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„Die Sprach-Checker – So sprechen wir in der Neckarstadt”: Reflexion eines CitizenScience-Projekts mit Kindern und Jugendlichen
Wie ich das Kind zum Aufräumen bekomme – Moralisierungen in der Eltern-Kind-Kommunikation
Von der Linguistik zur KI-Forschung. Maschinelle Sprachverarbeitung und Forschungsförderung am Institut für Deutsche Sprache
Interaktionsarchitektur aus der Perspektive der phänomenologisch-hermeneutischen Architekturtheorie
Die Fallanalysen sollen aufweisen, wie Menschen den architektonischen Raum so „bespielen“ und/oder herrichten, dass gewünschte Handlungen, die immer zugleich Nutzungen sind, tatsächlich vollzogen werden können. Ebenfalls soll herausgearbeitet werden, dass eine vorgefundene und nicht ad hoc umbaubare Architektur ein entsprechendes Verhalten nahelegt, beeinflusst und lenkt. Insofern unterstellt das Konzept der Interaktionsarchitektur eine notwendige und nicht hintergehbare Auseinandersetzung des Menschen mit dem ihn umgebenden architektonischen, gebauten Raum. Allerdings ändert sich für den nicht teilnehmenden Betrachter das Vorne und Hinten, das Nahe und Ferne nicht. Für die Akteure, die sich in den Architekturen bewegen und verhalten, gestaltet es sich potenziell laufend um. Mit jeder Körper-Bewegung nehmen sie ein anderes Hier ein. Möglicherweise fühlt es sich an diesem Hier auch anders an. Die Menschen nehmen immer schon „mehr“ oder auch „weniger“ wahr als der Betrachter im Off des Forschungslabors. Es hängt dann aber auch von den intendierten Handlungen der Menschen ab, ob die vorgefundenen Räume eher unterstützend oder eher hemmend ihr interaktives Tun begleiten
The Lexicon Graph Model A generic model for multimodal lexicon development
Das Lexicon Graph Model stellt ein Modell für Lexika dar, die korpusbasiert sein können und multimodale Informationen enthalten. Hierbei wird die Perspektive der Lexikontheorie eingenommen, wobei die zugrundeliegenden Datenstrukturen sowohl vom Lexikon als auch von Annotationen betrachtet werden. Letztere fallen dadurch in das Blickfeld, weil sie als Grundlage für die Erstellung von Lexika gesehen werden. Der Begriff des Lexikons bezieht sich hier sowohl auf den Bereich des Wörterbuchs als auch der in elektronischen Applikationen integrierten Lexikondatenbanken. Die existierenden Formalismen und Ansätze der Lexikonentwicklung zeigen verschiedene Probleme im Zusammenhang mit Lexika auf, etwa die Zusammenfassung von existierenden Lexika zu einem, die Disambiguierung von Mehrdeutigkeiten im Lexikon auf verschiedenen lexikalischen Ebenen, die Repräsentation von anderen Modalitäten im Lexikon, die Selektion des lexikalischen Schlüsselbegriffs für Lexikonartikel, etc. Der vorliegende Ansatz geht davon aus, dass sich Lexika zwar in ihrem Inhalt, nicht aber in einer grundlegenden Struktur unterscheiden, so dass verschiedenartige Lexika im Rahmen eines Unifikationsprozesses dublettenfrei miteinander verbunden werden können. Hieraus resultieren deklarative Lexika. Für Lexika können diese Graphen mit dem Lexikongraph-Modell wie hier dargestellt modelliert werden. Dabei sind Lexikongraphen analog den von Bird und Libermann beschriebenen Annotationsgraphen gesehen und können daher auch ähnlich verarbeitet werden. Die Untersuchung des Lexikonformalismus beruht auf vier Schritten. Zunächst werden existierende Lexika analysiert und beschrieben. Danach wird mit dem Lexikongraph-Modell eine generische Darstellung von Lexika vorgestellt, die auch implementiert und getestet wird. Basierend auf diesem Formalismus wird die Beziehung zu Annotationsgraphen hergestellt, wobei auch beschrieben wird, welche Maßstäbe an angemessene Annotationen für die Verwendung zur Lexikonentwicklung angelegt werden müssen.The Lexicon Graph Model provides a model and framework for lexicons that can be corpus based and contain multimodal information. The focus is more from the lexicon theory perspective, looking at the underlying data structures that are part of existing lexicons and corpora. The term lexicon in linguistics and artificial intelligence is used in different ways, including traditional print dictionaries in book form, CD-ROM editions, Web based versions of the same, but also computerized resources of similar structures to be used by applications. These applications cover systems for human-machine communication as well as spell checkers. The term lexicon in this work is used as the most generic term covering all lexical applications. Existing formalisms in lexicon development show different problems with lexicons, for example combining different kinds of lexical resources, disambiguation on different lexical levels, the representation of different modalities in a lexicon. The Lexicon Graph Model presupposes that lexicons can have different structures but have fundamentally a similar structure, making it possible to combine lexicons in a unification process, resulting in a declarative lexicon. The underlying model is a graph, the Lexicon Graph, which is modeled similar to Annotation Graphs as described by Bird and Libermann. The investigation of the lexicon formalism contains four steps, that is the analysis of existing lexicons, the introduction of the Lexicon Graph Model as a generic representation for lexicons, the implementation of the formalism in different contexts and an evaluation of the formalism. It is shown that Annotation Graphs and Lexicon Graphs are indeed related not only in their formalism and it is shown, what standards have to be applied to annotations to be usable for lexicon development
