ZU|Repositorium – der Hochschul- und Dokumentenschriftenserver der Zeppelin Universität
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Revising Africa, Remaining Normative Power: Verbal (Re-)Production of National Identity in German News Coverage on Minusma
Democratic journalism is meant to be balanced, providing ‘neutral’ information in order to enable citizens to form their own opinion. Nonetheless, news coverage is in uenced by cultural and historical contexts, which affect and are mirrored by the language used. This contribution provides an outlook on which (historically developed) ideas about ‘western’ and ‘non-western’ countries appear in Germanonline newspaper covering the UN peacekeeping mission in Mali, MINUSMA. Beneath the thematic content of the news coverage linguistic devices like metaphors, catchphrases and labels have major impact on the perception of the intervention as well as the nations and actors associated with it (e. g.Mamadough 2022). I argue that, even though the idea of a powerful global north that enables the capacities of the global south is not made explicit in German news, the popular idea of the non-western Other which needs “either to be feared [...] or to be controlled” (Said 2019: 301, Thomas-Olalde & Velho 2011) is subliminally reproduced by several linguistic devices. Most striking in the coverage I analyzed are the diametrically opposed membership categorization devices (Peter & Chiluwa 2022) used to describe Malian and German actors and the family metaphor (Lakoff 1995). The former portray the separatist from Northern Mali as inhumane terrorists and the UN soldiers as empathic rescuer. The latter replicates the idea of Germany being the superior mature “grown-up”, either caring for the(inferior) Malian civil society (“child”) or trying to rear the (morally inferior) military government (“teenager”). Overall, German actors are described as subjects being capable to act purposeful, while then Malian civil society is the passive object and the separatists are acting haphazardly. Overall, the coverage reflects the idea of Germany being part of ‘Normative Power Europe’ which distinguishes from the Other framed as inferior and / or threat (Diez 2005)
Grenzen der Perspektivvielfalt in der deutschen Berichterstattung über die UN-Friedensmission MINUSMA in Mali
Der Journalismus entwickelte sich in den vergangenen Jahren von einem eher linear angelegten Kommunikationsprozess, in dem Informationen von (politischen) Eliten über die Medien an ein breites Publikum vermittelt wurden, hin zu einem multilateralen, an dem verschiedene Akteure wechselseitig mitwirken (vgl. Neuberger 2020). Durch die Nutzung von Online-Plattformen bspw. kann prinzipiell jede:r Informationen und persönliche Erfahrungen bzw. Sichtweisen einbringen, auf welche Journalist:innen bei der Nachrichtenproduktion zurückgreifen können (vgl. Tandoc 2018). Durch das Internet können außerdem räumliche Grenzen überwunden werden und der Journalismus wird zunehmend transnational (vgl. Knüpfer & Entman 2018). Trotzdem greifen ‚westliche‘ Nachrichtenproduzent:innen nur selten auf Informationen afrikanischer Medienorganisationen zurück (vgl. Kasenally 2018) und afrikanische Akteure bleiben unterrepräsentiert (vgl. Asante 2013, Mükke 2013). Dies kann auf Nachrichtenfaktoren wie Konsonanz und Nähe zurückgeführt werden, die den Rückgriff auf kulturell verankerte Narrative und Vorstellungen sowie die Orientierung an nationalen Akteuren prädispositionieren (vgl. Strohmeier 2004). Zudem sinkt die Anzahl an Auslandskorrespondent:innen, weshalb immer weniger Informationen vor Ort aggregiert werden können (vgl. Engelhardt 2022). Weil darüber hinaus meist anlässlich von Kriegen oder Konflikten über Afrika berichtet wird (vgl. Ludescher 2023), wirken sich zusätzlich die aus dem Kriegsjournalismus bekannten Begrenzungen auf die Berichterstattung aus: Der Zugang zu militärischer Information und Kriegsgebieten bspw. ist oft limitiert (vgl. Jungblut 2020) und im Falle außenpolitischer Konflikte berichten Journalist:innen tendenziell zugunsten der Herkunftsnation und geben bevorzugt die Sichtweise der ‚eigenen‘ Regierung wieder (vgl. Bilke 2010). Dies grenzt die Perspektivvielfalt in der Berichterstattung über Konflikte in Afrika ein und begünstigt die Reproduktion stereotyper Darstellungen (vgl. Hänsch et al. 2018, Mamadouh 2022). Afrikanische Länder bzw. die dort lebenden Menschen werden oft als rückständig und schwach repräsentiert (vgl. Asante 