aliceOpen – Der Publikationsserver der Alice Salomon Hochschule Berlin
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Rassismusforschung II
Rassismus ist nicht nur eine individuelle Herausforderung für einzelne Menschen, sondern wirkt auch tief in gesellschaftliche Institutionen und Strukturen hinein. Doch wie erscheint Rassismus in konkreten Kontexten? Die Beiträger*innen liefern einen interdisziplinären Überblick zu Bereichen wie Bildung, Soziale Arbeit, Kultur, Wirtschaft und Justiz. Überdies nehmen sie mit künstlicher Intelligenz und Klimakrise auch Phänomene in den Blick, die bislang eher selten mit Rassismus zusammengedacht werden. Die im Rahmen des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) entstandenen Analysen bieten hochrelevante Erkenntnisse zu den Erscheinungsformen, Kontinuitäten und Folgen von Rassismus in Deutschland
Was umfasst die Beteiligung von Kindern im Kinderschutz?
Das Beteiligen von Kindern im Kinderschutz erzielt nur dann positive Effekte, wenn es auf unterschiedlichen Ebenen als eine eigenständige Qualitätsdimension bedacht wird. Dabei stehen die Akteur:innen im Kinderschutz erst am Anfang eines weiterführenden Lern- und Gestaltungsprozesses, in dem grundlegende begriffliche Rahmungen, die besonderen Bedingungen in Fällen von Gefährdung und Gewalt sowie die entsprechenden Haltungen, Kompetenzen und Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden müssen, um die geltenden Beteiligungsrechte von Kindern in der Kinder- und Jugendhilfe zuverlässig sichern zu können
Reframing Narratives: Anti-trafficking from the ground up
"Reframing Narratives: Anti-Trafficking from the ground up" is the first edition of an annual Global Alliance Against Traffic in Women (GAATW) publication series. This series will provide a unique GAATW perspective on emerging issues in the anti-trafficking field. Rather than ranking anti-trafficking responses or estimating case numbers – tasks better suited to others – we focus on sharing the experiences and efforts of our members and allies to combat trafficking around the world.
This inaugural issue explores the formal and informal mechanisms that shape migrant and trafficked people’s access to justice. While formal justice systems provide essential protections for migrant women facing exploitation, many women navigate alternative routes to seek redress, safety, and recognition. This issue explores the interaction between legal systems and real lives. It shares the experiences of practitioners in pursuing cases on behalf of migrant women, the reasons for their efforts and the outcomes. This issue starts as we mean to go on, centred on the experiences of migrant women and those who work alongside them. In so doing, we share their many (in)formal pathways to justice
Careleaving Voices
Die vorliegende Arbeit setzt an der Beobachtung an, dass Jugendliche aus Wohngruppen in Hilfeprozessen regelmäßig zum Erzählen ihrer persönlichen Fallgeschichte aufgefordert werden. Davon ausgehend, dass diese sich institutionell verformt, wird im Rahmen eines machtsensiblen Forschungsdesigns danach gefragt, was Care-Jugendliche umgekehrt über die Jugendhilfe zu sagen hätten, wenn sie möglichst unbefangen sprechen könnten. Um sich dieser Frage anzunähern, untersucht die vorliegende Arbeit aktuell im Eigenverlag herausgegebene Publikationen von Careleaver*innen, in denen diese von ihrem Leben in der Jugendhilfe berichten. Mit der Reflexiven Thematischen Analyse nach Braun und Clarke werden in Bezug auf die Fragestellung zentrale Bedeutungsstrukturen herausgearbeitet. Außerdem wird angesichts einer zunehmend autoritären Verrohung pädagogischer Diskurse gefragt, was eine subjektorientierte Soziale Arbeit aus diesen Erfahrungsberichten lernen könnte. Aus einem betroffenensensiblen Anliegen argumentierend, wurden auch die Autor*innen der Publikationen zur Kommentierung und Diskussion der Ergebnisse eingeladen. Dabei zeigt sich insgesamt, dass der stationären Jugendhilfe zwar potenziell ein neues Zuhause innewohnen kann, dieses jedoch durch die strukturelle Beziehungslosigkeit der Jugendhilfe- und Sozialsysteme kontinuierlich gefährdet ist. Trotz diverser Rechtsreformen liegt diesen eine systembedingte Unfähigkeit zu emotionaler und materieller Versorgung zugrunde. Noch ist die Jugendhilfe ihrem historisch strafenden Fundament ‚Heimerziehung‘ nicht entwachsen. Deswegen muss es, so das gemeinsam formulierte Fazit dieser Arbeit, perspektivisch darum gehen, ein System aufzubauen, was bedürfnisorientiert und dazu in der Lage ist, neben einem Zuhause auch Nähe und Sicherheit zu schenken. Die Arbeit zeigt mögliche Stellschrauben auf, um damit zu beginnen.
