Publikationsserver der UB Marburg
Not a member yet
601 research outputs found
Sort by
Zwischen Text und Rezeption: Perspektiven digitaler Literaturwissenschaft
Der Beitrag verortet die Methodik der Digitalen Literaturwissenschaft zwischen Einzeltext- und Korpusanalyse und erläutert, warum ein zugleich text- und datenbasierter Ansatz auch Daten aus der Rezeption integrieren sollte. Dazu werden beispielhafte Untersuchungen aus der Forschungsbiographie des Autors skizziert. Es wird gezeigt, dass die Herstellung analysefähiger Datensätze hermeneutische Entscheidungen notwendig macht. Die Perspektiven Digitaler Literaturwissenschaft werden im Spannungsverhältnis von Optimierungsproblemen und Ergebnisorientierung diskutiert.
The article situates the methodology of digital literary studies between single text and corpus analysis and explains why a simultaneously text- and data-based approach should also integrate data from reception. To this end, exemplary studies from the author’s own research biography are outlined. It is shown that the production of data sets suitable for analysis requires hermeneutic decisions. Perspectives of digital literary studies are discussed between optimization problems and result orientation.
Textanalyse im Data-driven Turn: Von den Anfängen bis zum wahrscheinlichen Ende der datengeleiteten Korpuslinguistik
Der Beitrag skizziert die Genese der maschinellen Textanalyse in der germanistischen Sprachwissenschaft seit den 2000er Jahren aus der autobiographischen Perspektive der Autoren. Er thematisiert die Kritikpunkte, die im Forschungsfeld bei ihrer Einführung erhoben wurden, und die Widerstände gegen den sich mit den Verfahren maschineller Textanalyse etablierenden Denkstil. Darüber hinaus wird auch der Wandel der Forschungskultur, etwa durch kollektives Publizieren, unternehmerisches Denken, interdisziplinäre Offenheit und Popularisierung durch Wissenschaftskommunikation, als begünstigender Faktor für Verbreitung computationeller Verfahren beschrieben. Die Autoren vertreten die These, dass die maschinelle Textanalyse durch eine Metadisziplinarität geprägt ist, die sich normativ aus dem Datengebot, dem Offenheitsgebot und dem Standardisierungsgebot speist. Ihre Methodengetriebenheit schützt sie vor fachlicher Disziplinierung. Der Beitrag endet mit einem skeptischen Blick in die Zukunft angesichts des LLM-Schocks.
The article outlines the evolution of computational text analysis in German linguistics since the 2000s from the autobiographical perspective of the authors. It addresses the points of criticism that were raised in the field of research when it was introduced and the resistance to the style of thought that became established with the methods of data-driven text analysis. In addition, the change in research culture, for example through collective publishing, entrepreneurial thinking, interdisciplinary openness and popularization through science communication, is described as a favorable factor for the spread of computational methods. The authors argue that computational text analysis is characterized by a meta-disciplinarity that is normatively fed by the data imperative, the openness imperative and the standardization imperative. Its method-driven nature protects it from being disciplined by demands from specific fields. The article ends with a skeptical view of the future in view of the LLM shock
Verschwiegenes Reden? Wie Jugendliche im institutionellen Kontext (nicht) über ihre Gewalterfahrung sprechen
Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern der institutionelle Raum einer Schutzeinrichtung für Jugendliche die Art und Weise mitbestimmt, wie diese über erlebte interfamiläre Gewalterfahrung sprechen. Ziel ist die empirische Skizzierung von Strukturmerkmalen dieser Sprachweisen über Gewalt. Erzählungen über die eigene Gewalterfahrung werden hierbei als eine kommunikative Gattung begriffen. Anhand empirischer Rekonstruktionen einzelner Erzählpassagen wird gezeigt, wie subjektive Gewalterfahrungen im institutionellen Raum als sinnvoll kommuniziert werden. Der Beitrag stellt damit erste empirische Konzepte vor, die zeigen auf welche Weise die Erzählenden auf die institutionelle Rahmung der Schutzeinrichtung, insbesondere dessen Übergangscharakter, Bezug nehmen.
