ForAP: Forschungsergebnisse von Absolventen und Promovierenden der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
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Double Dimensionality: Unveiling Dominique Rankin’s Journey of Diagnosing and Healing in His Autobiography "They Called Us Savages" (2020)
Dominique Rankin, the Anicinape author and one of the last hereditary chiefs, published his autobiography They Called Us Savages in 2020 and this article examines its two dimensions: On the one hand, how he (re)constructs his individual identity through diagnosing and writing about his traumatic experiences at the Saint-Marc-de-Figuery Residential School. On the other hand, how he expands this individual healing to a collective one by transforming his retrospective endeavor into a medium of social communication. Therefore, it is intended to foster intra, inter and non-Indigenous coping with the assimilationist ideologies of the Canadian government and the Catholic Church. To foster this aspect in greater depth, he contrasts European knowledge systems with Indigenous cosmology while reflecting on the collaborativenexus between state and faith. Consequently, he negotiates and mediateshis individual, as well as a collective self-conscious, healed and proudIndigenous Canadian identity
Die lesbische Vampirin: Queere Ost-West-Dichotomien in Sheridan LeFanus "Carmilla"
Der vorliegende Beitrag analysiert die Verschränkung des in der Forschung bereits ausgiebig untersuchten lesbischen Aspekts in Sheridan LeFanus Carmilla mit dem bislang noch wenig thematisierten Ost-West-Konflikt. Die Imagination der Steiermark als konträr zu Westeuropa stehende osteuropäische Region und die Verwendung einer Vampirin als Antagonistin eröffnen eine Ebene, auf der die im Viktorianismus tabuisierten Themen weibliche Homosexualität und Gendertransgression dargestellt werden können. Denn als einer osteuropäischen Vampirin inhärente Eigenschaften durften sie textuell existieren und konnten aus der westlichen Heimat des Autors und Lesepublikums ausgelagert werden
Vorwort
Bereits zum achten Mal in Folge publiziert die Zeitschrift ForAP Forschungsergebnisse von ausgewählten herausragenden Promotionen und Abschlussarbeiten der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Regensburg, um sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Denn wie die folgenden Beiträge zeigen, kann nicht nur in Dissertationen innovativ geforscht werden, sondern auch im Rahmen von Bachelorarbeiten, etwa wenn eigene Umfragen erhoben werden oder wenn die Gegenstände so aktuell sind, dass sie bisher kaum untersucht wurden. Damit diese Erkenntnisse, Perspektiven und Ansätze nicht wie üblich in den Archiven und Bibliotheken verschwinden, erhalten sie hier ein Schaufenster, das zugleich als Auslage der forscherischen Vielfalt und Breite der Fakultät dient. Denn ForAP möchte nicht nur nach außen, sondern auch nach innen kommunizieren. Nicht immer erfahren die Lehrenden der Fakultät, welche Themen Kollegen und Kolleginnen betreuen, und ahnen daher oft nicht, wie viele Berührungspunkte zwischen den einzelnen Fachbereichen existieren. Hier schlummern zahlreiche Möglichkeiten engerer Zusammenarbeit, die mitunter kaum erkannt und dementsprechend selten genutzt wurden
Sölring – Die Stellung der friesischen Varietät auf Sylt
Der vorliegende Beitrag fragt danach, welche Bedeutung der Minderheitensprache Sölring, einer Varietät des Friesischen auf Sylt, auf der Urlaubsinsel noch zukommt und inwiefern seine Stellung verbessert werden könnte. Sölring gilt zwar als autochthone Sprache auf der Insel Sylt, wurde jedoch durch die zunehmende Bedeutung des Niederdeutschen und schließlich Standarddeutschen in der Region als Standardsprache immer weiter verdrängt. Es wird untersucht, inwiefern sich Maßnahmen wie zweisprachige Ortstafeln, Straßenschilder und Schulunterricht für den Schutz des Friesischen auf Sylt eignen. Interviews und Umfragen weisen auf einen kontinuierlichen Verfall des Sölrings auf Sylt hin
Language Change in Polish: From Genitive to Accusative Marked Objects. A Synchronic Corpus Study
Since the second half of the twentieth century, scholars have observed a growing tendency to use the accusative instead of the genitive as a case for the object of several Polish verbs. The study provides synchronic corpus data supporting the observation of an incremental shift in case government of certain Polish verbs (e.g. potrzebować: to need) and aims to illuminate the phenomenon based on the theoretical notion of transitivity. On the basis of empirical data gathered from a web corpus from 2019, the current state of the progression is outlined, indicating which semantic and morphological groups of verbs are affected, and, if so, to which extent. It is shown in this paper that, in the standard usage of Polish, the object is marked in the genitive when its affectedness is low (i.e. in events low in transitivity), whereas it appears in the accusative when its affectedness is high (i.e. in events exhibiting high transitivity). However, in colloquial Polish, there is a tendency to no longer indicate this distinction, and, in a process of analogical change, the use of the accusative as a structural case (i.e. mainly expressing the syntactic function of objecthood) becomes prevalent. The results of the corpus study suggest that only some groups of verbs governing the genitive case are affected, and that case government is also linked to the semantics of the object and the frequency of the collocation
