Edition Romiosini/CeMoG
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Das Leben im Grabe
Das Leben im Grabe erschien zum ersten Mal 1924 auf Lesbos und gehört zum Kanon der neugriechischen Literatur. Bereits im Titel, der sich auf einen populären Psalm aus der Orthodoxen Karfreitagsmesse bezieht, deutet sich die Programmatik des Romans an: Die 57 Kapitel – ›Manuskripte‹ bzw. ›Briefe‹ des Feldwebels Antonis Kostoulas an seine Verlobte auf Lesbos, die von einem fiktiven ›Herausgeber‹ veröffentlicht werden, beschreiben das monotone Leben und die Brutalität der Kämpfe in den Schützengraben des Ersten Weltkrieges und stellen zugleich Patriotismus und nationalen Mythen sarkastisch infrage; lyrische Erinnerungen an das Leben auf der nordägäischen Insel fungieren als Intermezzi, aber auch als Kontrast, um die Grausamkeit der Schlacht noch plastischer zu schildern. Dass man von Anfang an weiß, die Tagebuchseiten werden die geliebte Frau, für die sie aufgezeichnet wurden, nie erreichen, stärkt die dramatische Ironie.
Der Roman, der in einer Reihe mit den antimilitaristischen Werken von Barbusse und Remarque steht, wurde durch die faschistische Diktatur 1936 sowie während der deutschen Besatzung Griechenlands auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Mittlerweile ist er zum Klassiker geworden und wurde in zahlreichen Sprachen übersetzt.
Stratis Myrivilis: Das Leben im Grabe
Übersetzung aus dem Griechischen von Ulf-Dieter Klemm. Mit einem Vorwort von Niki Lykourgou und einem Nachwort des ÜbersetzersOriginaltitel: Η ζωή εν τάφω (1930
Lebewohl, Anatolien
Manolis Axiotis ist ein junger Mann, patent, ehrlich und direkt. Er ist Christ und Grieche, aber Türkisch ist seine zweite Muttersprache, sein bester Freund ein Türke. Als ihn sein Vater nach Izmir schickt, um bei einem griechischen Händler in die Lehre zu gehen, wird ihm klar, dass es Betrüger oder ehrliche Menschen gibt, unabhängig davon, ob sie Christen oder Moslems sind.
Doch die Zeitumstände sind ungünstig: Der Erste Weltkrieg kommt, das Osmanische Reich zerfällt, in Kleinasien soll ein türkischer Nationalstaat entstehen. Alle Nicht-Moslems, wie Manolis und seine Brüder, werden eingezogen, aber nicht an die Front, sondern in Arbeitslager geschickt. Manolis erlebt Szenen der Brutalität an Griechen und Armeniern, unterbrochen von Momenten der Menschlichkeit. Marodierende Deserteure und rachsüchtige Bauern gibt es ebenso wie pflichtbewusste Ärzte und liebenswürdige Großgrundbesitzer. Als nach dem Ende des Weltkrieges die griechische Armee in Kleinasien einmarschiert, wiederholen sich die Szenen der Gewalt und Unterdrückung, nur diesmal umgekehrt …
Der in Griechenland und der Türkei beliebte und mehrfach preisgekrönte Roman von Dido Sotiriou, einer osmanischen Griechin aus Anatolien, analysiert eine pathologische Entwicklung der Geschichte: Wie kommt es in einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft zu ethnischen und religiösen „Säuberungen“? Wie leicht ist der Übergang von Zivilisation zu Barbarei? Nach der Lektüre der zahlreichen Szenen – Lebensstationen eines osmanischen Griechen -, weiß man: Ob in Kleinasien, auf dem Balkan, im Nahen Osten oder anderswo, die Mechanismen bleiben die gleichen.
Dido Sotiriou: Lebewohl, Anatolien
Übersetzung aus dem Griechischen von Inge van Meerendonk. Mit einem Nachwort von Maria Nikolopoulou und einer Erläuterung zum historischen Hintergrund von Dilek GüvenOriginaltitel: Ματωμένα χώματα (1962
Steuerlose Städte - 1: Der Club
Jerusalem, Kairo und Alexandria, drei Städte im Kriegszustand, sind die Schauplätze der drei Romane Der Club, Ariagni, Die Fledermaus, die zu den wichtigsten Werken der neugriechischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehören. Das Zeitfenster der Handlung beträgt 23 Monate, von Juni 1942 bis Mai 1944, als die Revolte der griechischen Exilstreitkräfte in Ägypten und Palästina, die am Ende des Zweiten Weltkriegs die Errichtung einer Regierung der nationalen Einheit anstrebten und gegen die griechische und englische royalistische Militärführung revoltierten, endgültig scheiterte.
