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Doing welfare in German secondary schools — How students’ welfare receipt becomes visible in teacher-student interactions and how teachers perceive these students
Welfare recipients (e.g., “Bürgergeld”) generally are subject to negative stereotyping, but it is unclear whether students’ welfare receipt plays a role in teacher-student interactions, and if so, what. We conducted eight focus groups with 27 teachers and analyzed them using grounded theory to investigate how teachers characterize welfare-related teacher-student interactions. In addition, we examined how teachers perceive these students and the role of stereotypes in these perceptions. Welfare receipt becomes apparent mostly in bureaucratic care interactions in which teachers support corresponding students in financing school participation possibilities. The familial financial situation meets the school’s participation requirements in these teacher-student interactions. Teachers’ feeling of responsibility for this support varies. Most teachers perceive poverty-related shame among students in these interactions, while others do not. Accordingly, the need for a sensitive approach in these interactions is assessed differently. Teachers mentioned hardly any perspectives on the students themselves but on parents receiving welfare (e.g., low educational responsibility) and assumed parents pass on this behavior to their children. In some cases, this leads to negative educational expectations toward corresponding students, which could implicitly influence teaching-related teacher-student interactions. The results provide initial indications for subsequent negative self-perceptions of students on welfare about their social situation at school
On the convergence order of the Euler scheme for scalar SDEs with Hölder-type diffusion coefficients
Asking for traces: A vignette study on acceptability norms and personal willingness to donate digital trace data
Less trust, more truth: Implications and design choices for business models and platform ecosystems in the age of Web3
Wie Lehrkräfte Familien sehen: Erkenntnisse aus Vignetten-Studien über Stereotype von Lehrkräften auf familiäre sozioökonomische Herkünfte
Bildungsverläufe hängen in Deutschland in einem hohen Maße mit dem sozioökonomischen Status (SES) von Schüler*innen zusammen, indem Schüler*innen mit niedrigem SES selbst bei gleicher Leistung wie Schüler*innen mit höherem SES seltener gymnasiale Schulformen besuchen, das Abitur absolvieren oder ein Studium aufnehmen (Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung, 2024; Dräger, 2022). Diese Ungleichheit steht dem Motto der diesjährigen GEBF „Bildung als Schlüssel für gesellschaftliche Herausforderungen“ entgegen, da soziale Ungleichheiten hierdurch nicht verringert, sondern fortgeschrieben werden. Ein Ansatz, diese - selbst bei gleicher Leistung existierenden – ungleichen Bildungsverläufe zu erklären, sind Stereotype von Lehrkräften, verstanden als generalisierte Überzeugungen über Angehörige sozialer Gruppen (Tobisch & Dresel, 2020). Diese können zu verzerrten Leistungserwartungen oder Bewertungen bei Lehrkräften führen, aber auch Attributionen für gute bzw. schlechte Schulleistungen beeinflussen (Gentrup, 2018; Wang & Hall, 2018; Reyna, 2008). Bisherige quantitative (sozialpsychologische) Studien fokussieren sich überwiegend auf SES-bezogene Stereotypisierungen gegenüber den Schüler*innen selbst (bspw. Glock & Kleen, 2020; Tobisch & Dresel, 2020). Dabei zeigen qualitativ und ethnographisch orientierte Studien, dass Lehrkräfte in Bezug auf schulische Leistung oftmals auf die Familien entsprechender Schüler*innen rekurrieren und das Verhalten sowie die Leistung von Schüler*innen in Bezug zum familiären SES-Hintergrund setzen (Budde et al., 2023; Weitkämper, 2022). Im Rahmen dieses Symposiums werden daher sozialpsychologische Studien präsentiert, die Stereotype von Lehrkräften auf Familien in Abhängigkeit unterschiedlicher familiärer SES-Herkünfte untersuchen. Die verschiedenen Beiträge zeigen, in welchem Ausmaß und über welche Mechanismen Informationen über das Elternhaus die Wahrnehmung von Lehrkräften beeinflussen können. Beitragsübergreifend werden hierfür Vignetten verwendet, die sich hinsichtlich Erhebungsarten (offene und geschlossene Angaben) sowie Auswertungsformen (quantitative Inhaltsanalyse und Varianzanalysen) unterscheiden, um einen Überblick über die Vielfalt von Vignettenforschung zu geben.
Im ersten Beitrag wurde untersucht, ob sich Lehrkraft-Attributionen für schlechte Schulleistungen je nachdem unterscheiden, ob die Eltern eines Schülers der Mittelschicht angehören, Einkommensarm sind oder Sozialhilfe beziehen. Es wird gezeigt, dass vielfältige inhaltliche Kategorien (11) für die Attribution schlechter Schulleistung existieren. Darüber hinaus wird gezeigt, dass bei Schüler*innen in Einkommensarmut und Transferleistungsbezug häufiger die Familie als Grund für schlechte Schulleistungen angegeben wird als bei Eltern, die der Mittelschicht angehören.