Überlegungen zum Erstellen von Korpora spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Fachsprachen
Es besteht heute kein Zweifel darüber, dass die Arbeit mit Korpora aus der linguistischen Untersuchung von Phänomenen der Gegenwartssprache nicht mehr wegzudenken ist. Für Historiolinguisten stellten Korpora jedoch seit jeher eine unentbehrliche Materialbasis ihrer Forschung dar: Dabei wird hier unter dem Begriff ‘Korpus’ zusammen mit Carmen Scherer (2006, S. 3) eine Sammlung von authentischen Texten oder Textteilen verstanden, die bewusst nach bestimmten sprachwissenschaftlichen Kriterien ausgewählt und geordnet werden.1 Der Beschreibung der historischen Entwicklungsstufen des Deutschen lagen schon immer schriftliche Überlieferungen zugrunde, die je nach der Fragestellung zu einem Korpus zusammengestellt wurden. So habe ich bei meiner Untersuchung der frühneuhochdeutschen Kanzleisprache des Kuhländchens mein eigenes Korpus – ähnlich wie Generationen von Sprachhistorikern vor mir – aufgebaut, das aus fünf Handschriften besteht, und zwar den Stadtbüchern der Städte Nový Jičín, Odry, Fulnek und Bílovec, die im Neutitscheiner Archiv aufbewahrt werden (vgl. Vaňková 1999, S. 21ff.). Aus diesem handschriftlichen Korpus wurden dann die notwendigen Daten auf Belegzetteln gespeichert und anschließend ausgewertet
Über Tische und Bänke
In vielen Situationen unseres kommunikativen Alltags nehmen wir räumliche Umgebungen für die Interaktion in Anspruch, ohne dass wir darüber lange nachdenken oder gar ausdrücklich reden („verhandeln“) müssen: Wir setzen uns um einen Tisch im Restaurant und bestellen ein Menü, nehmen im Hörsaal Platz und hören der Vorlesung zu oder gehen zu einem Ticketschalter und bestellen eine Fahrkarte. Dabei nutzen wir Hinweise im Raum, zu denen u.a. die Möblierung als Teil der Inneneinrichtung des umbauten Raumes gehört - wie die Gruppierung von Tischen und Stühlen in einem Restaurant, die Anordnung ansteigender Sitzreihen in einem Hörsaal oder die Gestaltung einer Ankomm- und Sprechzone mit Theke bzw. Tresen an einem Fahrkartenschalter. Im vorliegenden Beitrag werden solche Hinweise als raumgebundene (oder kürzer: räumliche) Benutzbarkeitshinweise aufgefasst. Benutzbarkeitshinweise stellen Anknüpfungspunkte für Wahrnehmung, Bewegung und Handlung zur Verfügung. Im Alltag werden sie häufig wie selbstverständlich verstanden und körperlich „beantwortet“. Darunter fallen insbesondere die durch die Möblierung materialisierten Hinweise, auf die wir in diesem Beitrag als mobiliare Benutzbarkeitshinweise aufmerksam machen wollen
Positionieren als elementare Praktik des politischen Diskurses
In diesem Band geht es um das Debattieren, Opponieren und Protestieren. Diese substantivierten Verben bezeichnen Typen von Handlungen, die sich in politischen Situationen und Kontexten abspielen. Doch wie gelangen wir eigentlich zu dieser Zuschreibung? Als sprachliche Zeichen erhalten die genannten Handlungsbezeichnungen ihre Bedeutung – pragmatisch betrachtet – im Gebrauch und – semiotisch betrachtet – durch Differenz zu anderen Zeichen. Setzen wir etwa die Bedeutungen und möglichen Gebrauchskontexte von ›Debattieren‹ zu ›Diskutieren‹ oder ›Opponieren‹ bzw. ›Protestieren‹ zu ›Widersprechen‹ in ein Verhältnis, so haben letztgenannte jeweils eine allgemeinere Bedeutung und können sich auf unterschiedlichste Kommunikationssituationen beziehen. Erstgenannte finden jedoch in einem stärker geregelten, mitunter einem institutionalisierten Rahmen statt, zum Beispiel im Parlament oder einer Polittalkshow. Wir stellen also fest, dass sich die Bedeutung von Debattieren, Opponieren und Protestieren vor allem durch den praktischen Hintergrund, der in diesen Fällen politischen Charakter hat, ergibt
IDS aktuell. Neues aus dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Jg. 2024, Heft 3
Muster der Adjektivderivation in alten und neuen Korpora – und ihre Reflexe im Wörterbuch
Im Mittelpunkt dieser Konferenz stehen Recherchen zur deutschen Sprache und zum Sprachgebrauch in Korpora aller Art und, damit verbunden, Untersuchungen zu ihren Voraussetzungen, zu den Quellen wie zu ihrer Interpretation, Bewertung und Einordnung ihrer Ergebnisse. Das passt zu den Arbeiten, die ich bisher zur Wortbildung vorgelegt habe. Ein Segment aus diesem Bereich möchte ich hier aus Sicht der Korpuslinguistik behandeln