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Die Übersetzung und Validierung eines Instrumentes zur Erhebung der Einstellungen zur interprofessionellen Zusammenarbeit von angehenden und approbierten Ärztinnen und Apothekerinnen
Diese Dissertation befasst sich mit der Übersetzung eines englischsprachigen Fragebogens und dessen statistischer Güte-Überprüfung und Bewertung als in Deutschland eingesetztem Erhebungsverfahren für Einstellungen zur interprofessionellen Zusammenarbeit von angehenden und approbierten Apothekerinnen und Ärztinnen. Dazu wird mit dem Scale of Attitudes toward Physician-Pharmacist Collaboration (SATP²C) ein bereits validierter Fragebogen zunächst ins Deutsche übersetzt und anschließend validiert. Neben der Überprüfung seiner Anwendbarkeit im deutschsprachigen Raum (psychometrische Gütekriterien) sollte, wenn möglich, untersucht werden, ob die Ergebnisse der Validierung mit den Originaldaten vergleichbar sind und welche Einstellungen die deutsche Stichprobe zur interprofessionellen Zusammenarbeit zeigt.
Der Originalfragebogen (Anhang 4) wurde mithilfe eines 10-schrittigen Übersetzungsprozesses (ISPOR) zunächst ins Deutsche übersetzt und für den Einsatz an einer deutschen Stichprobe angepasst. Im nächsten Schritt wurde der übersetzte Fragebogen an einer deutschen Stichprobe zu drei Erhebungszeiträumen im Jahr 2021 eingesetzt: über 1200 Studierende beider Fachbereiche (Medizin, Pharmazie) an der Philipps-Universität Marburg sowie eine unbekannte Anzahl Approbierter (Apothekerinnen, Ärztinnen) an den Kliniken UKGM, Kassel, Fulda und Herford wurden kontaktiert und zur Beantwortung aufgefordert.
Im Anschluss daran erfolgte die Datenanalyse, beginnend mit den deskriptiven Daten der Stichprobe und Antwortverteilung. Es folgen die Berechnungen von Cronbachs alpha sowie die Durchführung einer konfirmatorischen Faktorenanalyse.
Die deutsche Fragebogenversion beantworten insgesamt n = 315 Personen, davon n = 271 Studentinnen (Medizin und Pharmazie) sowie n = 44 Approbierte (Apothekerinnen und Ärztinnen). Die Berechnung von Cronbachs alpha ergibt eine gute interne Konsistenz als Reliabilitätswert für die Gesamtstichprobe (0,821) sowie Studierendengruppe (0,825) und akzeptable Werte für die Gruppe der Approbierten (0,793). Auf der Ebene der Konstruktvalidität jedoch konnte das in den Originaldaten identifizierte Drei-Faktorenmodell anhand der durchgeführten konfirmatorischen Faktorenanalyse nicht bestätigt werden: die Berechnungen zeigen allesamt inakzeptable Werte (Chi-Quadrat-Test χ2 = 678,9, p < 0,001; RMSEA [KI]=0,133 [0,123;0,142]; SRMR: 0,288; CFI: 0,482; TLI: 0,402).
Aufgrund der mehrheitlich nicht hinreichenden Übereinstimmung des untersuchten Faktorenmodells mit dem Datensatz der Validierungsstudie sowie einer darüber hinaus unzureichenden Inhaltsvalidität, die in der Diskussion ausführlich erläutert wird, wurden weitere statistische Verfahren – t-Tests mit Bonferroni-Korrektur – nicht durchgeführt.
In Zusammenschau der Ergebnisse ist festzustellen, dass der deutsche Fragebogen in der vorliegenden Form nicht geeignet ist, die Einstellungen zur interprofessionellen Zusammenarbeit von angehenden und approbierten Ärztinnen und Apothekerinnen im deutschsprachigen Raum zu erfassen. Zwar zeigt die deutsche Validierungsstichprobe insgesamt sehr hohe Zustimmungswerte zur interprofessionellen Zusammenarbeit, jedoch muss von einem Bias im Rahmen der Inhaltsvalidität (kultureller Bias, soziale Erwünschtheit, Akquieszenz, Tendenz zur Mitte, suggestiver Item-Charakter) und Reliabilität ausgegangen werden.
Folglich wäre die Entwicklung eines deutschsprachigen Fragebogens, der den deutschen rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der Praxis der Zusammenarbeit der Berufsgruppen besser Rechnung trägt, zu empfehlen.This dissertation deals with the translation of an English-language questionnaire and its statistical quality check and evaluation as a survey method used in Germany for attitudes towards interprofessional collaboration between trainee and licensed pharmacists and physicians. For this purpose, the Scale of Attitudes toward Physician-Pharmacist Collaboration (SATP²C), an already validated questionnaire, is first translated into German and then validated. In addition to checking its applicability in German-speaking countries (psychometric quality criteria), it should be investigated, if possible, whether the results of the validation are comparable with the original data and what attitudes the German sample shows towards interprofessional collaboration.
The original questionnaire (Appendix 4) was first translated into German using a 10-step translation process (ISPOR) and adapted for use with a German sample. In the next step, the translated questionnaire was used on a German sample at three survey periods in 2021: over 1,200 students from both faculties (medicine, pharmacy) at the Philipps University of Marburg and an unknown number of licensed practitioners (pharmacists, doctors) at the UKGM, Kassel, Fulda and Herford hospitals were contacted and asked to complete the questionnaire.
This was followed by the data analysis, starting with the descriptive data of the sample and response distribution. This was followed by the calculation of Cronbach's alpha and the implementation of a confirmatory factor analysis.