Mit seinem als work in progress verfassten Hauptwerk verfolgte Tsirkas das Ziel, das historische Versagen der Revolte von April 1944 zu verteidigen, auf die „die freie Welt keinen Grund hat, stolz zu sein, und die Historiker gerne vertuschen“ (René Etiemble). Im Zentrum der Trilogie steht Manos Simonidis, ein griechischer Offizier und jungintellektueller Schriftsteller. Mitten im Krieg und im kulturellen und ideologischen Schmelztiegel des Nahen Ostens versucht er, der Dekadenz der Vorkriegswelt zu entgehen und sich von der ideologischen Starre seiner Parteifreunde zu distanzieren. Zweifel, Verluste, Freundschaft und Abneigung sowie die Liebe zu zwei Frauen begleiten seinen Weg bis in den griechische Bürgerkrieg hinein.
Die drei Romane vermitteln die europäische Moderne nach Griechenland. Zugleich steht Tsirkas‘ Trilogie in intertextuellem Dialog mit der Poesie von Kavafis und Seferis. Er erschafft einen polyphonen narrativen Kosmos, ein System vielfältiger Stimmen und Perspektiven.
Die Steuerlosen Städte gehen uns alle an. Er vermittelt mehr als eine Ahnung von den Kämpfen um Freiheit in finsteren Zeiten und auch von der Vergeblichkeit dieses Kampfes. Wenn wir ihn zu Ende gelesen haben, wissen wir sehr viel mehr über das Verhältnis von Widerstand und Repression, von Liebe und Krieg, von Hoffnung wider alle Hoffnung. (Joachim Sartorius)
Stratis Tsirkas: Steuerlose Städte – 1. Der Club
Übersetzung aus dem Griechischen von Gerhard Blümlein. Mit einem Vorwort von Joachim Sartorius und einem Anhang mit historischen Erläuterungen, Anmerkungen und GlossarOriginaltitel: Ακυβέρνητες Πολιτείες. Η Λέσχη (1961
Die deutsch-griechischen Beziehungen im Bereich der Wissenschaft: Geschichtlicher Überblick und aktueller Stand
Als Höhepunkt seiner nach außen gerichteten Arbeit veranstaltet das Centrum Modernes Griechenland einmal pro Jahr eine CeMoG Lecture, die an herausragende Geisteswissenschaftler und Personen des kulturellen Lebens vergeben wird.Im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Centrum Modernes Griechenland (CeMoG) hielt Prof. Dr. Vassilios Skouris (Präsident des Gerichthofs der Europäischen Union) am 6. Juni 2014 die erste CeMoG Lecture zum Thema "Deutsch-griechische Beziehungen im Bereich der Wissenschaft. Geschichtlicher Überblick und aktueller Stand".
Vassilios Skouris: Die deutsch-griechischen Beziehungen im Bereich der Wissenschaft: Geschichtlicher Überblick und aktueller Stand
Zweisprachige Ausgabe: deutsch und griechisch ("Ελληνογερμανικές σχέσεις στο πεδίο της επιστήμης. Ιστορική επισκόπηση και σημερινή κατάσταση") Übersetzung aus dem Deutschen von Olga Bezantakou
Lass es dir gut gehen
Das Überleben der Familien hängt an den Frauen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verlassen Alexo und ihre jüngste Schwester Sofja mit sieben weiteren Frauen ihr griechisches Dorf an der albanischen Grenze, um Essbares zu beschaffen. Doch die Jüngste schafft den Rückweg nicht mehr und muss bei Verwandten in einem Nachbardorf überwintern. Wenig später wird die Grenze zwischen Griechenland und Albanien geschlossen. Sofja muss den Rest ihres Lebens ganz in der Nähe ihrer Familie, aber durch den Eisernen Vorhang getrennt in einer der strengsten und absurdesten Diktaturen Europas verbringen.
Fast vierzig Jahre später kann ihr Enkel in einer Gruppe von Hunderten Flüchtlingen Albanien verlassen und illegal nach Griechenland fliehen: Nach langen Fußmärschen im Schnee sehen sie sich alarmierten Grenzsoldaten und aufgebrachten Bauern gegenüber, sie werden interniert, ihr Leben hängt von Behörden und zwischenstaatlichen Abkommen ab. Der einzige Ausweg ist eine erneute Flucht nach Athen, wo finanzielle Ausbeutung und soziale Ausgrenzung sie erwarten. Einziger Hoffnungsschimmer ist ein junger Mann, der den Erzähler freundlich anspricht und ihm Bustickets in die Hand drückt...
