Hochschulschriftenserver der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
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Madness, epilepsy and obsession – mental illness and religious therapies in Bavaria in the 17th and 18th centuries
„Wahnsinn, Fallsucht und Besessenheit - psychische Erkrankungen und religiöse Therapien in Bayern im 17. und 18. Jahrhundert“
1, Zielsetzung des Forschungsvorhabens
Tausende Mirakelberichte und unzählige Votivtafeln zeugen noch heute von psychischen Erkrankungen sowie deren erfolgter „Heilung“ in der Vergangenheit. Sie werfen Fragen nach den dahinterliegenden individuellen Schicksalen, den Krankheitsbildern, deren Behandlung sowie dem gesellschaftlichen Umgang mit psychisch kranken Personen in ihrer Entstehungszeit auf. Die Thematik wurde bis dato jedoch weder in der Psychiatriegeschichte noch in der Europäischen Ethnologie/Volkskunde qualitativ oder quantitativ hinreichend wissenschaftlich untersucht. Diese Forschungsdefizite bildeten den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit mit dem Titel „Wahnsinn, Fallsucht und Besessenheit - psychische Erkrankungen und religiöse Therapien in Bayern im 17. und 18. Jahrhundert“. Ziel war es, vertiefte Erkenntnisse über psychische Erkrankungen in der Zeit vor Beginn einer institutionalisierten Psychiatrie zu erlangen und zu einer differenzierteren Sichtweise der historischen Lebenswirklichkeit psychisch kranker Personen zu gelangen. Im Zentrum des Forschungsinteresses standen die Identifikation und Charakterisierung der auftretenden psychischen Erkrankungen sowie der therapeutische Optionenraum zur Behandlung derselben. Der thematische Schwerpunkt lag dabei auf der Heilkultur des religiösen Systems, da diese im Kontext psychischer Erkrankungen bislang nicht umfassend untersucht worden war. Das Forschungsfeld wurde zudem auf die Analyse gesellschaftlicher Vorstellungen von, und Umgangsweisen mit, psychisch kranken Personen ausgeweitet.
Die quantitative und qualitative Analyse von historischen Mirakelbüchern, als bis dato in diesem Kontext nicht bearbeitetem Quellenkorpus, sollte entscheidend zum Erkenntnisfortschritt beitragen. Zudem wurde die Eignung eines neuen methodischen Ansatzes zur Lösung des psychiatriehistorischen Problems, dass, vor Beginn einer institutionalisierten Psychiatrie, kaum Informationen über „gewöhnliche“ psychisch kranke Personen, jenseits von Adel und Delinquenten, vorhanden sind, erprobt. Ausgehend von den, in den Mirakelbüchern und Votivtafeln dokumentierten, Votationsakten wurden, unter Verwendung archivalischer Quellen, die Kranken- und Lebensgeschichten von Einzelpersonen als historische Biographien rekonstruiert. Die vorliegende Arbeit hat sich, zusätzlich zu ihrer volkskundlichen und psychiatriehistorischen Ausrichtung, in einen multidisziplinären Diskurs mit der Medizingeschichte, der Ethnologie, der Kulturanthropologie, der Historischen Anthropologie, der Alltagsgeschichte, der Mikrohistorie, der Historischen Demographie, der Soziologie und der Philosophie, begeben. Auf diesem Weg konnte die Universalität einiger verbreiteter psychiatriehistorischer Theorien kritisch hinterfragt und eine adäquatere Beurteilung des gesellschaftlichen Umgangs mit psychischen Erkrankungen vor Beginn der modernen Psychiatriegeschichte ermöglicht werden.
2, Aufbau der Arbeit
Kapitel 1 „Einleitung: Psychische Erkrankungen und religiöse Therapien als Forschungsthema“ beginnt mit einer einleitenden Darstellung von Forschungszusammenhang und wissenschaftlichem Forschungsstand sowie der Verortung des Themas an der Schnittstelle von Europäischer Ethnologie/Volkskunde und Psychiatriegeschichte. Desweiteren werden Zielsetzung und Forschungsfragen detailliert dargestellt und es wird das interdisziplinäre Untersuchungsdesign mit einer Kombination von makro– und mikroanalytischen Elementen erläutert.
Nur durch Einbezug des kulturellen Kontexts können die zeitgenössischen Krankheitsbilder, Therapieversuche und die dem Umgang mit psychisch kranken Personen zugrundeliegenden Handlungsmotive adäquat interpretiert werden. Daher werden in Kapitel 2, „Thematische Hinführung: Der historische Kontext“, zunächst Hintergrundinformationen zu Untersuchungsraum und -zeit sowie Kultur und Lebensweise der altbayerischen Bevölkerung vermittelt. Danach folgt ein Überblick über das religiöse System in Altbayern im Spannungsfeld zwischen „verordneter“ und „gelebter“ Religion, verbunden mit einer Erläuterung des Wallfahrtswesens als zeitgenössischer praxis pietatis.
Die Betrachtung von psychischen Erkrankungen und, insbesondere religiösen, Therapieformen erfolgt sodann in den drei großen Sektionen des Ergebnisteils aus unterschiedlichen Distanzen. Kapitel 3, „Psychische Erkrankungen in Altbayern im 17. und 18. Jahrhundert auf der Grundlage der Mirakelbücher“, beginnt mit Erläuterungen zu psychischen Erkrankungen als historisch und kulturell bedingten Phänomenen. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung der zeitgenössischen Terminologie diskutiert und es wird auf Klassifikationssysteme psychischer Erkrankungen in den Mirakelbüchern eingegangen. Im Anschluss werden die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Metaanalyse der 179 Mirakelbücher vorgestellt. Die zur Untersuchungszeit auftretenden psychischen Erkrankungen werden in ein Modell den fünf übergeordneten Krankheitskategorien „Anfallsleiden“, „Spielarten des ‚Wahnsinns‘“, „Gemütskrankheiten“, „Angststörungen“ und „Dämonisches Wirken“ integriert. Im Anschluss wird jede Krankheitskategorie en detail hinsichtlich Auftretenshäufigkeit, Unterformen und Charakteristika beschrieben. Abschließend erfolgt ein Überblick über die, den unterschiedlichen psychischen Erkrankungen zugeschriebenen Ätiologien und zeitgenössischen Krankheitstheorien.
