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Contextual biases and information processing in visual perception
Human visual perception relies on context, as the brain integrates visual sensory evidence with contextual information to form a visual percept. When physical visual features are perceived differently from what they actually are, visual biases can occur. Extensive research has been conducted to investigate contextual information processing for different types of contextual biases and distinct visual features. The current thesis aimed to investigate biases resulting from natural and instructive contexts, with a particular focus on two visual features: color and orientation. Two specific questions are addressed in this thesis: (1) whether perceptual bias reflects information from natural context in color vision, and (2) how a reference acts as a context that biases the perception of orientation or color features.
The thesis consists of three studies presented as three manuscripts, each addressing a different aspect of contextual biases in visual perception. The first study tackles the first question by measuring perceptual biases in discriminating between noisy hue ensembles. The results show systematic biases with zero-crossings near a non-cardinal, blue-yellow color space axis. A Bayesian observer model further reveals a prior for natural daylights underlying these perceptual biases. The second and third studies focus on the second question by investigating the typical phenomenon of contextual biases: reference repulsion. The second study shows that reference repulsion can occur in a late, decision-related stage of visual processing, where explicit and implicit processes might differ. The third study demonstrates the repulsion effects of hue reference in color vision, along with striking non-uniformities of the effects across colors. Both studies explain the repulsion biases with an encoding-decoding model, suggesting different visual features might share context-dependent reweighting of sensory representations. Overall, this thesis provides new evidence of contextual biases for various visual features and offers insights into the visual processing of contextual information
Dissoziation von willkürlichen und emotionalen Gesichtsbewegungen bei Schlaganfall-Patient:innen mit lokalisierter Hirnschädigung
Faziale Paresen können nach umschriebenen Hirnläsionen dissoziiert auftreten: Es kann nur die willkürliche oder nur die emotionale Bewegungsausführung beeinträchtigt sein. Die vorliegende Studie untersucht dieses Phänomen bezüglich der Auftretenswahrscheinlichkeit bei Patient:innen mit akuten Schlaganfällen, objektiviert Untersuchungsmethoden und beschreibt zugrundeliegende Hirnläsionen. Dazu wurden 918 Patienten einer Stroke Unit auf das Vorliegen einer fazialen Parese und den Modus (willkürlich, emotional, nicht-dissoziiert) klinisch untersucht. Die Untersuchung wurde auf Video aufgezeichnet und von vier Ratern beurteilt, Einzelbilder verschiedener Gesichtsbewegungen wurden vermessen und Distanzen von Fixpunkten und beweglichen Punkten im Gesicht systematisch ausgewertet. Die zugehörigen Hirnläsionen der Patient:innen wurden anhand der MRT-Bildgebung analysiert, regions of interest (ROIs) wurden erstellt und damit einfache Overlays und Summenoverlays dargestellt. 38 Patient:innen hatten eine faziale Parese, davon waren 8 rein willkürlich und 2 rein emotional. Die klinische Untersuchung durch erfahrene Beurteiler war zur Diagnosestellung der Messmethode überlegen. Das in der Läsionsanalyse als relevant ermittelte Areal für willkürliche faziale Paresen – die Gyri präcentralis sowie frontalis medius (hinterer Teil) mit darunterliegender weißer Substanz - unterscheidet sich von dem für die emotionalen Anteile einer fazialen Parese: medialer Anteil des Gyrus cinguli und Inselrinde sowie tiefer liegende Läsionen im Gyrus frontalis superior. Diese Studie ist nach Beschreibung einiger Einzelfälle die erste, die eine systematische Auswertung einer größeren Patientengruppe präsentiert
Innovative Einflussfaktoren auf das operative und onkologische Outcome beim Harnblasenkarzinom sowie Auswirkungen urologischer Operationen auf die Lebensqualität
Die Diagnostik und Therapie des Harnblasenkarzinoms stellt oft eine große Herausforderung dar. Je nach lokaler Ausbreitung des Harnblasenkarzinoms, stehen uns verschiedene Mittel und Wege zu Verfügung, um unsere Patienten mit einer zielgerichteten, risikoadaptierten und kurativen Therapie zu behandeln. Da allerdings diese therapeutischen Verfahren mit teils schweren Komplikationen einhergehen und die Lebensqualität der Patienten massivst beeinträchtigen können, ist eine genaue Risikostrazifizierung und Kenntnis über genau diese Beeinträchtigungen notwendig.