Der viel gelobte Roman von Sotiris Dimitriou aus dem Jahr 1993 erzählt Geschichten und schafft Bilder, die das aktuelle Flüchtlingsdrama ebenso vergegenwärtigen wie das Leben dreier Generationen in zwei verschiedenen Welten.
Sotiris Dimitriou: Lass es dir gut gehen
Übersetzung aus dem Griechischen von Birgit Hildebrand. Mit einem Vorwort von Maria Margaronis und einem Nachwort der ÜbersetzerinOriginaltitel: Ν’ ακούω καλά τ’ όνομά σου (1993
Die Amorgos-Verschwörung: Eine wahre Geschichte
In den ersten Jahren der griechischen Militärdiktatur wird unter mehreren Regimegegnern auch der Zentrumspolitiker und ehemalige Minister Georgios Mylonas verhaftet und ins Exil auf die Insel Amorgos geschickt. Der junge Ehemann seiner Tochter Eleni, Elias Kulukundis, Spross einer Reeder-Familie und Auslandsgrieche, will ihn befreien, trotz der Waghalsigkeit der Unternehmung und seiner konservativen Familie – oder gerade deswegen. Dafür reist er quer durch Europa, von der Schweiz bis Zypern und von England bis Italien, und nimmt auf eigene Faust Kontakt mit emigrierten Politikern und Widerstandsorganisationen auf. Schließlich organisiert er, getarnt als dänischer Tourist – ohne Dänischkenntnisse und mit einem schwarzen Vollbart – mithilfe einer Gruppe italienischer Aktivisten die Segelbootreise, um den Gefangenen zu befreien.
Die Amorgos-Verschwörung ist nicht bloß ein Bericht über diese abenteuerliche Reise im griechischen Archipel, sondern auch über eine düstere Zeit, über Dissidenten, die später zu Politprotagonisten wurden, wie etwa Andreas Papandreou, Konstantinos Mitsotakis und Melina Mercouri. Sie zeichnet zugleich ein lebendiges Bild des Widerstandkampfes im Ausland wider und die Selbstfindungsreise eines jungen Idealisten.
Elias Kulukundis: Die Amorgos-Verschwörung. Eine wahre Geschichte
Übersetzung aus dem Englischen von Barbara Heller. Mit einem Nachwort von Vangelis KaramanolakisOriginaltitel: The Amorgos Conspiracy. A True Story (2013) [H συνωμοσία της Αμοργού, 2012
Schiffbrüchige und andere Erzählungen
Nachdem der Schrottkahn, der sie über die Ägäis schmuggelt, untergegangen ist, retten sich Asmat und ihre kleine Nichte mit einer schwimmenden Tür auf eine Insel. Asmats Geschichte in der neuen Heimat und ihre Beziehung zu einem jungen Mann werden von einem Autor aufgeschrieben, dem all das von einem Blinden erzählt wurde, der es miterlebt haben will; »… erzählt Postonlen«, heißt es immer wieder, und dieses Mantra, in die Literaturgeschichte durch Tabucchis Pereira eingeschrieben, macht sichtbar, dass alles, was wir lesen, aus dritter Hand kommt. Ob das Fragmentarische der Novelle von Dimitris Nollas sich auch daraus erklärt, sei dahingestellt. Fest steht jedoch: Die geflüchtete Asmat verändert das Leben der kleinen Inselgesellschaft, und als sie nicht mehr da ist, ist der Verlust größer, als alle ahnen konnten.
Schiffbrüchige, 2009 veröffentlicht, nimmt die sogenannte Flüchtlingskrise vorweg: »Asmat war ein Vorbote und hatte vor ihrer Zeit gesprochen, so wie die Dichtung« heißt es gegen Ende der Novelle in einem Kapitel, in dem auch weitere, ausgesprochen düstere Zukunftsvisionen ausgemalt werden.
Dimitris Nollas: Schiffbrüchige und andere Erzählungen
Übersetzung aus dem Griechischen von Birgit Hildebrand und Hans Eideneier. Mit einem Nachwort von Elisavet Kotzia.Originaltitel: Ναυαγίων πλάσματα (1990