GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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    Transsektionalität als Fluchtlinie der Historiographie – James Weldon Johnsons „Autobiography of an Ex-Colored Man“

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    Der transsektionale Ansatz ergänzt das Konzept der Intersektionalität um eine historiographische Perspektive. Der Ausgangspunkt von Transsektionalität ist, dass es vielfältige historische Relationalitäten von Diskursen und Einschreibepraktiken gibt, deren Bewegungen sich in ihrer körperpolitischen Bedeutung verfolgen lassen. Das zeigt der Artikel exemplarisch anhand der 1912 anonym veröffentlichten fiktionalen „Autobiography of an Ex-Colored Man“ vom Schriftsteller, Musiker und Bürgerrechtsaktivisten James Weldon Johnson (1871-1938). Darin bewegt er sich in Räumen, die zwischen den Grenzen des rassistischen Segregationsregimes liegen, zwischen Privilegien des Weißseins und transgender yearnings (Snorton 2012). Über die Quelle lassen sich transsektionale Fluchtlinien nachvollziehen, die sich aus der Intersektion von race, class und gender ergeben, sich aber unter Bezugnahme auf das Konzept des tracing (Mommertz 2015) historisch zwischen den Zeilen lesen lassen. In Johnsons Autobiography spiegelt sich nicht nur das Zeitraumregime der Segregation, sondern eine Körpergeschichte, die dieses Raumregime durchschreitet und es dabei wiederum transformiert

    Freiheitsaktionen der Frauenbewegung: die kollektiven Busfahrten zu Schwangerschaftsabbrüchen in die Niederlande (1975–1977) als Form ver-körperten Protests

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    Der Beitrag setzt sich mit einer politischen Aktion(sform) auseinander, mit der feministisch gegen das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen protestiert wurde. Die transnationale Aktionsform der kollektiven Busfahrten in die Niederlande wird dabei als (doppelsinnige) Freiheitsaktion und vier-dimensional ver-körperte Direkte Aktion im Sinne anarchistischer Selbsthilfe am bundesdeutschen Staat vorbei analysiert. Es handelte sich um eine frauenbewegte Handlungsoffensive machtvoller Gemeinschaftlichkeit, die, 1975 beginnend, solidarische Kollektivität und Öffentlichkeit als Strategie nutzte, um eine faktische Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts zu erwirken: In der Form der politischen Aktion wurde das Ziel selbst sichtbar gemacht (Konkretheit) und dieses unmittelbar durch die Abtreibungen erreicht (Implementierung). Empowernd schuf die Aktionsform selbstorganisierte Handlungsspielräume, wies dabei Angst und Scham zurück und delegitimierte das Gesetz. Nach einer reflexiven Kritik wurde die Aktionsform 1977 eingestellt. Resümierend werden die vorliegenden 11 Prinzipien einer Konzeption feministischen Widerstands um die Aktionsformaspekte feministische Reflexion und Solidarität erweitert

    Benachteiligte junge Männer in der Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistenz: Potenziale für die Transformation von Männlichkeit?

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    Angesichts der Öffnung der Sozialpädagogischen Assistenzausbildung für Teilnehmende mit einem ersten Schulabschluss fokussiert die Studie die beruflichen und geschlechtlichen Orientierungen von männlichen Auszubildenden. Im Zentrum stehen leitfadenstrukturierte Interviews mit neun Auszubildenden, die gemäß Grounded Theory ausgewertet wurden. Die Befunde zeigen, dass 1. die Ausbildung verschiedene Bedeutungen hat, die im Kontext von Bildungsbenachteiligung einzuordnen sind, und 2. unterschiedliche Konstruktionen von Männlichkeit auftreten, die sowohl hegemoniale als auch fürsorgliche Aspekte adressieren. Im Fazit werden der theoretische und praktische Nutzen der Ergebnisse diskutiert

    Die Liberalisierung des Abtreibungsrechts in den 1970er-Jahren – Frankreich und Westdeutschland im Vergleich

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    In Frankreich und Deutschland war Abtreibung über Jahrhunderte hinweg als Straftat kodifiziert. Zwar setzten die Auseinandersetzungen um die selbstbestimmte Mutterschaft schon im 19. Jahrhundert ein, doch bis zur Liberalisierung sollte es noch lange dauern. Dieser Beitrag nimmt die entscheidenden Entwicklungen des Abtreibungsrechts in den 1970er-Jahren in den Blick und zeigt, unter welchen gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten es in Frankreich und der BRD zu rechtlichen Veränderungen kam. Dabei werden die Akteure, ihre Zielsetzungen und Aktionsformen analysiert und es kommen (rechts)historische und rechtsvergleichende Methoden zur Anwendung. Das Jahr 1971 ist als ‚Schaltjahr‘ zu sehen

    Wandel landwirtschaftlicher Geschlechterverhältnisse durch Diversifizierung? Erfahrungen von Frauen in der Direktvermarktung

