur Optimierung der Effekte durch die Analyse von Prädiktoren identifiziert werden. Die Studien 1-4 deuten darauf hin, dass spezifische evidenzbasierte Psychotherapieprogramme gemäß der jeweiligen nationalen Behandlungsleitlinien in der stationären psychosomatischen Versorgung wirksam implementiert wurden, jedoch in ihrer Wirksamkeit Unterschiede aufweisen. Während die Effektstärken für die Behandlung von Zwangsstörungen (N = 1.595 bzw. N = 514) und depressiven Störungen (N = 22.681 bzw. N = 6.377) als groß beurteilt werden können, sind sie für die Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (N = 612) mittel bis groß sowie für die Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen (N = 878 bzw. N = 703) klein bis mittel. Aufgrund der großen Stichproben können die Effekte als Benchmark dienen und in zukünftigen Studien als Vergleich herangezogen werden. Darüber hinaus zielt die vorliegende Dissertation im nächsten Schritt darauf ab, allgemeine Prädiktoren für den Behandlungserfolg von Psychotherapie bei den o. g. Störungsbildern zu identifizieren. Im Sinne von prognostischen Variablen werden – getrennt für die verschiedenen Störungsbilder – solche Charakteristika von Patient*innen im Rahmen von klinischen Prädiktionsmodellen bestimmt, die angeben, welche Patientin besser bzw. schlechter von der Behandlung profitiert. Bei Patient*innen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen erweisen sich als wichtige Prädiktoren für den Therapieaabschluss ein höherer Schulabschluss sowie eine komorbide rezidivierende depressive Störung und für symptomspezifische Veränderungen niedrige Affektregulationsfähigkeiten und keine vorherige ambulante Psychotherapie. Bei Patient*innen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen scheint eine stärkere Ausprägung im Bereich Psychotizismus, die Anzahl an Diagnosen und eine Asthma-Diagnose konstant in einem negativen prädiktiven Zusammenhang zum Behandlungserfolg zu stehen. Bei Patient*innen mit Zwangsstörungen sind die Symptomschwere bei Aufnahme, die allgemeine psychopathologische Belastung, eine höhere soziale Unterstützung und mehr Waschzwänge wichtige Prädiktoren für Symptomveränderungen. Bei Patient*innen mit Depressionen beeinflussen zwar fast alle soziodemographischen und klinischen Faktoren vor der Behandlung die psychopathologische Gesamtbelastung auf unterschiedlichen Faktoren zu Beginn der Behandlung, dieser direkte Einfluss schwächt sich im Verlauf der Behandlung jedoch ab. Während dieser Behandlung sind diverse Faktoren veränderungsresistent und deuten auf stabile psychopathologische Faktoren hin, wie z. B.: Suizidalität, agoraphobische Ängste, Lebensunzufriedenheit, physische Beeinträchtigung und Schmerzen. Der stärkste Einfluss ergibt sich von der Suizidalität zu Behandlungsbeginn auf negative Kognitionen bei Behandlungsende, von agoraphobischen Symptomen bei Behandlungsbeginn auf die Ängstlichkeit bei Behandlungsende und von der körperlichen Beeinträchtigung bei Behandlungsbeginn auf die wahrgenommene Beeinträchtigung bei Behandlungsende. Letztlich wird auch die andere Seite der Medaille betrachtet: neben positiven Effekten kann Psychotherapie auch negative Effekte hervorrufen. Im Rahmen eines systematischen Reviews werden in Studie 5 die Messinstrumente zur Erhebung von negativen Effekten unter psychometrischen Gesichtspunkten evaluiert sowie eine konsensuale Definition und Konzeptualisierung von negativen Effekten vorgeschlagen und Empfehlungen zur Verbesserung der Erfassung von negativen Effekten abgeleitet. Dieses systematische Review ergibt, dass die vorhandenen Messinstrumente zwar viele Bereiche abdecken, ihre psychometrischen Gütekriterien hingegen zumeist als unbefriedigend zu beurteilen sind. Anschließend wird aus den Implikationen des Reviews der Zusammenhang zwischen dem Auftreten von negativen Effekten und dem Behandlungserfolg während eines stationären CBASP-Programms für chronische Depression in Studie 6 untersucht. Es zeigt sich, dass fast alle Patient*innen mindestens einen negativen Effekt berichten, aber lediglich die wahrgenommene Abhängigkeit von der Therapeutin in einem negativen Zusammenhang zum Behandlungserfolg steht. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die Ergebnisse aus Phase III-Studien der Wirksamkeitsforschung auf ein angewandtes stationäres Setting übertragen lassen. Im Rahmen der Studien 1-4 konnten einige Prädiktoren (z. B. Symptomschwere zur Aufnahme) aus vorherigen Befunden von RCTs repliziert werden; zum Teil spielen jedoch bei stationären Psychotherapiepatient*innen auch andere Variablen eine wichtige Rolle zur Vorhersage des Behandlungserfolgs, was auf unterschiedliche Gründe vor allem im Hinblick auf die Spezifika des Settings (z. B. höhere Therapiedosis in kürzerer Zeitspanne) und der Heterogenietät der Stichproben zurückzuführen ist. Bei den Studien 5-6 konnten sowohl definitorische Aspekte von negativen Effekten adressiert werden, um deren Erfassung noch zu verbessern, als auch die Relevanz durch die Zusammenhänge zum Behandlungserfolg näher beleuchtet werden. Durch alle Studien können insgesamt Ansatzpunkte dafür gefunden werden, um die Effekte von stationärer Psychotherapie in Deutschland noch zu optimieren. Die Studien 1-4 liefern beispielsweise sowohl Benchmarks für die absolute Wirksamkeit von Psychotherapie in der stationären Routineversorgung als auch durch die Prädiktoranalysen praxisbasierte Evidenz, welche wiederum in zukünftigen RCTs z. B. bei Randomisierungsprozeduren berücksichtigt werden kann. Durch Rückmeldeschleifen der Ergebnisse aller Studien an klinisch-tätige Praktiker*innen kann kurzfristig ein evidenzbasiertes Outcome-Monitoring stattfinden und