A total of n = 315 people responded to the German version of the questionnaire, of which n = 271 were students (pharmacy and medicine) and n = 44 were licensed practitioners (pharmacists and doctors). The calculation of Cronbach's alpha results in a good internal consistency as a reliability value for the total sample (0.821) and student group (0.825) and acceptable values for the group of practitioners (0.793). At the level of construct validity, however, the three-factor model identified in the original data could not be confirmed on the basis of the confirmatory factor analysis carried out: the calculations all show unacceptable values (Chi-square test χ2 = 678.9, p < 0.001; RMSEA [CI]=0.133 [0.123;0.142]; SRMR: 0.288; CFI: 0.482; TLI: 0.402).
Due to the largely insufficient agreement of the factor model examined with the data set of the validation study as well as insufficient content validity, which is explained in detail in the discussion, further statistical procedures - t-tests with Bonferroni correction - were not carried out.
In summary of the results, it can be stated that the German questionnaire in its present form is not suitable for recording the attitudes towards interprofessional collaboration of trainee and licensed doctors and pharmacists in German-speaking countries. Although the German validation sample shows very high approval ratings for interprofessional collaboration overall, a bias in the context of content validity (cultural bias, social desirability, acquisition, tendency towards the middle, suggestive item character) and reliability must be assumed.
Consequently, the development of a German-language questionnaire that takes better account of the German legal framework and the practice of cooperation between the professional groups would be recommended
Effect of interleukin-1 blockade on clinical and laboratory parameters in patients with cryopyrin-associated periodic syndrome (CAPS) with emphasis on renal outcome
Autoinflammatorische Syndrome (AIS) gehören zu den seltenen Erkrankungen, welche
durch eine chronische Entzündungsreaktion charakterisiert sind und die sich u.a. durch
rezidivierende Fieberepisoden, Arthralgien und Effloreszenzen äußern. Ursächlich ist
meist eine genetisch bedingte Störung im Inflammasom mit einer konsekutiv vermehrten
Produktion von Interleukin-1 (IL-1). Das Cryopyrin-Assoziierte Periodische Syndrom
(CAPS) ist eine spezielle Form der AIS, bei dem in der Regel eine Mutation im NLRP3-
Gen vorliegt; die klinischen Beschwerden können hierbei stark variieren. Aktuelle The-
rapien adressieren die Inflammationskaskade durch die Blockade von IL-1, was in der
Regel zu einer klinischen Remission mit Reduktion der Entzündungsparameter führt.
Während einige CAPS-Patienten eine AA-Amyloidose mit Nierenbeteiligung entwi-
ckeln, ist der Effekt einer anti-IL-1-Therapie auf das renale Outcome weitgehend uner-
forscht. Ziel der vorliegenden retrospektiven Analyse war die Charakterisierung der kli-
nischen Beschwerden, Inflammationsparameter und Nierenfunktion und deren Untersu-
chung im longitudinalen Verlauf unter IL-1-Blockade mit Schwerpunkt auf die renale
Beteiligung.
Untersucht wurden Patienten mit positiven Eurofever-Kriterien für CAPS und/oder nach-
gewiesener Mutation, die an der Klinik für Innere Medizin, Nephrologie & Internistische
Intensivmedizin am Universitätsklinikum Marburg ambulant betreut und mit Anakinra
oder Canakinumab therapiert werden. Insgesamt wurden 28 Patienten im Alter von
3 1,3±12,2 Jahren untersucht, von denen 14 über einen mittleren Zeitraum von 9,7 Jahren
nachverfolgt wurden. Bei 21 Patienten konnte eine Mutation im NLPR3-Gen nachgewie-
sen werden, 17 Patienten aus vier Familien standen in einem verwandtschaftlichen Ver-
hältnis zueinander. Auch Träger der low-penetrance Mutation p.Q703K zeigten eine kli-
nisch relevante Symptomatik und erhöhte Entzündungsparameter. Fünf Patienten (24%)
unterschiedlichen Alters und Träger der häufigsten Mutation R260W hatten eine rele-
vante Nierenerkrankung zum Zeitpunkt des Therapiebeginns. Alle fünf Betroffenen wa-
ren miteinander verwandt, während andere Familienmitglieder mit der gleichen Mutation
keine renale Schädigung aufwiesen. Zwei Patienten wurden aus der Studie bzgl. der The-
rapieeffektivität ausgeschlossen, da ein Patient im Rahmen einer renalen AA-Amyloidose
dialysepflichtig wurde, sowie der andere Patient bei terminaler dialysepflichtigen Nie-
reninsuffizienz bei AA-Amyloidose eine allogene Nierentransplantation erhielt. Die anti-
IL-1-Therapie führte bei den anderen drei untersuchten Patienten zu einer verminderten klinischen Symptomlast sowie signifikant niedrigeren Entzündungsparametern; nur zwei
der drei Patienten mit relevanter Nierenschädigung zeigten eine persistierende Proteinu-
rie, welche sich bei einem Patienten zum Ende des Beobachtungszeitpunktes vollständig
regredient zeigte. Patienten ohne vorbestehende Nierenschädigung entwickelten unter IL-
1 -Blockade keine relevante Einschränkung der Nierenfunktion.