Der zweite Beitrag geht der Frage nach, inwiefern Informationen über den Bildungshintergrund der Eltern die Leistungsbeurteilung und die Attributionen der Leistung durch angehende Lehrkräfte beeinflussen. Dabei zeigte sich, dass angehende Lehrkräfte die Leistung sowie die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schüler das Abitur erreichen wird, höher einschätzen, wenn die Eltern des Schülers über einen Masterabschluss verfügen, als wenn sie über einen Hauptschulabschluss verfügen. Zudem wird die Leistung des Schülers von den Teilnehmenden weniger auf elternbezogene Ursachen zurückgeführt, wenn die Eltern einen Masterabschluss haben, als wenn sie einen Hauptschulabschluss haben.
Der dritte Beitrag befasst sich mit dem Einfluss von Informationen über den familiären SES (Beruf des Vaters) auf die Einschätzung von akademischen Leistungen, Engagement, Beliebtheit und Störungstendenz eines fiktiven Schülers durch angehende Lehrkräfte. Dabei wurde zwischen hohem SES, niedrigem SES und Sozialhilfebezug variiert. Es konnte festgestellt werden, dass Schüler mit hohem und niedrigem SES im Vergleich zu Schülern, deren Eltern Sozialleistungen beziehen, besser in der akademischen Leistung und Beliebtheit bewertet wurden, wobei es keine Unterschiede zwischen hohem und niedrigem SES gab.
Alle Beiträge zeigen den Bedarf auf, in zukünftiger sozialpsychologischer Stereotyp-Forschung nicht mehr lediglich auf Lehrkraft-Stereotype gegenüber Schüler*inneneigenschaften direkt, sondern auch verstärkt auf Stereotype gegenüber den Familien der Schüler*innen zu fokussieren. Neben einer Diskussion der methodischen Umsetzungen, wird die Diskussion die Ergebnisse zudem aus soziologischer Perspektive in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext setzen. Dies ermöglicht eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der vorrangig sozialpsychologischen Studien
Stereotype Attributionen von Lehrkräften auf schlechte Schulleistung von Schüler*innen unterschiedlicher sozioökonomischer Herkünfte – Die Wahrnehmung familiärer Unterstützung
Stereotype können interpersonale Attributionen – verstanden als Ursachenzuschreibung für Leistung – verzerren (Reyna, 2008). (Angehende) Lehrkräfte stereotypisieren Schüler*innen eines niedrigen sozioökonomischen Status (SES) bezüglich Leistungsbereitschaft negativer als Schüler*innen höherer SES (Shevchuk & Glock, 2022). Außerdem werden verschiedene niedrige SES unterschiedlich stereotypisiert, indem Lehramtsstudierende Bürgergeld-Empfangende hinsichtlich Leistungsbereitschaft negativer stereotypisieren als Einkommensarme (Yendell et al., 2023). Entsprechende Stereotype können dazu führen, dass Schüler*innen die Kontrolle für schlechte Schulleistung zugeschrieben wird (Glock & Kleen, 2020). Kontrolle ist eine von drei Attributionsdimensionen und bei schlechter Schulleistung hängt ein kontrollierbarer Attributionsstil von Lehrkräften u.a. mit lehrkraftseitiger Wut zusammen (Wang & Hall, 2018; Weiner, 1985). Lehrkräfte attribuieren schlechte Schulleistungen oftmals auf für Schüler*innen kontrollierbare Gründe, nennen aber auch (unkontrollierbare) familiäre Einflüsse (Wang & Hall, 2018). Eine Studie zeigt, dass Lehramtsstudierende schlechte Schulleistung von Schüler*innen niedriger SES auf unkontrollierbare Ursachen attribuieren, eine Attribution auf Familien wurde jedoch nicht untersucht (Glock & Kleen, 2020). Weitere Studien zeigen defizitäre Lehrkraft-Perspektiven auf Familien niedriger SES, hierbei fehlt jedoch eine Perspektive auf Attributionen (Budde, 2023). Zudem bleibt unklar, ob schlechte Schulleistung bei Schüler*innen unterschiedlicher niedriger SES unterschiedlich attribuiert wird (Yendell et al., 2023).
Daher wird erstens explorativ untersucht, welche Gründe Lehrkräfte für schlechte Schulleistungen in Abhängigkeit des Schüler-SES nennen und zweitens, ob sich der Attributionsstil auf der Dimension Kontrolle unterscheidet. Hierfür werden Unterschiedshypothesen formuliert:
• Der Attributionsstil auf der Dimension Kontrolle unterscheidet sich je nach SES des Schülers (niedriger vs. mittlerer SES).
