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Neues von der Nonnen-Sau. Die Hauptfigur und der Konzepteur des Gartens der Lüste von Hieronymus Bosch
Der Aufsatz setzt an meiner Interpretation des Gartens der Lüste als Traum einer Frau an. In ihrem Traum erkennt die Frau in der Höhle die sinnliche Liebe als falsch. Sie erwacht und ist mit dieser Sekunde der Vision erweckt, wenngleich sie im Moment ihrer Erweckung noch/wieder Anzeichen der sinnlichen Sünden verrät (Eule im Spiegel). Der Aufsatz löst den Widerspruch, dass für ein Bild der Erweckung – selbst wenn es sich um eine ‚magdalenische‘ Frau handelt – unpassend viele sinnliche, sexuelle und im zeitgenössischen Sprachgebrauch sodomitische Vergehen gezeigt und angedeutet sind. Als Lösung dieses Widerspruchs wird erörtert, ob das Bild ein historisches Sujet haben könnte und die erweckte Frau nach dem Vorbild der berühmten Liebenden Heloise angelegt ist. Konkret nach der Heloise, wie sie Jean Molinet in seinem Roman de la Rose moralisé (1500) entworfen hat – als Heloise mit zweifelhafter Konversion, die als ‚Braut des Luzifers‘ in der Hölle geendet hätte. Es zeigt sich, dass etliche Indizien im Bild auf Heloise passen: das Vorbild Magdalena und der Bräute des Hoheliedes, ihre Phantasmen, die Heuchelei, die Heirat, die Schwangerschaft. Ebenso die Nonnen-Sau, die an die Flucht der Heloise nach der Schwangerschaft in einer Nonnen-Verkleidung anspielen könnte, oder die die Heuchelei der späteren Äbtissin Heloise behauptet, die eigentlich weiter irdisch Abaelard geliebt hätte. Der Garten der Lüste kulminiert, so verstanden, im Moment der Vision der Frau – Heloise – in der Höhle in der Frage, die sich noch moderne Gelehrte stellten: Hat Heloise innerlich auf ihrer Liebe zu Abaelard beharrt, oder hat sie im Kloster eine ehrliche Konfession erlebt? Geprüft wird ebenso, ob sich Spuren des Abaelard im Bild finden, als Denker oder als kastrierter Liebhaber.
Ein weiterer Aspekt betrifft den Konzepteur des Bildes. Schon bekannt waren Symbole des französischen Stachelschweinordens und des burgundischen Vlies-Ordens im Garten der Lüste. Daran anknüpfend wird vorgeschlagen, den burgundischen Dichter und Hofchronisten Jean Molinet als maßgeblichen Konzepteur des Bildes anzunehmen. Es lässt sich zwischen Molinets Dichtung und dem Bild eine ästhetische Verwandtschaft aufzeigen, eine Verbindung, die übrigens der französischen Romanistik bereits bekannt war. Die bei Molinet praktizierte Kombination des Symbols für einen französischen König mit einer symbolisch-exotischen Tiertruppe findet sich auch im Garten der Lüste. Jean Molinet sollte der maßgebliche Konzepteur des Bildes sein. Nicht der Maler Hieronymus Bosch hat das Bild signiert, sondern er malte die typische ‚Signatur‘ des Konzepteurs Jean Molinet hinein: Die, wie der Name sagt, ‚kleine Mühle‘, ist oben mittig in der Höllentafel platziert, sie ‚beendet‘ die Bilderzählung in der gleichen Weise, wie der Dichter Molinet mehr als 30 mal seine Texte mit der ‚kleinen Mühle‘ signiert hat
Max Beckmann: Versuchung 1936-1937. Eine Analyse im Hinblick auf die zeitgeschichtlichen Ereignisse
"Ein Besuch bei Max Beckmann war ein Besuch in einer Welt der Wirklichkeit, ohne dass auch nur im Geringsten der Wirklichkeit des gegenständlichen Tages Erwähnung getan wäre". Peter Beckmann, "Besuche bei Max Beckmann in Amsterdam", in: Max Beckmann Sammlung Günther Franke, Köln 1959.
Dieser versteckten gegenständlichen Wirklichkeit, die Beckmanns Sohn Peter bei einem seiner Besuche in Amsterdam erkannte, kann man nachgehen auf einem Weg voller Stolpersteine, die Beckmann selbst gelegt hat. Wir versuchen es jedenfalls, denn er hat uns auch viele geheime Hinweise in seinen Notizen hinterlassen, sein Vermächtnis um dieser Aufgabe gerecht zu werden, „jenseits der großen Wand" des zeitbedingten Schweigens
Der Kunstdigitalisator – Berufung ohne Berufsbild. Beyond Kunstgeschichte. Karrieretag Kunst- und Geisteswissenschaften, Institut für Kunstgeschichte der Universität Regensburg, Zoom-Meeting 12./19./26.11.2020
Bei 'Beyond Kunstgeschichte' handelt es sich um eine Karriereinformationsveranstaltung für angehende KunsthistorikerInnen und GeisteswissenschaftlerInnen, um Berufsperspektiven für Studierende zu eröffnen, mögliche Arbeitsfelder vorzustellen und auf Zusatzkompetenzen aufmerksam zu machen, die man sich während des Studium aneignen sollte. Die Vortragenden werden dabei über ihren eigenen Werdegang berichten und ihre aktuelle Tätigkeit vorstellen.