Ziel der Arbeit war es unter anderem die sichere Durchführbarkeit der radikalen Zystektomie bei Patienten mit einem fortgeschrittenen Alter zu untersuchen. Hier konnten wir zeigen, dass dieser Eingriff mit einem akzeptablen Komplikationsrisiko nach sorgfältiger Beachtung von möglichen Komorbiditäten sicher durchführbar ist. Gesondert zu beachten ist hier, dass sich kein Unterschied zwischen sehr alten Patienten über 85 Jahren und Patienten unter 85 Jahren bezüglich der Komplikationen gezeigt hat. Somit konnten wir zeigen, dass prinzipiell eine radikale Zystektomie keinem Patienten aufgrund seines Alters vorenthalten werden sollte. Es sollte folglich eine sorgfältige Beachtung möglicher Begleiterkrankungen sowie eine dezidierte Aufklärung über die Komplikationen erfolgen.
Weiter versuchte die vorliegende Arbeit innovative prognostische Faktoren zu analysieren, welche in Zukunft möglicherweise eine bessere Risikostratifizierung der Patienten zulassen. Zunächst wurden hier histopathologische Faktoren untersucht beim lokal fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom untersucht. Wir teilten Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen (pT4) Tumor in eine Gruppe mit nur einer Läsion, eine Gruppe mit einer zweiten Läsion, welche auf die Blase begrenzt ist und eine Gruppe mit einer zweiten Läsion, welche ebenfalls lokal fortgeschritten war, ein. In dieser Arbeit konnten wir zeigen, dass das Vorliegen einer zweiter lokal fortgeschrittenen Tumorläsion, sowohl das krebsspezifische als auch das Gesamtüberleben signifikant reduziert ist und dieses spezielle Patientenkollektiv möglicherweise einer engeren Nachsorge bedarf. Wir konnten also erstmalig eine zusätzliche histopathologische Subklassifikation nutzen, um eine bessere Risikostratifizierung dieser Patienten durchzuführen. In einer weiteren Arbeit analysierten wir routinemäßig abgenommen Laborparameter und deren Einfluss auf das Überleben nach radikaler Zystektomie in Abhängigkeit vom Alter der Patienten. Es wurden die Anzahl der Leukozyten, Thrombozyten sowie die Höhe des Hämoglobinwertes und das C-reaktive Protein (CRP) analysiert. Wir konnten zeigen, dass vor allem in den Altersgruppen 60 bis 79 der Einfluss von Thrombozytose, Leukozytose, Anämie und erhöhten CRP-Werte besonders beachtlich ist. Diese Biomarker stehen ubiquitär, einfach und kostengünstig zur Verfügung und eignen sich so also gut zur weiteren Risikostratifizierung bei Patienten mit radikaler Zystektomie. Allerdings muss das Alters des Patienten unbedingt beachtet werden, da die einzelnen Biomarker in den unterschiedlichen Altersgruppen einen unterschiedlich ausgeprägten Einfluss auf das Überleben gezeigt hatten.
Eine radikale Zystektomie hat allerdings nicht nur Auswirkungen in Bezug auf Komplikationen oder das Überleben der Patienten. Durch eine Neugestaltung der Harnableitung beispielsweise mittels Ileum-Conduit (IC) oder orthotoper Neoblase (ONB) wird ein erheblicher Eingriff in das Leben der Patienten unternommen, der sich auch in der Lebensqualität der Patienten zeigen kann. Bisher gab es nur wenige Daten, welche den Verlauf der Lebensqualität über einen langen Zeitraum nach Zystektomie aufzeigten und nach Unterschieden zwischen beiden Harnableitungen suchten. Daher untersuchten wir die Lebensqualität vor allem in Bezug auf Unterschiede zwischen beiden Harnableitungen über den Verlauf von insgesamt 48 Monate mittels blasenspezifischer und blasenunspezifischer Lebensqualitätsfragebögen. In dem gesamten Verlauf konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Formen der Harnableitung gezeigt werden. Auch in einer multivariaten Analyse für eine allgemeine gute Lebensqualität zeigte die Art der Harnableitung keinen signifikanten Einfluss. Allerdings spielten Komorbiditäten wie beispielsweise kardiovaskuläre Erkrankungen eine signifikante Rolle. Folglich sollten Patienten also über die Auswirkungen der Lebensqualität im Allgemeinen aufgeklärt werden, allerdings sollte die Wahl der Harnableitung hier keine Rolle spielen. Es scheint wichtiger zu sein, eine sorgfältige Patientenauswahl unter Berücksichtigung der Begleiterkrankungen zu treffen.