langfristig das Praxis-Forschungsnetzwerk in Deutschland gestärkt werden.Over the last decades, clinical studies with methodologically sound designs have created a broad evidence base of psychotherapy for various mental disorders. Numerous randomized controlled trials (RCT), which are subsequently summarized in meta-analyses, have demonstrated the efficacy of psychotherapy with mostly large effects. According to the phase model of psychotherapy research, the last phase - phase IV - investigates psychotherapy in a naturalistic context, i.e. under everyday routine conditions. Within the framework of a practice-oriented research paradigm, such practice-based studies can complement RCTs to address existing problems in psychotherapy research (e.g. research-practice gap, stagnation of effects). In Germany in particular, patients with severe mental disorders are often treated in an inpatient setting (e.g. in psychosomatic or psychiatric clinics). In this naturalistic context, there is a lack of studies that investigate the clinical effectiveness with lower inclusion and exclusion criteria. Furthermore, the findings on variables that predict treatment outcome are often heterogeneous. Therefore, the objectives of this dissertation are (1) to examine the effectiveness of inpatient psychotherapy for various mental disorders (borderline personality disorder, post-traumatic stress disorder, obsessive-compulsive disorder, depression) in German psychosomatic clinics, and (2) to identify starting points for optimizing these effects by analyzing predictors of outcome. Overall, studies 1-4 indicate that specific evidence-based psychotherapy programs have been effectively implemented in inpatient psychosomatic care according to the respective national treatment guidelines, but indicate differences in their effectiveness expressed by different effect sizes. While the effect sizes for the treatment of obsessive-compulsive disorders (OCD; N = 1,595 and N = 514, respectively) and depression (N = 22,681 and N = 6,377, respectively) can be classified as large, there are medium to large effects for the treatment of post-traumatic stress disorders (PTSD; N = 612) and small to medium effects for the treatment of borderline personality disorders (BPD; N = 878 and N = 703, respectively). Due to large sample sizes, the effects might serve as a benchmark and therefore can be used as a comparison in future studies. Moreover, the present dissertation aims to identify general predictors for treatment outcome of psychotherapy considering the above-mentioned mental disorders. In the sense of prognostic variables, patient characteristics were determined - separately for the various mental disorders - within the framework of clinical prediction models that indicate which patient benefit more vs. less from the treatment. In patients suffering from BPD, the most important predictors for treatment completion are a higher education and a comorbid recurrent depressive disorder, and low affect regulation skills and no previous outpatient psychotherapy for symptom-specific changes. In patients with PTSD, a higher degree of psychoticism, total number of diagnoses, and a diagnosis of bronchial asthma consistently show a stable negative predictive relationship to treatment outcome. In patients with OCD, symptom severity at admission, general psychopathological distress, higher social support and more washing compulsions are important predictors of symptom changes. In patients suffering from depression, almost all sociodemographic and clinical pretreatment factors significantly influence the overall psychopathological burden on various baseline factors, but this direct influence weakens over the course of treatment. Several factors are resistant to change and indicate stable psychopathological factors during treatment, such as suicidality, agoraphobia, life dissatisfaction, physical disability and pain. The strongest impact is exerted by suicidality at the beginning of treatment on negative cognitions at the end of treatment, by agoraphobia at the beginning of treatment on anxiety at the end of treatment and by physical disability at the beginning of treatment on perceived disability at the end of treatment. Ultimately, the other side of the coin is also considered: in addition to positive effects, psychotherapy can also produce negative effects. Within the framework of a systematic review, study 5 evaluates instruments for assessing negative effects in the light of psychometric properties, proposes a consual definition and conceptualization of negative effects and derives recommendations for improving the assessment. This systematic review shows that although the existing instruments cover many relevant domains, their psychometric properties are usually unsatisfactory. Subsequently, the implications of this review are used to investigate the relationship between the occurrence of negative effects and treatment outcome during an inpatient CBASP program for chronic depression as described in study 6. It is shown that although almost all patients report having experienced at least one negative effect, only a perceived dependence on the therapist is negatively related to treatment outcome. Overall, it can be stated that the results from phase III studies of efficacy research can be transferred to an applied inpatient setting. With regard to studies 1-4, some predictors (e.g. symptom severity at admission) could be replicated to previous findings of RCTs; however, other variables also play an important role in predicting treatment outcome in these samples of inpatients, which can be attributed to different reasons, such as the specifics of the setting (e.g. higher treatment dose in a shorter period of time) and the heterogeneity of the samples. In studies 5-6, both definitional aspects of negative effects could be addressed in order to further improve their detection, and the relevance of specific negative effects could be determined in more detail by establishing the relationship to treatment outcome. In summary, all studies can provide starting points for optimizing the effects of inpatient psychotherapy in Germany. For example, studies 1-4 in particular provide benchmarks for the absolute effectiveness of psychotherapy in routine inpatient care as well as practice-based evidence through the predictor analyses, which in turn can be taken into account in future RCTs, e.g. in randomisation procedures. By feedback loops of the results of studies 1-6 to clinical practitioners, an evidence-based outcome monitoring can take place in the short term and, in the long term, the practice-research network in Germany can be strengthened

    Die therapeutische Beziehung: Differentielle Gestaltung in experimentellen Designs und in der psychotherapeutischen Behandlung

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    Mittlerweile gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass Psychotherapie wirkt. Zahlreiche Metaanalysen belegen, dass sich etwa 80% der Patient*innen1 besser entwickeln im Vergleich zu nicht-behandelten Kontrollgruppen (Wampold & Imel, 2015). Gleichzeitig zeigen Studien zu etablierten Psychotherapien mindestens ein Drittel bis die Hälfte der Patient*innen, die am Ende als Nonresponder bezeichnet werden müssen, und sogar 60–80 %, die nicht in die Remission gelangen oder nach Psychotherapie einen Rückfall erleiden (u.a. Lambert, 2017). Hier besteht Optimierungsbedarf. In Bezug auf die Frage, was wirkt, gilt die therapeutische Allianz mittlerweile als der am häufigsten untersuchte und robusteste allgemeine Wirkfaktor (Norcross & Lambert, 2018; Wampold & Imel, 2015). Ergänzend sehen Vertreter*innen des kontextuellen Modells u.a. auch Erwartungen als wichtigen allgemeinen Wirkfaktor für erfolgreiche Psychotherapie an (Mulder, Murray, & Rucklidge, 2017). Die Forschung hat allerdings bislang keine erschöpfenden Antworten dazu geliefert, wie und warum Psychotherapie wirkt. Gleichzeitig fehlen weiterhin Antworten auf die Frage, was für welche*n Patient*in wie wirkt – what works for whom? – vor allem in Bezug auf die therapeutische Beziehungsgestaltung im Rahmen der Allianz und Erwartungen. Die Auseinandersetzung mit ebendieser Frage ist ein wichtiges Ziel der Psychotherapie- und insbesondere der Prozessforschung. Langfristig kann ein differenzierteres Verständnis für Veränderungs- und Wirkmechanismen zu einer fortlaufenden Behandlungsoptimierung sowie generellen Verbesserung der Wirksamkeit führen. Die übergeordnete Zielsetzung dieses kumulativen Dissertationsvorhabens besteht entsprechend darin, die sogenannte differentielle therapeutische Beziehungsgestaltung genauer zu beleuchten. Die differentielle Beziehungsgestaltung definieren wir als flexible und fortlaufende Adaptation des therapeutischen Beziehungsverhaltens, aufbauend auf einer individuellen Fallkonzeption und abgestimmt auf die Bedürfnisse und das Beziehungsverhalten von Patient*innen (angelehnt an Sachse, 2000, nach Caspar & Grawe, 1982; Stucki, 2004). Im Rahmen der Dissertation nutzen wir verschiedene Perspektiven und unterschiedliche methodische Ansätze, um drei spezifische Ziele anhand von vier Studien zu verfolgen: (1) Zunächst wurde der aktuelle Forschungsstand in Bezug auf die differentielle Beziehungsgestaltung in der klinischen Praxis mithilfe eines unsystematischen Reviews abgebildet (Studie I). Durch das Review wurde unter anderem deutlich, dass in der Forschungslandschaft ein Mangel an experimentellen Studien herrscht in Bezug auf die Frage, welcher therapeutische Stil für welche*n Patient*in hilfreich ist. (2) Aus diesem Grund wurde mithilfe von zwei experimentellen Designs die Umsetzung einer gezielten Variation des therapeutischen interpersonalen Stils in realistischen Settings im Sinne einer experimentellen Beziehungsgestaltung überprüft (Studien II und III). Das Review wies zudem auf die interpersonellen Charakteristika von Patient*innen als wichtige Komponente für die Beziehungsgestaltung hin, die spezifisch adressiert werden sollte, bspw. durch korrigierende heilsame Beziehungserfahrungen bei frühen traumatisierenden Erfahrungen. Hierbei ist der Psychotherapieansatz des Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) hervorzuheben. Dieser wurde speziell für Patient*innen mit persistierender depressiver Störung (PDD) entwickelt, die häufig frühe traumatisierende Beziehungserfahrungen im Rahmen von Kindesmisshandlung durchlebt haben und aktuelle interpersonelle Konflikte aufweisen (McCullough, 2003). (3) Daher wurde in Studie IV die psychotherapeutische Beziehungsgestaltung im Zusammenhang mit der Allianz als interpersoneller Wirkfaktor bei Patient*innen mit PDD einer CBASP-Behandlung genauer untersucht. In Studie I wurde in einer Übersichtsarbeit die Thematik der differentiellen Beziehungsgestaltung in der Verhaltenstherapie theoretisch sowie empirisch eingeführt und eingebettet. Diese wurde vor dem Hintergrund von (a) Therapiephasen, (b) Bedürfnissen, Motiven und Erwartungen sowie (c) frühen traumatisierenden Beziehungserfahrungen diskutiert. Offene Fragen wurden in Bezug auf eine individualisierte und empirisch verankerte therapeutische Beziehungsgestaltung erörtert. Im Artikel wird vorgeschlagen, im Rahmen einer individuellen Fallkonzeption folgende Abstufungen der Beziehungsgestaltung in der psychotherapeutischen Praxis und Forschung zu berücksichtigen: die (a) unspezifische (im Sinne der Basisvariablen), (b) indizierte (vor dem Hintergrund der individuellen Problematik) und (c) spezifische (verfolgt konkrete Behandlungsziele) Beziehungsgestaltung. In Studie II (ExTheRel) und Studie III (InterAct) wurde aufgrund der bereits beschriebenen Forschungslücke die Beziehungsgestaltung experimentell untersucht. Hierbei überprüften wir die Machbarkeit einer gezielten Variation zweier unterschiedlicher therapeutischer Stile (beziehungsorientiert vs. sachorientiert) auf konzeptueller Grundlage des interpersonellen Circumplex. In beiden Studien konnte diese gezielte Variation in einem einmaligen Beratungsgespräch unter realistischen Bedingungen bei gesunden Proband*innen mit interpersonellen Konflikten erfolgreich umgesetzt werden. Die therapeutische Allianz wurde in Studie II (N = 64) durchgehend hoch eingeschätzt und Proband*innen berichteten eine signifikante Symptomreduktion, unabhängig vom angewandten Stil. In Studie III (N = 80) wurde das experimentelle Design um Erwartungen an den therapeutischen Stil erweitert. In einem 2x2 Design erhielten Proband*innen entweder den erwarteten oder gegenteiligen Stil. Sie nahmen durchweg hohe Allianz und Zufriedenheit mit der Beratung wahr und zeigten sich zwei Wochen nach dem Gespräch weniger beeinträchtigt durch den Konflikt – unabhängig von Stil, Erwartungen und ihrer Interaktion. Diese beiden Studien zur experimentellen Beziehungsgestaltung liefern erste Belege, dass es für Berater*innen möglich ist, ihren interpersonellen Stil aktiv und bewusst zu variieren und dabei positive Allianzen zu formen, unabhängig vom Beratungsstil und/oder Erwartungen hieran und Verletzungen ebendieser. Zudem zeigen sich einmalige psychologische Beratungsgespräche zu interpersonellen Konflikten in einer gesunden Stichprobe wirksam in Bezug auf Beeinträchtigung und Belastung durch Konflikte. Die innovativen Designs können als Grundlage für weitere Prozessforschung in psychologischer Beratung und Psychotherapie dienen. Im Review (Studie I) zeigte sich des Weiteren, dass die spezifische Beziehungsgestaltung insbesondere dann wichtig ist, wenn interaktionelle Schwierigkeiten adressiert werden sollen. Daher sollte in Studie IV der interpersonelle Wirkmechanismus der Allianz im Rahmen der psychotherapeutischen Beziehungsgestaltung in einer Stichprobe mit ebendiesen interpersonellen Schwierigkeiten genauer untersucht werden. Dieses Projekt war eingebettet in eine Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit eines stationären, individualisierten CBASP Konzeptes (CBASPersonalized) bei Patient*innen mit PDD. Ziel von Studie IV war es, ein unlängst aufgestelltes Modell von Zilcha-Mano (2017) zur Allianz in dieser Stichprobe zu prüfen. Das Zweikomponentenmodell differenziert a) eine eigenschaftsbezogene Komponente der Allianz (trait-Allianz) – die allgemeine Fähigkeit, zufriedenstellende Beziehungen aufzubauen – und (b) eine zustandsbezogene Komponente der Allianz (state-Allianz) – Veränderungen in der direkten therapeutischen Interaktion. Pfad- und Mediationsanalysen bestätigten die Passung des Modells und den bereits häufig nachgewiesenen Effekt der state-Allianz (therapeutischen Allianz) auf die depressive Symptomatik. Darüber hinaus führten positive Veränderungen in der state-Allianz auch zu einer größeren Abnahme von interpersonellen Problemen (trait-Allianz), die sich wiederum positiv auf die Abnahme der depressiven Symptomatik auswirkte. Die Ergebnisse können als vorläufige Evidenz für den in der CBASP-Behandlung vorgeschlagenen Veränderungsmechanismus der korrigierenden Beziehungserfahrungen gewertet werden, wonach eine positive und tragfähige therapeutische Allianz – die während der Therapie gezielt genutzt wird – interpersonelle Fähigkeiten verbessert, die wiederum zu einem besseren Behandlungsergebnis führen. Insgesamt untermauern die Studienergebnisse die Bedeutsamkeit der therapeutischen Beziehungsgestaltung aus klinischer und wissenschaftlicher Perspektive und liefern erste Erkenntnisse zu (a) der differentiellen Gestaltung in der Praxis, (b) Möglichkeiten zur experimentellen Gestaltung sowie (c) zugrundeliegenden interpersonellen Veränderungs- und Wirkmechanismen der psychotherapeutischen Beziehungsgestaltung bei Patient*innen mit interpersonellen Schwierigkeiten. Gleichzeitig sollten bei der Interpretation der Ergebnisse einige Limitationen berücksichtigt werden, wie methodische Einschränkungen und kleine Stichprobengrößen. Langfristig können die Studien als Grundlage für weitere Forschungsdesigns (u.a. zur Identifikation von Moderatoren und Mediatoren) sowie für die Entwicklung von Indikationskriterien für eine individualisierte Beziehungsgestaltung während längerer Psychotherapieprozesse dienen.Despite the fact that psychotherapy has proven effective (e.g., Wampold & Imel, 2015), research has provided few answers as to how and why psychotherapy works. Numerous meta-analyses show that about 80% of patients develop better compared to untreated control groups (Wampold & Imel, 2015). At the same time, studies of established psychotherapies show at least one-third to one-half of patients as nonresponders, and as many as 60-80% fail to reach remission or relapse after psychotherapy (e.g., Lambert, 2017). As such, there is a need for improvement. Moreover, research has not yet provided exhaustive answers about how and why psychotherapy works. Evidently, psychotherapies are complex and dynamic processes with a multitude of interrelated influencing variables. Herein, therapeutic relationship formation and, consequently, the therapeutic alliance are of central importance to any psychotherapy – both from a clinical and a