Insgesamt konnte gezeigt werden, dass bei CAPS-Patienten: (1) eine chronische Nie-
renerkrankung mit ca. 24% eine relative häufige Komplikation darstellt; (2) die renale
Manifestation über den Mutationsstatus im NLPR3-Gen hinaus offenbar einer weiteren
Prädisposition bedarf und unabhängig vom Alter ist; (3) eine Therapie mit IL-1-Antago-
nisten zu einer signifikanten Besserung der krankheits-assoziierten Symptome und In-
flammationsmarker führt, welche aber nicht streng miteinander korrelieren; und (4) eine
IL-1-Blockade möglicherweise die Entwicklung einer CAPS-bedingten Nierenerkran-
kung verhindern, aber bereits vorhandene renale Schäden nur unwesentlich beeinflussen
kann. Unsere Daten zeigen somit, dass ein frühzeitiger Therapiebeginn möglicherweise
das renale Outcome wesentlich verbessern kann.Autoinflammatory syndromes (AIS) are orphan diseases characterized by chronic inflam-
mation, presenting with fever, arthralgia and often urticaria. They are the result of a ge-
netic alteration of the inflammasome, often with an increased production of interleukin-
1 (IL-1). The Cryopyrin-associated periodic syndrome (CAPS) consists of a specific
group of AIS, usually having a mutation in the NLRP3 gene and presenting with a variety
of clinical signs and symptoms. Current therapies address the inflammatory cascade by
interfering with IL-1 pathways, leading to clinical remission and reduction of inflamma-
tion in most patients. While some CAPS patients develop AA amyloidosis with chronic
kidney disease (CKD), the effect of anti-IL-1-therapy on renal outcome remains unclear.
The objective of this retrospective study was to investigate the efficacy of anti-IL-1 thera-
py on clinical symptoms and inflammatory parameters with special focus on renal out-
come. Patients from the outpatient clinic at the Department of Internal Medicine, Neph-
rology & Intensive Care Medicine, Philipps-University Marburg, with positive Eurofe-
ver-criteria for CAPS and/or a proven mutation, which were treated with anakinra or can-
akinumab, were examined. A total of 28 CAPS patients at a medium age of 31,3±12,2
years were studied, 14 were followed-up for 9.7 years. 21 patients showed a mutation in
the NLRP3 gene, 17 individuals were related and members of 4 families. Patients with
the so-called „low-penetrance“ mutation p.Q703K were similarly affected with respect to
clinical presentation and inflammatory parameters. Five patients (24%) of different ages
and carriers of the most common mutation R260W had significant chronic kidney disease
at the time of therapy initiation. All five patients were related to each other, while other
family members with the same mutation had no CKD. Two of them had AA-amyloidosis
and were excluded from the study regarding the effectiveness of therapy, because one
patient required dialysis and the other patient received an allogeneic kidney transplant
due to terminal renal insufficiency requiring dialysis. Anti-IL-1 therapy led to reduced
clinical symptom burden and significantly lower inflammatory parameters in the other
three patients examined; Only two of the three patients with relevant kidney damage
showed persistent proteinuria, which in one patient had completely regressed at the end
of the observation period. Patients without pre-existing kidney damage did not develop
any relevant impairment of kidney function under IL-1 blockade.
In conclusion, we showed that in patients with CAPS: (1) CDK is a relatively frequent
complication with around 24%; (2) renal manifestation beyond the mutation status in the NLPR3 gene apparently requires a further predisposition and is independent of age; (3)
anti-IL-1 therapy leads to a significant improvement of inflammatory parameters and
symptom load, which do not strictly correlate with each other; and (4) may prevent de-
velopment of CAPS-associated CKD but not affect pre-existing renal damage. Our data
suggest that early therapy initiation might sufficiently improve renal disease progression
Die psychische Gesundheit von Asylsuchenden- Der Einfluss somatischer Symptome und Diskriminierungserfahrungen sowie Ansätze zur Verbesserung
Basierend auf dem Forschungszweig der transkulturellen klinischen Psychologie untersucht die vorliegende Dissertation Faktoren, welche mit der psychischen Gesundheit in Deutschland lebender asylsuchender Personen in Zusammenhang stehen. Darüber hinaus wird eine kultursensitive psychoedukative Gruppenintervention zur Verbesserung der mentalen Gesundheit Asylsuchender vorgestellt und deren Evaluation, die in Deutschland und Österreich erfolgte, diskutiert.
Die erste Studie untersucht die Auswirkungen unerklärter somatischer Symptome und der B-Kriterien (Gesundheitsängste, ein katastrophisierender Denkstil und/oder exzessive Reaktionen auf körperliches Unbehagen) der DSM-5 Diagnose Somatische Belastungsstörung auf die Lebensqualität in Deutschland lebender asylsuchender Personen. Bei Asylsuchenden lässt sich eine hohe Prävalenz somatischer Symptome beobachten, die häufig mit anderen psychischen Störungen assoziiert sind. In der querschnittlichen Erhebung wurden neben somatischen Symptomen auch posttraumatische und depressive Symptome sowie Postmigrationsstressoren erfasst. Mittels multipler Regressionsanalysen in der Gesamtstichprobe und in Gruppen verschiedener somatischer Belastungsgrade (mild/moderat und schwer) wurden die Zusammenhänge zwischen den somatischen Symptomen und den psychobehavioralen B-Kriterien im Hinblick auf die Lebensqualität untersucht. Schlafprobleme und Schmerzen wurden am häufigsten als somatische Symptome genannt und über die Hälfte der Stichprobe erfüllte alle drei B-Kriterien der Somatischen Belastungsstörung. In der Gesamtstichprobe korrelierten stärkere depressive und somatische Symptome mit einer geringeren Lebensqualität, während die B-Kriterien damit nicht assoziiert waren. Allein die Gruppe mit einem schweren Belastungsgrad somatischer Symptome zeigte eine reduzierte Lebensqualität im Zusammenhang mit dem B-Kriterium Verhalten (exzessive Reaktionen auf körperliches Unbehagen). Letztlich erscheint das B-Kriterium Verhalten neben depressiven und somatischen Symptomen für asylsuchende Menschen mit schwerwiegenden somatischen Symptomen von besonderer Bedeutung für die Lebensqualität zu sein.
