GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Die Orte, an denen wir heilen. Für Schwarze Communities of Practice, Dialogue and Care
Weltweit waren 2020 2,3 Millionen Frauen weltweit von Brustkrebs betroffen, 685.000 starben daran. Dies macht Brustkrebs zu einer der am weitesten verbreiteten Krebserkrankung. Laut US-Studien haben Schwarze Frauen – im Vergleich zu weißen Frauen – relativ höhere Inzidenzen von und Risiken für schwerere Verläufe und tödliche Formen von Brustkrebs. Dies ist alarmierend angesichts der Tatsache, dass die frühzeitige Erkennung und adäquate Behandlung von Brustkrebs enorm wichtig und lebensrettend sind. Die Gründe für die unterschiedlichen und erhöhten Inzidenzen und Risiken sind vielfältig. In Deutschland existieren spezifische Analysen der Auswirkungen von Rassismen und anderen Formen intersektionaler Diskriminierungen im medizinischen System einerseits und deren multiple Wirkweisen (Traumata, Erkrankungen, Ausgrenzung u.v.m.) andererseits nicht. Vor dem Hintergrund der Erfahrung mehrfacher Traumata, durch Diskriminierung, Ausgrenzung und möglichen Auswirkungen historischer Dimensionen auf den Körper, plädiert der Artikel einerseits dafür, Schwarze Communities und Individuen ernst zu nehmen und hier eine Gestaltung von Communities of Practice, Dialoge and Care für Schwarze Frauen und LGBTIQA+ zu gestalten. Anderseits zielt er auf grundlegende Transformationen des Medizinsystems, die die intersektionalen Realitäten Schwarzer Frauen und LGBTQIA+ reflektieren und integrieren und so eine diskriminierungs- und rassismusbewusste inklusive gendergerechte gleichberechtigte und chancengerechte Medizin für alle ermöglichen
‚Antigenderistische‘ Angriffe – wie entgegnen?
Bekanntlich ist die Geschlechterforschung
seit einigen Jahren heftiger und recht polemischer Kritik, vor allem von rechtspopulistischer Seite, ausgesetzt. Hierzu wurden vonseiten der Geschlechterforschung zahlreiche Analysen und Entgegnungen formuliert.
In unserem Beitrag untersuchen wir, wie in
diesen argumentiert wird. Zweifellos gilt es,
sich zu verteidigen. Doch scheint uns, dass
die Entgegnungen oft in einer defensiven Argumentationsweise verbleiben und die kon-
troversen Punkte eher angedeutet statt wei-
ter ausgeführt werden. Demgegenüber ver-
suchen wir, die zentralen Differenzen in die-
ser Auseinandersetzung stärker zu pointieren
in der Hoffnung, die Debatte dadurch offen-
siver führen zu können. Abschließend fragen
wir, wie vor diesem Hintergrund eine pro-
duktive Positionierung der Geschlechterforschung in diesen Auseinandersetzungen aus-
sehen könnte
Ein „überkonfessionelles Bündnis“ gegen die Ehe für alle? Die ambivalente Haltung antifeministischer Akteure zum Islam
Zwischen Femonationalismus und Antigenderismus. Rechtspopulistische Geschlechterpolitiken in Deutschland
Ausgehend von der augenscheinlichen Wi-
dersprüchlichkeit rechtspopulistischer Politi-
ken in Bezug auf Feminismus, Frauenrechte
und Gender in Deutschland untersucht der
Beitrag anhand des Aktionsbündnisses Demo
für Alle und des Online-Aktivismus rechtspo-
pulistischer Akteur_innen nach der Silvester-
nacht 2015/16 in Köln zwei zentrale Mobi-
lisierungsmomente der erstarkenden Rech-
ten der letzten Jahre. Während bei der On-
line-Mobilisierung im Zuge der Silvesternacht
ein emanzipiertes Frauen- und Gesellschafts-
bild als bedroht angesehen wird, ist es bei der
Demo für Alle vor allem das heteronormati-
ve Familienbild. Anhand einer vergleichen-
den Analyse dieser nur auf den ersten Blick
widersprüchlichen Problemdiagnosen, Hand-
lungsbedarfe und Selbst- und Fremdbilder re-
konstruieren wir zentrale vergeschlechtlichte
Subjektpositionen und diskutieren damit ver-
bundene Geschlechterpolitiken. Wir fassen
Geschlecht(erpolitik) dabei als zentrales und
verbindendes Mobilisierungsvehikel einer he-
terogenen Rechten, über welches ein be-
stimmtes Verständnis von Staat, Gesellschaft
und Individuum, Öffentlichkeit und Privatheit
– und somit ein grundlegender Gesellschafts-