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    Im Rahmen des agrarpolitischen Paradigmas der Multifunktionalität wird die landwirtschaftliche Direktvermarktung in Deutschland und Europa als Diversifizierungsstrategie politisch gefördert. Der Beitrag fragt, welche Impulse dies für eine Veränderung der Geschlechterverhältnisse in der Landwirtschaft setzt. Mittels einer Narrationsanalyse von Interviews mit Direktvermarkterinnen aus Hessen rekonstruiere ich die Bedeutung, die die Direktvermarktung für die Frauen entfaltet, und setze sie in Bezug zu den Erfahrungen, die sie in der strukturell und personell männlich dominierten Landwirtschaft machen. Die Untersuchung zeigt, dass Frauen in der Direktvermarktung den strukturellen geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in der Landwirtschaft tendenziell ausweichen können, dass hiermit aber die strukturellen Ungleichheiten – und damit die Unattraktivität landwirtschaftlicher Arbeit für Frauen – letztlich eher befördert als abgeschwächt werden

    Dealing with Sexual Discrimination and Violence in German Universities : An Inventory

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    Sexual discrimination and violence can be found in all areas of society, and universities are not the exception. Often regarded as safe institutional spaces, universities are far from rid of these problems. This article shows how sexual violence has long been tabooed and normalized in the German university context, and how this is reflected in the ambivalent approach German universities have adopted on this issue. Based on an evaluation of the way universities address the problem on their websites, as well as on telephone interviews with university internal experts, we show and discuss the way these institutions handle the problem and their legal anchoring. The results help to identify relevant actors and practices, providing a starting point for the development of strategies for action so as to better address and combat sexual violence in universities

    Konzeptionen und Umsetzungen am Beispiel von queerhistory.de und des Archivs der anderen Erinnerungen

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    Die Geschichte sexueller Vielfalt ist bisher kaum ein Thema des Geschichtsunterrichts. Unter Aufgreifen von Ansätzen aus der Queer Theory und den Queer Studies zeigt der Beitrag anhand des Projektes des Berliner Queer History Months und des Archivs der anderen Erinnerungen der Bundestiftung Magnus Hirschfeld konkrete Lernsettings auf, mit denen diese Geschichte auch in den Geschichtsunterricht integriert werden kann

    Von sorgend bis versorgt – Männlichkeitskonstruktionen hochaltriger Bewohner im Pflegeheim

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    Während sich der Perspektive sorgender Männer im Kontext der Care-Debatte verstärkt zugewendet wurde, stellt die Perspektive der Gepflegten auf Sorgearbeit im Pflegeheim eine Leerstelle dar. Der vorliegende Beitrag rückt anhand von zwei Fallbeispielen, Walter Probst (93) und Günther Schiffke (78), die Perspektive der pflegebedürftigen hochaltrigen Männer auf die geleistete Pflege und ihre Männlichkeitskonstruktionen in den Fokus. Dabei stehen das Verhältnis zwischen Pfleger*innen und Bewohner in der Pflegesituation sowie die Übernahme von Care-Aufgaben und die daraus resultierenden Männlichkeitskonstruktionen im Mittelpunkt. Während Walter Probst ,weibliche‘ und ,männliche’ Pflege verhandelt und die Aushandlung von Handlungsmacht in der Situation der Körperpflege schildert, kann Günther Schiffke durch die Übernahme von Care-Arbeit ein Näheverhältnis zu den Pfleger*innen herstellen. Das Material zeigt zum einen das stereotype Verständnis und die Reproduktion von Männlichkeit(en) und Weiblichkeit(en) in der Pflege der Bewohner. Zum anderen wird sichtbar, wie die Person im Pflegeheim durch die Übernahme von Care-Aufgaben einen Wandel hin zu fürsorglichem Verhalten vollzieht und damit auch veränderte Männlichkeitskonstruktionen einhergehen

    Queere Geflüchtete und die Diskursivierung des ‚Anderen‘ in Debatten um Sexarbeit, ‚Willkommenskultur‘ und Schutz

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    Unter Bezugnahme theoretischer Perspektiven zu postkolonialem Othering und diskursiven Grenzziehungen fragt dieser Beitrag nach den Un_Sichtbarmachungen und Ver-Anderungen von queeren Geflüchteten in Debatten um Sexarbeit, ‚Willkommenskultur‘ und Schutz. Anhand dieser drei Debatten werden diskursive Grenzziehungen entlang der Analysekategorie Un_Sichtbarmachungen unter besonderer Berücksichtigung der Verschränkung von Queerness und Migration/Flucht herausgearbeitet. Deutlich wird, inwiefern queere Geflüchtete im Kontext von Sexarbeit (strategisch) unsichtbar gemacht und auf eine vulnerable Position festgeschrieben werden sowie sexuell-geschlechtliche Selbstbestimmung weitreichend determiniert oder gar aberkannt ist

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