Jahrbuch Diakonie Schweiz
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    Pflegende Angehörige als neue Herausforderung für die kirchliche Diakonie

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    In seinem Beitrag «Pflegende Angehörige als neue Herausforderung für die kirchliche Diakonie» fasst Simon Hofstetter die Ergebnisse seiner Dissertation mit dem Titel «Das Unsichtbare sichtbar machen. Pflegende Angehörige als Herausforderung für den diakonischen Auftrag der Kirchen» zusammen. Er geht darin davon aus, dass pflegende Angehörige von betagten Menschen für die Gesellschaft unersetzbare Dienste leisteten, die jedoch noch viel zu wenig wahrgenommen und wertgeschätzt würden. Weder kommen sie mit ihren Anliegen in öffentlichen Debatten zu Wort, noch sind sie Gegenstand zentraler sozialpolitischer Programme. Eine ähnliche Beobachtung sie in der kirchlichen Diakonie zu machen, wo bislang noch keine Ansätze vorliegen, der Angehörigenarbeit im diakonischen Wirken grössere Beachtung zu schenken.Simon Hofstetter versucht, die Tätigkeiten der pflegenden Angehörigen aus der gesellschaftlichen Unsichtbarkeit herauszuholen und zum bedeutsamen Thema der kirchlichen Diakonie zu machen. Er hält pflegende Angehörige für «konsekutiv Betroffene», die wegen ihrer meist umfangreichen Betreuungsleistungen vielfach von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden und zu vereinsamen drohen. In der Dissertation gibt er kirchlich-diakonisch En­gagierten Anregungen, wie sie in der Angehörigenarbeit sowohl vor Ort als auch auf gesamtgesellschaft­licher Ebene aktiv werden können, um dem entgegenzuwirken

    Diakonie unter Spardruck

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    Lukas Kundert zeichnet in seinem Beitrag «Diakonie unter Spardruck» den Weg nach, den die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt eingeschlagen hat, um ihr Wirken – insbesondere auch das diakonische Handeln – trotz «Mitgliederrückgang und Restrukturierungen» in erneuterter Art und Weise zur Geltung zu bringen.Er kritisiert andere Kirchen dahingehend, dass sich diese nach wie vor an einem volkskirchlichen Paradigma orientierten, wobei der Begriff Volkskirche « ist in diesem Verständnis immer das Bestehende» meine und fördere und nur in geringem Masse fähig und willens seien, Erneuerung und Innovation zu fördern. Den Hauptmovens für diese Beharrenskraft sieht Lukas Kundert im bestehenden System der Gemeindefinanzierung gemäss den «Pro-Kopf-Finanzen», was er als «unbiblisches Allokationsdogma» erachtet.Er führt sodann aus, wie die Basler Kirche in dieser Hinsicht neue Wege eingeschlagen hat, indem ihre Synode unter inhaltlichen Vorgaben bestimme, «welche Gemeinden unter welchen Umständen welche Mittel erhalten» und gleichzeitig darauf hinarbeitet, «einerseits Charismen zu fördern und andererseits dort einzugreifen, wo Unnötiges gemacht wird». In diesem neuen Förderungsmodell folgen sie dem «Anspruch, etwas Neues zu kreieren, das nur Kirche kreieren kann» und fördern darin «Selbständigkeit und Eigenverantwortung»

