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Die Sicht von Schüler:innen auf hybriden und digitalen Unterricht – Vergleich und Identifikation von Prädiktoren
Hintergrund:
Die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie führten zu erheblichen Einschränkungen im Leben von Jugendlichen und stellten Schüler:innen, beispielsweise durch Schulschließungen und eingeschränkten Kontakt zu Gleichaltrigen, vor Herausforderungen.1 Studien berichteten über einen Rückgang des Lernerfolgs2, der Lebenszufriedenheit3 und einer Zunahme von Angst und Depression4 bei Schüler:innen während der Pandemie. Die Schüler:innen schätzten jedoch auch Aspekte wie verstärkt selbstständige Arbeit5 und mehr Schlaf während der Schulschließungen zu Beginn der Pandemie6. Die Eindämmungsmaßnahmen entwickelten sich mit dem Fortschreiten der Pandemie weiter und führten, durch individuelle Quarantänemaßnahmen, zu verschiedenen Formen des hybriden Fernunterrichts, bei dem ein Teil der Klasse vor Ort und ein anderer Teil per Fernunterricht unterrichtet wurde. Diese Quarantäne kann einen großen Einfluss auf die Psyche haben7 und zu Stress, Wut, Angst, Depression und Schlafstörungen führen.8,9 Für Schüler:innen, die unter Quarantäne standen, aber nicht ernsthaft erkrankt waren, konnte es vorteilhaft sein, weiterhin in Form eines hybriden Fernunterrichts am Unterricht zu partizipieren, um nicht zu viel Lernstoff zu versäumen sowie andererseits, um die gesellschaftliche Bildungsfunktion der Schule zu erhalten. Während sich zahlreiche Studien bereits mit den Auswirkungen des generellen Fernunterrichts zu Beginn der Pandemie auseinandersetz(t)en, stellen die Auswirkungen der Quarantänebedingungen auf die Wahrnehmung der Schüler:innen während des hybriden Fernunterrichts weitestgehend ein Desiderat dar. Auch der differenzielle Einfluss individueller Schüler:innenmerkmale auf die Wahrnehmung der Formen des Fernunterrichts wurde bislang kaum untersucht. Dies ist aber zentral, um Fernunterricht möglichst wenig belastend zu gestalten, sollte es erneut zu vergleichbaren Situationen kommen. Zudem können Ideen abgeleitet werden, wie hybride Settings in den regulären Unterricht implementiert werden können.
Zielsetzung:
Diese Studie untersucht kontrastierend, wie Schüler:innen die positiven und negativen Aspekte des allgemeinen sowie hybriden Fernunterrichts während der Quarantäne wahrnehmen. Außerdem wird der Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen der Schüler:innen und der Wahrscheinlichkeit, dass sie diese Aspekte nennen, untersucht.
Methode:
Die Stichprobe der Studie umfasste N=721 Schüler:innen (Deutschland und Schweiz). Eine quantitative Inhaltsanalyse10 kategorisierte die Erfahrungen während des allgemeinen und hybriden Fernunterrichts. Die Häufigkeiten der genannten Aspekte in den beiden Befragungsgruppen wurden verglichen und die Unterschiede mittels Chi-Quadrat-Tests auf Signifikanz geprüft.11
In einem weiteren Schritt wurde der Einfluss der Persönlichkeitsmerkmale Geschlecht, Klassenstufe, Muttersprache, Schulland und selbsteingeschätzte Selbstregulierung der Schüler:innen auf die Häufigkeit der genannten positiven und negativen Aspekte untersucht, da frühere Studien darauf hinweisen, dass diese Prädiktoren die Wahrnehmung der Covid-19-Pandemie der Schüler:innen beeinflussen können.12,13,14
Für die vier am häufigsten genannten Aspekte pro offener Frage wurden dichotome Kodierungen durchgeführt. Um wichtige Vorhersagevariablen zu identifizieren, wurden Random-Forest-Modelle berechnet.15,16 Schiefe abhängige Variablen wurden gewichtet17 und die Hyperparameter wurden für jedes berechnete Modell angepasst.18 Die Interpretation der identifizierten Prädiktoren erfolgte mittels ICE-Plots.19,20