Nach dieser Annäherung aus der Perspektive der Metaanalyse werden im folgenden Kapitel 4, „Porträts des Irrsinns – Spiegelungen der psychischen Krankheitsbilder im Individuum“, einzelne psychisch kranke Mitglieder der altbayerischen Gesellschaft des 17. und 18. Jahrhunderts vorgestellt. Es wurden detaillierte Einzelbiographien auf archivalischer Basis rekonstruiert, wodurch eine Akzentverlagerung auf die subjektgebundenen Erscheinungsformen psychischer Erkrankungen im historischen Alltag erfolgte. Die sechs ausgewählten Lebensbilder gewähren Einblicke in eine potenzielle historische Realität, in der individuelle Erfahrungen und Reaktionsweisen in Erleben und Umgang mit psychischen Erkrankungen sichtbar werden.
Die aus den Lebensbildern abgeleiteten qualitativen Hypothesen über den Umgang mit psychisch kranken Personen zur Untersuchungszeit wurden sodann in Kapitel 5, „Der therapeutische Umgang mit psychischen Erkrankungen mit Fokus auf dem religiösen System“, auf breiterer Basis validiert. Der Abschnitt beginnt mit einem Überblick über die vielschichtige Heilkultur des 17. und 18. Jahrhunderts, die neben dem akademischen Medikalsystem über eine reiche medikale Laienkultur verfügte. Im Anschluss werden die zeitgenössischen religiösen Praxen bei psychischen Erkrankungen beschrieben und es wird die therapeutische Wirkung von Wallfahrten diskutiert. In diesem Kontext wird auch auf die Initiatoren der Wallfahrten als zentrale „Knotenpunkte“ der sozialen Netzwerke psychisch kranker Personen eingegangen. Zudem werden Heilbehandlung und Pflege am Wallfahrtsort thematisiert und es werden „Spezialwallfahrten“ für psychische Erkrankungen mit hochspezialisiertem Behandlungsrepertoire vorgestellt. Abschließend werden die Ergebnisse der religiösen Therapien kritisch diskutiert sowie geistliche Übungen und symbolische Formen der Frömmigkeit als Objektivationen der subjektiv erfahrenen „Heilungswirklichkeit“ besprochen.
Im finalen Kapitel 6, „Zusammenfassung und Epilog: Wahnsinn, Fallsucht und Besessenheit – Psychische Erkrankungen und religiöse Therapien in Bayern im 17. und 18. Jahrhundert“ werden die wichtigsten Erkenntnisse der verschiedenen Untersuchungsetappen noch einmal zusammenfassend diskutiert und die vorab formulierten Forschungsfragen beantwortet.
3, Bewertung der Ergebnisse
Die Untersuchung der altbayerischen Lebenswelt des 17. und 18. Jahrhunderts hat vielschichtige Einblicke in Formen psychischer Erkrankungen, deren Behandlung sowie dem Umgang mit psychisch kranken Personen in der Zeit vor Beginn einer institutionalisierten Psychiatrie ermöglicht. Die vorliegende Arbeit hat Zugänge zu den historischen Krankheitskonzeptionen und Therapieformen – mit besonderem Schwerpunkt auf dem religiösen System – rekonstruiert. Das als Forschungszugang gewählte interdisziplinäre Untersuchungsdesign mit einer Kombination von makro- und mikroanalytischen Elementen hat sich für die gewählte psychatriehistorische Fragestellung als hochgradig erkenntnisförderlich erwiesen. Durch die umfassende quantitative und qualitative (Meta-) Analyse der historischen Mirakelbücher konnte erstmals ein Modell psychischer Krankheitskonzeptionen der altbayerischen Alltagswelt des 17. und 18. Jahrhunderts konstruiert werden. Durch die neuen Erkenntnisse konnten bekannte Krankheitskonzeptionen erweitert und selektiv Fehlannahmen in der Fachliteratur korrigiert werden. Neben der symptombasierten Charakterisierung der einzelnen Krankheitsbilder wurde auch ein multikausaler ätiologischer Erklärungshorizont hinsichtlich Ursachenzuschreibungen und Auslösefaktoren psychischer Erkrankungen ersichtlich. Die quantitative und qualitative Analyse der historischen Mirakelbücher, als bis dato in diesem Kontext nicht bearbeitetem Quellenkorpus, hat somit entscheidend zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt beigetragen. Die altbayerischen Mirakelberichte bildeten ein vermittelndes Element, das durch den autopathologischen Blick der Pfarrer den Zugang zu den zeittypischen historischen Krankheitskonzeptionen ermöglichte. Dieser neue Blickwinkel wurde durch die Rekonstruktion historischer Lebensbilder auf Basis von dokumentierten individuellen Votationsakten sowie weiterer archivalischer Quellen noch intensiviert. Der gewählte methodische Ansatz, bei dem Mirakelberichte und Votivtafeln den Ausgangspunkt für die Rekonstruktion der Kranken- und Lebensgeschichten von Einzelpersonen bildeten, erwies sich dabei als äußerst fruchtbar. Der Rekurs auf den klassischen volkskundlichen Quellenapparat löst das psychatriehistorische Forschungsdilemma, dass vor Beginn einer institutionalisierten Psychiatrie kaum Informationen über „gewöhnliche“ psychisch kranke Personen, jenseits von Adel und Delinquenten, vorhanden sind. Die Analyse der Mirakelberichte und ergänzender historischer Quellen hat ein facettenreiches Bild psychischer Erkrankungen für Altbayern im 17. und 18. Jahrhundert ergeben und tiefe Einblicke in den gesellschaftlichen Umgang mit psychischen Erkrankungen ermöglicht. Die auf qualitativer Grundlage erlangten Einsichten über den Umgang mit psychisch kranken Personen wurden sodann im weiteren Verlauf der Arbeit auf breiterer Basis validiert. Auf diesem Weg konnte die Gültigkeit einiger tradierter psychiatriehistorischer Theorien für Altbayern im 17. und 18. Jahrhundert widerlegt werden. Durch die Verknüpfung von psychologischen und volkskundlichen Forschungsmethoden konnte die historische Lebenswelt psychisch kranker Personen aus einem veränderten Blickwinkel betrachtet werden. Die Defizite der einzelnen Ansätze wurden gemindert und das Erklärungspotenzial vergrößert. So war es möglich, zu einer differenzierteren Sichtweise der historischen Lebens- und Therapiewirklichkeit psychisch kranker Personen in Altbayern im 17. und 18. Jahrhundert zu gelangen. Bei den erzielten Einsichten handelt es sich zwar nicht um absolute, sondern stets nur um räumlich und zeitlich begrenzte Wahrheiten, um Ausschnitte der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die aus der Analyse der altbayerischen Mirakelbücher und den rekonstruierten Einzelbiographien abgeleiteten Erkenntnisse weisen gesamthaft jedoch über die Situation in Altbayern hinaus. Durch die vorliegende Arbeit erhält so auch das wenig erforschte Gesamtthema psychischer Erkrankungen im 17. und 18. Jahrhundert stärkere Plastizität.„Madness, epilepsy and obsession – mental illness and religious therapies in Bavaria in the 17th and 18th centuries“
1, Objective of the research project
The aim of the research project with the title "Madness, epilepsy and obsession - mental illness and religious therapies in Bavaria in the 17th and 18th centuries" was to gain deeper insights into mental illnesses before institutionalized psychiatry began and to develop a more differentiated view of the historical realities of life of mentally ill people. The focus of the research was the identification and characterization of occurring mental illnesses as well as the therapeutic options for their treatment. Main focus was on the healing culture of the religious system, since this had not been extensively investigated in the context of mental illnesses so far. In addition, the field of research was expanded to analyze societal ideas of, and how to deal with, mentally ill people.
