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Die Gerusalemme liberata-Serien von Antonio Tempesta im Kontext des Kulturaustausches zwischen Rom und dem "Orient" um 1600
Bestrafter "Geldwechsler" ohne Maß und Verstand? "Discretio spirituum" und der "Goldene Brief" als Methode und als Quelle im "Garten der Lüste" von Jheronimus Bosch
Der Aufsatz empfiehlt sich eher Lesern, denen die Grundlagen meiner Erklärung des Gartens der Lüste bekannt sind (Traum, Verhaltensgebot, Sinnenstruktur, Zeitdimension).
Die Erörterung der Unterscheidung der Geister, discretio spirituum, nicht zuletzt in der Adaption im Goldenen Brief des Wilhelm von Saint-Thierry, erklärt wichtige Details des Bildes besser als bisher. Zunächst wird rekapituliert, wie kardinale Szenen des Bildes im Vordergrund appellieren, Maß zu halten und sich richtig zu entscheiden. Anschließend wird skizziert, wie discretio spirituum im Lüste-Garten zu kalkulieren ist, zum Beispiel als Schlüsselmotiv raptus, als vollständiges Ergriffensein von Gott. Der Moment der Vision ist äußerst kurz und vom Wechsel zwischen Anwesenheit und Abwesenheit Gottes gekennzeichnet (vicissitudo), wie im nur kurzen Aufbrechen des Reiterkreises im Garten der Lüste angelegt ist.
Der Goldene Brief von Wilhelm von St. Thierry wird als Anregung für das Bild stärker gewichtet; vielleicht stammt sogar die Grundidee für das Bild daher, indem bei der Zerstreutheit in weltlichen Angelegenheiten, bei der "Vielfältigkeit der Welt", bei "variedad del mundo" – wie später der erste Katalogeintrag des Bildes im Prado lautet – angeknüpft wurde. Im Lichte des Briefes ist die bisherige Erklärung des Verhaltensgebotes zu korrigieren. Damit wird eine bildliche und erzählerische Logik zwischen zwei gebeugten Männern im Verhaltensgebot und den beiden behaarten Frauen vor und in der Höhle offenbar. Weiterhin wird erörtert, ob das "Leitmotiv" der Unterscheidung der Geister, die als Herrenwort gehandelte Aufforderung "Werdet kundige Geldwechsler!" zur Wahl des "bestraften Geldwechslers" als Baum-Mensch in der Hölle geführt haben könnte. Schließlich wird gefragt, ob die Unterscheidung der Geister die Bildstruktur des Vordergrundes im Mittelbild angeregt hat. Denn ein ähnliches System von Dreiecken liegt in einer auf älteren Quellen beruhenden Hieroglyphie des 16. Jahrhunderts zugrunde, als dort die Welt der Dämonen geordnet wird – und die Dämonen zu entlarven war vornehmste Aufgabe der discretio spirituum. Abschließend erfolgt eine Rekapitulation auch mit Blick auf meine zuvor veröffentlichten Aufsätze über den Garten der Lüste
Schloss Friedrichstein 2.0 - von digitalen 3D-Modellen und dem Spinnen eines semantischen Graphen
The use of English and German pattern books at the Garden Kingdom of Dessau-Wörlitz at the turn of the 19th century
Diese Masterarbeit untersucht die Verwendung von englischen und deutschen Vorlagebüchern des ausgehenden 18. und angehenden 19. Jahrhunderts, sogenannten ´pattern books´, und deren Umsetzung im Gartenreich Dessau-Wörlitz in Deutschland anhand von drei Fallstudien. Die Gartenreich, heute anerkannt als UNESCO Weltkulturerbe, war maßgeblich beteiligt an der Einführung und Entwicklung des Englischen Landschaftsgartens, der klassizistischen und neo-gotischen Architektursprache aber auch des pädagogischen Ansatzes und der landwirtschaftlichen Nutzbarmachung von Gartenflächen in Deutschland und Mitteleuropa. Die ausgewählten Fallbeispiele sind kleinere Gartengebäude und ein Wohnhaus innerhalb der Gärten, deren Verhältnis zu Ihren jeweiligen ´pattern book´ Entwürfen noch wenig geklärt ist. Der Verfasser verdeutlicht, dass die Geschichte ihrer Entstehung wichtige Schlüsse über den britisch – deutschen Kulturaustausch auf dem Gebiet der Architekturtheorie und der Publikationspraxis zulässt, die eine Neubewertung ihrer historischen Bedeutung nach sich zieht.
Der Verfasser hat eine Literaturrecherche zu den Themengebieten der Vorlagenbücher, der Publikationspraxis auf dem Gebiet des Architekturentwurfes und des Kulturaustausches zwischen Großbritannien und Deutschland vorgenommen. Zusätzlich wurden britische und deutsche Vorlagenbücher gesichtet und verglichen. Ergänzend wurden Sachverständige und Autoren der obengenannten Themengebiete persönlich konsultiert, sowie eine Anzahl von Gärten in beiden Ländern besucht.
Als Forschungsergebnis dieser Arbeit kann gezeigt werden, dass jede Fallstudie unterschiedliche Aspekte eines Vorganges des Kopierens, der Übertragung, des Auslegens und Anpassens von architektonischen Ideen und deren Anwendung in gebauter Realität illuminiert. Interessante Einblicke konnten dabei auch in das Zeitverständnis von copyright und Urheberschaft gemacht werden.
Anhand von Fallbeispiel 2 - dem sogenannten ´Schlangenhaus´ im Landschaftspark Luisium bei Dessau – eröffnet sich schließlich die Möglichkeit, dass sein gebauter Entwurf Eingang in ein späteres britisches Vorlagenbuch gefunden haben könnte. Dies würde die vorherrschende Richtung des Kulturaustausches zwischen beiden Ländern auf diesen Gebiet umkehren. Als wichtige weitere Forschungsempfehlung muss deswegen das Baudatum des Schlangenhauses eindeutig geklärt werden. Gleichwohl konnte der Verfasser eine Reihe von Persönlichkeiten, persönlichen und kommerziellen Beziehungen aufzeigen, die ´Mittel, Motiv und Gelegenheit´ boten, um den Entwurf des Schlangenhauses Einzug in ein englisches Vorlagenbuch finden zu lassen; eine faszinierende Aussicht.
Die historische Bedeutung der Fallstudien liegt unter anderem in dem Umstand, wie tief eingebettet sie in die Architekturdiskussion, das Architekturverständnis und den Austausch von Ideen in Europa um 1800 eingebettet waren