Zeugnisliteratur italienischer NS-Opfer. Zur Briefkommunikation von Verfolgten des Transportes 81 Bozen – Flossenbürg
Im Zentrum des vorliegenden Beitrags stehen Ego-Dokumente italienischer NS-Opfer, konkret die Briefe der politisch Verfolgten des sogenannten Transportes 81 vom Lager Bozen ins Konzentrationslager Flossenbürg im September 1944. Auf Basis einer umfangreichen Quellenrecherche in privaten und öffentlichen Archiven wurde ein Korpus zusammengestellt, das Briefkommunikation aus italienischen Gefängnissen, dem Durchgangslager Bozen und dem KZ-Lagerkomplex Flossenbürg umfasst. Die Analyse arbeitet inhaltliche, sprachliche und materielle Charakteristika der Briefe heraus und geht auf Besonderheiten der Texte ein, die auf die spezifischen Bedingungen des Schreibens in Gefangenschaft zurückzuführen sind
Grenzbereiche rechtspopulistischer Medienpraxis? Markus Söders Onlinekommunikation auf Instagram
Der unmittelbare Zusammenhang zwischen sozialen Medien und dem Aufschwung rechtspopulistischer Weltanschauungen kristallisiert sich in der dazu vorliegenden Forschung als zunehmend evident heraus. Dieser Beitrag möchte anhand der qualitativen Analyse des Instagram-Auftritts des derzeitigen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder einen Grenzbereich rechtspopulistischer Medienpraxis in den Blick nehmen und diesen hinsichtlich der Bedeutung für die zunehmende Gesellschaftsfähigkeit und Normalisierung rechtspopulistischer Kommunikation und Narrative untersuchen. Als Grundlage dienen einerseits die medientechnologischen Ausführungen der Terrorismusforscher Maik Fielitz und Holger Marcks sowie andererseits die am Begriff der Metapolitik orientierten Überlegungen des Medienwissenschaftlers Simon Strick
Gemeinsames Werden mit Tauben. Ethnografische Erkundungen von Mensch-Tier-Begegnungen in urbanen Nature-Culture Borderlands
Als Ratten der Lüfte genießen Stadttauben vielerorts keinen guten Ruf. Die vielseitigen Verdrängungsmaßnahmen und Konflikte, die sich rund um ihre Anwesenheit in urbanen Räumen entspannen, sagen dabei immer auch etwas über Natur-Kultur-Verhältnisse und Raumaushandlungen spätmoderner Städte aus. Der vorliegende Beitrag nähert sich diesen Aspekten anhand der Begegnung von Menschen und Stadttauben und folgt ihnen an drei exemplarische Orte: Bahnhöfe, städtische Balkone und in den Taubenschlag an der Universität Regensburg. Die Begegnungen gestalten sich dabei ganz unterschiedlich – teils nur flüchtig, teils führen sie zu Mietkonflikten, teils zeigen sie alternative Wege des Zusammenlebens auf, die auf Zusammenarbeit und Fürsorge beruhen. Sie werden dabei im Hinblick auf ihre kulturelle und historische Situiertheit anhand des Analysebegriffs der Nature-Culture- Borderlands untersucht, der die konflikthaften Aushandlungen symbolischer Grenzen deutlich macht
Jenseits der Grenzen: Mensch-Tier-Beziehungen in ausgewählten Werken von Tolstoj und Kafka
Der vorliegende Beitrag untersucht, wie der Mensch-Tier-Dualismus in ausgewählten Werken von Lev Tolstoj und Franz Kafka hinterfragt wird. Anhand von thematischen Parallelen und Unterschieden wird gezeigt, dass sich beide Autoren intensiv mit der Beziehung zwischen Mensch und Tier sowie der inneren Animalität des Menschen auseinandersetzen. Während Tolstoj in Krieg und Frieden, Anna Karenina und Der Leinwandmesser die Entwicklung von Tieren, die zunächst eine symbolische Funktion innehaben, zu empfindungsfähigen und moralisch relevanten Wesen inszeniert, betonen Kafkas Erzählungen, darunter Die Verwandlung, Ein Bericht für eine Akademie und Der Bau, durch ihre Figuren als Hybridwesen die kulturelle Konstruktion der Mensch-Tier-Grenze. Der Vergleich zeigt, dass bei Tolstoj die symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Tier im Vordergrund steht, während bei Kafka die Überwindung der Mensch-Tier Dichotomie fokussiert wird. Beide Autoren betonen die ethische Dimension tierischer Existenz und lassen sich mit Schopenhauers Mitleidsethik in Verbindung bringen. Die literarischen Techniken rücken dabei das Leiden von Tieren ins Zentrum der ethischen Reflexion, was dazu einlädt, traditionelle Vorstellungen von Animalität zu überdenken und zu erweitern
Die Subversion weiblicher Geschlechterrollen in Charlotte von Steins Dido
Charlotte von Stein wird vorrangig als Geliebte Goethes erinnert, wobei ihre eigene Dramenproduktion oft als rein biographisches Zeugnis betrachtet wird. Der folgende Beitrag zeigt anhand der Tragödie Dido, dass ihre Autorschaft nicht nur an die private Beziehung zu Goethe gebunden war. Denn zentral für das Stück ist nicht die oft analysierte Goethe-Karikatur, sondern die Auseinandersetzung mit Geschlechterkonzeptionen und weiblichen Rollenerwartungen. Deutlich wird dies in von Steins Wahl der justinischen Stofftradition, der Aufwertung weiblicher Herrschaft im Gegensatz zur männlichen Gewaltbereitschaft und der Ablehnung einer Funktionalisierung der weiblichen Figur für männliche politische Zwecke