2, Structure and Content
Chapter 1 ‘Introduction: Mental Illness and Religious Therapy as Research Topic’ begins with an introductory presentation of the context and the state of scientific research as well as the positioning at the interface of European ethnology and psychiatric history. Furthermore, objectives and research questions are presented and the interdisciplinary design with its combination of macro and micro analytical elements is explained.
Contemporary clinical pictures, therapy attempts and motives for dealing with mentally ill people can only be interpreted adequately through inclusion of the respective cultural context. Therefore, in Chapter 2, ‘Thematic Introduction: The Historical Context’, background information regarding space and time, as well as culture and way of life of the former Bavarian population, is given. This is followed by an overview of the religious system in Old Bavaria including the differentiation between ‘prescribed’ and ‘lived’ religion and combined with an explanation of pilgrimage as contemporary ‘praxis pietatis’.
The analysis of mental illnesses and, in particular, religious forms of therapy is subsequently analyzed through different lenses in each of the three large chapters of the result section. Chapter 3, ‘Mental Illness in Bavaria in the 17th and 18th Centuries According to Miracle Books’, begins with explanations of mental illnesses as historical and cultural phenomena. In this context, the importance of contemporary terminology is discussed and common classification systems of mental illnesses in miracle books are explained. The results of the quantitative and qualitative meta-analysis of the 179 miracle books are then presented. The psychological disorders occurring at the investigation period are integrated into a model of the five superordinate illness categories ‘seizure disorders’, ‘varieties of 'madness'’, ‘melancholy’, ‘anxiety disorders’ and ‘demonic activity’. Each disease category is described in detail with regard to frequency of occurrence as well as sub-forms and characteristics. Finally, there is an overview of the aetiologies and contemporary disease theories attributed to the various mental illnesses.
After this approach from the perspective of meta-analysis, the following Chapter 4, ‘Portraits of Insanity - Reflections of Psychological Disease Patterns in the Individual’, introduces mentally ill members of old Bavarian society in the 17th and 18th centuries. Detailed individual biographies were reconstructed based on historic archive documents, whereby emphasis was shifted to the subject-related manifestations of mental illness in everyday historical life. The six selected portraits provide insights into a potential historical reality, in which individual experiences and societal reactions in dealing with mental illnesses become visible.
The qualitative hypotheses regarding treatment of mentally ill persons, which were derived from the reconstructed biographies, were then validated on a broader basis in Chapter 5, ‘Therapies for Mental Illnesses with Special Focus on the Religious System’. The section begins with an overview of the multi-layered healing culture of the 17th and 18th centuries, during which the academic medication system was complemented by a rich medical lay culture. Afterwards contemporary religious practices for treatment of mental disorders are described and the therapeutic effect of pilgrimages to and care in religious centers is discussed.
In the final chapter 6, ‘Summary and Epilogue: Madness, Epilepsy and Obsession - Mental Illness and Religious Therapies in Bavaria in the 17th and 18th Centuries’, the most important findings of the various sections of the research project are summarized and the research issues are answered.
3, Key Results
The investigation of the historic Bavarian living environment of the 17th and 18th centuries has provided multifaceted insights into contemporary mental disorders, their therapeutic treatment and how society at large dealt with mentally ill people in the area before the institutionalization of psychiatry. The study was able to successfully reconstruct historical concepts of psychiatric diseases and therapy - with a special focus on the religious system. The interdisciplinary research design with its combination of macro- and microanalytical elements has proven to be highly effective regarding the advancement of scientific knowledge in the chosen period of psychiatric history. Thanks to the comprehensive quantitative and qualitative (meta-) analysis of the historical miracle books, it was for the first time possible to (re-)construct a model of mental illness concepts of the Bavarian ‘everyday life’ in the 17th and 18th centuries. The findings helped to enrich previously known disease concepts and to correct certain misconceptions in the specialized literature. In addition to the symptom-based characterization of the individual clinical pictures, a multicausal aetiological explanatory horizon with regard to attribution of causes and trigger factors of mental illnesses became evident. The quantitative and qualitative analysis of the historical books of miracles, as a body of sources that has not been previously mined in this context, has thus made a decisive contribution to the enhancement of scientific knowledge. The historic Bavarian miracle reports formed a mediating element, which gave access to typical historical illness concepts through the autopathological perspective of the priests. This new aspect was further intensified by the reconstruction of historical portraits based on documented individual pious engagements as well as additional historic sources. The chosen methodological approach, in which miracle reports and votive tablets formed the starting point for the reconstruction of the medical and life stories of mentally ill individuals, proved to be particularly fruitful.
