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Brain Power for Sustainable Development: The Cognitive Preconditions for a Successful Sustainability Transition: Conference Statement
Wie bringt man Menschen dazu, ihr Verhalten stärker im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten? Diese Frage ist Thema einer Veröffentlichung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Donnerstag, 11. Juli 2019 im Rahmen des diesjährigen Hochrangigen Politischen Forums für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (High Level Political Forum on Sustainable Development, HLPF) vorgestellt wird. Das Papier „Brain Power for Sustainable Development“ fasst Erkenntnisse aus einem gleichnamigen Leopoldina-Workshop zusammen, der voriges Jahr in Berlin stattfand. Anlass der Veröffentlichung ist eine gemeinsame Veranstaltung der Leopoldina und mehrerer Partnerinstitutionen im Kontext des HLPF, das vom 9. bis 18. Juli in New York (USA) abgehalten wird. Die Stellungnahme greift die Frage auf, wie man Menschen ausbilden und besser motivieren kann, damit sie ihr Verhalten stärker im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gestalten. Von zentraler Bedeutung dafür sind allgemeine kognitive Fähigkeiten wie zum Beispiel Abstraktionsvermögen sowie Planungs- und Problemlösungskompetenz. Diese Fähigkeiten können in allen Lebensphasen gezielt gestärkt werden: besonders gut in der frühen Kindheit, später dann durch formale Schulbildung und lebenslanges Lernen. In der Stellungnahme wird aufgezeigt, dass sich diese Kompetenzen positiv auf Gesundheit, Armutsreduzierung, wirtschaftliche Entwicklung und die Bewältigung von Folgen des Klimawandels oder Naturkatastrophen auswirken. Der bislang kaum beachtete Ansatz besitzt ein großes Potenzial für die koordinierte Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Das HLPF ist das zentrale Gremium für die Überprüfung der Agenda 2030. Es wird einmal im Jahr, jeweils im Juli, in New York einberufen. Es dient dem Austausch von Erfahrungen und der Diskussion über Herausforderungen bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategien. Unter anderem werden hier die Kernbotschaften des Global Sustainable Development Report (GSDR) präsentiert. Die Veranstaltung zum Thema „Mind Matters More than Money“ findet im Anschluss an die Präsentation der Kernbotschaften statt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina lädt dazu gemeinsam mit der Group of Independent Scientists, die vom UN-Generalsekretär damit beauftragt wurde, den Global Sustainable Development Report zu formulieren, in dem der Sachstand hinsichtlich der Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele aus Sicht der Wissenschaft zusammengefasst wird. Weitere Partner sind das Finnische Umweltinstitut SYKE, die University of the West Indies und der International Science Council
Planbare Schwangerschaft - perfektes Kind?: Wechselwirkungen von Medizin und Gesellschaft
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Konrad-Adenauer-Stiftung widmeten sich in zwei gemeinsamen Veranstaltungen im Jahr 2017 der Frage nach der Beeinflussung von Fortpflanzung und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die den Wunsch danach befördern. Das Aufschieben der Fortpflanzung in ein höheres Lebensalter ist ein zentraler Trend des Demografischen Wandels. Medizinische Angebote reagieren hierbei auf die Nachfrage, offerieren aber gleichzeitig Angebote, die die reproduktiven Möglichkeiten für Frauen noch einmal deutlich zu erweitern versprechen: das Social Freezing. Die Pränatalmedizin wiederum lässt mit immer weiteren Möglichkeiten der Testung und Diagnose den Wunsch nach einem möglichst gesunden, perfekten Kind in scheinbar greifbare Nähe rücken. Aktuell wird diskutiert, ob die Kosten der nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden sollen. Diese Entwicklungen halten oftmals schleichend in unserem Alltag Einzug – ohne, dass ihre ganze gesellschaftliche Tragweite immer die notwendige Berücksichtigung erfährt. Die Autorinnen und Autoren möchten mit dem vorliegenden Papier einen Anstoß zur Diskussion geben, indem einige dieser Entwicklungen und die Frage nach dem gesellschaftlichen Hintergrund skizziert werden
Wege zu einem integrierten Energiesystem: was jetzt geschehen muss
Deutschland soll bis zum Jahr 2050 treibhausgasneutral werden. In genau zwei Wochen will das Klimakabinett entscheiden, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Fest steht: Die Umsetzung ist kompliziert, und mit den verpassten Klimazielen für das Jahr 2020 ist Deutschland bisher nicht auf Kurs. Wie ist die Energiewende also noch zu schaffen? Fachleute des Akademienprojekts „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) geben der Bundesregierung zehn systemübergreifende Punkte mit auf den Weg. Einen wirksamen CO2-Preis über alle Sektoren sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Leitinstrument für den Klimaschutz an
