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Die Maschine ist politisch. KI, Demokratie und Bildung
Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz sorgte in jüngster Vergangenheit für Aufsehen und wirft bedeutende Fragen auf, welche die demokratischen Grundwerte herausfordern. Schlagzeilen wie «Der Open-AI-Chef warnt vor der KI der Zukunft» (NZZ, 30.05.23), «Jeder Zweite sieht Demokratie durch KI bedroht» (Zeit Online, 11.05.23), «Ist Künstliche Intelligenz die bessere Demokratin?» (Handelsblatt, 21.07.22) und «Können KI und direkte Demokratie nebeneinander bestehen?» (Swissinfo, 20.06.22) sind nur einige Beispiele für die vielschichtige Diskussion über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf unsere politischen Systeme.
Diese Debatten rücken drängende Fragen in den Mittelpunkt: Welche Folgen haben die neuen technologischen Innovationen für aktuelle demokratische Systeme? Und wie kann eine demokratische Gesellschaft, die an der Förderung und nicht am Abbau demokratischer Prinzipien interessiert ist, damit umgehen?
In der vorliegenden Ausgabe des POLIS – Magazin für Politische Bildung beschäftigen wir uns damit. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle der Schulen im Umgang mit diesen neuen Entwicklungen. Wie werden KI-Anwendungen an heutigen Schulen genutzt? Mit welchen Facetten dieser Entwicklung muss sich die Politische Bildung auseinandersetzen? Und inwiefern ist dies aus einer demokratischen Perspektive relevant?
Unsere Beiträge sollen zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Eine fundierte Auseinandersetzung mit den Möglichkeits- und Wirkungsfeldern der Lernenden Systeme – insbesondere im Bereich der politischen Kommunikation – ist entscheidend für die Zukunft demokratischer Gesellschaften
Die hierarchisierte Arbeitsmigration im Landwirtschaftssektor
Die Hierarchisierung von Migrantinnen und Migranten in Europa hat einen direkten Einfluss auf den Zugang ebendieser Personen zum Arbeitsmarkt. Während Staatsangehörige aus Schengen-Staaten freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben, so ist dieser Drittstaatsangehörigen, welche sich lediglich illegal oder als Asyl Suchende in Europa aufhalten, verwehrt oder beschränkt. Dies führt nicht nur zu einem Gewinn an Fachkräften durch selektive Öffnung der Zulassung für qualifizierte Arbeitskräfte, sondern auch zu einer modernen industriellen Reservearmee durch die Illegalisierung von Personen aus Drittstaaten.
In meinem Beitrag zeige ich transnationale Rekrutierungsprozesse und prekäre Arbeitsverhältnisse im Landwirtschaftssektor der Schweiz auf. Ich stütze anhand empirischen Materials die These, dass die Öffnung des Arbeitsmarktes im Schengenraum zu einem massiven Lohndruck im Niedriglohnsektor führt und die Illegalisierung von Drittstaatsangehörigen zu einer segmentierten Kriminalisierung des globalen Arbeitsmarktes beiträgt
The Informal Form: Recruiting Networks for Cheap and Flexible Work Force in the Agricultural Labour Market
"In meinem Schulzimmer sind oft bis zwölf Nationen versammelt": schulischer Unterricht zu "Migration" als pädagogische Praxis der Differenzmarkierung
Following a subject-oriented approach, teachers predominantly focus on the students’ familial migration biographies in their teaching practice on the topic of migration. Even though the teachers are pretending an anti-racist debate based on fundamental rights, this approach tends to trigger and to reproduce hegemonic orders of belonging without reflection. The article deals with this discrepance of intension and practice and addresses the question of alternative approaches to critically dispute hegemonic orders of belonging in schools