The recourse to the classic ethnological sources solves the psychiatric-historical research dilemma that there is hardly any information about mentally ill people as part of the general public (besides the nobility and delinquents) in times prior to institutionalized psychiatry. The analysis of the miracle reports and additional historical sources has resulted in a multifaceted picture of mental illnesses for Bavaria in the 17th and 18th centuries and has enabled deep insights into the social handling of mental illnesses. Those qualitatively gained insights were then validated on a broader basis in the further course of the study. In this way, the validity of some traditional psychiatric theories was put into question and, at least for Bavaria in the 17th and 18th centuries, even refuted. By linking psychological and ethnological research methods, the historical living environment of mentally ill people could be assessed from a different perspective. The deficits of the individual research approaches were reduced and the explanatory potential increased. In this way it was possible to arrive at a more differentiated view of the historical daily life of mentally ill people and their therapeutic attempts in Bavaria in the 17th and 18th centuries. The insights obtained are not absolute truths, but always spatially and temporally limited and thus only sections of social reality. However, the findings derived from the analysis of the historic miracle books and the reconstructed individual biographies point beyond the Bavarian situation. This thesis thus also gives the little-researched field of mental illness in the 17th and 18th centuries greater plasticity
Outer and inner circle rhetoric specificity in political discourse : a corpus-based study
This study explores the distinctive patterns of language use in political discourse across selected outer circle (Cameroon and Ghana) and inner circle (US and South Africa) varieties, using a corpus-based approach. More specifically, the research sets out to investigate the use of two types of linguistic features, namely, personal pronouns and kinship metaphors. In a first analysis, I adopt an alternative approach to investigating the use of personal pronouns in political discourse. The approach essentially draws from the cognitive linguistic concept of ‘frames’ as articulated by the theory of frame semantics (Fillmore, 1976, 1977a, 1982, 1985, 2008; Fillmore & Baker, 2010). I use an automatic frame semantic parsing tool, the SEMAFOR parser (Das et al, 2014), to identify the different types of (semantic) frames and frame roles with which specific personal pronouns are instantiated across the four varieties. I then compare the findings to illustrate instances of universality and variation.
In a second analysis, I examine the types of metaphorical conceptualizations which are made using kinship terms across the varieties. Working top-down from conceptual schemas to linguistic instantiation, I identify and compare the frequencies of metaphors from the kinship field and also describe the types of cross-domain mappings typically involved in each of the varieties. My analysis is mostly informed by mainstream cognitive approaches to the study of metaphors, more especially cultural variations in the use of conceptual metaphors (Kövecses, 2002, 2005). I demonstrate that although there is empirical evidence for the use of a kinship conceptual schema across all four varieties, there are however significant variances in the specific metaphorical mappings used to instantiate this high-level conceptual structure.
Both analyses make a case for the fact that in the field of political discourse especially, language use may be structured and constrained by conceptual schemas which themselves are culturally determined.Diese korpusbasierte Studie untersucht und vergleicht charakteristische Muster des Sprachgebrauchs im politischen Diskurs ausgewählter Englisch-Varietäten aus dem Outer Circle (Kamerun und Ghana) und dem Inner Circle (USA und Südafrika). Konkret untersucht die Studie den Gebrauch zweier Arten von Sprachmerkmalen, nämlich Personalpronomen und Verwandtschaftsmetaphern. In einer ersten Analyse verwende ich einen alternativen Ansatz zur Untersuchung von Personalpronomen im politischen Diskurs. Dieser Ansatz beruht auf dem kognitiv-linguistischen ‘Frames’-Konzept nach der Frame-Semantik-Theorie (Fillmore, 1976, 1977a, 1982, 1985, 2008; Fillmore & Baker, 2010). Ich verwende ein automatisiertes Parsing-Tool, den SEMAFOR-Parser (Das et al., 2014), um unterschiedliche Arten von (semantischen) Frames und Frame-Rollen, mit denen spezifische Personalpronomen in den vier Englisch-Varietäten realisiert werden, zu ermitteln. Im Anschluss vergleiche ich meine Ergebnisse, um Fälle von Universalität und Variation zu veranschaulichen.
In einer zweiten Analyse untersuche ich die Arten von metaphorischen Konzeptualisierungen, die in den verschiedenen Varietäten mit Verwandtschaftsmetaphern realisiert werden. Ich gehe im Top-Down-Verfahren vor, von der Ebene konzeptueller Schemata bis hin zu sprachlichen Instanziierungen. Dabei ermittle ich die Frequenzen von Metaphern aus dem Bereich der Verwandtschaftsbeziehungen und beschreibe die Arten von domänenübergreifenden Zuordnungen, die in den einzelnen Varietäten jeweils typisch vorkommt. Meine Analyse basiert größtenteils auf allgemeinen kognitiven Ansätzen zur Untersuchung von Metaphern, insbesondere kultureller Variation beim Gebrauch konzeptueller Metaphern (Kövecses, 2002, 2005). Ich zeige, dass es trotz empirischer Beweise für den Gebrauch eines auf Verwandtschaftsbeziehungen basierenden Schemas in allen vier Varietäten auch signifikante Unterschiede bei spezifischen metaphorischen Zuordnungen gibt, die diese sich auf einer höheren Ebene befindliche konzeptuelle Struktur bedingen.