Ergebnisse:
Als häufigste positive Aspekte beider Lernformate nannten die Schüler:innen die Vorteile, zu Hause zu sein und flexibler arbeiten zu können sowie ein höherer Anteil an Freizeit, während der Mangel an sozialen Kontakten und direkter Lernunterstützung häufig als negative Aspekte genannt wurden. Die Chi-Quadrat-Tests konnten nur geringe Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen den Formaten des allgemeinen und hybriden Fernunterrichts identifizieren. Die Random-Forest-Modelle wiesen darauf hin, dass das Schulland und die Klassenstufe (Primar- vs. Sekundarstufe) sowie das Geschlecht der Schüler:innen wichtige Prädiktoren für die Nennung der oben genannten Aspekte in der untersuchten Stichprobe waren. So gaben Schüler:innen in der Primarstufe mit höherer Wahrscheinlichkeit an, dass sie die Vorteile des Zuhauseseins genossen sowie, dass sie soziale Kontakte vermissten, während Schüler:innen aus der Schweiz mit höherer Wahrscheinlichkeit angaben, mehr Freizeit zu haben.
Schlussfolgerungen:
Die Studie bietet differenzierte Einblicke in die Auswirkungen von Covid-19-Eingrenzungsmaßnahmen auf Schüler:innen und ermöglicht es, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schüler:innen in zukünftigen ähnlichen Situationen besser gerecht zu werden. Die Ergebnisse umfassen auch positive Aspekte des Fernunterrichts, die zur Verbesserung des Unterrichts unter normalen Bedingungen genutzt werden können.Schweizerischer NationalfondsPublishe
Navigating barriers to equitable digital education in early years: insights from Swiss primary school teachers and international research
Jacobs FoundationPublishe
Politische Reformintentionen und deren Folgen: Eine Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen parlamentarischem Diskurs und den Folgen politischen Handelns
In den 1990er- und 2000er-Jahren führten Reformströmungen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu umfassenden Veränderungen in der Bildungslandschaft (Appius & Nägeli, 2017). In mehreren Deutschschweizer Kantonen wurde die Einführung von geleiteten, teilautonomen Schulen vollzogen, vielerorts begleitet von einer Neudefinition der kommunalen und kantonalen Schulaufsicht. Diese Entwicklungen markieren einen massgeblichen Wandel in der Organisation und Steuerung des Bildungssystems. Diese einschneidenden Veränderungen ist Ergebnis eines politischen Diskurses im Kontext von New Public Management, der theoretischen und empirischen Auseinandersetzung über Faktoren guter Schule und der Aufbruchsstimmung nach einer längeren Phase der politischen Stagnation (Appius & Nägeli, 2017).
Ursprung jeder politischen Reformdebatte sind Problemlagen und die Kritik an einer gegenwärtigen Praxis, diese soll reformiert und somit der Idealvorstellung eines Zustandes nähergebracht werden (Zapf 1984; Altmann, Hösch & Gabanyi, 1994; Gillwald 2000, Bormann 2011). Dieser Beitrag fokussiert das (Spannungs-)Verhältnis zwischen argumentativ dargelegten Idealvorstellungen im politischen Diskurs und tatsächlichen Veränderungen als Folge der politisch initiierten Reform. Dieser Idee folgend, wird in diesem Beitrag im ersten Teil der Frage nachgegangen, wie die Einführung von geleiteten, teilautonomen Schulen in den Anfängen argumentativ begründet wurden, wie in politischen Debatten Schulreformen legitimiert werden und welchen politischen Intentionen diese Reform unterlag. Im zweiten Teil wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Folgen der Reform den intendierten Absichten entsprechen oder nicht-intendierte Veränderungen nach sich zogen.