Die zweite Studie befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen ethnischer sowie institutioneller Diskriminierung, mentaler Gesundheit, Haarkortisolkonzentrationen (hair cortisol concentrations: HCC) und protektiven Faktoren bei asylsuchenden Personen. Sowohl auf der Flucht als auch im Aufnahmeland (hier Deutschland) macht diese Gruppe häufig diskriminierende Erfahrungen, die zu chronischen Stressreaktionen und einer Beeinträchtigung der mentalen Gesundheit führen können. Ein gängiges physisches Korrelat für die Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA-Achse) ist eine erhöhte Kortisolkonzentration im Haar. Die vorliegende Studie untersucht, ob die wahrgenommene Diskriminierung (aktiv, passiv, institutionell) mit der mentalen Gesundheit und den HCC Asylsuchender assoziiert ist. Dabei werden auch potenzielle protektive Faktoren wie soziale Unterstützung und die Identifikation mit der eigenen Gruppe berücksichtigt. Zur Erfassung der mentalen Gesundheit wurden somatische, depressive und posttraumatische Symptome erhoben. Mithilfe von multiplen Regressionsanalysen wurden die Variablen auf ihre Zusammenhänge hin überprüft. Die beiden protektiven Faktoren wurden als potenzielle Moderatoren in die Modelle aufgenommen. Alle Maße der psychischen Gesundheit korrelierten mit aktiver Diskriminierung und erhöhte depressive Symptome hingen mit allen drei Diskriminierungsformen (aktiv, passiv, institutionell) zusammen. Jedoch zeigte sich zwischen wahrgenommener Diskriminierung und HCC keine Assoziation. Eine geringere soziale Unterstützung hing zwar mit erhöhten Werten aller psychischer Symptome zusammen, jedoch konnte der Zusammenhang zu Diskriminierungserfahrungen durch soziale Unterstützung nicht abgefedert werden. Die mentale Gesundheit scheint durch Diskriminierungserfahrungen negativ beeinflusst worden zu sein, dieser Zusammenhang spiegelt sich aber nicht in erhöhten HCC wider.
Die dritte Studie präsentiert eine kurze, psychoedukative und transdiagnostische Gruppenintervention, die den Namen Teegarten (tea garden: TG) trägt. Das Ziel des TG ist die Vermittlung von Wissen über psychische Gesundheit, wobei ein besonderer Fokus auf einer kultursensitiven Einbettung für asylsuchende Personen unterschiedlicher Herkunft liegt. Neben Kultur- und Sprachbarrieren ist fehlendes Wissen über psychische Symptome und deren Behandlung häufig ein Grund dafür, dass betroffene Personen keine psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Die Evaluation des TG in Deutschland und Österreich zeigte dessen Durchführbarkeit und Akzeptanz. Eine quantitative Auswertung ergab außerdem, dass die Gruppenintervention sowohl von männlichen als auch weiblichen Teilnehmenden aus verschiedenen Herkunftsländern (z.B. Syrien, Afghanistan, Pakistan, Irak) als hilfreich empfunden wurde. Selbst solche Personen, die bereits einige Jahre in den Aufnahmeländern gelebt hatten, profitierten von den im Teegarten vermittelten Informationen. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften des Teegartens, kultursensitiv, transdiagnostisch und niederschwellig zu sein, kann dieser flexibel eingesetzt werden und betroffene Personen und jene ohne Symptome, die ihr erworbenes Wissen zur Unterstützung anderer nutzen können, gleichermaßen für psychische Erkrankungen sensibilisieren.
Es lässt sich zusammenfassend feststellen, dass asylsuchende Menschen eine Gruppe mit hoher psychischer Belastung darstellen. Zu den Faktoren, die sich auf die Lebensqualität und psychische Gesundheit auswirken, zählen unerklärte somatische Symptome sowie ethnische und institutionelle Diskriminierung. Die Behandlung psychischer Störungen sollte im Fokus der Versorgung stehen und Barrieren für die Inanspruchnahme wie beispielsweise fehlendes Wissen über Angebote sollten bestmöglich minimiert werden. Die vorliegende Dissertation zeigt mit der Vorstellung und Evaluation einer kultursensiblen, psychoedukativen Gruppenintervention eine Möglichkeit auf, diesem Problem zu begegnen. Zudem liefert sie neue Erkenntnisse für die Behandlungsplanung und Diagnostik geflüchteter Menschen mit unerklärten somatischen Symptomen und unterstreicht die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Diskriminationserfahrungen für die psychische Gesundheit dieser Personengruppe.Based on the research branch of transcultural clinical psychology, this dissertation examines factors that are related to the mental health of asylum seekers living in Germany. Additionally, it presents and evaluates a culturally sensitive psychoeducational group intervention to improve the mental health of asylum seekers in Germany and Austria.
The first study examines the effects of medically unexplained symptoms (MUS) and the B criteria (health anxiety, a catastrophizing cognitive style and/or excessive reactions to physical discomfort) of the DSM-5 diagnosis of somatic symptom disorder on the quality of life of asylum seekers living in Germany. A high prevalence of somatic symptoms, which are often associated with other mental disorders, can be observed in asylum seekers. In addition to somatic symptoms, the cross-sectional survey recorded posttraumatic stress and depressive symptoms as well as postmigration stressors. The study examined relationships between somatic symptoms and the psychobehavioral B criteria on quality of life using multiple regression analyses in the overall sample and in groups with different levels of somatic symptom stress (mild/moderate and severe). Sleep problems and pain were most frequently reported as somatic symptoms and over half the sample met all three B criteria for somatic symptom disorder. In the overall sample, stronger depressive and somatic symptoms were associated with a lower quality of life, while the B criteria were not associated with it. Only the group with a severe level of somatic symptom distress showed a reduced quality of life related to the B criterion behavior (excessive reactions to physical discomfort). Ultimately, the B criterion behavior, in addition to depressive and somatic symptoms, appears to be of particular importance for the quality of life of asylum seekers with serious somatic symptoms.