Beide Analysen liefern Argumente für die Tatsache, dass besonders im Bereich des politischen Diskurses der Sprachgebrauch strukturiert sein kann und von konzeptuellen Schemata begrenzt wird, die wiederum kulturell bedingt sind
Generating new product recommendations in online shops with topic models
Recommending products that are helpful to customers and tailored to their needs is of pivotal importance for successful online retailing. Online purchase data is typically used to generate such recommendations. This dissertation studies two topic models that use purchase data to make product recommendations. The Author Topic Model (ATM) and Sticky Author Topic Model (Sticky ATM) are applied to the purchase data of an online retailer of animal health products, and their predictive performances are contrasted with those of the benchmark methods Unigram, Bigram, and Collaborative Filtering (CF). This work focuses on the generation of new product recommendations. To increase novelty in recommendations, a new pre-processing approach is presented. The data is prepared prior to model application such that more novel products are included in the recommendations. A total of six data preparation variants are tested. The key finding is that topic models are very competitive with the benchmark methods and outperform them with the data preparation variant, where repetitively purchased items (repeat items) and customers with one item transaction (single-item customers) are eliminated from the data. Marketing practitioners should consider this pre-processing when implementing topic models as recommender models in their online shops.Produktempfehlungen, die für Kunden hilfreich und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, sind von zentraler Bedeutung für einen erfolgreichen Onlinehandel. Onlinebestelldaten werden in der Regel zur Generierung solcher Empfehlungen verwendet. In dieser Dissertation werden zwei Topic Modelle untersucht, die Bestelldaten für die Erstellung von Produktempfehlungen nutzen. Das Author Topic Model (ATM) und das Sticky Author Topic Model (Sticky ATM) werden auf Bestelldaten eines Onlinehändlers von Tiergesundheitsprodukten angewendet und ihre Vorhersagegenauigkeiten werden mit denen der Benchmark-Methoden Unigram, Bigram und Collaborative Filtering (CF) verglichen. Diese Arbeit konzentriert sich auf die Generierung neuer Produktempfehlungen. Um die Neuartigkeit der Empfehlungen zu erhöhen, wird ein neuer Ansatz der Datenaufbereitung vorgestellt. Die Daten werden vor der Modellanwendung so aufbereitet, dass mehr neuartige Produkte in die Empfehlungen aufgenommen werden. Insgesamt werden sechs Varianten der Datenaufbereitung getestet. Der zentrale Erkenntnisgewinn ist, dass Topic Modelle mit den Benchmark-Methoden sehr gut mithalten können und diese mit der Datenaufbereitungsvariante übertreffen, bei der wiederholt gekaufte Produkte (repeat items) und Kunden mit nur einem bestellten Produkt (single-item customers) aus den Daten eliminiert werden. Marketingpraktiker sollten diese Datenaufbereitung bei der Implementierung von Topic Modellen als Empfehlungsmodelle in ihren Onlineshops berücksichtigen
Digitalization of customer services in health care [cumulative dissertation]
This cumulative dissertation addresses the participatory behaviors of customers in online communities as well as the corresponding antecedents and outcomes. A special focus is set on participation in specialized communities for health care professionals and the outcomes of this behavior. This dissertation includes three contributions:
1) Beierlein, A. (2017): Customer Engagement in Online Communities – A Literature Review, in: Buettgen, M. (Ed.), Beiträge zur Dienstleistungsforschung 2016. Wiesbaden: Springer, p. 41-70.
2) Hogreve, J. / Beierlein, A. (2017): Digitalisierung des Kundenservices in der Healthcare Industrie – Motivationen und Auswirkungen der Kunden- und Mitarbeiter-beteiligung in B2B-P3-Online-Communities; in: M. Bruhn and K. Hadwich (eds.), Dienstleistungen 4.0, Wiesbaden: Springer, p. 511-539.
3) Hogreve, J. / Beierlein, A. (2019): Value Creation and Cost Reduction in Health Care – Outcomes of Online Participation by Health Care Professionals, to be submitted to the Journal of the Academy of Marketing Science (VHB-JQ3: A).
This dissertation consists of one conceptual contribution and two empirical contributions. The first paper is a literature review of preexisting research on the various types of online communities and the forms of participatory behavior found in these communities, such as engagement and participation. Hereby, a detailed analysis of the antecedents, outcomes, and possible moderator effects of engagement is presented. The second article presents the results of a qualitative study examining the antecedents and outcomes of participation in a specialized community for health care professionals – specifically, customers and employees of a major manufacturer of medical equipment. The third contribution outlines in detail the outcomes of professional customers’ participation in an online health care community and also provides proof that participation decreases service support costs for professional customers.Die kumulative Dissertation befasst sich mit verschiedenen Beteiligungsformen von Kunden und Mitarbeitern eines Serviceanbieters in einer Online Community im Gesundheitsbereich, sowie deren Motivationsfaktoren und Resultate. Insgesamt umfasst die Dissertation drei Beiträge:
1) Beierlein, A. (2017): Customer Engagement in Online Communities – A Literature Review, in: Buettgen, M. (Hrsg.), Beiträge zur Dienstleistungsforschung 2016. Wiesbaden: Springer, S. 41-70.
2) Hogreve, J. / Beierlein, A. (2017): Digitalisierung des Kundenservices in der Healthcare Industrie – Motivationen und Auswirkungen der Kunden- und Mitarbeiter-beteiligung in B2B-P3-Online-Communities; in: M. Bruhn and K. Hadwich (Hrsg.), Dienstleistungen 4.0, Wiesbaden: Springer, S. 511-539.
3) Hogreve, J. / Beierlein, A. (2019): Value Creation and Cost Reduction in Health Care – Outcomes of Online Participation by Health Care Professionals, wird eingereicht im Journal of the Academy of Marketing Science (VHB-JQ3: A).
Die Dissertation besteht aus einem konzeptuellen Beitrag und zwei empirischen Beiträgen. Das erste Papier ist ein Literaturüberblick über bereits bestehende Forschungen zu den verschiedenen Arten von Online-Communities sowie den Formen des partizipativen Verhaltens in diesen Communities, wie beispielsweise Engagement und Beteiligung. Hierbei wird eine detaillierte Analyse der Motivationsfaktoren, Ergebnisse und möglichen Moderatoren von Engagement vorgestellt. Der zweite Artikel stellt die Ergebnisse einer qualitativen Studie vor, welche die Motivationen und Ergebnisse zur Beteiligung an einer spezialisierten Online Community für Healthcare Professionals untersucht - insbesondere Kunden und Mitarbeiter eines großen Medizintechnikherstellers. Der dritte Beitrag beschreibt detailliert die Ergebnisse der Beteiligung von Healthcare Professionals in einer spezialisierten Online Community und zeigt zudem, dass deren Beteiligung die Kosten für den eigenen Kundenservice reduziert
Informelle Sprachlernbegegnungen mit dem Englischen von Kindern und Jugendlichen bei der Nutzung mobiler Technologien
Die vorliegende Dissertation widmet sich informellen Sprachlernbegegnungen mit dem Englischen, die deutsche Kinder und Jugendliche bei der Nutzung mobiler Technologien, besonders Smartphones in ihrer Medienkonvergenz mit dem Internet und Web-2.0-Technologien, in ihrem außerschulischen Alltag erleben.