scientific perspective. The alliance is considered the most widely studied and robust common factor (Norcross & Lambert, 2018; Wampold & Imel, 2015). In addition, advocates of the contextual model also consider expectations an important common factor for successful psychotherapy (Mulder, Murray, & Rucklidge, 2017). At the same time, answers to the question of what works for whom? continue to be lacking – especially in regard to therapeutic relationship formation in the context of alliance and expectations. Addressing this question is an important goal of psychotherapy process research. In the long run, a more differentiated understanding of change mechanisms can lead to a continuous optimization of the treatment of each patient and overall improved effectiveness. Therefore, the overarching goal of this cumulative dissertation project was to shed more light on the so-called differential therapeutic relationship formation. We define differential relationship formation as a flexible and ongoing adaptation of therapeutic relationship behavior, based on an individual case conception and tailored to the needs and relationship behavior of patients (adapted from Sachse, 2000, based on Caspar & Grawe, 1982; Stucki, 2004). Different perspectives and various methodological approaches were used to pursue three specific objectives by means of four studies: (1) The current state of research on differential relationship formation was illustrated by means of an unsystematic literature review (study I). Among other aspects, the review revealed a lack of experimental studies regarding the question of which therapeutic style is helpful for which patient. (2) Therefore, two experimental designs were developed to test the targeted variation in the therapeutic interpersonal style in realistic settings in terms of experimental relationship design (studies II and III). The review also pointed to interpersonal characteristics of patients as an important component of relationship formation. The relationship should be shaped specifically by pursuing specific treatment goals, such as corrective healing relational experiences in patients with early traumatizing experiences. In this regard, the psychotherapy approach of the Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) should be highlighted, which was developed specifically for patients with persistent depressive disorder (PDD), who have oftentimes suffered early traumatizing relationship experiences in terms of childhood maltreatment and display current interpersonal conflicts (McCullough, 2003). (3) Therefore, we wanted to further examine psychotherapeutic relationship formation in the context of alliance as an interpersonal change agent in patients* with PDD receiving CBASP-treatment (study IV). In study I, differential relationship formation in Cognitive Behavioral Therapy (CBT) was theoretically and empirically embedded in an unsystematic literature review. It was discussed against the backdrop of (a) therapeutic phases, (b) needs, motives, and expectations, and (c) early traumatizing relationship experiences. Open questions were raised regarding an individualized and empirically supported therapeutic relationship formation. In the context of individualized case conceptualizations, the following gradations of relationship formation should be considered in psychotherapeutic practice and research: (a) non-specific (in terms of basic therapeutic variables), (b) indicated (against the backdrop of the patient’s individual problems), and (c) specific (pursuing particular treatment goals) relationship formation. Given the research gap described earlier, we investigated experimental relationship formation in study II (ExTheRel) and study III (InterAct). We examined the feasibility of a targeted variation of two different therapeutic styles (relationship-focused vs. problem-focused) on the conceptual basis of the interpersonal circumplex. The implementation proved successful in both studies under realistic, face- to-face conditions in a single counseling session amongst healthy subjects with interpersonal conflicts. The alliance was consistently rated high in study II (N = 64) and subjects reported significant symptom reduction, regardless of the style. In Study III (N = 80), the experimental design was extended to include expectations of therapeutic style. In a 2x2 design, participants received either the expected or opposite therapeutic style. Two weeks after the session, participants felt less impaired by the conflict and perceived high alliance and satisfaction with the session, regardless of therapeutic style, expectations, or their interaction. These two studies on experimental relationship formation provide initial evidence for the possibility of counselors to actively and deliberately vary their interpersonal therapeutic style, forming positive alliances, regardless of counseling style and/or expectations and violations hereof. Moreover, one-time psychological counseling sessions on interpersonal conflicts seem to be effective in healthy samples with respect to impairment and distress caused by these very conflicts. The innovative designs can serve as a basis for further process research in the field of psychological counseling and psychotherapy. The review (study I) further showed that the specific relationship formation is particularly important when interpersonal difficulties should be addressed in psychotherapy. In Study IV, we therefore aimed to investigate the interpersonal mechanism of action of the alliance in the context of specific psychotherapeutic relationship formation in a sample of patients with these very interpersonal difficulties. This project was