The second study examines the relationships between perceived ethnic and institutional discrimination, mental health, hair cortisol concentrations (HCC), and protective factors in asylum seekers. Both on the run and in the host country (here Germany), this group often faces discriminatory experiences, which can lead to chronic stress reactions and impaired mental health. A common physical correlate of hypothalamic–pituitary–adrenal axis (HPA) dysregulation is increased hair cortisol concentration. This study examines whether perceived discrimination (active, passive, institutional) is associated with the mental health and HCC of asylum seekers. Potential protective factors such as social support and in-group identification are also considered. The study recorded somatic, depressive and posttraumatic stress symptoms to assess mental health. The relationships between variables were examined using multiple regression analyses. The two protective factors were included in the models as potential moderators. All measures of mental health correlated with active discrimination, and increased depressive symptoms were related to all three forms of discrimination. However, no association was found between perceived discrimination and HCC. Although lower social support was related to increased levels of all psychological symptoms, the association with perceived discrimination could not be moderated by social support. Mental health appears to be negatively influenced by perceived discrimination, but this association is not reflected in increased HCC.
The third study presents a short, psychoeducational, transdiagnostic group intervention called tea garden (TG). The aim of the TG is to impart knowledge about mental health, with a particular focus on a culturally sensitive manner for asylum seekers from different backgrounds. In addition to cultural and language barriers, a lack of knowledge about psychological symptoms and their treatment is often a reason why affected people do not seek psychological help. The evaluation of the TG in Germany and Austria showed its feasibility and acceptance. A quantitative evaluation also showed that the group intervention was perceived as helpful by both male and female participants from different countries of origin (e.g. Syria, Afghanistan, Pakistan, Iraq). Even people who had already lived in the host countries for several years benefited from the information provided in the TG. Due to the specific characteristics of the TG of being culturally sensitive, transdiagnostic, and low-threshold, it can be used flexibly to raise awareness of mental illnesses among affected people and those without symptoms who can use their acquired knowledge to support others.
In summary, people seeking asylum represent a group with high psychological stress. Factors affecting quality of life and mental health include MUS and ethnic and institutional discrimination. The treatment of mental disorders should be the focus of care and barriers to utilization, such as a lack of knowledge about services, should be minimized as much as possible. This dissertation shows a way to address this problem by presenting and evaluating a culturally sensitive, psychoeducational group intervention. It also provides new insights for the diagnosis of and treatment planning for refugees with MUS, and underlines the need to take experiences of discrimination into account for the mental health of this group of people
Democratic resilience or retreat? A cross-area analysis
Forms of democratic backsliding can be observed in many parts of the world. However, some conclusions are overly sweeping or alarmist. A detailed case-based regional analysis reveals distinct patterns in this regard. This study highlights some recent findings from a longitudinal international research project, the Transformation Research Initiative “(TRI), which is now based at the Center for Research on Democracy (CREDO) at Stellenbosch University, South Africa. The project involves country and regional experts from all major world areas. The results presented here are derived from the Varieties of Democracy “(V-Dem) data at the macro level, World Values Surveys” (WVS) data on the micro level, and selected case studies. Only a few key findings can be presented here. For a detailed account, see van Beek (ed., 2022).Gefördert durch den Open-Access-Publikationsfonds der UB Marburg
Long‑term renal outcome of Cryopyrin‑associated periodic syndrome (CAPS) under anti‑Interleukin‑1 therapy
Cryopyrin-associated periodic syndromes (CAPS) are orphan hereditary auto-inflammatory diseases with various phenotypes, including chronic kidney disease (CKD). Current therapies inhibit interleukin-1 (IL-1) to achieve clinical and serological remission; however, the effect on kidney involvement remains unclear. The objective of this study was to investigate the long-term efficacy of anti-IL-1 treatment with special emphasis on renal outcome. We retrospectively analysed clinical, genetic and laboratory data of patients with CAPS under anti-IL-1 therapy from a single-centre university outpatient clinic. Patients with CAPS (n = 28) were followed for a median of 11 (IQR 8.5–13) years. Four patients at various ages (19%), bearing the most common CAPS mutation R260W, had significant CKD at presentation. All affected patients were related; however, other family members with the same genetic variant did not develop CKD. While anti-IL-1 therapy was effective in lowering symptom burden and inflammatory parameters in all CAPS patients, two of the four individuals with significant CKD had persistent proteinuria and worsening kidney function. None of the patients without renal affection at therapy initiation developed relevant CKD in the follow-up period. We showed that in patients with CAPS: (1) CKD is a common complication; (2) renal involvement shows familial predisposition beyond the mutational status and is independent of age; (3) anti-IL-1 therapy results in sustained improvement of inflammatory parameters and symptom load and (4) may prevent development of CAPS-associated CKD but not affect kidney involvement when already present. Overall, early therapy initiation might sufficiently prevent renal disease manifestation and attenuate progression.Gefördert durch den Open-Access-Publikationsfonds der UB Marburg
Die Besucherbücher der Odenwaldschule (1910-1933)
Die Besucherbücher der Odenwaldschule beginnen am 15. Mai 1910, also mit Gründung der Schule. Bis zum politischen Sieg der Nationalsozialisten im März 1933 waren sie auf 668 dichtbeschriebene Seiten angewachsen. Sieht man von den sicherlich auch vergessenen Eintragungen ab, so ist die Quelle vollständig, denn es gibt bis 1933 keine zeitlichen Lücken. Die eigenhändigen Einträge enthalten in der Regel Datum des Besuchs, Name und Vorname der Besucherinnen oder der Besucher. Hinzu kommen zumeist Angaben über Wohnort und akademische Titel (in Einzelfällen auch über den Beruf) sowie bei Ausländerinnen und Ausländern das Herkunftsland
Non invasive urine based diagnostics with volatile organic compounds
Hintergrund:
Eine Harnwegsinfektion ist ein sehr häufiges Krankheitsbild im ambulanten sowie stationären
Bereich weltweit und auch in Deutschland. Bis jetzt ist das Anlegen einer Urinkultur der
Goldstandard der Diagnostik. Die Auswertung dauert einige Tage. In dieser Zeit wird mit einer
kalkulierten antibiotischen Therapie behandelt. Dies führt zu einer Zunahme von Antibiotika
Resistenzen bei uropathogenen Keimen. Der Bedarf nach einer zeiteffizienteren, ebenso
kostenattraktiven und unkomplizierten diagnostischen Methode ist daher vorhanden. In
dieser Arbeit sollte thematisiert werden, ob eine Untersuchung des Urins hinsichtlich seiner
flüchtigen organischen Verbindungen eine mögliche Ergänzung oder Alternative zum aktuellen
Goldstandard der Diagnostik in Zukunft sein kann.