The present thesis is based on the observation that young people from residential groups are regularly asked to tell their personal case histories during support processes. Assuming that their narratives get institutionally shaped, a power-sensitive research design is used to ask what young people in care would have to say about youth welfare if they could speak as freely as possible. In order to approach this question, this study examines recent self-published publications by care leavers in which they report on their lives in youth welfare. Using Braun and Clarke's reflexive thematic analysis, central structures of meaning are identified in relation to the research question. Furthermore, in view of an increasingly authoritarian brutalization of pedagogical discourses, the thesis also addresses the question what subject-oriented social work could learn from these reports. Arguing from a subject-sensitive perspective, the authors of the publications were invited to comment on and discuss the results. Overall, the thesis demonstrates that although residential youth care can potentially provide a new home, this home is constantly at risk due to the structural lack of relationships in the youth welfare and social systems. Despite various legal reforms, these are based on a systemic inability to provide emotional and material care. Youth welfare has not yet outgrown its historically punitive foundation of 'Heimerziehung'. Therefore, according to the jointly formulated conclusion of this work, the aim must be to build a system that is needs-oriented and capable of providing closeness and security as well as a home. The thesis concludes by showing up possible ways to start doing this
Sexuelle Bildung in der Kita
Sexuelle Bildung ist inzwischen auch bei Kitateams präsent und findet als bedeutsamer Aspekt der gesamten Pädagogik Berücksichtigung. Um Kinder in ihrer sexuellen Entwicklung zu unterstützen, benötigen pädagogische Fachkräfte fundiertes sexualpädagogisches Wissen. Kindheitspädagog*innen und Erzieher*innen sollen Kindern und deren Familien als kompetente Begleiter*innen zur Seite stehen und Kinder sowohl in ihrer geschlechtlichen und sexuellen Selbstbestimmung stärken als auch schützen. Gegenwärtig gibt es zu den Themen der sexuellen Bildung jedoch kaum Angebote in Studium oder Ausbildung, wodurch kindlicher Sexualität in der pädagogischen Praxis häufig mit Unsicherheit und Scham begegnet wird. Dieser Artikel soll einen Beitrag dazu leisten, pädagogische Fachkräfte in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken und im Hinblick auf sexualitätsbezogene Fragestellungen im Kitaalltag zu unterstützen
Stellungnahme der Wissenschaftler*innen kindheitspädagogischer Studiengänge an EHB, ASH und KHSB zum neuen Entwurf des BBP und zum BeoKiz-Verfahren
Aus Sicht der wissenschaftlichen Vertreter*innen der Berliner Kindheitspädagogik-Studiengänge verdient das Berliner Bildungsprogramm (BBP) seit seiner ersten Fassung im Jahr 2004 bundesweit hohe Anerkennung als fortschrittlicher und vorbildhafter Rahmen für die Bildung, Erziehung und Betreuung in Kitas. Es hat über zwei Jahrzehnte hinweg Impulse gesetzt und die frühkindliche Bildung in Deutschland qualitativ erheblich vorangebracht haben. Eine aktuelle ifo-Studie zeigt, dass Berlin im bundesweiten Vergleich bei der Bildungsgerechtigkeit – gemessen am Chancenverhältnis zwischen Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft – mit 53,8 Prozent den besten Wert aller Bundesländer erreicht (Wößmann, Schoner, Freundl & Pfaehler, 2024). Dennoch begrüßen wir prinzipiell, dass das BBP kontinuierlich weiterentwickelt wird, um den aktuellen Status Quo empirischer Erkenntnisse zu Bildungs- und Entwicklungsprozessen zu berücksichtigen. Dabei müssen aber der konsequente Einsatz für eine inklusive Pädagogik sowie ein ganzheitliches Bildungsverständnis unbedingt erhalten bleiben
Resilienzförderung in Kitas: Grundlagen und Ansätze für Kinder von drei bis sechs Jahren
Resilienz stellt mittlerweile ein zentrales Thema in der pädagogischen Arbeit mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren dar. Die Förderung von Resilienz trägt dabei wesentlich zur positiven Entwicklung der Kinder bei und stärkt im weiteren Lebenslauf ihre Fähigkeiten, mit Herausforderungen unterschiedlicher Art umzugehen.
Anhand des vorliegenden Beitrags werden zunächst Diskussionen rund um den Begriff sowie theoretische Grundlagen zum Konzept der Resilienz dargestellt. Daran anknüpfend werden sowohl Schutz- als auch Risikofaktoren näher erläutert; ein Schwerpunkt liegt auf den wesentlichen Resilienzfaktoren. Diese stellen zentrale Ansatzpunkte für eine Resilienzförderung von Kindern im Kitakontext dar.
