Publikationsserver des Instituts für Deutsche Sprache
Not a member yet
11061 research outputs found
Sort by
Elke Donalies: Nachdenken über Sprache. Laienansichten zur deutschen Sprache in Internetforen, Leserbriefen und Sprachratgebern. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2024. (ISBN 978-3-8253-9569-8. 231 Seiten, € 28,00.) [Rezension]
COSMAS Benutzerhandbuch
Erste Versionen von COSMAS wurden 1991 erprobt und auch nach Auslaufen der speziellen Fördermittel bis Mitte 1992 zu einer einsatzfähigen Version entwickelt. Auch diese Version wurde weiter verbessert und stellt nun ein stabiles, 'reifes' System dar.
Erleichtert wurde die Arbeit an COSMAS dadurch, daß die ost- und westdeutschen Erstanwender seit 1992 vereint im IDS in Mannheim arbeiten - ein ebenfalls nicht geplanter günstiger Umstand. Eine der Anwenderinnen, Doris al-Wadi, wurde damit beauftragt, COSMAS durch ein geeignetes Benutzerhandbuch allgemein zugänglich zu machen. Diese schwierige Aufgabe hat sie mit dem vorliegenden Buch erfüllt. Wir wünschen ihr, daß das Handbuch möglichst viele interessierte und motivierte Leser findet, damit COSMAS auch weit über seine Verwendungen im Institut für deutsche Sprache hinaus seinen Nutzen erweist
Dumm gelaufen: Strukturelle Gründe für das Schicksal einer Gesprächsinitiative
Dieser Beitrag rekonstruiert die interaktive Entstehung, Zuspitzung und Renormalisierung eines interkulturellen Vorfalls während einer Exkursion des Sommerkurses. Ausgangspunkt ist die Gesprächsinitiative eines deutschen Kursteilnehmers, die mit einer Bitte um Wissensvermittlung verbunden wird. Die angesprochene polnische Gesprächspartnerin hat offensichtlich Schwierigkeiten, auf diese Initiative zu reagieren. Das führt zu einer unglücklichen Reformulierung der Initiative durch den Deutschen. Infolgedessen verstricken sich beide Beteiligten schrittweise in einen interkulturellen Vorfall, aus dem nur die Vermittlung durch einen bisher unbeteiligten Dritten herausführt. Die Entwicklung des Vorfalls wird u.a. auf eine Reihe interaktiver Zwänge zurückgeführt, denen allgemeine Regeln der Gesprächsorganisation zugrunde liegen. Damit wird auf der Basis eines ethnomethodologisch-konversationsanalytischen Herangehens eine Alternative zu einer alltagsweltlichen vorurteilsbezogenen Lesart dieses Vorfalls entwickelt. Die Analyse bringt interaktionsstrukturelle Gründe dafür hervor, einer vorschnellen subsumtionslogischen Interpretation interkultureller Situationen zu mißtrauen. Sie bestätigt nicht nur Beobachtungen aus früheren Untersuchungen, daß kulturelle Differenzen nicht unweigerlich und durchgängig in Gesprächen zwischen „Fremden" bedeutsam sind, sondern legt darüber hinaus nahe, daß die Relevantsetzung der ethnischen Identität eines Sprechers untrennbar mit dessen interaktiv hergestelltem Beteiligtenstatus verbunden ist. Das bedeutet, daß die Ethnizität anderer Teilnehmer an diesem Gespräch nicht automatisch ebenfalls relevant ist. Daraus erwächst ein nicht unerhebliches Reparaturpotential für interkulturelle Vorfälle in Gruppengesprächen
Die ‘mehrsprachigsten’ Bürger Europas. Sprecher von historischen und neuen Minderheitensprachen und ihr Beitrag zur Multikompetenz
Die Europäische Union hat zur Mehrsprachigkeit einen Strategieplan erstellt, der eine Perspektive befördert, um die sprachliche Diversität positiv zu werten. Vor diesem Hintergrund lässt sich eine Tatsache nicht leugnen: Wenn die Mehrsprachigkeit allgemein gefördert werden soll, dann bringen Sprecher(innen) von Sprachminderheiten - historische, lang ansässige bis hin zu neuen Minderheiten - eine Sprachkompetenz in die Union ein, die ihnen eine herausragende Stellung und Chance zuweist.
Die Herausforderung an die Gesellschaft ist dabei dreifach: die Bedürfnisse nach Spracherhalt der Herkunftssprachen mit der Notwendigkeit der sprachlichen Integration von Immigranten zu verbinden und für alle den Zweit-, Drift- und Fremdsprachenerwerb zu fördern.