embedded in a comprehensive study to investigate the effectiveness of an inpatient, individualized CBASP concept (CBASPersonalized) in patients with PDD. The aim of Study IV was to apply a recently proposed model of the alliance by Zilcha-Mano (2017) in light of the interpersonal characteristics of patients in the above sample. The model differentiates (a) a trait-like alliance – the general ability to form satisfying relationships and (b) a state-like alliance – changes in the direct interaction with the therapist. Path and mediation analyses demonstrated a good fit of the model and replicated the frequently demonstrated effect of the state-alliance (therapeutic alliance) on depressive symptomatology. In addition, positive changes in the state-like alliance led to a greater decrease in interpersonal problems (trait-alliance), which in turn had a positive effect on depressive symptomatology. The results can be taken as preliminary evidence for the change mechanism of corrective relational experiences proposed in CBASP-treatment, according to which a positive and sustainable therapeutic alliance improves interpersonal skills, which in turn lead to better treatment outcome. Overall, the study results support the significance of therapeutic relationship formation and alliance from a clinical and scientific perspective and provide first insights in terms of (a) differential relationship formation in clinical practice, (b) possibilities for experimental designs of relationship formation, and (c) underlying interpersonal mechanisms of change and action of psychotherapeutic relationship formation in patients with interpersonal difficulties. At the same time, some limitations should be considered, such as methodological shortcomings and rather small sample sizes. In the long run, however, the studies could serve as a basis for further research designs (including the identification of moderators and mediators) and the development of indication criteria for a personalized relationship formation

    Auswirkungen verschiedener Formen der Kindesmisshandlung auf die depressive Symptomatik im Erwachsenenalter: Die Rolle potenzieller Mechanismen

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    Zahlreiche Studien zeigen, dass Kindesmisshandlung ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung verschiedenster psychischer Störungen, wie auch der Depression ist (Green et al., 2010; Nelson, Klumparendt, Doebler, & Ehring, 2017). Depressive Patient*innen, die Kindesmisshandlung ausgesetzt waren, weisen zudem einen schwereren Krankheitsverlauf und eine höhere Therapieresistenz auf (Nelson et al., 2017). Daher ist es von hoher Relevanz, Zusammenhänge und Mechanismen zwischen Kindesmisshandlung und Depressionen genauer zu verstehen, um langfristig diese Patient*innen effektiver unterstützen zu können. Wenig ist bisher jedoch bekannt über differentielle Auswirkungen verschiedener Misshandlungsformen auf psychische Störungen im Erwachsenenalter. In der vorliegenden Dissertation werden daher Auswirkungen der fünf spezifischen Misshandlungsformen emotionaler Missbrauch, emotionale Vernachlässigung, sexueller Missbrauch, körperlicher Missbrauch und körperliche Vernachlässigung getrennt betrachtet (Ziel 1). Dies ist besonders relevant, da der Fokus früherer Forschung hauptsächlich auf sexuellem und körperlichem Missbrauch lag (Stoltenborgh, Bakermans-Kranenburg, Alink, & Van Ijzendoorn, 2015). Aktuelle Forschung weist jedoch darauf hin, dass gerade die emotionalen Misshandlungsformen besonders prävalent sind und langfristig mindestens vergleichbar gravierende Folgen haben (Nelson et al., 2017; Ross, Kaminski, & Herrington, 2019). Auch die zugrundeliegenden Mechanismen des Effektes von Kindesmisshandlung auf die Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Symptome sind bisher kaum verstanden. Basierend auf klinischen Theorien werden daher der Bindungsstil, die soziale Kognition, interpersonellen Probleme, Emotionsregulation und das Selbstmitgefühl als potenzielle Mechanismen in der vorliegenden Dissertation untersucht (Ziel 2). Kenntnisse über mögliche psychologische Mechanismen sind insbesondere relevant, da sie wichtige Ansatzpunkte für Präventionsprogramme und Psychotherapien darstellen. Die Theorie des Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP), einem Psychotherapieansatz der speziell auf Patient*innen mit einer persistierend depressiven Störung (PDD) zugeschnitten ist, geht davon aus, dass Patient*innen mit einer PDD besonders häufig Kindesmisshandlung ausgesetzt waren und daraus resultierend Veränderungen in der sozialen Kognition und ihrem interpersonellen Verhalten aufweisen (McCullough, 2003). Da diese Annahmen des CBASP-Ansatzes größtenteils auf klinischen Erfahrungen basieren, bedarf es weiterer empirischer Prüfungen dieser Hypothesen. Daher besteht das 3. Ziel dieser Arbeit darin, Unterschiede zwischen Patient*innen mit PDD und Patient*innen mit episodischer Depression (ED) hinsichtlich Kindesmisshandlung und verschiedenen Facetten der sozialen Kognition zu untersuchen. Diese drei Ziele werden durch vier Studien, welche die kumulative Dissertation bilden, adressiert. Die Daten der Studien I und II stammen aus dem Teilprojekt 1 der DFG-Forschergruppe 2107. Die Daten der Studie III wurden in einer psychiatrischen und einer psychosomatischen Klinik und in einer psycho-therapeutischen Ambulanz erhoben. Studie IV erfolgte im Rahmen des CBASPersonalized Projektes zur Evaluation eines sechswöchigen stationären Behandlungsprogramms in einer psychosomatischen Klinik. In Studie I wurden die Prävalenzen der Misshandlungsformen bei Patient*innen mit Depression (n = 604), Schizophrenie (n = 