Um einen weiteren Aspekt der Lebensqualität zu beleuchten, untersuchte das aktuelle Habilitationsprojekt auch die Durchführbarkeit der Zystektomie als letzte Behandlungsoption bei benignen Erkrankungen und die Auswirkungen auf die Lebensqualität. Hier wurde besonderes Augenmerk auf Patienten mit multiplen Vortherapien und -operationen für benigne Erkrankungen wie Inkontinenz, Fisteln oder rezidivierenden Strikturen gelegt und die Zystektomie mit Harnableitung mittels Ileum-Conduit als letzte Behandlungsmöglichkeit untersucht. Im Allgemeinen konnten wir zeigen, dass Komplikationen in einer akzeptablen Menge an Patienten in dieser hoch komplexen Patientengruppe auftraten. Zudem kam es zu einer eindeutigen Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität sowie der Symptome Schmerz und Fatigue. Auch die soziale Teilhabe angelehnt an den sozialen Funktionsscores verbesserte sich durch den Eingriff signifikant. Somit dient die Zystektomie auch in diesem sehr spezialisierten Patientenkollektiv als gute Behandlungsoption, wenn andere Therapien versagt haben.
Abschließend spielt in der Diagnostik und auch Therapie des nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom die TURB eine wichtige Rolle. Eine qualitativ hochwertige TURB ist unabdingbar, um den Patienten eine zielgerichtete und zügige Therapie zukommen zu lassen. Das Vorhandensein von Detrusormuskulatur im histologischen Präparat wird bereits als Surrogatparameter für eine gute Qualität einer TURB benutzt. Bisher unbekannt ist allerdings, welche Faktoren mit einem erhöhten Risiko für ein Fehlen von Detrusormuskulatur einhergehen. Daher war es Ziel der vorliegenden Arbeit, Risikofaktoren zu definieren und die Auswirkungen von fehlender Detrusormuskulatur auf das rezidiv-freie Überleben zu zeigen. Letztlich konnten wir das Vorliegen von papillären Tumoren sowie die Tumorlokalisation vor allem bei high-grade Tumoren als Risikofaktor für das Fehlen von DM zeigen. Außerdem konnten wir erstmalig zeigen, dass der Faktor Zeit eine signifikante Rolle spielt und somit eine qualitativ hochwertige TURB auch adäquat Zeit in Anspruch nehmen sollte. Denn das Fehlen von Detrusormuskulatur verblieb nach einer multivariaten Analyse als einziger Risikofaktor für ein erhöhtes Rezidivrisiko bei high-grade Tumoren. Gerade in diesem Setting sollten Operateure also besondere Sorgfalt walten lassen.
Abschließend untersuchten wir Risikofaktoren für ein Upstaging von nicht-muskelinvasiver Erkrankung in eine muskelinvasive Erkrankung in der Nachresektion bei TURB. Da dieses in bis zu 11% der Fälle auftreten kann, ist die Kenntnis von Risikofaktoren wichtig. Hier konnten wir zeigen, dass das Risiko für ein Upstaging vor allem bei soliden Tumoren und bei Fehlen von Detrusormuskulatur im histologischen Präparat bis zu vierfach erhöht ist. Folglich sollte bei zuvor genannten Situationen gegebenenfalls eine frühere Nachresektion angestrebt werden, um Patienten eine Verzögerung der definitiven Therapie zu verhindern.