2013, Said 2019) und damit eine ‚Hilfskonstellation‘ vermittelt, in der europäische Akteure „[…] als Handelnde dargestellt [werden], Personen aus Entwicklungsländern dagegen eher als passiv und hilflos“ (Wimmer 2003: 341, vgl. Said 2019). Da es vielen Europäer:innen an persönlichen Erfahrungen mit/in Afrika fehlt, beeinflussen die medial vermittelten Vorstellungen die Wahrnehmung besonders (vgl. Sickenberger 2021). Dennoch hat sich die Forschung in den letzten Jahren (abgesehen von wenigen Ausnahmen, z.B. Sickenberger 2021, Calatrava-García et al. 2023) kaum mit der (deutschen) Berichterstattung über Afrika befasst und insb. zur journalistischen Aufbereitung afrikapolitischer Entscheidungen europäischer Länder wurden kaum Erkenntnisse generiert. Zugleich wächst die Bedeutung Afrikas und der dortigen Entwicklungen, auch angesichts europäischer Debatten um Migration und mögliche neue ökonomische wie (sicherheits-)politische Partner (‚De-Risking‘). Eine kritische Auseinandersetzung mit journalistischen Berichten, welche die öffentliche Wahrnehmung und damit auch politisches Handeln beeinflussen kann (vgl. Bilke 2010), ist daher umso wichtiger.Der vorliegende Beitrag soll die Forschungslücke schmälern und untersucht dazu die Berichterstattung über die deutsche Beteiligung an der UN-Mission MINUSMA in Mali. Im Fokus steht erstens die Frage, inwiefern unterschiedliche (internationale) Perspektiven eingebracht und so geografische bzw. kulturelle Grenzen überwunden werden. Dazu wurde die Online-Berichterstattung von WELT und Süddeutscher Zeitung über die politischen Entscheidungen bzw. die Arbeit der deutschen Streitkräfte in Mali einer multimodalen Framing-Analyse (vgl. Moernaut et al. 2020) unterzogen. Es zeigt sich, dass der Bundeswehreinsatz zwar unterschiedlich geframed und positive wie negative Aspekte thematisiert werden, insb. Berichte und Kommentare aber vorwiegend auf den Aussagen deutscher Akteure beruhen. Akteure aus Mali bzw. anderen afrikanischen Ländern hingegen bleiben oft außen vor und die Berichterstattung daher weitgehend auf deutsche Perspektiven begrenzt. Dadurch wird insb. über den Konflikt zwischen Mali und den intervenierenden Staaten nur einseitig berichtet. Zweitens untersucht die qualitative Analyse, wie sich diese Perspektivbegrenzung auf die Darstellung der verschiedenen Akteursgruppen auswirkt, wobei festgestellt werden kann, dass häufig stereotype Vorstellungen reproduziert werden und sich eine Tendenz zur ‚Exotisierung‘ bzw. zum Othering (vgl. Mamadouh 2022, Said 2019) abzeichnet. LiteraturverzeichnisAsante, Molefi Kete (2013): The Western Media and the Falsifícation of Africa. Complications of Value and Evaluation. In: China Media Research 9 (2), S. 64–70.Bilke, Nadine (2010): Kriegsberichterstattung. In: Christian Schicha & Carsten Brosda (Hg.): Handbuch Medienethik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 442–453.Calatrava-García, Adolfo; Moreno-Mercado, José Manuel; García-Marín, Javier (2023): Towards European securitization press processes? A comparison of Sahel news coverage in Southern European countries. In: Journal of Contemporary European Studies 31 (4), S. 1206–1222.Hänsch, Valerie; Rieß, Johanna; Ritzer, Ivo (2018): Einleitung: Medialisierungen Afrikas. In: Hänsch, Valerie et al. (Hg.): Medialisierungen Afrikas. Baden-Baden: Nomos, S. 9–28.Engelhardt, Marc (2022): Das Verblassen der Welt. Auslandsberichterstattung in der Krise. Otto-Brenner-Stiftung. Arbeitspapier 53. Jungblut, Marc (2020): Kriegs- und Konfliktberichterstattung im digitalen Zeitalter. In: Borucki, Isabelle et al. (Hg.): Handbuch Politische Kommunikation. Wiesbaden: Springer, S. 1–14.Kasenally, Roukaya (2018): The Development of an Africa Narrative: Challenges and Opportunities. In: Hänsch, Valerie et al. (Hg.): Medialisierungen Afrikas. Baden-Baden: Nomos, S. 123–146.Knüpfer, Curd B.; Entman, Robert M. (2018): Framing conflicts in digital and transnational media environments. In: Media, War & Conflict 11 (4), S. 476–488. Ludescher, Ladislaus (2023): Vergessene Welten und blinde Flecken. In: Hektor Haarkötter & Jörg-Uwe Nieland (Hg.): Agenda-Cutting: Wenn Themen von der Tagesordnung verschwinden. Wiesbaden: Springer, S. 223–246.Mamadouh, Virginie (2022): Eurocentrism / Orientalism in news media. In: Paul C. Adams & Barney Warf (Hg.): Routledge handbook of media geographies. London, New York: Routledge, S. 232–244. Moernaut, Renée; Mast, Jelle; Pauwels, Luc (2020): Visual and Multimodal Framing