Methoden:
Im Hauptvergleich wurden 75 Urinproben mit einem vorliegenden Harnwegsinfekt und 25
Urinproben von Harntrakt-Gesunden bezüglich der VOC (volatile organic compounds)
untersucht. Die Analyse wurde mit zwei Verfahren durchgeführt; einmal mit der eNose
Cyranose 320, die über 32 Sensoren Widerstandsänderungen detektieren kann und so über
eine Mustererkennung (Smellprint) Proben voneinander unterscheiden kann. Die statistische
Auswertung und visuelle Darstellung erfolgte mithilfe der linearen Diskriminanzanalyse. Mit
dieser Methode wurden weitere Vergleiche wie nitrit-positiv vs. nitrit-negativ, unterschiedliche
Keimzahlen und Vergleiche von typischen uropathogenen Keimen durchgeführt. Im zweiten
Verfahren wurde der Headspace der Harnwegsinfektgruppe im Vergleich mit der
Kontrollgruppe mittels Ionen-Mobilitäts-Spektrometrie (IMS) analysiert. Charakteristische
Peaks wurden zur Unterscheidung der jeweiligen Gruppen gesucht und verwendet.
Ergebnisse:
Im Hauptvergleich Harnwegsinfekt vs. Kontrollgruppe konnte mit der Cyranose 320 eine
Sensitivität von 95% und lediglich eine Spezifität von 22% erreicht werden. 70 von 75
Harnwegsinfekten wurden als solche erkannt. Die Ergebnisse von exemplarisch gewählten,
typisch uropathogenen Keimen waren mit einer Sensitivität von 75-82% und einer Spezifität
von 70-90% vielversprechend. Eine bessere Erkennung eines Harnwegsinfektes als solchen bei
höherer Keimzahl lag nicht vor. Mit Hilfe der IMS und den Entscheidungsbäumen konnte mit
einer Sensitivität von 98% und einer Spezifität von 96% zwischen Kontrollgruppe und
Harnwegsinfektgruppe unterschieden werden.
Schlussfolgerung:
Es wurde geklärt, dass es generell möglich ist, eine Urinprobe mit einem vorliegenden
Harnwegsinfekt von einer Urinprobe ohne Bakterien mittels der Analyse von VOC zu
unterscheiden. Anschlussstudien mit größeren Fallzahlen sind notwendig. Weiterhin zu klären
ist, welche Messmethode den Weg in die alltägliche Diagnostik schafft und ob diese auf lange
Sicht die aktuelle Harnwegsinfekt-Diagnostik ergänzt oder sogar ersetzt. Ob einzelne
uropathogene Keime oder die Anzahl der KBE über VOC Analysen voneinander signifikant
unterschieden werden können, sollte ebenfalls weiter erforscht werden.Background:
An urinary tract infection (UTI) is a very common infectious disease in the in- and outpatient
setting worldwide and also in Germany. The gold standard in diagnostics is the urine culture. It
takes a couple of days to receive the results, during that time the patient is treated with a
calculated empiric antibiotic therapy. Thus antibiotic-resistance within uropathogenic bacteria
is growing. Therefore there is a need for a more time-efficient and also reasonable and
uncomplicated method. The purpose of this study is to clarify if urine-based analysis of volatile
organic compounds (VOC) could be an addition or even alternative to the current diagnostic
method in the future.
Methods:
The VOC of 75 urine samples with UTI were compared with 25 urine samples of urinary tract
healthy person. The analysis was performed with two different methods; one used was the
eNose Cyranose 320 with its 32 sensors which detects changes in resistance and differentiate
different samples with the help of pattern recognition (so called smellprint). The results were
statistically evaluated by means of linear discriminant analysis. Further comparisons were
made with the Cyranose 320 as between nitrite-positive and nitrite-negative, between
different quantities of colony forming units and between several representative uropathogenic
bacteria species. The second method used was an ion mobility spectrometry (IMS) to
differentiate characteristic measurement peaks in the headspace between UTI group and
control group.
Results:
The Cyranose 320 was able to detect 70/75 patients with an UTI correctly. Sensitivity to UTI
using the electronic nose was 95%, specificity reached only 22%. With a sensitivity of 75-82%
and a specificity of 70-90% the results of the tests of several uropathogenic bacteria species
were promising. There was no greater benefit in detecting an UTI with a higher bacterial count.
When using the decision tree, IMS reached a sensitivity of 98% and a specificity of 96%, where
the difference between control group and UTI group could be proved.