Reformen führen zu Veränderungen in der Praxis, ohne dass die beteiligten Akteure sicher wissen, ob diese Veränderungen tatsächlich zu Verbesserungen führen. Politik und Verwaltung orientieren sich häufig an idealtypischen Vorstellungen sowie an der Hoffnung auf eine optimierte, praktikablere oder effizientere Zukunft. Politische Veränderungsabsichten sind verbale Treiber von Reformen, welche stark geprägt sind durch Haltungen und Werte der am Diskurs beteiligten Akteure. Die Relevanz von Problemlagen muss anerkannt werden und in das politische Agenda-Setting münden. In den politischen Debatten müssen Mehrheiten gefunden werden: sei dies im Parlament, in der Gesellschaft oder bei den betroffenen Akteuren. In diesem Aushandlungsprozess werden Probleme und Lösungen in Beziehung gebracht, ohne zu wissen, ob diese Ziele mit der geplanten Reform überhaupt erreicht werden können (Brunsson 2009). Es herrscht ein stetiges Spannungsfeld zwischen Intentionalität und Wirkung. „Obwohl Akteure intentional handeln, sind viele bedeutsame Dynamiken und Wirkungen ihrer Handlungen „transintentional“: Die Handlungen erzeugen nicht-intendierte Wirkungen, unerwartete Nebenfolgen oder nicht vorhergesehene Fernwirkungen“ (Altrichter 2015, S. 39-40). Erst in der Umsetzung auf den untergeordneten Ebenen zeigt sich, ob Reformen umgesetzt werden, «im Sand verlaufen» oder allenfalls auch ausgehöhlt werden (Steiner-Khamsi, Appius & Nägeli 2024).
Oftmals bleibt ungewiss, welche kausalen Effekte Reformen tatsächlich haben und wie der Zusammenhang zwischen Leistung und Erfolg adäquat messbar ist (Brunsson und Olson 1993; Jann 2006). Der methodische Zugang der Comparative Policy Analysis (Cilesiz, & Greckhamer, 2020; López-Santana, & Tanca, 2024) ermöglicht eine systematische Analyse politischer Massnahmen im jeweiligen Kontext mit dem Ziel, die Auswirkungen in unserem Fall der Reformabsichten und Reformmassnahmen zu analysieren und Hypothesen über die Wirksamkeit der Intentionen zu prüfen und kausale Zusammenhänge zwischen Reformintention, der Politikgestaltung und den (nicht-)intendierten Folgen zu beleuchten. Mit Blick auf die Entwicklung von Anfang der 1990er Jahre bis heute – hierfür stehen eine Datenbank mit ca. 1400 Dokumente aus dem politischen Prozess dieser Zeitspanne sowie 16 Interviews mit politischen Akteuren aus drei verschiedenen Schweizer Kantonen zur Verfügung – kann das Spannungsfeld zwischen Intentionalität und Wirkung an diesem Fallbeispiel analysiert werden.Publishe
Measurement of Digital Stress in Primary School Students and the Relationship between These Dimensions and Aspects of Mental Health
Publishe
Social Media und Podcasts
Eine relativ neue Möglichkeit, um Erkenntnisse aus der empirischen Bildungsforschung für die Praxis verfügbar zu machen, ist die Nutzung von Social Media und Podcasts für Wissenschaftskommunikation. In diesem Kapitel werden zwei entsprechende Projekte aus dem Bereich der frühen Bildung vorgestellt: Der Podcast „Frühe Bildung“ und der Instagram-Kanal „fruehe_bildung“. In diesen Projekten soll den Hörerinnen und Hörern wie auch den Leserinnen und Lesern die Nutzung empirischer Befunde und theoretischer Hintergründe erleichtert werden, indem die Inhalte einerseits jederzeit und niederschwellig verfügbar sind und andererseits so aufbereitet sind, dass die Verknüpfung von theoretischen Hintergründen und empirischen Befunden mit praktischen Überlegungen beispielhaft vorgezeichnet ist.Kanton St.GallenPublishe
Erzähl nochmal: Geschichten aus Religionen, Kulturen und Zeiten (Website)
Die Begleitwebsite erzählnochmal.ch zum Geschichtenbuch «Erzähl nochmal. Geschichten aus Religionen, Kulturen und Zeiten» wird laufend erweitert.
