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Eine historisch-empirische Untersuchung zu königlich bayerischen Hoflieferanten in der Pfalz
Künstlerische Strategien postrevolutionärer Traumabewältigung: Delaroche versus Delacroix
Städte und Dörfer mit "Allerley Zugehör Darum und Dazwischen" sowie die "Welt von Damals" (Augenzeugen berichten in Wort und Bild). Towns and Villages with "Things Around and Between" and "The Ancient World" (eyewitness report by text and picture)
Städte und Dörfer, mit „Allerley Darum Herum und Dazwischen“ sowie der „Welt von Damals“ – geht direkt aus den Kirchenburgen hervor, denn um eine Kirchenburg, ob im Ort oder einer Stadt gelegen, hat es, mit etwas Glück, noch mehr Interessantes aus früheren Jahrhunderten. Mit den Jahren lernten wir somit auch dies zu schätzen (stammt es doch aus den gleichen Zeiten und von den Leuten, welche die Kirchenburgen erbauten).
Im ersten Abschnitt dieser kleinen „Begleitenden Übersicht“ liegt der Schwerpunkt auf den Handwerkstechniken mit Fachwerk, aber auch der Steinmetzkunst, dem Brunnen- und Mühlenbau, und natürlich den Schießscharten, um einen allgemeinen Überblick zu geben.
Die mittleren Kapitel dann beschäftigen sich mit einer allgemeinen Übersicht über das, was man in Städten und Dörfern, und dem „Allerley Darum Herum und Dazwischen“ heute noch finden kann. Naturgemäß nimmt die Stadt dabei den größten Raum ein, und die verschiedenen Epochen der Befestigung wie auch des inneren Ausbaues werden an Beispielen dargestellt. Städte wie Dörfer haben noch ihren alten „Kern“ – oder hatten ihn – und man kann es nicht immer auf Kriegsereignisse schieben, wenn uns heute ein schön gepflasterter Ortsplatz mit neuen Läden und Rathaus „entgegen lacht“. Doch es gibt Gott sei Dank auch genügend Beispiele einer „historischen Ortskernsanierung“. Das „Allerley Darum herum und Dazwischen“ hat es da noch schwerer, denn je mehr Straßen, umso schneller fährt man an dem wenigen Erhaltenen einfach vorbei, und meist bleibt nur ein „Fußmarsch“ vom nächsten Ort aus – eben wie früher.
Die weiteren Kapitel schließlich beschäftigen sich mit der „Welt von Damals“. Um auch das damalige Gesamtbild besser kennen zu lernen, suchten wir Literaturbeispiele zu verschiedenen Jahrhunderten aus, wenn möglich, recht „Zeitnah“, denn umso lebendiger und wirklicher ist das geschrieben. Wir waren rasch in diese Welt vertieft und es wurde bewusst, dass die „Welt von Damals“ nicht einfach die „frühere Welt“ war. Manches änderte sich von Jahrhundert zu Jahrhundert, wie die Architektur und vor allem die Waffentechnik – etwas anderes aber blieb doch recht gleich: Der Mensch. Der Mensch mit seinen Hoffnungen und Wünschen, aber auch seiner Habgier und Hunger nach Macht. Wir fanden beredte Dokumente von Urteilen des Reichskammergerichtes zu Rottenburg, oder die Welt des Herzogtums Württemberg um 1680 in Bildern einer einzigartigen Arbeit – und steht man heute in einem Ort oder einer Stadt vor einem letzten Relikt – dann kann man – manches Mal zumindest – sehen, was es damals noch gab
Die Bedeutung Sibiriens im Werk von Joseph Beuys und Jochen Gerz
Das Thema wurde im Kontext eines Seminares (Zur Ikonographie der Reise von Prof. Antje von Graevenitz) schon in Vortragsform behandelt. Der folgende Text konzentriert sich vor allem auf die Bedeutung der „Sibirischen Idee“ im Werke von Beuys.
Die untersuchten Aktionen von Beuys (Sibirische Symphonie, Eurasia und Eurasienstab) bilden eine Einheit. Nur aus ihrem Zusammenhang lässt sich die vielfältige Bedeutung Sibiriens erkennen. Die Vielzahl der Gerzschen Aktionen, welche eine deutliche Nähe zur Beuysschen Idee Sibiriens aufweisen sei hier kurz erwähnt. Um den Rahmen nicht zu sprengen, beschränkt sich der Text auf das Transsib.-Projekt und einige Hinweisen zu anderen Werken. Einleitenden Kurzbiographien helfen, zeitliche Rahmenbedingungen und Zusammenhänge im Werk der beiden Künstler zu verdeutlichen. Sie geben die Möglichkeit, die Werke in die Entwicklung der beiden verschiedenen, in gewisser Weise doch auch ähnlichen Künstler einzuordnen.