Um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wann und wie informelles Fremdsprachenlernen bzw. informeller Fremdspracherwerb in diesem Setting stattfinden, wurden zwei Studien durchgeführt:
Zunächst diente eine breit angelegte Online-Befragung der Identifikation unterschiedlicher Aktivitäten intentionalen und nicht intentionalen Lernens in diesem Zusammenhang. In einem zweiten Schritt wurden in fünf Gruppendiskussionen die nicht intentionalen Sprachlernbegegnungen näher untersucht, die bei der freizeitorientierten Mediennutzung stattfinden. Dabei stand besonders die Frage im Vordergrund, welche inzidentellen oder impliziten Prozesse dabei jeweils ablaufen, in welcher Art von Wissen bzw. Können sie resultieren und wie sie sich dementsprechend kategorisieren lassen.
Wie sich herausstellte, erleben die Befragten unabhängig von Alter und Geschlecht z. T. hoch frequent sowohl intentionale als auch nicht intentionale informelle SLB, denen sie häufig starke Effekte auf ihre Kompetenzen zuschreiben: Fast alle setzen v. a. Smartphones zum intentionalen Lernen, Üben und Wiederholen ein, wobei häufiger die Schulung von Hör- und Leseverstehen mit authentischen Medien sowie die Informationsbeschaffung im Internet im Zentrum stehen als bspw. das Lernen von Wortschatz oder das Üben von Grammatik mit Lernsoftware. Daneben erwiesen sich inzidentelle sowie implizite Sprachlernbegegnungen bei rezeptiven, interaktiven bzw. kommunikativen und produktiven Aktivitäten als äußerst bedeutsam, sowohl was deren z. T. hoch frequentes Auftreten betrifft, als auch ihre starke Effektivität; diese zeigte sich besonders im Hinblick auf Wortschatzwissen sowie Kompetenzen der Sprachproduktion und -rezeption – in einigen Fällen stellten sich diese nach Einschätzung der Befragten sogar als noch wirksamer heraus als vergleichbare Aktivitäten intentionalen Lernens. Zudem wurde deutlich, dass die jungen Mediennutzer regen Gebrauch von unterschiedlichen Hilfsmitteln sowie (Lern-)Strategien und Techniken machen.This thesis addresses German students` contemporary practices of informal mobile language learning when encountering the English language while using mobile technology, particularly smartphones in media convergence with the Internet and Web 2.0.
Two studies were conducted to gain insights into young people`s practices of informal English Language Learning and Acquisition: In a broad online survey, various activities of both intentional (explicit) and non-intentional (implicit and/or incidental) language learning could be identified and characterized. Complementing the survey, group discussions served to examine and understand incidental and implicit learning during leisure-oriented media use more deeply. In order to categorize different types of language learning encounters, particularly the question which different incidental or implicit processes take place was focused, as well as the kinds of knowledge or skills they result in.
As it turned out, students experience both activities of intentional and non-intentional informal language learning – irrespective of age and gender – sometimes even highly frequent: Almost all of them use smartphones for intentional learning, practice, or revision of various language related aspects, with especially listening and reading comprehension being practised, mainly by the use of authentic media, e. g. from the Internet. In addition, incidental as well as implicit learning experiences in receptive, interactive or communicative, and productive activities proved to be extremely important, both in terms of their frequent occurrence and the strong effects regarding different L2-competencies that students ascribe to them: Particularly vocabulary knowledge and competences of language production and reception were mentioned by the interviewees; in some cases, according to them, activities of non-intentional learning proved to be even more effective than comparable activities of intentional learning. Furthermore, findings give evidence that young media users make use of different technical aids as well as of learning strategies and techniques
Vermittler - Bewahrer - Wächter. Orientierungen von Lehrerinnen und Lehrern im Themenfeld Kultur
Auf Grundlage welchen Kulturbegriffs die Lehrkräfte innerhalb des Deutschunterrichts der Grundschule handeln, ist zentrales Thema der vorliegenden Arbeit. Mit Hilfe von Gruppendiskussionen fragt die Studie nach implizitem Wissen der Lehrer*innen im Themenfeld Kultur. Neben der Überwindung kulturellen Defizits kann mit Hilfe der dokumentarischen Methode ein Ethnozentrismus als pädagogische Leitidee rekonstruiert werden. Ein Ausweg daraus wird im bedeutungsorientierten Kulturbegriff als Grundlage eines kultursensiblen Deutschunterrichts aufgezeigt.
In den Kulturwissenschaften werden eine Vielzahl von Kulturbegriffen diskutiert, dies geschieht allerdings kaum für den schulischen Kontext. Der Kulturbegriff, der dem Denken und Handeln der Lehrer*innen zugrunde liegt, ist jedoch Grundlage für stattfindende ethnische Zuschreibungen oder Stigmatisierungen und gleichzeitig auch Basis für eine gelungene Gleichstellung aller Schüler*innen.
Das Forschungsprojekt stellt die Lehrkraft als zentralen Akteur innerhalb des Unterrichtsprozesses in den Mittelpunkt: Welches Verständnis von Kultur liegt ihrem Deutschunterricht in der Grundschule zugrunde? Die Studie fragt danach, welche Orientierungsrahmen, welche impliziten Wissensbestände im Themenfeld Kultur bei Lehrer*innen zu rekonstruieren sind, um so ein besseres Verständnis der kollektiven Wahrnehmung zu generieren.
In der praxeologischen Arbeit werden mit Hilfe des Gruppendiskussionsverfahrens und der dokumentarischen Methode konjunktive Erfahrungsräume der Lehrer*innen im Themenfeld Kultur rekonstruiert. Alle Gruppen, jeweils ganz unterschiedlich, verhandeln die Überwindung des kulturellen Defizits. Darauf aufbauend zeigt sich, dass die Lehrer*innen auf einen kollektiven Habitus kultureller Wissensvermittlung auf Basis eines ethnozentristischen Weltbildes zurückgreifen. Durch das kulturelle Nichtwissen bleibt den Lehrkräften ein pädagogisch-kultursensibler Handlungsspielraum verwehrt.
