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Bildung selbstverständlich? Ein Autodidakt gegen alle Widerstände
Jakob Senn wuchs Mitte des 19. Jahrhunderts im Zürcher Oberland auf. Der Junge aus armen Verhältnissen hatte einen ungewöhnlich grossen Bildungshunger. Obwohl er fast keine Schulbildung erhielt und Bücher auf dem Land Mangelware waren, erreichte er sein Ziel Schriftsteller zu werden
Dialäktatlas – 1950 bis heute
Sprichst du noch so wie deine Grosseltern? Der neue Dialäktatlas zeigt auf, wie sich die schweizerdeutschen Dialekte in den letzten Jahrzehnten verändert haben. In einer Kombination von traditioneller Feldforschung und modernen Technologien wie Smartphone-Apps und Zoom wurden Sprachdaten von über 1000 Personen von Basel bis Bosco / Gurin und von Salgesch bis Diepoldsau gesammelt und analysiert. Wie haben sich Aussprache, Wörter, Grammatik und die Sprache im Alltag verändert? Welche Unterschiede gibt es zwischen den Regionen und Generationen? In über 500 Karten werden 166 Phänomene fundiert und zugleich leicht verständlich vorgestellt. So öffnet der Dialäktatlas ein Fenster zur Vielfalt und zum Wandel der Dialektlandschaft des Schweizerdeutschen. Zum wissenschaftlichen SNF-Projekt, aus dem der Dialäktatlas entstanden ist, siehe www.sdats.ch
Evaluation Pilotprojekt «Schulen mit integrativen Prozessen» (SchiP) in Burgdorf - Bericht 2024
Die Maschine ist politisch. KI, Demokratie und Bildung
Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz sorgte in jüngster Vergangenheit für Aufsehen und wirft bedeutende Fragen auf, welche die demokratischen Grundwerte herausfordern. Schlagzeilen wie «Der Open-AI-Chef warnt vor der KI der Zukunft» (NZZ, 30.05.23), «Jeder Zweite sieht Demokratie durch KI bedroht» (Zeit Online, 11.05.23), «Ist Künstliche Intelligenz die bessere Demokratin?» (Handelsblatt, 21.07.22) und «Können KI und direkte Demokratie nebeneinander bestehen?» (Swissinfo, 20.06.22) sind nur einige Beispiele für die vielschichtige Diskussion über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf unsere politischen Systeme.
Diese Debatten rücken drängende Fragen in den Mittelpunkt: Welche Folgen haben die neuen technologischen Innovationen für aktuelle demokratische Systeme? Und wie kann eine demokratische Gesellschaft, die an der Förderung und nicht am Abbau demokratischer Prinzipien interessiert ist, damit umgehen?
In der vorliegenden Ausgabe des POLIS – Magazin für Politische Bildung beschäftigen wir uns damit. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle der Schulen im Umgang mit diesen neuen Entwicklungen. Wie werden KI-Anwendungen an heutigen Schulen genutzt? Mit welchen Facetten dieser Entwicklung muss sich die Politische Bildung auseinandersetzen? Und inwiefern ist dies aus einer demokratischen Perspektive relevant?