How to Improve the Quality of Personnel Selection Procedures in Academia: Ten Principles
Das heutige Wissenschaftssystem ist durch zunehmenden Wettbewerb um die Optimierung messbarer Aspekte von Forschung geprägt. Quantifizierung, Indikatorisierung und der Einsatz von Metriken in der wissenschaftlichen Leistungsbeurteilung bestimmen den Forschungsalltag. Der daraus resultierende Konformitäts- und Publikationsdruck steht der Qualität von Forschung und der Risikobereitschaft gerade junger Forscherinnen und Forscher entgegen. Die folgenden zehn Prinzipien sind ein Vorschlag zur Stärkung der Qualität personenbezogener Auswahlverfahren in der Wissenschaft.Today’s science system is characterized by increased competition to optimize the measurable aspects of research. Quantification and the use of indicators and metrics in the assessment of research performance determine the everyday life of a researcher. The resulting pressure to conform and to publish is detrimental to the quality of research and to the willingness to take risks, especially for early career researchers. The following ten principles are a suggestion to improve the quality of personnel selection procedures in academia
Evaluierung von Finanzmarktreformen - Lehren aus den Politikfeldern Arbeitsmarkt, Gesundheit und Familie
Die Finanzkrise wurde als Immobilien-, Schulden- und Eurokrise in vielen Facetten diskutiert. Sie hat zu hohen Kosten für viele Gesellschaften geführt. Allein in Deutschland betrugen die krisenbedingten Zahlungen zur Stützung der Banken 70 bis 80 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die Wissenschaft verstärkt vertrauenswürdige Informationen und transparente Bewertungen über die Wirkungen der seit der Krise beschlossenen Regulierungen der Finanzmärkte in die öffentliche Meinungsbildung und demokratische Entscheidungsfindung einbringt. In Bezug auf die Wirkung von Regulierungen der Finanzmärkte besteht ein besonderes Transparenz- und Informationsdefizit, wie u.a. der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung feststellte. Unter der deutschen Präsidentschaft der G20 im vergangenen Jahr wurde daher ein Rahmenwerk beschlossen, mit dem die Reformen der Finanzmärkte evaluiert werden können. Wenn wir davon ausgehen, dass Forschung zu Ursachen und Folgen der Finanzkrise hilfreiches Wissen für die Gesellschaft bereitstellt, müssen wir gerade mit Blick auf die Regulierung der Finanzmärkte fragen, warum wissenschaftliche Evaluierung dort bislang wenig stattfindet und kaum politische Wirkungen erzielt. Beispiele für wissenschaftliche Evaluierung von politischen Interventionen finden sich in der Arbeitsmarkt-, Familien- oder Gesundheitspolitik. Expertinnen und Experten aus diesen Feldern diskutieren in diesem Band, was wir aus diesen Erfahrungen lernen können. Dabei geht es weniger um wissenschaftliche Methoden als um die Frage, wie gute Evaluierungen gelingen können, welche Voraussetzungen dafür im politischen Prozess und der Wissenschaft nötig sind – und wie ein besserer Dialog zwischen beiden Seiten gestaltet werden kann
Biomasse im Spannungsfeld zwischen Energie- und Klimapolitik: Strategien für eine nachhaltige Bioenergienutzung : Kurzfassung der Stellungnahme
Bioenergie ist der vielseitigste Energieträger unter den Erneuerbaren und liefert mehr Energie als Wind- und Wasserkraft, Solarenergie und Geothermie zusammen. Eine konsistente Bioenergiepolitik muss sicherstellen, dass die Bioenergienutzung keine negativen sozialen und ökologischen Folgen hat und einen maximalen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Die Arbeitsgruppe „Bioenergie“ des Akademienprojekts „Energiesysteme der Zukunft“ schlägt vor: Rest- und Abfallstoffe können risikoarm energetisch verwendet werden. In Deutschland gibt es große Potenziale an Restholz, Stroh und tierischen Exkrementen. Energetisch aufbereitet könnten diese bis zu 17 Prozent des zukünftigen deutschen Primärenergiebedarfs decken. Für einen nachhaltigen Einsatz muss Bioenergie systemdienlich genutzt werden: Sie kann diejenigen Funktionen im Energiesystem übernehmen, für die andere Erneuerbare ungeeignet sind. Bioenergie könnte beispielsweise Schiffe und Flugzeuge antreiben oder Wärme für Industrieprozesse liefern. Klimamodelle zeigen, dass der Atmosphäre künftig CO2 entnommen werden muss, um die Pariser Klimaziele zu erreichen Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um solche „negativen Emissionen“ zu erzeugen. Eine Option ist, Kohlendioxid in Bioenergieanlagen abzuscheiden und dauerhaft unterirdisch zu speichern (BECCS). Dieser Ansatz sollte bei künftigen Einsatzgebieten der Bioenergie mitbedacht werden. Ein ausreichend hoher CO2-Preis und Zertifizierungssysteme können sicherstellen, dass Bioenergie dem Klima nützt. Sie sind am wirksamsten, wenn nicht nur Bioenergieträger, sondern alle landwirtschaftlichen Produkte darin einbezogen werden