Alles in allem konnte die vorliegende Habilitationsleistung innovative Marker zur besseren Risikostratifizierung bei Patienten mit Harnblasenkarzinom darlegen. Zudem konnten wir zeigen, in welchem Ausmaß die Lebensqualität der Patienten durch urologische Operationen beeinflusst wird. In einer immer rasanteren Entwicklung weiterer Behandlungsmethoden gerade im Hinblick auch perioperative systemische Therapien, werden zukünftig auch weitere prädiktive Marker und Methoden zur besseren Patientenstratifizierung notwendig sein
A gut commensal microbiome-host protein network map reveals bacterial modulation of human immune signaling
Complex diseases such as cardiovascular illnesses, cancer, respiratory diseases, and diabetes have been on the rise worldwide contributing to 70% of all deaths. While these illnesses are superficially not associated with microbial organisms accumulating research links bacteria of the gut microbiome to a diverse range of complex diseases. Especially Pseudomonadota, the third most abundant phylum in the gut, has been associated with several of those illnesses e.g., metabolic sicknesses and cancer. However, the underlying mechanisms mediating the bacterial impact on host health remain largely unknown.
Pathogenic representatives of the Pseudomonadota phylum are well-known for employing a type three secretion system (T3SS) to manipulate host cells and thereby mediate infectious diseases. Prominent examples are Salmonella, Shigella, enterohemorrhagic Escherichia coli (EHEC), and enteropathogenic Escherichia coli (EPEC) as well as Yersinia pestis responsible for wiping out one-third of the European population during the plague. Yet, T3SSs have also been detected in plant mutualists e.g., rhizobia strains of the rhizobia-legume symbiosis. Furthermore, bacteria that do not exhibit a pathogenic or mutualistic lifestyle also seem to encode for T3SSs. Work outside of this thesis as part of the same project detected T3SSs also in commensal Pseudomonadota of the human gut microbiome. However, the impact of the T3SS effectors on the host cell and subsequently host health is not known. Therefore, this thesis aimed to elucidate the impact of T3SS effectors expressed by commensal gut Pseudomonadota on host functions in the context of human health and disease.
To assess the impact of bacterial effectors on the human host a network map of protein-protein interactions (PPIs) between gut commensal bacterial effectors and human proteins was generated. To this end, an ORFeome collection of bacterial effectors was established by cloning 959 T3SS effectors from known, culturable strains as well as from metagenomic data of the human gut. Testing these bacterial effectors against the human ORFeome v9.1 collection consisting of 17,408 protein-coding genes with a systematic, high-throughput yeast two-hybrid (Y2H) pipeline gave rise to the human-microbiome meta-interactome map (HuMMI). The network consists of 1,263 interactions mediated by 289 effectors and 430 human proteins. HuMMI was subjected to a detailed quality control to assess the reliability of the used pipeline and the quality of the interactions. For this purpose, reference sets were assembled to benchmark the Y2H and an orthogonal assay, which was employed to re-test a subset of HuMMI. In addition, the saturation of HuMMI i.e., the percentage of discovered interactions compared to all detectable interactions, was assessed by a Y2H repeat screen.
After demonstrating the reliability of the employed Y2H pipeline and the comparability of HuMMI to well-documented, literature-curated-interactions, validation experiments in vitro were conducted based on the functional analysis of the effector targets. As the bacterial effectors targeted human proteins involved in immune signaling their impact on the transcription factor nuclear factor kappa B (NF-κB) was assessed. A cell-based reporter assay was employed testing the ability of the effectors to modulate NF-κB activity. Five effectors significantly activated NF-κB, while three effectors seemed to inhibit the transcription factor significantly. Further impacts on human immune signaling by T3SS effectors were shown by collaborators reporting increased ICAM1 expression as well as up- and downregulation of pro-inflammatory cytokine secretion from a colon cell line upon effector transfection. The opposing effects of bacterial effectors on immune signaling pathways suggest different influences of gut commensal T3SS effectors on the human host.
