Repository of Hochschule Neu-Ulm Einfache Suche / Simple Search
Not a member yet
5498 research outputs found
Sort by
Developing a strategic communications concept focusing on branding for the e-commerce company tuulzone GmbH
Digitalisierung mit Hindernissen: Perspektiven auf Digitalisierungsprojekte im Sozial- und Gesundheitswesen
Hintergrund: Das Sozial- und Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen (z.B.
Fachkräftemangel, demographischer Wandel). Digitalisierung wird in diesem Zusammenhang
als eine zentrale Möglichkeit gesehen, die Versorgung zu verbessern, Prozesse zu optimieren
und (Arbeits)Belastungen zu mindern. Dennoch bleibt der Digitalisierungsgrad in diesem
Sektor bislang gering. Viele Digitalisierungsprojekte verharren im Prototyp-Stadium und
entfalten keine nachhaltige Wirkung.
Zielsetzung: Die vorliegende Interviewstudie untersucht, wie Digitalisierungsprojekte im
Sozial- und Gesundheitswesen umgesetzt werden, mit welchen Herausforderungen Beteiligte
konfrontiert sind und welche Faktoren von diesen als erfolgskritisch angesehen werden.
Methode: Im Rahmen der Studie wurden 6 leitfadengestützte, semi-strukturierte
Experteninterviews durchgeführt und nach Kuckartz‘ qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.
Die Teilnehmenden verfügten über ausreichend praktische Erfahrung in der Konzeption und
Umsetzung von Digitalisierungsprojekten im Sozial- und Gesundheitswesen. Die Rekrutierung
erfolgte an größeren Einrichtungen.
Ergebnisse: Die Analyse zeigt, dass Digitalisierungsprojekte häufig als technische
Einzelmaßnahme ohne strategische Einbettung durchgeführt werden. Es mangelt an
übergeordneten Digitalisierungsstrategien, an benannten Verantwortlichen (z.B.
Digitalisierungsbeauftragte) sowie an institutionellen Strukturen (z.B. Arbeitskreise oder
Projektgruppen). Der Fokus liegt vielfach auf der Einführung spezifischer Technologien. Die
Notwendigkeit, Prozesse strukturell und organisatorisch weiterzuentwickeln, wird erkannt,
bleibt aber teils unberücksichtigt. Oft werden situativ Lösungen eingeführt, um akute Probleme
schnell zu lösen. Diese sind auf Grund einer fehlenden Digitalisierungsstrategie oft nicht
nachhaltig und bleiben Prototypen oder „Insellösungen“. Die Bedeutung eines begleitenden
Change-Managements wird von Teilnehmenden zwar erkannt, eine systematische Umsetzung
findet jedoch in deren Einrichtungen selten statt. Zudem besteht ein hoher Bedarf an der
Förderung digitaler Kompetenzen, da bestehende Schulungsangebote häufig projektbezogen
und nicht flächendeckend sind. Partizipative Ansätze, etwa die Pilotierung neuer Technologien
in einzelnen Einrichtungen oder Abteilungen, werden als sinnvoll beschrieben, stoßen
allerdings aufgrund fehlender personeller, finanzieller oder zeitlicher Ressourcen an ihre
Grenzen. Eine professionelle Projektleitung sowie der Einbezug der Endanwender (KoKreation, Partizipation) gelten als zentrale Erfolgsfaktoren.
Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis: Die Ergebnisse verdeutlichen,
dass Digitalisierungsprojekte im Sozial- und Gesundheitswesen derzeit unter schwierigen
Rahmenbedingungen durchgeführt werden. Fehlende Routine in der Projektumsetzung, begrenzte Ressourcen sowie die noch junge Institutionalisierung entsprechender Strukturen
stellen zentrale Herausforderungen dar. Eine Erweiterung der Studie mit einer größeren Stichprobe könnte weiterführende Erkenntnisse bringen und zur Entwicklung systematischer
Vorgehensweisen in Digitalisierungsprojekten in dieser Domäne beitragen
Innovative und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen im Sozial- und Gesundheitswesen schaffen: Der Ansatz des regionalen Kompetenzzentrums KompIGA
Setting der Forschungs-Praxis oder der Zukunftsprojekte: Komplexe Veränderungen
prägen die Arbeitswelt wie nie zuvor. Der Fachkräftemangel, die Digitalisierung,
zunehmende Diversität aber auch Entwicklungen in der Professionalisierung von
Gesundheitsfachberufen führen zu vielfältigen Herausforderungen, welche von Einrichtungen
im Sozial- und Gesundheitswesen bewältigt werden müssen.
Ziel des Projekts: Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte
Regionale Kompetenzzentrum für innovative und gesunde Arbeit im Sozial- und
Gesundheitswesen der Region Alb-Bodensee-Iller (KompIGA; Förderzeitraum: 2024-2029)
nimmt sich dieser Herausforderungen an. Im Fokus steht die Entwicklung, Erprobung und
Evaluation praxisbezogener Lösungsansätze im Sinne von New Work. Dadurch soll die
Implementation zukunftsweisender Arbeitsgestaltungskonzepte gefördert werden. Ziel ist es,
ein Kompetenzzentrum für strategische, humane und innovationsförderliche
Arbeitsgestaltung zu etablieren, welches das Sozial- und Gesundheitswesen bei der
Bewältigung der zunehmenden Veränderungen der Arbeitswelt unterstützt.
Herausforderungen und/oder Erfolgsfaktoren: Das Projektkonsortium setzt sich aus vier
Hochschulen und sechs Anwendungsunternehmen zusammen, um eine nachhaltige
Transformation der Arbeitswelt im Sozial- und Gesundheitswesen zu erreichen. Dies kann
aber nur in einem gemeinsamen Vorgehen mit den Einrichtungen und deren Beschäftigten
gelingen. Daher werden intelligente Formate der Organisationsentwicklung umgesetzt und
wissenschaftlich begleitet. In einem partizipativen Forschungsansatz arbeiten Vertreter:innen
aus Wissenschaft und Praxis gemeinsam an Use Cases, in welchen die Entwicklung bzw.
der Transfer von Maßnahmen und Strategien zur Förderung einer innovativen und gesunden
Arbeitsgestaltung im Sozial- und Gesundheitswesen im Vordergrund stehen. Die konkrete
Umsetzung innerhalb des Konsortiums fußt auf folgenden Aspekten: (1) Systematische
Analyse der organisationalen Rahmenbedingungen, (2) Anpassung und Einführung
evidenzbasierter Konzepte im Bereich der Arbeitsgestaltung, (3) modellhafte Pilotierung bzw.
Validierung der erarbeiteten Konzepte in weiteren Praxiseinrichtungen und damit verbunden
(4) die Entwicklung und Erprobung von Transferstrategien.
Schlussfolgerung: Die bisherigen Erkenntnisse lassen vermuten, dass regionale
Kompetenzzentren als Katalysatoren für einen Wissenstransfer von der Forschung in die
Praxis und vice versa fungieren können. Durch die enge Verzahnung von Forschung und
Praxis entstehen praxistaugliche Instrumente zur Arbeitsgestaltung, die den spezifischen
regionalen Anforderungen gerecht werden. Die entwickelten Transferstrategien sollen
wiederum eine Übertragbarkeit und Implementierung der gewonnenen Erkenntnisse in
weitere Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens ermöglichen