Von wissenschaftlicher Seite her ist dabei eine Definition von Mehrsprachigkeit zu klären, die dem heutigen Wissenstand Rechnung trägt. Zusätzlich wird der Begriff der Multikompetenz eingeführt. Damit wird versucht, das mehrsprachige Repertoire eines Individuums mit seinem sprachbiographischen Hintergrund zu fassen und mit seinen Anpassungsfähigkeiten, die aus der Interaktion mit der Umwelt erwachsen, zu verbinden.
Der Beitrag veranschaulicht an Beispielen aus dem Schweizer Kontext und anhand eines europäischen Vergleichs die sprachliche Verwobenheit der drei Stränge - historische Minderheiten, Immigration und Fremdsprachenunterricht - in einer pluriellen Gesellschaft. Ein Rückblick auf Studien zu Binnenmigration in der Schweiz, zu Interaktionsanalysen und zu statistischen Daten zur sprachlichen Integration von Fremdsprachigen in der Schweiz bietet Anlass zu einem Ausblick auf die europäischen Herausforderungen. Diese werden mit ersten Ergebnissen des laufenden EU-Forschungsnetzwerkes LINEE, in dem mehrsprachige Schulkontexte quer durch Europa vergleichend untersucht werden, untermauert.The European Union has developed a strategy for multilingualism which offers a perspective on the development of a positive view of linguistic diversity. Against this background there is one fact which cannot be denied: if multilingualism is to be generally promoted, then speakers from linguistic minorities - from historical, long-term residents to new minorities - provides the EU with a linguistic competence which gives them an outstanding position and opportunity.
In this situation the challenge to society is threefold: to combine the need for the preservation of the original languages with the need for the linguistic integration of immigrants and to promote second, third and foreign language acquisition for all.
There is a need for a clear, theoretically sound definition of multilingualism which takes account of current knowledge in the relevant disciplines. The term multicompetence is also introduced. This attempts to capture the multilingual repertoire of individuals against the background of their linguistic biographies and to combine this with their adaptability, which is developed through interaction with their environment.
The article illustrates the linguistic intertwining of the three strands - historical minorities, immigration and foreign language teaching - in a pluralistic society using examples from Switzerland and from a comparison of European countries. A review of studies on internal migration in Switzerland, on interaction analyses and on statistical data on the linguistic integration of speakers of other languages in Switzerland gives rise to a view of the challenges which lie ahead for Europe. These data are supported by the first results of the current European Union research network LINEE, which is undertaking comparative studies of multilingual school contexts in various European countries
Herkunftssprachen als kommunikative Ressource?
Ausgangspunkt für diesen Beitrag sind soziodemografische Daten, die darauf hindeuten, dass in Deutschland relevante Teile der Wohnbevölkerung anlassbezogen in anderen Sprachen als dem Deutschen kommunizieren müssen oder wollen. Aus dieser veränderten Sprachenlandschaft ergeben sich neue Anforderungen an öffentliche Einrichtungen, Behörden und Unternehmen, aber auch neue Möglichkeiten der Nutzung dieser sprachlichen Ressourcen. So spielen Mitarbeiter mit guten Kenntnissen der Herkunftssprachen in vielen Unternehmen und Einrichtungen eine wichtige Rolle bei der Kommunikation mit Personen mit geringen Deutschkenntnissen. Der Einsatz dieser Personen ist teilweise jedoch auch problematisch, da sie in den Herkunftssprachen den Anforderungen des Sprachgebrauchs in beruflichen Kontexten nicht immer gewachsen sind. Daher werden ein reflektierter Umgang mit den Sprachenpotenzialen und eine aktive Gestaltung mehrsprachiger Kommunikationspraxen in öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen gefordert.The starting point for this article is provided by socio-demographic data which point to the fact that significant sections of the German population have to or want to use languages other than German for communication according to the situation. This changed language landscape makes new demands on public institutions, authorities and companies, but also creates new opportunities to make use of these linguistic resources. Thus in many companies and institutions employees with good knowledge of migrant languages play an important role in communication with people who have a limited knowledge of German. However, the use of these people also has its problems, since they are not always equal to the task of using the migrant languages adequately in professional contexts. For this reason the article proposes reflection on the handling of the language potential and an active organisation of multilingual communication practices in public institutions and companies
Argumentationsintegrität als Bollwerk gegen Hass-Sprache
Hass-Sprache als unbegründete, irrationale (verbale) Herabsetzung von Menschen ist immer noch und wieder ein weit verbreitetes Phänomen, dessen destruktive Wirksamkeit in der Rechtfertigung und damit Produktion von Gewalt(spiralen) besteht. Diese destruktive Wirkung entwickelt Hass-Sprache durch eine zunehmende Verschärfung der Abwertungsdynamik von Stereotypen bis hin zu dehumanisierender Entwürdigung. Der Prozess der sukzessiven Steigerung von Abwertungsintensitäten stellt auch eine Sozialisation der Sprachbenutzer/innen in Richtung auf die darin zum Ausdruck kommenden diskriminierenden, dehumanisierenden Sprach- und Denkmuster dar. Dem kann mit Argumentationsintegrität als präventiv-konstruktivem Gegenmodell entgegengewirkt werden, weil in einer solchen Ethik der Kommunikation die generellen Ziele der Rationalität und Kooperativität konkretisiert und realisiert werden. Die (elf) Standards der Argumentationsintegrität sind daher als Inokulation (Impfung) gegen Hass-Sprache auch und gerade in der individuellen Sprachsozialisation anzusehen und einsetzbar
Die Sprache der Konstruktivisten. Oder: So reden wir alle
Konstruktivisten wissen: Wir können nicht nicht konstruieren. Unser Sprechen beweist es. Tagtäglich. Auch davon handelt mein Essay, wie bereits sein Titel verrät
‘Intellektuelle’ – ein Grabmal für Unsterbliche?