Mit Hilfe des bedeutungsorientierten Kulturbegriffs kann dieser Spielraum im Themenfeld Kultur geweitet werden, indem die individuelle und kulturelle Vielfalt aus der Perspektive der Schüler*innen thematisiert werden. Er bildet einen Baustein, um mit einer ganzheitlichen Kultur- und Diversitätsdidaktik das methodisch-didaktische Desiderat im Feld des Deutschunterrichts aufzuheben.The present study analyzes the conceptions of culture which inform how teachers give German classes at elementary schools. By means of group discussions, the study examines teachers’ implicit knowledge in the field of culture. The employed documentary method finds ethnocentrism and the surmounting of cultural deficits as key pedagogical paradigms. A semantic concept of culture as cornerstone for teaching German in a culturally sensitive way is identified as a possible remedy.
Various concepts of culture are debated within cultural studies, but hardly ever applied to the context of schools. Nonetheless, the conceptions of culture which underlie the practice of teachers can both lead to ethnic ascriptions or stigmatizations and lay the foundation for an equal treatment of all learners.
The project focuses on the teacher as key agent of the instructional process: What understanding of culture guides teachers in giving German classes at elementary schools? The study asks which paradigms, which implicit knowledge of culture informs teachers’ daily practice and thus aims to gain a better understanding of teachers’ collective perception of culture.
The praxeological study uses group discussions and the documentary method to reconstruct teachers’ conjunctive spaces of experience in the field of culture. Though very different from each other, every group reverted to a discussion on overcoming cultural deficits. It became evident that the teachers drew upon an ethnocentric collective habitus of conveying cultural knowledge. Their lack of cultural awareness prevented them from harnessing a culturally sensitive pedagogical scope of action.
A semantic concept of culture can widen this scope by addressing individual and cultural diversity from the learners’ perspective. Based on a holistic didactics of culture and diversity, it can serve as a keystone for bridging methodological and didactic shortcomings in teaching German
Extending the research on service management - essays on choice, automation and quality measurement in the service environment
Article 1:
Despite the proliferation of healthier side items for children at fast food restaurants, many parents still do not make healthy choices for their children in this setting. The goal of this research is to identify the parents most likely to do so and develop an intervention to nudge these parents toward making healthier choices in retail outlets. Across four field studies conducted in a retail environment (i.e., locations of a fast food restaurant chain), the authors predict and find that parents with a high tendency to engage in social comparison and a malleable view of the self are most likely to conform to the norm in their parental social network. Given that the norm in the population studied is to order a less healthy side item (e.g., fries) versus a healthy side item (e.g., fruit), conforming results in significantly less healthy orders for the children of these individuals. The authors demonstrate that a social norm-based intervention designed to set a new healthy norm in this retail environment succeeded in increasing the overall proportion of parents that chose a healthy side item by over 29% by increasing the choice of healthy sides specifically for these individuals. The authors conclude with a discussion of implications for theory, retail managers, and policy makers.
Article 2:
Despite the popularity of Mystery Shopping (MS) to assess service performance relatively little research has been conducted on the practice. This article extends the research on Mystery Shopping by evaluating drivers and moderators of employee performance at Mystery Shopping checks. To do so, based on the results of in-depth interviews with 24 employees of a fast-food chain and existing theoretical knowledge, a model of employee performance at MS checks was developed. The developed model was then evaluated applying structural equitation modeling techniques. For this purpose, data of more than 200 employees from 9 different restaurants of the fast food restaurant chain were collected. Where perceived goal importance is identified as a direct driver of employee performance at Mystery Shopping checks results show that the effect of Job Satisfaction on MS performance is mediated by the satisfaction with MS as a service measurement tool and moderated by organizational commitment. Results further show that incentives are only effective under certain conditions to increase employee performance at Mystery Shopping checks.
Article 3:
Technologies that enable customers to produce services on their own (SSTs) have found their way into service delivery routines. The successful deployment of SSTs depends critically on employees’ attitudes toward the technologies, because their attitudes determine their willingness to use and introduce the SSTs to customers. A negative attitude toward SSTs instead can lead to employees’ dissatisfaction and generally poorer performance. Despite the importance of employees’ attitudes towards SSTs, relevant theoretical contributions are limited. This article addresses this lack of research. It introduces a holistic model of how employees’ attitudes toward SSTs form. Based on 30 in-depth interviews with frontline employees the model proposes that attitude formation towards SSTs depends on the perceived influence of SST deployment on job security, customer orientation, work design, and technological dependence. Second, by compiling practical findings from two different industries, this study identifies some moderating effects, according to the conditions for the SST deployment. Two key moderators influence the strength and even the direction of the effects of employees’ attitudes toward SSTs: employees’ job class and the level of automation implied by SSTs. Based on the conceptualized model this study offers managerial implications with regard to the successful introduction of SSTs, from an employee perspective. It also highlights some pertinent tactics, depending on the SST deployment condition, for improving employees’ attitudes toward SSTs
The enriching complexity of complex tasks: Revisiting the mechanisms behind individual and regional productivity growth [Cumulative dissertation]
In this cumulative dissertation, I investigate the relation between the cognitive complexity of work tasks and economic outcomes such as earnings, migration, and aggregate income growth. Existing theoretical and empirical research firmly established that human capital plays a major role in determining these outcomes. However, the literature to date has focused on a limited set of human capital measures, such as education, years of work experience, and basic demographic characteristics, and has largely ignored considerable individual variation attributable to occupational skills. By introducing novel skill measures derived from work tasks and using theoretical models combined with empirical evidence, I demonstrate the determining role played by occupational skills.
The first paper examines the connection between problem solving and lifecycle wage dynamics. I introduce a model of learning-by-doing which relates the intensity of complex tasks to the growth of problem solving skills and labour productivity. Using German administrative data, I find that workers in complex jobs receive static and dynamic wage premia and acquire relatively more human capital throughout life.
The second paper examines the selection pattern of Mexican migrants to the United States and shows that Mexican migrants have lower cognitive skills and higher manual skills compared to non-migrants. Using an extended version of the Roy-Borjas model, I show that differences in the returns to occupational skills explain the selection pattern better than differences in the returns to education and basic characteristics.
The third paper explores the role that complexity plays in economic development. I develop a regional model of endogenous growth which relates aggregate problem solving skills to the rate of technology adoption. In the model, migration costs and spillovers in technology adoption create persistent differences in regional income. By estimating growth regressions, I find that problem solving skills strongly predict per capita income growth in a sample of European regions.