• Der Attributionsstil auf der Dimension Kontrolle unterscheidet sich je nach niedrigem SES des Schülers (Bürgergeldbezug vs. Einkommensarmut).
Drei Vignetten beschrieben identisch die schlechte Schulleistung eines Schülers unterschiedlicher SES: Eltern als Bürgergeldempfänger*innen (niedriger SES), Reinigungskräfte (niedriger SES) oder Verwaltungsmitarbeitende (mittlerer SES). An der Online-Studie (Between-Subjects-Design) nahmen 149 Lehrkräfte (17 Sekundarschulen) des Projekts „Schule macht stark“ teil (Maaz & Marx, 2024). Sie notierten fünf Gründe, wählten den wichtigsten Grund und füllten dazu Skalen zur Kontrolle des Schülers (Ω = .7) und anderer Personen (Ω = .8) aus (McAuley et al., 1992). Alle Gründe wurden durch zwei Rater*innen in elf induktive Kategorien (u.a. „Förderbedarfe“, „Schulbezogene Kompetenzen“, „innerfamiliäre Probleme“) kodiert (kappa = .91) und mittels MANOVA analysiert (Coe & Scacco, 2017). Zur Analyse des wichtigsten Grundes wurden vier Oberkategorien (Familienbezogene, Schüler*innenbezogene, Schulbezogene, Systembezogene Attribution) gebildet, die mittels Chi-Quadrat-Test und Odds Ratio analysiert wurden. Die Angaben auf den Items zur Kontrolle wurden mittels MANOVA analysiert.
In der Angabe der Gründe sowie auf der Dimension der Kontrolle wurden zwischen den niedrigen SES keine Unterschiede gezeigt. Die MANOVA bezüglich der Gründe zeigte, dass Lehrkräfte je nach Schüler-SES bestimmte Gründe unterschiedlich häufig nannten, F(22, 272) = 3.04, p < .001, partielles η² = .2, Wilk’s Λ = .64. Post-Hoc-ANOVAs und Games-Howell-Tests zeigten, dass Lehrkräfte bei den Experimentalbedingungen mit niedrigem SES signifikant mehr Gründe in den Kategorien „Familiäres schulbezogenes Verhalten“ und „Externe Rahmenbedingungen“ nannten, während sie beim Schüler mit mittlerem SES signifikant mehr Gründe in den Kategorien „Unpassender Unterricht“ und „Pubertätsbedingte Einflüsse“ angaben. Bei der Angabe zum wichtigsten Grund wurde lediglich der Chi-Quadrat-Test zur „Familienbezogenen Attribution“ signifikant, χ²(2) = 7.02, p = .03, φ = .3. Odds Ratio zeigte, dass die Chance einer familienbezogenen Attribution gegenüber dem transferleistungsbeziehenden Schüler 3.38-mal (Einkommensarm: 3.01) größer war als beim Schüler des mittleren SES. Die MANOVA zu den Kontrolle-Skalen zeigte einen signifikanten Unterschied zwischen den Experimentalbedingungen, F(4, 290) = 4.43, p = .002, partielles η² = .06, Wilk’s Λ = .89. Nachfolgende ANOVAs und Games-Howell-Tests zeigten, dass Lehrkräfte bei den niedrigen SES-Bedingungen eine signifikant höhere Kontrolle durch andere Personen angaben, als beim mittleren Schüler-SES. Insgesamt wurde schlechte Schulleistung beim Schüler der niedrigen SES-Bedingungen stärker auf familiäre Gründe attribuiert als beim Schüler des mittleren SES. Entsprechend wird diskutiert, wie dies die Zusammenarbeit mit Familien beeinflussen kann
Pricing parking for fairness — A simulation study based on an empirically calibrated model of parking behavior
How political context affects immigrant newcomers’ social undermining dynamics and well-being at work
Although the successful labor market integration of immigrants can promote their prosperity and that of their organization, immigrant newcomers often face a difficult socialization process that can jeopardize their well-being. Considering the rising political polarization in many societies, as well as the dynamic nature of the newcomer socialization process, we develop a dynamic and multilevel model of immigrant employees’ socialization experiences over time, which is shaped by far-right voter support in the region where their organization is located. Building on and extending the relational demography literature, we argue that immigrants’ trajectories of social undermining—whether increasing or decreasing—are strongly influenced by levels of regional far-right support. Immigrants’ social undermining trajectories signal to them the feasibility of achieving a high-status identity at work, thereby impacting their well-being. We find support for our model in a unique dataset matching apprentices in Germany (tracked from day one of their apprenticeship over 13 weeks) with German election data. Specifically, we find that immigrants perceive increasing (decreasing) social undermining by their coworkers over time when employed in a region with higher (lower) far-right political support. Perceptions of increasing (decreasing) negative treatment, in turn, negatively (positively) affect employees’ emotional exhaustion and job satisfaction