Aufgrund der aktuellen Corona-Situation findet 'Beyond Kunstgeschichte' in diesem Jahr als dreiteilige, digitale Veranstaltung via Zoom-Meeting statt
Alina Szapocznikow – Der Körper als formbare Substanz
Alina Szapocznikow zählt zu den Künstlerinnen, deren umfangreiches Werk erst Jahrzehnte nach ihrem Tod internationale Aufmerksamkeit erhielt, obwohl sie in Kontakt mit vielen einflussreichen Personen der damaligen Kunstwelt stand. Die Arbeit untersucht Szapocznikows künstlerische
Beschäftigung mit dem menschlichen Körper anhand eines materialikonografischen Ansatzes, der ihre synthetischen Assemblagen im Hinblick auf die Produktionsgeschichte von Plastik betrachtet. Basierend auf Szapocznikows kunstkritischer Rezeption in den 1960er Jahren sowie feministischen Überlegungen zu materiellen Qualitäten des Viskosen oder Expansiven wird die Relevanz ihres OEuvres für gegenwärtige Vorstellungen von Körperlichkeit und Subjektivität reflektiert
Vom Begehren nach Individualität. Inszenierungen des (Un)Persönlichen bei Christian Boltanski und Henrik Olesen
Christian Boltanski und Henrik Olesen schufen mit knapp 40 Jahren zeitlicher Distanz Werke, die zentrale Topoi postkonzeptueller Gegenwartskunst sowie räumlicher Inszenierung verhandeln. Der Essay diskutiert die künstlerische Strategie, Dinge an die Stelle des repräsentierten Individuums zu setzen, unter drei Gesichtspunkten und erörtert Parallelen und Differenzen zwischen den beiden Positionen. Inwiefern können Dinge die Funktion eines Porträts übernehmen? Können massengefertigte Gegenstände persönliche Einzigartigkeit vermitteln? Wie beeinflusst die räumliche Präsentation den Aussagegehalt der Artefakte? Der Essay verfolgt, wie sich die ästhetische Erfahrung zwischen dem Auslösen von Begehren nach Individualität und der simultanen Deprivation dieses Wunsches vollzieht
Plans for Redesigning the Gau Capital Münster. Extended version of a lecture held on 17 June 2017 as part of the 92nd Congress of German scholars of the History of Art in Münster, 15-18 June 2017
Max Beckmann: Tentazione (Versuchung), 1936-1937. Un'analisi degli eventi storici contemporanei
"Una visita a Max Beckmann è stata una visita ad un mondo di realtà senza il minimo accenno alla realtà del giorno in questione."
Peter Beckmann, "Besuche bei Max Beckmann in Amsterdam", in: Max Beckmann Sammlung Günther Franke, Köln 1959.
Questa realtà oggettiva nascosta, che il figlio di Beckmann, Peter, ha riconosciuto durante una delle sue visite ad Amsterdam, può essere rintracciata lungo un sentiero pieno di ostacoli che lo stesso Beckmann aveva posto. Cerchiamo in ogni caso di comprendere questa sua realtà perché lui stesso ci ha lasciato molti indizi segreti nei suoi appunti, la sua eredità per rendere giustizia a compito, "oltre il grande muro" del silenzio temporale
Die Stadthofkapelle des Zisterzienserklosters Disibodenberg in Bad Sobernheim – Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte
Möbelproduktion als Spiegel von Stil und Markt. Eine Studie zu den Bedingungen bürgerlicher Selbstrepräsentation im Kaiserreich. Vortrag vom 13. Juni 2019 im Rahmen der Tagung für Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Möbel- und Raumkunst, Technische Hochschule Köln, 13.-14. Juni 2019
"Der, die, das - wer, wie, was - wieso, weshalb, warum […]!": zur Ideengeschichte von W-Fragen
Zum Arbeitsalltag von in Museen beschäftigten Wissenschaftlern zählt die Objektinventarisierung. Besonders an kulturgeschichtlichen Museen ist diese Tätigkeit oftmals herausfordernd, da die Institutionen in der Regel über sehr heterogene Bestände verfügen: Alltagskultur tritt neben Meisterwerk. Die sogenannten W-Fragen helfen dabei, sich methodisch den jeweiligen Objekten zu nähern. Blicke in die Vergangenheit und Gegenwart der Methodik verraten, dass nahezu jede Forschergeneration auch immer wieder eigene Fragestellungen zu entwickeln wei