Ist es ein Gerücht oder eine bedrohliche Tatsache, dass die Intellektuellen tot sind? Der Text sortiert und analysiert die Wortmeldungen zu diesem Thema mit den Mitteln der kulturwissenschaftlichen Begriffsanalyse. Es ist ein bedrängendes Thema, weil die gängigste Definition des Intellektuellen doch lautet: Wächter über universelle Werte und die Grundprinzipien der Demokratie. Der Text startet mit einer kurzen Theorie kulturwissenschaftlicher Begriffsgeschichte, gerafft im Bilde des „Werkzeugs“. Es werden dann verschiedene Ausprägungen von „Intellektueller“ vorgeführt: die semantische Füllung während des französischen Dreyfus-Prozesses, die Schimpfwortprägung bei den Nazis und den Kommunisten und die erste positive Auslegung im Deutschland der 60er Jahre, als das deutsche Bewusstsein auf das Niveau seiner westlichen Nachbarn gehoben werden musste. Es folgt der angebliche Tod der Intellektuellen nach Foucault, Lyotard und den deutschen Beiträgen zum Problem. Die Gründe für Vitalität und Mortalität werden nebeneinander gestellt, auf ihre Stichhaltigkeit geprüft und schließlich ein neuer Definitionsversuch gestartet, was als zentrale Substanz des Intellektuellenbegriffs verteidigt werden könnte
Diskurs, Grammatik, Korpus: Auf dem Weg zu einer Korpusgrammatik des Deutschen
Die Diskurslinguistik lässt sich als „Ansatz zur Beschreibung des Sprachgebrauchs unter seinen je spezifischen sozialen, medialen und institutionellen Bedingungen“ charakterisieren (Ziem 2018, 112). Konstitutiv für die Korpuslinguistik ist die Arbeit mit der „Sammlung authentischer sprachlicher Äußerungen, die in der Regel nicht gesteuert vom Korpuslinguisten entstanden sind“ (Konopka 2018, 152). Daraus ergeben sich grundlegende Konvergenzen zwischen Diskurslinguistik und Korpuslinguistik und folglich zwischen Diskursgrammatik und Korpusgrammatik. Der vorliegende Beitrag setzt sich zum Ziel, diese Konvergenzen anhand ausgewählter Studien aus dem am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim (IDS) beheimateten Projekt Korpusgrammatik und seinen Anschlussprojekten zu veranschaulichen. Darüber hinaus diskutieren wir die Frage, wie sich die Korpuslinguistik in den Metadiskurs über Grammatik einbringen kann und welchen Beitrag zum Forschuingsdiskurs speziell das IDS-Projekt leisten kann
Does corpus size influence normalised frequencies?
Several frequency-based measures are influenced by corpus size (e.g. lexical diversity or text similarity measures). It is largely unquestioned, however, that normalised frequencies correct for the influence of corpus size – but it has not yet been systematically tested whether and how they might be influenced by corpus size themselves. The central question is whether the normalised frequency of an element in a smaller corpus can be meaningfully compared to the normalised frequency of the same element in a larger corpus. We are testing the association between lists of normalised frequencies derived from corpus samples of different sizes from six languages. Our results suggest that the size of the underlying corpora does not negatively influence comparisons of normalised frequency lists, i.e. different corpus sizes do not lead to normalised frequencies no longer being comparable. For lower-frequency types, these associations decrease rather quickly. These empirical findings converge with predictions from statistical theory