Conclusion:
It could be clarified that the discrimination of UTI urine samples from healthy controls by
analyzing VOC is feasible. Further research with larger number of samples is needed. It is still
open which analyzing method is the most fitting for daily diagnosis in addition to the current
standard or even in replacement of UTI diagnosis on the long term. Additional research will be
necessary to identify if it will be possible to differentiate significantly between the number of
colony forming units and individual uropathogenic bacteria species using VOC
Diagnostic efficacy of [99mTc]Tc-PSMA SPECT/CT for prostate cancer: a meta-analysis
Prompt and accurate diagnosis of prostate cancer (PCa) is of paramount importance for effective treatment planning. While Gallium-68 labeled prostate-specific membrane antigen (PSMA) positron emission tomography (PET)/computed tomography (CT) has proven efficacy in detecting PCa, limited availability poses challenges. As a potential alternative, [99mTc]Tc-PSMA single photon emission computed tomography (SPECT)/computed tomography (CT) holds promise. This systematic review and meta-analysis aimed to evaluate the diagnostic value of [99mTc]Tc-PSMA SPECT/CT for prostate cancer.
A comprehensive search of PubMed, Cochrane, EMBASE, Scopus, Ovid, and Web of Science databases was conducted until July 2024. Sensitivity and specificity data were extracted to assess the diagnostic accuracy of [99mTc]Tc-PSMA SPECT/CT, while the Quality Assessment of Diagnostic Accuracy Studies (QUADAS-2) tool was used to evaluate study quality. Statistical analyses were performed using STATA 18, with MetaDisc 1.4 employed to detect threshold effects. Diagnostic accuracy indicators, including sensitivity, specificity, diagnostic odds ratio (DOR), negative likelihood ratio (LR-), and positive likelihood ratio (LR+), were pooled. The area under the curve (AUC) of the combined model was calculated using summary receiver-operating characteristic (SROC) curves.
Seven studies meeting the inclusion criteria were identified from an initial pool of 1467 articles, with no publication bias observed. The pooled sensitivity, specificity, and AUC of [99mTc]Tc-PSMA SPECT/CT were found to be 0.89 (95% CI, 0.84–0.93), 0.92 (95% CI, 0.67–0.99), and 0.93 (95% CI, 0.90–0.95), respectively. Additionally, the comprehensive diagnostic odds ratio, diagnostic score, positive likelihood ratio, and negative likelihood ratio were calculated as 95.24 (95% CI, 17.30-524.41), 4.56 (95% CI, 2.85–6.26), 11.35 (95% CI, 2.31–55.71), and 0.12 (95% CI, 0.08–0.18), respectively.
In conclusion, our findings demonstrate that [99mTc]Tc-PSMA SPECT/CT exhibits favorable diagnostic performance for prostate cancer and can provide valuable supplementary information, particularly in regions and settings where [68Ga]Ga-PSMA PET/CT availability is limited, such as remote areas. These results highlight the potential of [99mTc]Tc-PSMA SPECT/CT as a valuable tool in the diagnosis and management of prostate cancer, warranting further investigation and validation in larger patient cohorts.Gefördert durch den Open-Access-Publikationsfonds der UB Marburg
Cottontail Rabbit Papillomavirus (CRPV) Related Animal Models for Head and Neck Cancer Research: A Comprehensive Review of the Literature
Having suitable animal models is crucial to mimic human disease states and for the successful
transfer of experimental data into clinical practice. In the field of papillomavirus research, the
domestic rabbit (Oryctolagus cuniculus) has served as an indispensable model organism for almost
100 years. The identification and characterization of the first papillomaviruses in rabbits, their carcinogenic
potential and their immunogenicity have contributed significantly to the state of knowledge
on the genetics and life cycle of papillomaviruses in general, as well as the development of antiviral
strategies such as vaccination procedures. Due to the high species specificity of papillomaviruses, only
rabbit papillomaviruses (RPVs) can be used for animal studies on papilloma-based tumor diseases
in the rabbit. The major focus of this article is on cottontail rabbit papillomavirus (CRPV)-related
rabbit squamous cell carcinoma (RSCC). A brief history outlines the discovery and generation of
experimentally used RSCC tumors. A comprehensive overview of the current CRPV-associated
VX2 carcinoma-based tumor models with a major focus on human head and neck squamous cell
carcinoma (HNSCC) tumor models is provided, and their strengths in terms of transferability to
human HNSCC are discussed.Gefördert durch den Open-Access-Publikationsfonds der UB Marburg
Vitamin B12 metabolism in epileptic patients treated with antiseizure medication
In Studien ergaben sich Hinweise, dass Anfallssuppressiva (ASM) einen Einfluss auf den Vitamin-B12-Metabolismus insbesondere auf Vitamin B12, Folsäure und Homocystein (Hcy) haben könnten. Diese relevanten Nebenwirkungen sollten genau erforscht werden, da zum einen bei frühzeitiger Erkennung verminderte Vitamine supplementiert werden könnten und zum anderen Hcy als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen gilt. Im Gegensatz zu „neueren“ ASM wurden die Einflüsse von „klassischen“ ASM wie Carbamazepin (CBZ) und Valproat (VPA) häufiger untersucht. Da die Studien jedoch zu kontroversen Ergebnissen kamen, gab dies Anlass zu weiteren umfassenden Untersuchungen. In dieser Arbeit wurden daher die Einflüsse häufig verwendeter ASM auf den Vitamin-B12-Metabolismus untersucht und mit der Literatur verglichen.
Retrospektiv wurden Daten von insgesamt 883 Personen ausgewertet, die in der Epilepsieambulanz des UKGM Marburg erhoben wurden. Eingeschlossen wurden ASM-Behandelte, bei denen eine Bestimmung diagnostischer Marker des Vitamin-B12-Metabolismus erfolgte. Dazu gehörten stets der Vitamin-B12- und Folsäure-Serumspiegel sowie in einigen Fällen zusätzlich Hcy, Holotranscobalamin (HoloTC) und Methylmalonsäure (MMA). Nach statistischer Korrektur von Alter und Geschlecht wurden mittels Kovarianzanalyse (ANCOVA) Mittelwertunterschiede der diagnostischen Marker zwischen CBZ, Lamotrigin (LTG), Levetiracetam (LEV) und VPA in Monotherapie (MT) untersucht. Zusätzlich wurde der Einfluss der Dosis bzw. des Serumspiegels von neun ASM in Kombinationstherapie (KT) mithilfe einer multiplen linearen Regression (MLR) ermittelt.