Unsere Beiträge sollen zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Eine fundierte Auseinandersetzung mit den Möglichkeits- und Wirkungsfeldern der Lernenden Systeme – insbesondere im Bereich der politischen Kommunikation – ist entscheidend für die Zukunft demokratischer Gesellschaften
Die Pensenreduktion als Aushandlungsort "guter" Elternschaft. Neuaushandlungen von Verantwortlichkeit zwischen schulischen Akteur*innen und Eltern im Kontext von Ungleichheitsverhältnissen
Der Artikel befasst sich mit der Aushandlung von Unterrichtspensen1 zwischen schulischen Akteur*in- nen und Eltern auf der Schuleingangsstufe in der Schweiz. In der Mehrzahl der Schweizer Kantone wurde in den letzten Jahren das Schuleintrittsalter vorverlegt. Im Zuge der früheren Einschulung von Schü- ler*innen wurden die reduzierten Unterrichtspensen im ersten obligatorischen Schuljahr in der schwei- zerischen Bildungslandschaft zunehmend bedeutsam. Diese Thematik wird in der vorliegenden Unter- suchung aus einer subjektivierungsanalytischen Perspektive untersucht. Dabei werden zwei zentrale Aspekte aufgezeigt: Erstens wird dargestellt, inwiefern sich über neue Mitsprachemöglichkeiten von El- tern bei Unterrichtspensen Prozesse der Responsibilisierung (Jergus 2018) für Familien manifestieren. Zweitens wird anhand von zwei kontrastierenden Fallbeispielen herausgearbeitet, inwiefern sich diese Prozesse der Responsibilisierung im Kontext von Ungleichheitsverhältnissen für Familien unterschied- lich manifestieren
Zur Machtförmigkeit von schulischen Coachinggesprächen in individualisierten Schul- und Unterrichtssettings
Coachinggespräche gelten als wirksames Mittel, um Schüler:innen in individualisierten Schul- und Unterrichtssettings zu begleiten und in ihrer Selbständigkeit zu fördern. Als Form der Beratung und Begleitung ins Offene allerdings scheinen sie an den Grenzen des Pädagogischen angesiedelt zu sein; im Theoriekontext werden sie bisweilen gar als Umkehrung der pädagogischen Situation begriffen. Bis anhin liegen jedoch nur wenige Untersuchungen vor, die die Praxis schulischen Coachings ins Auge fassen würden. Der vorliegende Beitrag versucht auf der Basis von 19 Coachinggesprächen in drei Schulen und einer sequenzanalytischen Rekonstruktion eines Einzelfalles allgemeinere Strukturmerkmale von schulischen Coachinggesprächen herauszuarbeiten. Konversationsanalytisch untersucht er das spezifische Adressierungsgeschehen in einer Gesprächssequenz, um dieses dann diskursanalytisch auf die zugrundliegenden Normen, Wissensformationen und Subjekts- und Machtpositionen zu befragen. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Figuren des autonomen Selbst in den Gesprächen aufgerufen und in welchem Zusammenhang diese zu schulischen Bezugsnormen und pädagogischen Leitlinien stehen. Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten schulischen Coachinggespräche als Kontrollinstrumente fungieren, in denen gouvernementalitätstheoretisch Techniken der Führung und der Selbstführung ineinandergreifen. In den Gesprächen werden sowohl die Fähigkeit wie der Wille zur Selbststeuerung rechenschaftspflichtig und Selbständigkeit als Leistung evaluiert und als Norm affirmiert. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass die pädagogische Einwirkung auf Leistungswille, (Arbeits-)Verhalten und Haltung im personalisierten und privatisierten Beratungsraum des Coachings nicht aussen vor gelassen wird. Auf schulischem Terrain laufen Coachinggespräche vielmehr Gefahr, als Gefässe intensivierter Erziehung zu dienen
Mathematik kooperativ spielen, üben, begreifen
In den ersten Schuljahren sind Austausch, gemeinsames Suchen nach Lösungen und Entscheiden wegleitend für das Mathematiklernen. Dies lässt sich sehr gut mit spielerischen Ansätzen umsetzen, in denen Ziele kooperativ in der Gruppe erreicht werden. Es gibt zwar bereits Spiele zu mathematischen Grundfertigkeiten, diese setzen jedoch auf Wettbewerb und beinhalten kaum substanzielle mathematische Herausforderungen. Bereits erschienene substanzielle mathematische Lernumgebungen fokussieren wiederum nur selten auf kooperatives, spielerisches Lernen.
Die Lernumgebungen in diesem Band sind so designt, dass Ziele nur gemeinsam erreicht werden und die Kinder sich als Teamplayer erleben. Die mathematischen Herausforderungen entstehen jeweils situativ: Durch Entscheidungen der Kinder, durch Zufall (z.B. Ziffernkarten ziehen) oder durch Abwägen verschiedener Möglichkeiten.
Der Band 1a «Mathematik kooperativ spielen, üben, begreifen» für die Schuljahre 1 bis 3 enthält über 30 erprobte Lernumgebungen zu zentralen Anliegen von Zahlenräumen, Operationen, Größen und Geometrie. Die Lernenden
• arbeiten für einmal nicht vereinzelt, sondern konsequent kooperativ.