    Urbane Diakonie

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    Christoph Sigrist stellt in seinem Beitrag «Urbane Diakonie» die Eckwerte eines neuen diakoniewissenschaftlichen Projekts dar: Ausgehend von der Beobachtung, wonach «in städtischen Quartieren aufgrund der je eigenen Bevölkerungsstruktur, der Gentrifizierung und einer voranschreitenden nachbarschaftlichen Distanzierung zunehmend menschliche Nöte und Bedürfnisse bestehen, die bislang noch nicht ausreichend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten sind», soll das Projekt «Urbane Diakonie» in «Stadtquartieren soziale Prozesse initiieren, begleiten und unterstützen, in denen Bewohnerinnen und Bewohner ermutigt werden, sich […] in den sozialen Nahraum, das Quartier, einzubringen und diesen Lebensraum als solidaritätsstiftenden Begegnungsraum zu revitalisieren.» Das Projekt will Kirchgemeinden, aber auch diakonischen Stiftunge und Werken, «Instrumente und Ideen in die Hand [geben], wie sie [die] Rolle als ‹Gemeinschaftsstifterinnen› in enger Zusammenarbeit mit öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen sowie weiteren nahräumlichen Ressourcen ausgestalten können». Besonders im Fokus stehen Menschen im dritten und vierten Lebensalter.Sigrist geht sodann auf die bestehenden Instrumente des Projekts ein: Mit einer Projektwebseite www.urbanediakonie.ch besteht ein erstes Tool, um «die Solidarkultur in den Prozessen von Urbanität und Gentrifizierung zu fördern, zu stärken oder neu einzurichten». Weiter wurde ein Handbuch «Urbane Diakonie» erarbeitet, das Projektleitenden als Handreichung für die wissenschaftliche Einordnung ihrer Projekttätigkeit bietet. Schliesslich besteht ein Fundraisingkonzept, das es ermöglichen soll, neue Quellen für die städtischen diakonischen Projekte zu erschliessen.Im Zürcher Stadtteil Witikon, dem Stadtteil mit dem höchsten Anteil an über 65-jährigen Bewohnerinnen und Bewohnern, konnte bereits ein erstes Pilotprojekt «Urbane Diakonie» eingerichtet werden. Die örtliche Kirchgemeinde engagiert sich insbesondere darin, dass die älteren Menschen «in der engeren Nachbar­schaft und im Quartier Orte für Gemeinschaft, Beziehung und Austausch finden und zu selbstorganisiertem Handeln angeregt werden».Das Projekt wird getragen von einer eigenen Stiftung «Urbane Diakonie».

    Streiflichter Urbaner Diakonie

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    Christoph Sigrist hat im Herbst 2016 anlässlich eines mehrmonatigen Studienurlaubs zahlreiche diakonische Gemeinden und Projekte in verschiedenen urbanen Kontexten auf drei Kontinenten besucht. Anreiz für seine Forschungen in den Städten und Grossstädten bildete die in der Wissenschaft gemachte Beobachtung, wonach die stattfindende Urbanisierung – verstanden als «eine umfassende Transformation der Gesellschaft» bzw. eine «industrielle Organisation der Gesellschaft» – eine spezifisch auf urbane Räume ausgerichtete Diakonie notwendig mache, in der «gemeinsam und füreinander Wege zu einer neu ausgestaltenen Solidarkultur, einer Kultur der Sorge miteinander und füreinander» zu suchen seien, «mit besonderem Blick auf diejenigen Menschen, Gruppen und Schlüsselpersonen, die bei diesen Exklusions- und Inklusionsprozessen von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden oder schon lange sind». Aufgrund der je kontextuell sehr unterschiedlichen Städte stellte sich Sigrist bei den Besuchen die Frage: « Wie zeigt sich Urbane Diakonie in unterschiedlichen städtischen Kontexten, insbesondere in Kontexten, die durch Rassismus und Apartheid eine lange exkludierende Tradition aufweisen?»Sigrist berichtet in seinem Beitrag «Streiflichter Urbaner Diakonie» von seinen Besuchen in Chicago (u.a. bei Rev. Dr. Otis Moss und den Projekten seiner Trinity United Church of Christ), in London (u.a. zum Community Engagement des Council of Southwark), in Pretoria und Johannesburg (u.a. bei Prof. Stephan de Beer und seiner Tshwane Leadership Foundation TLF), in Nürnberg (u.a. mit Besuchen in diakonischen Citykirchenprojekten) sowie in Berlin (anlässlich der Tagung der Evangelischen Akademie zu Berlin zum Thema «An den Rändern der Stadt. Urbane Peripherien»).Die Besuche mit den Projektberichten und den entsprechenden Reflexionen bieten einen reichen Fundus an Materialien, die «ein ganzes Programm urbaner Diakonie enthalten, das es in den nächsten Jahren in dieser der Diakoniewissenschaft eigenen Kongruierung von Theorie und Praxis interdisziplinär zu entwickeln gilt».

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