„In der Beuysschen Aktion verband sich, was sonst getrennt ist: Objekt und Skulptur, Raum und Zeit, Zeichnung und Sprache, Körper und Musik; den Zusammenhalt schuf der Handelnde mit diesen Elementen“ (1), so U. M. Schneede. Die 1960er Jahre waren die richtungsweisende Phase im Leben des Künstlers. „Diese Aktionen waren ja wichtig, um den alten Kunstbegriff zu erweitern“ (2) so Beuys später. Mit Werken wie dem Fettstuhl von 1964 provozierte er gezielt, brachte Bewegung und Diskussion in die als sterbend beurteilte Kultur des Okzidents. Der Ausbruch aus der traditionellen Kunst war gleichzeitig ein Aufbruch hin zu einer neuen, nicht mehr nur retinalen. Eine, wie sie im Sinne einer erweiterten Kunsttheorie gefordert wird hin zu einer sozialen Utopie, welche ihre gesellschaftliche reale Existenz auch als Konsequenz eines universellen Kunstprozesses versteht. Beuys forderte die Einheit von Kunst und Leben, Natur und Geist und entwickelte seine Idee einer Sozialen Plastik. Er hielt Vorträge, veranstaltete Diskussionsrunden und wurde zunehmend politisch aktiv. Das heutzutage weit verbreitete Bonmot von Beuys, demzufolge jeder Mensch ein Künstler sei, zeigt den enormen gesellschaftlichen Einfluß den Beuys’ Aktionen und Theorien.
Natürlich ist es nicht nur der Begriff Sibirien an sich, der beide Künstler und ihr Werk verbindet. Die anfängliche Idee Sibirien als Grenze zwischen Ratio und Intuition, zwischen Natur und dem von ihr entfremdeten Menschen entwickelte sich hin zur positiven Vision Eurasia und dem mystischen Eurasienstab. Eine politisch gesellschaftliche Utopie, die dem Menschen Wege aus der Krise der Zivilisation weist.
Jochen Gerz künstlerische Biographie ist entscheidend durch Beuys geprägt, wie seine frühen Interventionen im öffentlichen Raum, aber auch späte Werke, wie 2146 Steine oder die Bremer Befragung sini somno nihil von 1990-1995 zeigen. Zusammen mit 232 von 50.000 Befragten Bremer Bürgern (Studenten, Häftlinge, Fabrikarbeiter...) diskutierte und plante Gerz das Kunstwerk. Auch für ihn muss Kunst mehr als ein vom Künstler produziertes, letztlich nur ausstellbares Museumsobjekt sein. Sie ist ein lebendiger Prozess, der sich ständig weiter entwickelt, auf den Menschen reagiert. „ (...) keiner wird den Namen der Kunst ändern wollen, was ja auch eine Möglichkeit wäre.... z. B. Kunst ist etwas, was wir machten, solange wir von etwas anderem als von uns selbst bedroht waren. Wer vor sich selbst gefährdet ist, macht keine Kunst. Die Herausforderung für die Kunst ist der Friede“ (3) beschreibt Gerz sein durchaus politisch zu bezeichnendes Kunstverständnis.
In der Rauminstallation Transsib.-Projekt findet sich nicht nur der Name Sibiriens, vielmehr wird die Nähe zur Intuition, zu den imaginierten Bildern Beuys deutlich. Das Unsichtbare spielt im Werk von Gerz eine große Rolle (wie z. B. beim verschwindenden Harburger Mahnmal, den nicht lesbaren Namen auf der Unterseite der 2146 Seite oder den versenkten Antworten der Is there life on earth? Aktion ...) und erscheint mir als eine Art Pendant zu Beuys Mystik und den von ihm beschriebenen intuitiven Kräften. Beuys reist mit dem Eurasienstab über alle Grenzen hinweg und sendet seine Idee in alle Himmelsrichtungen Eurasiens, während Gerz durch die mit Abdeckfarbe verdunkelten Fenster auf seiner realen Zugfahrt den imaginären, grenzenlosen Charakter seiner Reise verdeutlicht.
(1) in „J.B. Die Aktionen“, Gerd Hatje Verlag 1994, S.8
(2) in Kramer 1991, S.10
(3) in „Gegenwart der Kunst“ Interviews 1970-1995, S.14