• erschließen zentrale mathematische Inhalte in Lerngruppen spielerisch,
• suchen gemeinsam nach Lösungen und Wegen,
• entscheiden individuell und gemeinsam,
• entwickeln Strategien und entdecken mathematische Strukturen und
• automatisieren Grundfertigkeiten.
Die praxisorientierten Anregungen für kooperatives Mathematiklernen sind mit geringem Materialaufwand realisierbar. Sie richten sich an Studierende, und Lehrkräfte in der Grundschule. Lehrende an weiterführenden Schulen können die Inhalte zur weiteren Differenzierung einsetzen
Happy Hour: The association between trait hedonic capacity and motivation to drink alcohol
The (over)consumption of alcohol and other addictive substances is often conceptualized as a problem of low self-control (i.e., people’s inability to inhibit unwanted impulses). According to that view, people drink because they cannot resist. In the present studies, we approached this from a different perspective and tested whether alcohol consumption might also be a problem of low hedonic capacity (i.e., people’s inability to experience pleasure and relaxation, often due to intrusive thoughts). According to that view, people drink because it helps them enjoy or cope with negative thoughts or emotions. In two studies among individuals at low risk of harmful alcohol use (e.g., AUDIT < 7) we consistently found that trait hedonic capacity was unrelated to alcohol consumption but negatively related to coping motivation (drinking alcohol to cope with negative thoughts and feelings; Study 1: N = 348; Study 2: N = 302, preregistered). Exploratory analyses in study 2 (conducted during the COVID-19 pandemic) also showed that people with low, but not high, trait hedonic capacity drank more alcohol in response to stress. Our findings are in line with the notion that people’s drinking motivation and behavior might not only be a problem of poor self-control but also of low trait hedonic capacity. They align with a new direction in addiction prevention and treatment research, which explores ways to help people to seek out and savor hedonic experiences from non-drug related reinforcers (e.g., engaging in leisure activities)
Investigating the association between discrimination, internalizing symptoms, and alcohol use among Latino/a immigrants in the United States
Internalizing symptoms associated with anxiety and depression have been correlated with harmful alcohol use among Latino/as, but little attention has been paid to assessing the association between perceived discrimination and harmful alcohol use. The present study was designed to investigate the association between perceived discrimination, internalizing symptoms associated with anxiety and depression, and harmful alcohol use among Latino/a immigrants living in the United States (US). Our sample included 426 Latino/a immigrants. Their mean age was 40.05 years (SD = 6.50), 65.50% were women, 80.00% had a partner, 54.20% lived on less than $2,000 a month, and 41.50% reported having attained a college degree. Perceived discrimination was assessed using the Perceived Discrimination Scale, anxious symptoms were assessed using the GAD-7, depressive symptoms were assessed using the CES-D short form, and harmful alcohol use was assessed using AUDIT. We estimated a linear regression model using cross-sectional, self-reported data. The model was statistically significant, R 2 = 0.38, F (8, 425) = 32.09, p < 0.01. Discrimination was significantly associated with AUDIT scores, (β = 0.21, p < 0.01) after accounting for covariates and for symptoms of anxiety and depression. Our results indicate that experiences of discrimination in the US are associated with increased harmful alcohol use even after controlling for other variables. These findings may be useful in designing coping interventions specifically for Latino/a immigrants to reduce the risk of alcohol use disorder. This study also has political and public health implications for acknowledging the detrimental health consequences of experiencing discrimination, providing support to the position that reducing racism and discrimination represent important public health priorities
Differenzsensible Annäherung an Lebenswelten - das Projekt "Reporter*innen unterwegs"
Der Beitrag legt da, wie Kinder und Jugendliche in einem partizipativen, sozialraumorientierten Projekt ihr Quartier erkunden und Studierende sie dabei begleiten. Während Erstere ihre Ideen artikulieren und sich bei der Umsetzung als möglichst selbstwirksam erfahren, stehen für die Studierenden im Sinne der Professionalisierung die individuelle Begleitung und eine differenzsensible Begegnung mit unterschiedlichen Lebenswelten im Fokus