entwurf – transportiert wird
Antigenderistische Verhältnisse: völkische Vergeschlechtlichung, Verschwörungsglaube und Antisemitismus
In diesem Beitrag geht es um gegenwärtige rechte Geschlechter- und Sexualitätsdiskurse, die sich um das Feindbild ‚Gender‘ gruppieren – den Antigenderismus. Zentral sind die Fragen, welche Rolle Verschwörungsrhetorik im Anti-‚Gender‘-Diskurs spielt und wie antigenderistische Verschwörungsnarrative mit Antisemitismus zusammenhängen. Dabei wird sich auf eine an die kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger angelehnte Untersuchung der neurechten Zeitschrift Compact. Magazin für Souveränität bezogen. Die diskursanalytische Empirie wird mithilfe des Ansatzes der psychoanalytischen Sozialpsychologie interpretiert. Diskursanalytisch konnten zwei zentrale Verschwörungsnarrative ausgemacht werden, wovon eines antisemitisch strukturiert ist, das andere spezifisch antigenderistisch argumentiert. Die zentrale These lautet: Antigenderismus ist nicht ‚nur‘ eine Abwehr emanzipatorischer Geschlechter- und Sexualitätspolitik. Er kann auch als eine autoritäre Rebellion gegenüber bürgerlichen Geschlechterverhältnissen interpretiert werden. Das vergeschlechtlichte Unbehagen treibt diesen Schiefheilungsversuch an und produziert einen autoritären Eskapismus, der versucht, Geschlecht und Sexualität ihre Widersprüchlichkeit zu nehmen, indem sie im Äußeren zementiert werden
Gleichstellung und Exzellenz: zu einer strukturellen Ambivalenz des Europäischen Forschungsraums
In der Soziologie bezeichnet der Begriff der Ambivalenz gegensätzliche, konflikthafte oder widersprüchliche kulturelle Ziele einer Gesellschaftsstruktur. Dieser Beitrag wendet den Begriff auf die im Europäischen Forschungsraum institutionalisierten kulturellen Normen und Werte an, um eine strukturelle Ambivalenz europäischer Integration in der Wissenschaft zu untersuchen. Ziel ist eine Analyse des Verhältnisses von Gleichstellungsnormen und Exzellenzidealen am Beispiel der durch den European Research Council (ERC) repräsentierten europäischen Exzellenzinitiative. Die These ist, dass das aktuell dominante Exzellenzparadigma eine Umsetzung supranationaler Gleichstellungsnormen in der Wissenschaft erschwert. Diese These wird anhand sekundärstatistischer Analysen und qualitativer Befunde zu geförderten Forschungsprojekten einer Überprüfung unterzogen. Die Ergebnisse zeigen, dass es u. a. aufgrund existierender Widerstände gegen die Umsetzung von Gleichstellungsstandards unwahrscheinlich ist, dass es dem ERC in naher Zukunft gelingen wird, seine selbst gesetzten Gleichstellungsziele zu erreichen
Schwarzer Feminismus der Grenze. Die Refugee-Frauenbewegung und das Schwarze Mittelmeer
Im dominanten neoliberalen Kontext gerät die Frage der Dekolonisierung – im materiellen Sinn – oft in den Hintergrund antirassistischer Politiken. Wie radikale Schwarze feministische Zusammenhänge historisch sowie gegenwärtig einfordern, ist die Frage der Dekolonisierung in Kämpfen gegen Rassismus jedoch zentral. In diesem Sinne behandelt mein Artikel die Frage der antikolonialen Ausrichtung der Schwarzen Frauenbewegung in Deutschland: An welchen Stellen werden vergeschlechtlichte Manifestationen anti-Schwarzen Rassismus mit der Frage neokolonialer Grenzregime, die an der Basis heteropatriarchaler anti-Schwarzer Strukturen ist, in Verbindung gebracht? Es zeigt sich, dass das panafrikanische Erbe des transnationalen Schwarzen Feminismus antikoloniale Praxis fest in die Schwarze feministische Bewegungsgeschichte in Deutschland einschreibt. Insbesondere der Feminismus der Grenze, den Schwarze geflüchtete Frauen, Lesben, Non-Binarys, Queers, Inter und Trans aus afrikanischen Kontexten praktizieren, spielt hier eine tragende Rolle. Ihre situierte Kritik an der Struktur der Grenzregime erweist sich für eine antikoloniale Schwarze feministische Praxis als richtungsweisend und befördert die Entfaltung des widerständigen solidarischen Raums des Schwarzen Mittelmeers