Dazu gehören alltagsintegrierte Ansätze zur Resilienzförderung, die Gestaltung einer resilienzförderlichen Umgebung und praktische Tools für den Kitaalltag. Nachfolgend wird die Rolle der pädagogischen Fachkraft im Kontext von Resilienzförderung und die Zusammenarbeit mit Familien näher beschrieben. Die Bedeutung von Beziehungs- und Interaktionsgestaltung als wesentliche Grundlage von Resilienzförderung steht dabei im Mittelpunkt. Abschließend werden beispielhaft spezifische Programme und Kurse zur Resilienzförderung, wie sie in Kindertageseinrichtungen genutzt werden können, erläutert
Meta-Forschung zum Thema Qualität und Wirkung aktiver Beteiligung von Bürger:innen in der Gesundheitsforschung
International und in Deutschland kommen im Feld der Gesundheitsforschung unterschiedliche beteiligende Ansätze zum Einsatz, wie Ansätze der Partizipativen Gesundheitsforschung, der betroffenenkontrollierten und emanzipatorischen Forschung, der Aktionsforschung, der Citizen Science und viele mehr. Die Empfehlungen zur "Meta-Forschung zum Thema Qualität und Wirkung aktiver Beteiligung von Bürger:innen in der Gesundheitsforschung" beziehen sich explizit auf diese Vielfalt an Ansätzen, was sich auch an der Bandbreite der unterzeichnenden Institutionen ablesen lässt. In den Empfehlungen werden Ausschreibungsthemen, Ausschreibungsformate sowie Rahmenbedingungen einer Meta-Forschung formuliert.
Die Empfehlungen liegen auch in englischer Sprache vor
Gemeinsam. Wirksam. Resilient. Neue Chancen für die Psychosoziale Notfallversorgung
Das vorliegende integrierte Gesamtkonzept für die Psychosoziale Notfallversorgung in Großschadenslagen bietet eine umfassende Analyse und praxisnahe Empfehlungen zur Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) in Großschadenslagen. Es versteht sich als ganzheitliches und anpassungsfähiges Modell, das auf den Rahmenbedingungen der beteiligten Akteure basiert und präventive Maßnahmen, Soforthilfe, langfristige Unterstützung und kontinuierliche Evaluation miteinander verknüpft. Das Konzept richtet sich an alle politisch und administrativen Verantwortlichen für die Psychosoziale Notfallversorgung in Berlin, insbesondere den Landesbeauftragten und den gesetzlich vorgesehenen Beirat Psychosoziale Notfallversorgung
Soziale Arbeit in der Pandemiesituation: Herausforderung(en) für die Gemeinwesenarbeit?
Die Corona-Pandemie stellt ein einschneidendes gesellschaftliches Ereignis dar, in dessen Rahmen besondere Einschränkungen den Umgang unter- bzw. miteinander stark beeinflusst haben. Zentraler Bezugspunkt ist hierbei die Widerstandsfähigkeit, die durch Solidarität gestärkt werden soll/te, während die Folgen dieser politischen Prioritätssetzung, die insbesondere auch mit der Gestaltung der Demokratie und des demokratischen Zusammenlebens zu tun haben, für eine lange Zeit nicht beachtet wurden.
Mit besagten Folgen derweil beschäftigt sich die Soziale Arbeit bzw. Gemeinwesenarbeit qua Auftrag und Selbstverständnis. Diese Literaturarbeit gibt Einblick in mit diesen Folgen einhergehende (wenn auch nicht erst ab Beginn der Pandemie zu beobachtende) soziale Verwerfungen, gesamtgesellschaftliche Veränderungen und professionspolitische Herausforderungen. Sie hilft dabei, so hoffe ich, gemeinwesenorientierte Lösungsansätze zu finden, um gegen die abnehmende Kollektivität (im Sinn von Gemeinschaftlichkeit) anzugehen. Gemeinwesenarbeit wird hierbei gemäß ihrem Ursprung aus der Radikalität von Selbstorganisierung, Parteilichkeit für ihre Adressat_innen, Konfliktbereitschaft und Machtkritik als Bürger[_innen]hilfe verstanden. Sie soll gesellschaftlich hervorgebrachte Lebenswirklichkeiten sichtbar und vor allem bearbeitbar machen, um Gemeinschaftlichkeit als solche möglichst partizipativ und solidarisch in der Gegenwart, aber auch und vor allem in Bezug auf eine mögliche erstrebens- bzw. ersehnenswerte gerechte/re Zukünftigkeit, gestalten zu können