This article examines the extent to which the institutional framework of a protective facility for young people influences the way in which they talk about their experiences of interfamilial violence. The aim is to empirically outline the structural features of these ways of speaking. Narratives about one\u27s own experience of violence are understood here as a communicative genre. Empirical reconstructions of individual narratives are used to show how subjective experiences of violence are communicated as meaningful in the institutional framework. The article thus presents initial empirical findings that show how the narrators refer to the institutional framing, in particular its transitional character
Das Projekt „Digitale Langzeitverfügbarkeit im Bibliotheksverbund Bayern“ und die Herausforderungen bei der Etablierung von Langzeitverfügbarkeit von Forschungsdaten
Mit der zunehmenden Digitalisierung der Forschung und der damit verbundenen Etablierung eines nachhaltigen Forschungsdatenmanagements rücken auch die Aspekte einer digitalen Langzeitverfügbarkeit verstärkt in den Fokus. Dieser Praxisbericht erläutert verschiedene Herausforderungen, die beim Aufbau einer Infrastruktur für die Langzeitverfügbarkeit von Forschungsdaten auftreten können. Davon ausgehend werden mögliche Lösungsansätze zur Bewältigung der festgestellten Herausforderungen und der damit verbundenen dauerhaften Etablierung einer nachhaltigen Infrastruktur vorgeschlagen, die im Rahmen des bayerischen Modellprojekts „Digitale Langzeitverfügbarkeit im Bibliotheksverbund Bayern“ entwickelt wurden, um sowohl eine langfristige Erhaltung als auch zukünftige Nutzbarkeit von Forschungsdaten zu ermöglichen
Forschungsdaten im Wechsel der Jahreszeiten: LZVxCoscine.nrw als Wegbereiter für Langzeitverfügbarkeit von Forschungsdaten
In Forschungsprojekten werden häufig Forschungsdaten erhoben, deren Erhaltungswert über eine reine Speicherung (Bit Stream Preservation) hinausgeht. Forschende sind dabei auf einen Service angewiesen, der die Langzeitverfügbarkeit (LZV) von Forschungsdaten möglichst von Beginn und ohne einen Wechsel der Plattform entlang des Forschungsdatenlebenszyklus sicherstellt, indem er eine kontinuierliche und dauerhafte Interpretierbarkeit sowie vielfältige Nachnutzbarkeit gewährleistet. Die Sicherstellung dieser langfristigen Perspektive stellt eine erhebliche technische und organisatorische Herausforderung dar, für deren Erfolg die Bündelung der Kompetenzen des FDM-Projekts Coscine.nrw und des LZV-Projekts LZV.nrw unerlässlich ist. Im Artikel stellen wir das avisierte Projekt LZVxCoscine vor, in dessen Rahmen der Funktionsumfang der FDM-Plattform Coscine um erforderliche LZV-Funktionen, wie Risikomanagement, Monitoring, LZV-Metadatenprofile und Kurationsprozesse erweitert werden soll. Dadurch soll in Kooperation der RWTH Aachen University und dem Hochschulbibliothekszentrum NRW eine zukunftsorientierte kooperative und skalierbare Informationsinfrastruktur geschaffen werden, die in effizienter Weise die LZV von erhaltenswerten Forschungsdaten sichert und dadurch eine entscheidende Grundlage für innovative und nachhaltige Wissenschaft erhält
Book Review: Anne Eßer (ed.): In Texten wildern: Slash oder die Erotisierung fiktiver Stoffe durch Fangemeinden
-
Digital Classics und quantitative Semantik: Eine Reise mit Serendipity
Anhand von Fragen zu Konzepten der antiken politischen Semantik, der Zuordnung von Fragmenten und anonymen Texten aus der antiken Historiographie und Literatur wird in dem Beitrag gezeigt, wie Methoden des String Matching von Buchstaben- und Wort-N-Grammen, des Topic Modeling und des Wordembeddings (Word2Vec) sowie verschiedener Visualisierungsmöglichkeiten (Stylo, Gephi) mit hermeneutischen Interpretationen so verbunden werden können, dass die Ergebnisse dieser Methodenverbindung nicht nur zu neuen inhaltlichen Erkenntnissen führen kann, sondern auch für die klassischen Textwissenschaften zu einer erheblichen Erweiterung des Methodenspektrums führt. Diese Perspektivenerweiterung resultiert nicht nur aus Serendipitätsgewinnen, sondern lässt sich auch systematisch durch Abduktion begründen.
Based on questions concerning concepts of ancient political semantics, the attribution of fragments and anonymous texts from ancient historiography and literature, the article shows how methods of string matching of letter and word n-grams, topic modeling and word embedding (Word2Vec), as well as various visualization options (Stylo, Gephi) can be combined with hermeneutic interpretations in such a way that the results of this combination of methods can not only lead to new content-related findings, but also to a considerable expansion of the spectrum of methods for classical text sciences. This broadening of perspective results not only from gains in serendipity, but can also be systematically justified by abduction
Die Normalität ist eine gepflasterte Straße: Argumentationsanalytische Untersuchung eines Offenen Briefs gegen antidiskriminierenden Sprachgebrauch in Österreich
In diesem Beitrag wird die österreichische Debatte rund um die so genannte ÖNORM A 1080 (Richtlinien für die Textgestaltung) des Austrian Standards-Institutes vom Jahr 2014 aus argumentativer Perspektive beleuchtet. Ein Komitee der Normierungsinstitution schlug damals eine Änderung der ÖNORM A 1080 vor und wollte damit die Möglichkeiten antidiskriminierender Schreibweisen in öffentlichen Texten erheblich einschränken. Antidiskriminierende Formulierungen hätten durch das pseudogenerische Maskulinum ersetzt beziehungsweise durch eine sogenannte Generalklausel substituiert werden sollen. Die hauptsächliche Stoßrichtung hatte zum Ziel, einem befürchteten „Wuchern“ neuerer Formen – z. B. solcher, die Geschlechtspluralität sprachlich darstellen – Einhalt zu gebieten. Eine derartige Norm hätte beispielsweise zur Folge gehabt, dass beim Erstellen von Schulbüchern künftig wieder das pseudogenerische Maskulinum empfohlen worden wäre. Folge dieses Vorschlags war ein medialer Diskurs, in welchem echte und vermeintliche Expert*innen Stellung bezogen. Nach eingehender Diskussion, die vor allem auch in einem Dialogforum von Austrian Standards stattfand, wurden die geplanten Änderungen schließlich ausgesetzt.