In conclusion, this study introduced a novel mechanism by which gut commensals might impact the human host. T3SS effectors potentially affect human immune signaling locally and systemically via cytokine secretion potentially affecting the risk of complex disease. Thereby, this works launches the investigation into gut commensal T3SS effectors and their impacts on host health and disease
Cell-specific effects of mineralocorticoid receptor
Stress is a normal response to situational pressures or demands. Exposure to stress activates the hypothalamic-pituitary-adrenal (HPA) axis and leads to the release of corticosteroids, which act in the brain via two distinct receptors: mineralocorticoid receptors (MR) and glucocorticoid receptors (GR). MR plays a key role in cognitive and emotional function, making it a key player in the body's response to stress. This thesis aims to investigate the effects of MR on emotional behavior and cognitive function in specific cell types (glutamatergic neurons and GABAergic neurons). Therefore, I first performed baseline behavioral testing in mice lacking MR in glutamatergic neurons as well as in GABAergic neurons. Lack of MR in glutamatergic neurons results in an anxiety-like phenotype, whereas lack of MR in GABAergic neurons appears to affect cognitive function. Following, further cognitive behavioral experiments were carried out on mice lacking MR in GABAergic neurons, and it was found that mice lacking MR in GABAergic neurons performed better in stressful experiments. Then, electrophysiological experiments were used to observe whether the neuronal functions of glutamatergic neurons and GABAergic neurons lacking MR were changed. Morphological changes of glutamatergic neurons lacking MR were observed by Golgi staining. Then I conducted behavioral tests on these two strains of mice after chronic social stress, not only on male mice, but also on female mice, in order to observe the emotional behavior and cognitive behavior of mice of different sexes after experiencing chronic stress. Whether the performance is consistent. Furthermore, in single-cell RNA sequencing data we found the gene of interest Fam107a, which was significantly downregulated in MR-deficient glutamatergic neurons. By virus-mediated overexpression of Fam107a, we found that it partially rescued the genotype. In the single-cell RNA sequencing data of GABAergic neurons lacking MR, we found that the Npy gene was significantly down regulated. In the future, we will observe its effect on mice lacking MR in GABAergic neurons by manipulating the Npy gene. Given the central role of MR in cognitive and emotional functioning, and its importance as a target for promoting resilience, future research should investigate how MR modulation can be used to alleviate disturbances in emotion and behavior, as well as cognitive impairment, in patients with stress-related psychiatric disorders
Förderung der Emergent Literacy bei Mädchen mit dem Rett-Syndrom
Als wesentlicher Motor für Bildung und Partizipation und sollte allen Kindern ein Zugang zu Schriftsprache ermöglicht werden. Dazu zählt auch die Zielgruppe der vorliegenden Arbeit, Mädchen mit dem Rett-Syndrom, die aufgrund ihrer Mehrfachbehinderung zur Kommunikation auf Talker mit Augensteuerung angewiesen sind. Der Forschungsstand zeigt, dass diese Kinder fähig sind zu lernen, wenn Inhalte individuell relevant sind und ihre spezifischen Einschränkungen berücksichtigt werden. Um Schriftsprache zu erwerben, ist es elementar, dass sie Vorläufererfahrungen und -kompetenzen (Emergent Literacy – EL) sammeln. Erste Erfahrungen dazu liegen mit einem auf den Grundsätzen des Building Blocks-Modells (Hall & Williams, 2001) für die EL beruhenden Vorgehen in der Adaption durch Norwell (2017a, b, c) vor. Kerngedanke dieser Ansätze ist es, dass der natürliche Erwerb durch ein vernetztes und reichhaltiges Angebot von Schriftspracherfahrungen erfolgt, in dem simultan und interaktiv verschiedene Kompetenzbereiche adressiert werden.
Ziel der Arbeit ist es, zu dokumentieren, welche Entwicklungen in sechs auf den auf den Building Blocks beruhenden Kompetenzbereichen der EL bei Mädchen mit Rett-Syndrom im Vorschulalter in einer neunmonatigen Intervention erzielt werden konnten. Die eingesetzten multimodalen Erhebungsmethoden (Elternfragebogen, Elizitierung und direkte Beobachtung in der Statusdiagnostik und prozedural gewonnene Daten) werden explorativ evaluiert. Der Einfluss verschiedener Therapiemodi (Peer-Intervention, Elterntraining, Einzeltherapie), der Interventionsreihenfolge und der Allgemeinzustand wurden in der Analyse berücksichtigt, um für die therapeutisch-pädagogische Praxis und Forschung weitere Anhaltspunkte darüber bereitzustellen, welche Ziele adressiert werden können und durch welche Intervention dies geschehen kann.