Neben neuen und bewährten Unterrichtsideen finden Sie auf der Website zu zahlreichen Geschichten Hörbeispiele von professionellen Erzähler:innen. Ebenso ist eine Videoanleitung zum freien Erzählen online. In sechs kurzen Videos wird erläutert, wie «der Text in den Mund» kommt.Stiftung WeltethosPublishe
Wer ist besser? Videobasiertes Adaptive Comparative Judgment in der Ausbildung Sport unterrichtender Lehrpersonen
Beim Adaptive Comparative Judgment werden Performanzen durch wiederholtes direktes Vergleichen zweier Performanzen gemessen. Obwohl Adaptive Comparative Judgment im Hochschulkontext an Popularität gewinnt, gibt es bisher keine Studien dazu in der Ausbildung Sport unterrichtender Lehrpersonen (Bartholomew & Jones, 2022). Um diese Forschungslücke zu bearbeiten, wurde in einer explorativen und vergleichenden Studie geprüft, ob Adaptive Comparative Judgment beim Bewerten studentischer Tanzperformanzen einen Mehrwert gegenüber einer traditionellen Bewertungsform mittels Kriterienraster bietet.swissuniversitiesPublishe
Emotionen im Co-Kreationsprozess einer zirkulären Zukunft: Entwicklung von Szenarien mit der Vorstellungskraft von besonders begabten Schulkindern und den biophysikalischen Perspektiven von Wissenschaftlern
Visionen für eine wünschenswerte Zukunft wurden mit Primarschulkindern (Klassen 3-6) der Begabtenförderung und Wissenschaftlern eines Forschungsinstitutes in einem kollaborativen Designansatz entwickelt und in einem illustrierten Geschichtenbuch zu einer nachhaltigeren, kreislauffähigen Zukunft umgesetzt.
Die Forschung zeigt auf, welche planetaren Grenzen überschritten sind (Desing, et al., 2020a; Desing, et al., 2020b). Das Projekt war einerseits darauf ausgerichtet, Kindern den Ernst der Lage aufzuzeigen und gleichzeitig Zuversicht und Handlungsenergie aufzubauen.
Design Thinking (Ball, 2019; Buchanan, 1992) basiert auf vier Hauptschritten (Entdecken, Definieren, Entwickeln und Evaluieren), die den Ablauf dieses Projektes bestimmen. Kern der Co-Kreation waren zwei Halbtage mit Forschenden. Vor diesen gemeinsamen Workshops sind die Kinder bereits in Themen zur Umwelt, Energie und zu nachhaltigen Kreisläufen eingetaucht. Dazu gab es Spiele, Experimente, fachliche Inputs, Theaterszenen und jedes Kind hielt seine Zukunftsvisionen skizzenhaft in einem Tagebuch fest. Die spielerischen Elemente lösten viele positive Emotionen aus, welche sich in den nachfolgenden Workshops in Annäherungsverhalten (Kuhbandner & Frenzel, 2019) und Handlungsenergie zeigten. Die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern löste bei den Kindern nicht nur Neugier, sondern auch selbstwertbezogene Emotionen wie Stolz aus, da ihre Ideen ernst genommen und wertgeschätzt wurden (Kuhbandner & Frenzel, 2019). Es entstanden Pläne einer Zukunftsstadt und vier konkrete Geschichten, die auf die Überschreitung von planetaren Grenzen aufmerksam machen und Lösungsansätze aufzeigen. Diese Geschichten wurden von einer Designerin für unser illustriertes Geschichtenbuch aufbereitet und durch Bildungsexpert:innen mit Begleitmaterial für den Schulunterricht ergänzt, um viele weitere Kinder und Jugendlichen wichtige Forschungserkenntnisse zu vermitteln und sie zur eigenen kreativen Gestaltung ihrer Zukunft zu ermutigen.Schweizerischer NationalfondsSwicoV-ZUG AGPublishe