In den Ergebnissen zeigten sich signifikant niedrigere Folsäure-Spiegel unter CBZ (p < 0,001) verglichen mit anderen ASM in MT und KT. Die Daten legen nahe, dass eine orale Folsäure-Supplementation den Serumspiegel ausgleichen könnte. Unabhängig von Vitamin B12 und HoloTC lag ein signifikant höherer MMA-Spiegel unter TPM vor. Zudem zeigte sich unter VPA ein signifikant höherer Vitamin-B12-Spiegel, einhergehend mit höherem HoloTC und niedrigerem MMA. All diese Effekte waren sowohl von der ASM-Dosis als auch vom ASM-Spiegel abhängig. LTG, LEV, Lacosamid (LCM), Oxcarbazepin (OXC), Pregabalin (PGB) und Zonisamid (ZNS) zeigten hingegen keine relevanten Einflüsse auf die gemessenen Serumspiegel.
Analog zu gesichteten Studien hatte auch in der vorliegenden Arbeit CBZ einen negativen Einfluss auf den Folsäure-Spiegel, was zu erhöhten Hcy-Spiegeln führen kann, auch wenn dieser Effekt hier aufgrund der geringen Fallzahl nicht signifikant war. Im Gegensatz zu vorausgegangenen Studien, die teils verminderte Vitamin-B12- und Folsäure-Spiegel bei erhöhtem Hcy-Spiegel unter TPM zeigten, war in dieser Arbeit vorwiegend MMA signifikant erhöht, während die anderen Marker des Vitamin-B12-Metabolismus keine relevanten Veränderungen zeigten. Unter VPA zeigten sich höhere Vitamin-B12- und HoloTC-Spiegel, während niedrigere MMA-Spiegel vorlagen. Weiterführende Studien zu den zugrundeliegenden Mechanismen für die erläuterten Ergebnisse sowie zur Klärung der klinischen Relevanz sollten insbesondere bzgl. der höheren MMA-Spiegel unter TPM und der höheren Vitamin-B12-Spiegel unter VPA durchgeführt werden.
Der Vitamin-B12-Metabolismus sollte insbesondere unter CBZ, TPM und VPA engmaschig überwacht und bei Mangel eine Supplementation eingeleitet werden. Aufgrund des Folsäure-reduzierenden Effekts von CBZ und dem damit verbundenen Hcy-Anstieg sollte eine Therapieindikation kritisch geprüft und bei weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren andere ASM bevorzugt werden.In previous studies, increasing evidence has emerged suggesting that antiseizure medication (ASMs) may have an impact on vitamin B12 metabolism particularly on vitamin B12 itself, folic acid, and homocysteine. These relevant side effects should be thoroughly investigated, as reduced vitamin levels could be easily supplemented, and homocysteine is considered an independent risk factor for cardiovascular diseases. In contrast to newer ASMs, the influences of traditional ones such as carbamazepine and valproate were examined more frequently. However, studies yielded controversial results, which prompted further and comprehensive investigations. Therefore, this study aimed to test the influences of commonly used ASMs on the metabolism of vitamin B12 and compare them with existing literature.
Data from a total of 883 epilepsy outpatients at the university hospital of Marburg (UKGM) were analyzed retrospectively. All individuals treated with ASMs, for whom diagnostic markers of vitamin B12 metabolism were measured, were included. These markers consistently involved vitamin B12 and folate serum levels, and in some cases, additionally homocysteine, holotranscobalamin and methylmalonic acid. Following statistical adjustments for age and gender, two approaches were employed. Using analysis of covariance (ANCOVA), mean differences in diagnostic markers between carbamazepine, lamotrigine, levetiracetam, and valproate taken as monotherapy were examined. In a second step, the influence of dose or serum levels of nine ASMs taken in combination therapy was assessed using multiple linear regression.
The results showed significantly lower folate levels in patients taking carbamazepine (p < 0.001) compared to other ASMs both in monotherapy and combination therapy. Data of this study suggests that oral folate supplementation could potentially normalize serum levels. Without influencing vitamin B12 and holotranscobalamin levels, significantly higher methylmalonic acid levels were observed in patients taking topiramate yielded in multiple linear regression. Additionally, valproate demonstrated significantly higher vitamin B12 levels, associated with higher levels of holotranscobalamin and lower methylmalonic acid. All effects were found to be dependent on both ASM dose and serum levels. Lamotrigine, levetiracetam, lacosamide, oxcarbazepine, pregabalin and zonisamide on the other hand exhibited no relevant influences on the measured values.
In comparison to other studies, the decreasing impact of carbamazepine on folate, potentially leading to elevated homocysteine levels, is approved, although it did not reach a level of significance in this study due to small sample sizes. While in previous studies patients with a therapy of topiramate exhibited reduced vitamin B12 and folate serum levels combined with elevated homocysteine levels, in this study predominantly methylmalonic acid levels were increased while other markers of vitamin B12 metabolism did not show relevant changes.
Increased levels of vitamin B12 and holotranscobalamin were found in patients taking valproate while methylmalonic acid levels were reduced.
To investigate the underlying mechanisms and clinical relevance of the results further studies are necessary, especially regarding higher methylmalonic acid levels in patients taking topiramate and higher vitamin B12 levels in patients taking valproate.
Therefore, vitamin B12 metabolism should be monitored closely in patients taking carbamazepine, topiramate and valproate, and supplementation should be initiated in case of deficiency. Due to the folate-reducing effect of carbamazepine and the associated increase in homocysteine, indications should be critically examined and different ASMs should be preferred in case of additional cardiovascular risk factors