Dazu wurde eine Interventionsstudie als multiple Einzelfallstudie mit vier Kindern mit Rett- Syndrom im Alter von vier bis sieben Jahren durchgeführt. Ihr vorangestellt wurde aufgrund der mageren empirischen Datenlage eine deutschlandweite Fragebogenerhebung (N=41) durchgeführt, die aufdecken sollte, wie sich die Erwerbssituation in der EL und Schriftsprache bei Mädchen mit Rett-Syndrom in Deutschland darstellt. Für die Hauptstudie wurden die Probandinnen in zwei Gruppen aufgeteilt. Innerhalb von neun Monaten wurden mit beiden drei Interventionsmodi (Einzeltherapie, Elterntraining und Peer-Intervention) erprobt, wobei die Interventionsreihenfolge zwischen den Gruppen variierte. Die in dieser Arbeit entwickelte Intervention beruht in weiten Teilen auf dem Building Blocks-Modells (Hall & Williams, 2001) und der Adaption durch Norwell (2017a, b, c).
Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass einzelne Personen mit Rett-Syndrom in den EL- relevanten Kompetenzbereichen des Interesses an Schriftsprache, dem Sammeln von Schriftspracherfahrungen, der Kommunikation, der phonologischen Bewusstheit, des alphabetischen Wissens und der Graphemsynthese Fortschritte machen können. Insgesamt orientierten sich die Lernwege an der Erwerbsreihenfolge im typischen frühen Schriftspracherwerb, auch wenn einzelne Kinder phasenweiseweise eher visuelle Verarbeitungspräferenzen zeigten. Mit der Vertrautheit mit der Interaktion über Schrift und in Bilderbuchsettings kam es oft auch im Alltag zu mehr Partizipation. Diese kann jedoch nur dauerhaft aufrechterhalten werden, wenn eine stetige Analyse der variierenden internen und externen Faktoren erfolgt. Entstehende Schriftsprachkompetenzen können dabei eine Stellschraube sein, die neue Settings erschließt, die Teilhabe ermöglichen und kommunikative Ressourcen nutzbar macht.Access to literacy is a fundamental motor for education and participation, that should be granted to all children. This includes the target group of this study, girls with Rett syndrome, who are dependent on talkers controlled with eye gaze to communicate due to their severe disability. Research shows that these children are capable of learning if the content is individually relevant and their specific limitations are taken into account. In order to acquire written language, it is essential that they experience literacy settings and develop precursor skills (emergent literacy – EL). Initial evidence has been gained with an approach based on the principles of the Building Blocks Model (Hall & Williams, 2001) for EL as adapted by Norwell (2017a, b, c). The core idea of these approaches is that natural acquisition takes place through a cross-linked and rich range of literacy experiences in which different areas of competence are addressed simultaneously and interactively.
The aim of the study is to document the developments that were achieved in six dimensions of competence of EL based on the Building Blocks Model in girls with Rett syndrome of preschool age during a nine-month intervention. The multimodal data collection methods used (parent questionnaire, elicitation and direct observation in status diagnostics and procedurally obtained data) are evaluated exploratively. The influence of different therapy formats (peer intervention, parent training, individual therapy), the order of intervention and the overall condition were considered in order to provide further cues for therapeutic-pedagogical practice and research as to which goals can be addressed and through which intervention this can be done.
Therefore, an intervention study was conducted as a multiple single-case study with four children with Rett syndrome aged four to seven years. Due to the scarce empirical data available this was preceded by a Germany-wide questionnaire survey (N=41), which was intended to uncover the acquisition situation EL and written language among girls with Rett syndrome in Germany. For the main study, the subjects were divided into two groups. Three intervention modes (individual therapy, parent training and peer intervention) were piloted with both groups over a period of nine months, with the order of intervention varying between the groups. The intervention developed in this paper is largely based on the Building Blocks model (Hall & Williams, 2001) and its adaptation by Norwell (2017a, b, c).
The present study shows that individuals with Rett syndrome can achieve progress in the EL-relevant competence areas of interest in written language, gaining written language experience, communication, phonological awareness, alphabetic knowledge and grapheme synthesis. Overall, the learning paths were in line with the sequence of acquisition in typical early written language acquisition, even if in certain phases individual children showed more visual preferences in processing. Familiarity with interaction concerning print and in picture book settings often led to more participation in everyday life. However, participation can only be maintained in the long term if the varying internal and external factors are constantly assessed. Emerging literacy skills can be an important tool for opening up new settings that enable participation and make communicative resources accessible