107), Bipolarer Störung (n = 103) und bei gesunden Proband*innen (n = 715) verglichen. Emotionaler Missbrauch, emotionale Vernachlässigung und körperliche Vernachlässigung wurden in allen Gruppen am häufigsten berichtet. Die drei Patient*innengruppen unterschieden sich untereinander nicht in den Misshandlungsformen, berichteten aber alle Formen häufiger als gesunde Proband*innen. Die Subgruppe der Patient*innen mit PDD (n = 65) war von allen Misshandlungsformen noch einmal häufiger betroffen als andere Patient*innen. Insgesamt waren in der gesunden Gruppe ca. 15%, bei Patient*innen mit Schizophrenie, Bipolarer Störung oder Depression jeweils ca. 57% und in der Subgruppe der Patient*innen mit PDD ca. 75% von Kindesmisshandlung betroffen. Angst- und Depressionssymptome in der zusammengefassten Patient*innenstichprobe wurden insbesondere durch emotionalen Missbrauch und emotionale Vernachlässigung vorhergesagt. Studie II untersuchte den Bindungsstil als möglichen Mediator des Effektes von Kindesmisshandlung auf die depressive Symptomschwere bei Patient*innen mit Depression (n = 580). Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass Bindung insbesondere den Effekt von emotionaler Misshandlung auf die Symptomschwere mediierte. Hierbei zeigte sich spezifisch ein indirekter Effekt von emotionalem Missbrauch über Bindungs-Angst auf die Depressionsschwere und von emotionaler Vernachlässigung über Bindungs-Vermeidung auf die Depressionsschwere. Auch das angenommene Modell einer sequenziellen Mediation von Kindesmisshandlung über unsichere Bindung und verringerte soziale Unterstützung auf die Depressionsschwere konnte gestützt werden. In Studie III wurden Patient*innen mit ED (n = 38) und PDD (n = 34) sowie gesunde Kontrollproband-*innen (n = 39) in verschiedenen Facetten der sozialen Kognition und im Auftreten interpersoneller Probleme verglichen. Zudem wurde untersucht, ob diese Unterschiede auf Erfahrungen von Kindesmisshandlung zurückzuführen sind. Patient*innen mit PDD berichteten häufiger Erfahrungen von Kindesmisshandlung und einen höheren empathischen Distress als die Vergleichsgruppen. Beide Patient*innengruppen berichteten zudem stärkere interpersonelle Probleme. Dagegen zeigten sich keine Unterschiede in der affektiven Theory of Mind. Der Effekt von Kindesmisshandlung auf die Depressionsschwere wurde über interpersonelle Probleme und empathischen Distress mediiert. In Studie IV wurden interpersonelle Probleme, empathischer Distress, Emotionsregulation, und Selbstmitgefühl als Mediatoren des Zusammenhanges zwischen Kindesmisshandlungsformen und Schwere der Depression bei Patient*innen mit einer PDD (N = 96) untersucht. Emotionaler Missbrauch sagte ein geringeres Selbstmitgefühl und stärkere interpersonelle Probleme vorher. Die Annahme eines sequenziellen indirekten Pfades von emotionalem Missbrauch über verringertes Selbstmitgefühl und stärkere Emotionsregulations-Schwierigkeiten auf die Depressionsschwere konnte gestützt werden. Zudem zeigte sich die Mediation über interpersonelle Probleme. Veränderungen der interpersonellen Probleme, der Emotionsregulation und des Selbstmitgefühls hingen mit Veränderungen im Schweregrad der Depression über den Therapieverlauf zusammen. Einige Limitationen sollten bei der Interpretation der berichteten Ergebnisse berücksichtigt werden. Insbesondere sind die querschnittlichen Designs der Studien I bis III zu nennen, wodurch Rückschlüsse auf die Kausalität nicht möglich sind. Zudem wird die retrospektive Erfassung der Kindesmisshandlung im Selbstbericht in allen vier Studien als Limitation diskutiert. Die hohe Prävalenz von Kindesmisshandlung in verschiedenen Patient*innengruppen – und insbesondere bei Patient*innen mit PDD – betont die enorme Bedeutung einer Prävention von Kindesmisshandlung, um Leid über die gesamte Lebensspanne zu reduzieren. Die Ergebnisse verdeutlichen darüber hinaus, dass vor allem emotionaler Missbrauch und emotionale Vernachlässigung – Misshandlungsformen, die in der Praxis häufig übersehen und in der Forschung wenig untersucht wurden – mit der Depressionssymptomatik zusammenhängen und Auswirkungen auf verschiedene psychische Fertigkeiten haben. Insbesondere eine Förderung interpersoneller Kompetenzen, des Selbstmitgefühls und der Emotionsregulation scheinen vielversprechende Ansatzpunkte zu sein, um bei Patient*innen mit PDD und Erfahrungen von Kindesmisshandlung Verbesserungen der depressiven Symptomatik zu erreichen.Numerous studies have shown that childhood maltreatment is an important risk factor for the development of various mental disorders, including depression (Green et al., 2010; Nelson et al., 2017). Depressed patients who were exposed to childhood maltreatment also show a more severe course of the disease and a higher treatment-resistance (Nelson et al., 2017). Therefore, it is of high relevance to understand the connections and mechanisms between childhood maltreatment and depression to be able to support this patient group more effectively in the long term. However, little is known about the differential effects of different types of child abuse and neglect on mental disorders in adulthood. Therefore, in this dissertation, the effects of the five specific types of childhood maltreatment - emotional abuse, emotional neglect, sexual abuse, physical abuse, and physical neglect - are considered separately (aim 1). This is particularly relevant since the focus of previous research was mainly on sexual and physical abuse (Stoltenborgh et al., 2015). However, current research indicates that emotional maltreatment is particularly prevalent and could have at least comparable consequences in the long run (e.g. Nelson et al., 2017; Ross