Diversitätskritische Politische Bildung statt zugeschriebener Vielfalt
Politische Bildung steht angesichts einer enormen Komplexitätssteigerung gesellschaftlicher Vielfalt vor vielschichtigen Herausforderungen. Dabei sollte politische Bildung auch jene Lernenden erreichen und in ihren Beteiligungschancen stärken, die in bisherigen Angeboten marginalisiert bleiben. Der Band versammelt aktuelle Forschungsbeiträge zum Thema der 21. GPJE-Jahrestagung und darüber hinaus
Teilhabe. Macht. Zugehörigkeit: Zugänge einer diversitäts- und rassismuskritischen Politischen Bildung
«Was hat Zugehörigkeit mit Ungleichheit zu tun? Und mit Rassismus [→Glossar]? Und mit Nationalität? Warum sind dabei Gefühle wichtig? Wie hängt das alles zusammen?» Diese Fragen formulierte ein Schüler am Ende zweier intensiver Projekttage, welche wir gemeinsam mit einer Partnerschule bestritten hatten. Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts «Zugehörigkeit Reconsidered. Teilhabe neu denken» hatten wir mit Schüler*innen der SekundarstufeI an der Entwicklung und Testung von didaktischen Konzepten und Unterrichtsmaterialien gearbeitet. Alle Themen und Zugänge lagen auf dem Tisch – aber es war uns (noch) nicht gelungen, die Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenzufügen. Dies wurde zur Hauptaufgabe des vorliegenden POLIS Nr.13. Ziel war es, eine diversitäts- und rassismuskritische Didaktik für die Politische Bildung zu erarbeiten, welche aus unterschiedlichen Elementen und Perspektiven besteht, die sich aufeinander beziehen. Sie soll als Ganzes bestehen und trotzdem weiterentwickelbar und bewegbar bleiben. Die vorliegenden Texte wurden in Co-Autor*innenschaft von der POLIS-Redaktion (Simon Affolter und Vera Sperisen) verfasst. Ohne die wichtigen Inputs aus der Zusammenarbeit mit den Schüler*innen und Lehrpersonen an unseren Partnerschulen wäre das Verfassen der Texte nicht möglich gewesen. Ein grosses Merci an alle beteiligten Schüler*innen und Lehrpersonen. An den Zugängen mitgedacht und mitgestaltet haben zudem auch Thierry Gnahoré, Katharina Reidy und Christoph Frei. Herzlichen Dank euch für die wertvollen Gespräche, die Zusammenarbeit und die neuen Perspektiven
Rassismus und Repräsentation gesellschaftlicher Diversität in Lehrmitteln
Die EKR hat beim Zentrum Politische Bildung und Geschichtsdidaktik (Institut Forschung und Entwicklung der PH FHNW) eine Lehrmittelanalyse in Auftrag gegeben. Ziel war es, einen Überblick zur Auseinandersetzung mit Rassismus, zu rassistischen Narrativen und zur Repräsentation gesellschaftlicher Diversität in aktuellen Schweizer Lehrmitteln zu gewinnen. Für die Analyse haben sich vier Fokusfelder ergeben: Rassismus als Thema, Migration als Thema, Darstellungen und Vorstellungen von Raum («hier» und «anderswo») sowie Repräsentationen von Gesellschaft. Die Analyse erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus mehr Aufmerksamkeit erhält. Dies zeigt sich auch in den Lehrmitteln: Es lässt sich eine zunehmende Sensibilität zu rassistischen Begriffen und zum Thema «koloniale Schweiz» ausmachen. Die Repräsentation einer (post-)migrantischen, diversen Gesellschaft ist punktuell umgesetzt. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Lehrmittel heute allerdings noch kaum Ansätze für eine rassismuskritische Bildung anbieten. Das liegt unter anderem auch daran, dass das Thema «Rassismus» in den Lehrplänen nicht erscheint
Grenzen im Denken überwinden. Grenzgänge zwischen Migrationsforschung, Migrationspädagogik, Didaktik der Politischen Bildung und pädagogischer Praxiserfahrung
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