Die im Dunkeln sieht man nicht: Braille in Sprachwissenschaft und Mediendiskurs zwischen Ausblendung und Anormalisierung
Taktile Schriftkommunikation ist eine Form der Kommunikation, die bis heute ganz besonders „unter dem Radar“ kommunikationstheoretischer Wahrnehmung liegt. Dies gilt sowohl für die akademische Perspektive der Sprachwissenschaft als auch für die alltagsweltliche Perspektive, die wir in Mediendiskursen nachvollziehen können. Der Beitrag nimmt beide dieser Perspektiven kritisch in den Blick und arbeitet spezifische und gemeinsame Kommunikationsideologien heraus, welche die verbreitetste für taktile Kommunikation verwendete Schrift, Braille, betreffen. Der Beitrag argumentiert, dass Braille – und damit auch deren Nutzer:innen – in beiden Diskursbereichen, wenn die Schrift überhaupt thematisiert wird, systematisch anormalisiert und teilweise auch pathologisiert werden. Wir zeigen, dass dies in visuozentrischen Graphie-Ideologien begründet ist, und diskutieren die Konsequenzen für die Schrifttheorie und Schriftlinguistik, die eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit Braille und taktiler Schriftkommunikation hätte.
Tactile writing is a form of communication which keeps on staying “under the radar” of (meta-)communicative attention. This holds true both for the academic perspective of linguistics and for the life-world perspective which manifests in mass-media discourse. This paper scrutinizes both these perspectives and reveals specific and common ideologies of communication which are assigned to the most popular script used in tactile writing, viz. braille. We argue that braille – and hence its users – are being a-normalized and often also pathologized in both arenas of discourse, if they are being perceived at all. We further argue that this can be traced back to visuocentric graphic ideologies and discuss which consequences it would have for scriptal theory and research if we would take braille and tactile writing more seriously
„du bist ÄLter als ich dann beNIMM dich auch so“: Soziale Indexikalität und Reflexion zu koreanischer Höflichkeit von Deutsch-Koreaner:innen
Dieser Beitrag untersucht, wie Deutsch-Koreaner:innen der zweiten Generation koreanische Höflichkeit in ihrem transnationalen Leben wahrnehmen, reflektieren und wie sie sich mit den Höflichkeitsideologien der koreanischen Sprachkultur auseinandersetzen und dazu positionieren. Dieser Beitrag fokussiert auf Höflichkeit als soziale Praxis und auf die Indexikalitäten der Höflichkeit, wodurch ein statisches, kulturspezifisch determiniertes Verständnis von Höflichkeit hinterfragt wird. Anhand von Sprachbiografien aus narrativen Interviews mit Deutsch-Koreaner:innen werden Praktiken und Sprachideologien koreanischer Höflichkeit analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass koreanische Höflichkeitspraktiken in diesem Kontext auf asymmetrische Machtverhältnisse, auf Sozialisationsmittel durch Herkunftssprachenideologien und auf Aushandlungsmarker koreanischer Authentizität verweisen. Aus praxisorientierter und soziometapragmatischer Perspektive wird Höflichkeit als habitualisierte und normalisierte Kommunikationsnorm hinterfragt.
This article examines how second-generation Korean Germans perceive and reflect on Korean politeness in their transnational lives and how they engage with and position themselves on the politeness ideologies of Korean language culture. This article focuses on politeness as a social practice and the indexicalities of politeness, thereby questioning a static, culturally predetermined understanding of politeness. Based on the language biographies of Korean Germans collected through narrative interviews, the practices and language ideologies related to Korean politeness are analyzed. The results show that Korean politeness practices in this context refer to asymmetrical power relations, to means of socialization through heritage language ideologies and to negotiation markers of Korean authenticity. From a practice-oriented and socio-metapragmatic perspective, politeness as a habitualized and normalized communication norm is reconsidered