et al., 2019). The underlying mechanisms of the effect of childhood maltreatment on the development and maintenance of depressive symptoms are also poorly understood. Therefore, based on clinical theories, attachment style, social cognition, interpersonal problems, emotion regulation, and self-compassion are investigated as potential mechanisms in the present dissertation (aim 2). Knowledge of potential psychological mechanisms is particularly relevant as they represent important starting points for prevention programs and therapies. The theory of the Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP), a psychotherapy approach specifically tailored to patients with a persistent depressive disorder (PDD), also assumes that patients with PDD were particularly often exposed to childhood maltreatment and, as a result, exhibit changes in social cognition and their interpersonal behavior (McCullough, 2003). Since the assumptions of the CBASP approach are largely based on clinical experience, these hypotheses need to be further empirically tested. Therefore, the third aim of this work is to investigate differences between patients with PDD and patients with episodic depression (ED). These three research aims are addressed by four studies that form the cumulative dissertation. Data of studies I and II was drawn from the subproject 1 of the DFG Research Group 2107. Data of study III was collected in a psychiatric inpatient clinic, a psychosomatic inpatient clinic, and in a psychotherapeutic outpatient clinic. Study IV was conducted as part of the CBASPersonalized project to evaluate a six-week inpatient treatment program in a psychosomatic inpatient clinic. Study I compared the prevalence of childhood maltreatment types in patients with depression (n = 604), schizophrenia (n = 107), bipolar disorder (n = 103), and in healthy control participants (n = 715). Emotional abuse, emotional neglect, and physical neglect were the most frequently reported types in all groups. The three patient groups did not differ from each other in any childhood maltreatment type but reported all types more frequently than the healthy control participants. The subgroup of patients with PDD (n = 65) reported all types of childhood maltreatment even more often than other patients. In total, about 15% of the healthy control subjects, about 57% of the patients with schizophrenia, bipolar disorder, or depression, and about 75% of the subgroup of patients with PDD were affected by childhood maltreatment. Anxiety and depression symptoms in the pooled patient sample were predicted by emotional abuse and emotional neglect. Study II examined the attachment style as a possible mediator of the effect of childhood maltreatment on depression severity in patients with depression (n = 580). It was shown that attachment mediated the effect of emotional maltreatment on depression severity. There was a specific indirect effect of emotional abuse on depression severity through anxious attachment and of emotional neglect on depression severity through avoidant attachment. The hypothesized model of a sequential mediation of childhood maltreatment via insecure attachment and reduced social support on depression severity could also be supported. Study III compared patients with ED (n = 38) and PDD (n = 34) as well as healthy control participants (n = 39) in different facets of social cognition and interpersonal problems. In addition, it was investigated whether these differences are rooted in experiences of childhood maltreatment. Patients with PDD reported more frequent experiences of childhood maltreatment and higher empathic distress than the comparison groups. Both patient groups also reported more interpersonal problems. The effect of childhood maltreatment on depression severity was mediated through interpersonal problems and empathic distress. In study IV it was tested if interpersonal problems, empathic distress, emotional regulation, and self-compassion mediate the relationship between childhood maltreatment and depression severity in patients with PDD (N = 96). Emotional abuse predicted lower self-compassion and stronger inter-personal problems. The assumption of a sequential indirect path of emotional abuse via reduced self-compassion and increased emotional regulation difficulties to depression severity could be supported. In addition, interpersonal problems also mediated the effect. Changes in interpersonal problems, emotion regulation, and self-compassion were correlated with changes in depression severity over treatment. Some limitations should be considered when interpreting the reported results. In particular, the cross-sectional designs of studies I to III should be mentioned, which do not allow conclusions about causality. Furthermore, the assessment of childhood maltreatment with retrospective self-report in all four studies is discussed as a limitation. The high prevalence of childhood maltreatment in the different patient groups – and especially among patients with PDD – emphasizes the enormous importance of preventing childhood maltreatment in order to reduce suffering over the entire life span. The results also show that emotional abuse and emotional neglect – maltreatment types that are often overlooked in practice and little studied in research – appear to have a particularly strong impact on depression and various psychological skills. Fostering interpersonal skills, self-compassion, and emotion regulation seem to be promising targets in the treatment of patients with persistent depressive disorder and experiences of childhood maltreatment

    ADHS im Erwachsenenalter

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