The results collected in the dissertation have implications for economic development policies focused on human capital, projection and analysis of international migration, and evaluating long-term effects of recessions
Integrated order picking and vehicle routing – problems, insights, and solution approaches [cumulative dissertation]
Die Kommissionierung und Auslieferung sind fester Bestandteil vieler Lieferketten, insbesondere jener des stationären Einzelhandels und des Onlinehandels. Sie stellen dort zumeist nicht wertschöpfende, nachgelagerte Prozesse dar, die jedoch für den größten Teil der Logistikkosten verantwortlich sind. Entsprechend vielseitig und detailliert thematisiert die wissenschaftliche Literatur sowohl die Kommissionierung als auch die Tourenplanung. Eine gesamtheitliche Betrachtung beider Prozesse erfolgt dabei in überwiegender Mehrheit nur ungenügend. Die wechselseitigen Auswirkungen auf der operativen Planungsebene werden nur beschränkt berücksichtigt, da die Prozesse zumeist isoliert betrachtet werden oder eine sequentielle Planung vorausgesetzt wird. Diese Arbeit untersucht verschiedene Kommissionier- und Tourenplanungsprobleme. Zudem zeigt sie die Vorteile einer integrativen Planung auf und entwickelt exakte sowie heuristische Lösungsverfahren für die untersuchten Problemstellungen.
Der erste Beitrag entwickelt ein strukturelles Verständnis für die Teilproblemstellungen der Kommissionierung und Auslieferung. Zudem verdeutlicht der Beitrag die Entwicklung im Forschungszweig der integrativen Kommissionier- und Tourenplanung.
Die weiteren Beiträge untersuchen praxisorientierte Problemstellungen aus dem Bereich der Micro-Store-Belieferungen (Beitrag 2), Same-Day-Zustellungen (Beitrag 3) sowie der Belieferung von Supermärkten (Beitrag 4). Dabei werden jeweils verschiedene Realrestriktionen einbezogen, Zielstellungen verfolgt, sowie integrative Lösungsverfahren entwickelt und klassischen Lösungsansätzen gegenübergestellt.Order picking and delivery are integral parts of many supply chains, especially those of retail and online trade. They are mostly non-value-adding, downstream processes, but they are responsible for the majority of logistics costs. Accordingly, the academic literature deals with both order picking and vehicle routing in a diverse and detailed manner. However, a holistic view of both processes is mostly not sufficiently taken into account. The interdependent effects on the operational planning level are only considered to a limited extent since the processes are usually considered isolated or sequential planning is assumed. This thesis examines different order picking and vehicle routing problems. Furthermore, it shows the advantages of integrative planning and develops exact and heuristic solution methods for the investigated problems.
The first paper develops a structural understanding of the subproblems of picking and delivery. In addition, the article illustrates the development of the research branch of integrative order picking and vehicle routing.
Further contributions examine practice-oriented problems in the field of micro-store deliveries (contribution 2), same-day deliveries (contribution 3), and the supply of supermarkets (contribution 4). In each case, different real-world constraints are included and different objectives are addressed. Furthermore, problem-specific integrative solution methods are developed and compared to classical approaches
Die aktuelle Geomorphodynamik auf proglazialen Moränen im Hinteren Kaunertal : hochaufgelöste Messung und Modellierung der Prozessdynamik hinsichtlich ihrer lokalen und temporalen Variabilität
Im Kontext des schnell voranschreitenden, klimatisch bedingten Wandels im Hochgebirge wird in dieser Arbeit die Geomorphodynamik auf proglazialen Moränen im Hinteren Kaunertal in den Österreichischen Zentralalpen untersucht. Die bis zu 90° steilen und bis zu 200 m hohen Lateralmoränen des Gepatschferners und des Weißseeferners dienen als Untersuchungsflächen, um Veränderungen von geomorphologischen Prozessen in der Zeit seit Eisfreiwerdung und deren Saisonalität für Einzugsgebiete mit unterschiedlichen klimatischen, lithologischen, morphometrischen, hydrologischen und ökologischen Charakteristika festzustellen. Unter Verwendung von airborne und terrestrischen LiDAR-Daten wurden räumlich (1 m und 0.5 m Auflösung) und zeitlich (ALS: 2006, 2012 und 2014; TLS: 2011-2015) hochaufgelöste digitale Geländemodelle (DGMs) berechnet, um die formgebenden Mechanismen und deren Einflussfaktoren auf den proglazialen Lockermaterialhängen zu analysieren. Auf Basis der Geländemodelle werden die vorherrschenden Prozesse (Rutschungen, Murgänge und fluvialer Abtrag) (i) anhand von DoD quantifiziert und (ii) modelliert, (iii) mit der Auswertung von Profilanalysen differenziert und (iv) Veränderungen der morphometrischen Parameter Hangneigung, Rauigkeit und Krümmung festgestellt. Des weiteren werden meteorologische Daten ausgewertet und mit den Ergebnissen der räumlichen Analysen korreliert, um die erosionsvorbereitenden und -auslösenden klimatischen Einflussfaktoren zu determinieren.In the face of the ongoing unprecedented climatic change in high mountain areas and thereby evoked fast glacier recession, this thesis aims in analysing the geomorphodynamics on proglacial moraines in the Upper Kaunertal, Central Austrian Alps. The lateral moraines of Gepatschferner and Weißseeferner reach slopes of up 90° and heights of up to 200 m. Slopes with diverse catchment characteristics, like climatic, lithological, morphometric, hydrological, and ecological factors are investigated in order to determine changes in geomorphic processes with the time since deglaciation and during the seasonal course. Spatially (1 m and 0.5 m resolution) and temporally (ALS: 2006, 2012 und 2014; TLS: 2011-2015) high-resolution airborne and terrestrial LiDAR data is used for the generation of DEMs as data basis for the investigation the dominant erosion processes (small landslides, debris flows and fluvial erosion), their driving mechanisms as well as influencing factors. Short- to midterm derived DEMs are used to (i) calculate DoDs to quantify and (ii) model sedimenttransport processes, (iii) differenciate processes by analysing DEM-based profiles of sequential timesteps and (iv) find seasonal changes of in the morphometry of proglacial slopes (surface roughness, slope, curvature). The results are furtheron correlated to precipitation and temperature data derivatives to determine climatic preparatory and triggering factors