Analysis. In: Luc Pauwels & Dawn Mannay (Hg.): The SAGE Handbook of Visual Research Methods. London: SAGE, S. 484–499.Mükke, Lutz (2013): "Journalisten der Finsternis". In: Dulko, Elisabeth et al. (Hg.): Afrikabilder. Dokumentation einer Tagungsreihe zum Afrikadiskurs in den Medien und zum AlltagsRassismus in Deutschland. Bremen: Arbeit und Leben, S. 28–33.Neuberger, Christoph (2020): Journalismus und digitaler Wandel: Krise und Neukonzeption journalistischer Vermittlung. In: Otfried Jarren & Christoph Neuberger (Hg.): Gesellschaftliche Vermittlung in der Krise. Baden-Baden: Nomos, S. 119–154.Said, Edward W. (2019): Orientalism. Reissued in Penguin Classics. London: Penguin Books.Sickenberger, Fabian (2021): Afrikaperspektiven. Eine inhaltsanalytische Untersuchung der Tagesschau-Afrikaberichterstattung 1952–2018. Dissertation. Berlin: Logos.Strohmeier, Gerd (2004): Politik und Massenmedien: Eine Einführung. Baden-Baden: Nomos.Tandoc, Edson C. (2018): Journalism as Gatekeeping. In: Tim P. Vos (Hg.): Journalism. De Gruyter, S. 235–254.Wimmer, Jeffrey (2003): Das Ende der "Dritten Welt"? Ein Vergleich der Berichterstattung über Afrika in der deutschen Presse 1991 und 2001. In: ComSoc 36 (4), S. 337–352
The Many Facets of Workplace Moral Courage: Development and Validation of a Multidimensional Scale
Vorauswahl von Startup-Unternehmen für Investments mit Social Capital und Industriestrukturmerkmalen - ein datengetriebener Ansatz
Abschlussbericht für DFG Projekt "A 'gold standard' of institutional assessment? Operationalizing and explaining political biases in large numbers of international organization evaluation reports"
This research project examined the role of political influences in evaluation processes within international organizations (IOs). Evaluations are widely used as tools for accountability and learning, but concerns have been raised about their neutrality and independence. While previous research has largely relied on perception-based evidence, this study systematically analysed the content of evaluation reports to assess whether political biases shape evaluation findings and recommendations. At the core of the project was a quantitative content analysis of 1,082 evaluation reports. Based on novel conceptualizations of evaluation biases and using a state-of-the-art fine-tuned BERT language model, nearly one million sentences from these reports were classified as positive, neutral, or negative. Additionally, the recommendations given in a sample of 240 evaluation reports were manually coded regarding the type and depth of recommendations given. Findings show on the one hand that evaluation findings—the assessments of IO performance—do not exhibit systematic biases based on whether evaluation units (in terms of their budget, staffing and agenda) are controlled by IO administrations or member states. Evaluation recommendations on the other hand, do reflect stakeholder influence. Reports from IO administration-controlled evaluation units contained broader, less specific recommendations that tended to favour increasing organizational resources while avoiding proposals for additional oversight. In contrast, member state-controlled evaluations were more targeted and focused on strengthening accountability mechanisms. These patterns suggest that political considerations influence how evaluation results are translated into policy recommendations. Another key finding concerns the role of the commissioning entity. Evaluations commissioned by decentralized operational units, which are closely involved in project/program implementation, tended to be systematically more positive than those conducted by independent central evaluation units. This suggests that decentralized evaluations may be subject to direct or indirect pressure to present findings in a more favourable light.All data and the language model were published. Substantive findings were presented at conferences and published in a book with Oxford University Press and in leading journals of political science (with peer review). Beyond academic contributions, the project was characterized by intensive exchange with practitioners. Regular consultations were held with evaluation professionals from the UN system, development agencies, and international organizations. Key findings were presented to the UN Evaluation Group and shared in various practitioner networks to ensure that the research remained relevant for those working directly with evaluation processes