Publikationsserver der Leopoldina
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Ein neues Verfahren zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Publikationen
Der Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen ist für die Wissenschaft aber auch für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen unerlässlich. Bezahlschranken begrenzen diesen Zugang oftmals, was zu Lasten öffentlicher Mittel und zunehmend auch auf Kosten wissenschaftlicher Qualität geht. Vor diesem Hintergrund schlagen die Autorinnen und Autoren des Diskussionspapiers der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ein neues Finanzierungsprinzip für wissenschaftliche Publikationen vor, das diese ohne Bezahlschranken für alle zugänglich macht. Ein wesentlicher Bestandteil ist demnach, dass die Finanzierung der Zeitschriften nach dem gleichen Verfahren erfolgt, nach dem auch Forschung durch öffentliche Mittel finanziert wird. Dazu gehört ein Antragsverfahren zum Betrieb einer Zeitschrift sowie regelmäßige Evaluation. Damit sollen die Qualität, Transparenz und wissenschaftliche Relevanz langfristig gesichert und gleichzeitig die Kosten gesenkt werden
Die Ottawa-Erklärung der Wissenschaftsakademien der G7
Diese Erklärung wurde von den Nationalen Akademien der Wissenschaften der G7-Staaten unter Federführung der Royal Society of Canada erarbeitet. Die Wissenschaftsakademien der G7 haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit, Unabhängigkeit der Forschungsinstitutionen, wissenschaftlicher Integrität, Forschungssicherheit sowie von verantwortungsvoller Forschung zur Förderung des Gemeinwohls betonen
The Ottawa Declaration of the Science Academies of the G7
This declaration was prepared by the National Academies of Sciences of the G7 states under the leadership of the Royal Society of Canada. The Science Academies of the G7 issued a joint declaration emphasizing the importance of academic freedom, institutional autonomy, the integrity of research, research security, and the responsible conduct of research in support of the public good.Diese Erklärung wurde von den Nationalen Akademien der Wissenschaften der G7-Staaten unter Federführung der Royal Society of Canada erarbeitet. Die Wissenschaftsakademien der G7 haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit, Unabhängigkeit der Forschungsinstitutionen, wissenschaftlicher Integrität, Forschungssicherheit sowie von verantwortungsvoller Forschung zur Förderung des Gemeinwohls betonen
Perspektiven der Energiewende in Korea und Deutschland: [Arbeitsübersetzung]
Korea und Deutschland gestalten die Energiewende von fossilen Brennstoffen zu nachhaltigen Energiequellen. Dabei ist der Bedarf an innovativen wissenschaftlichen Lösungen dringlicher denn je. Trotz unterschiedlicher Herausforderungen teilen beide Länder das Ziel, Kohlenstoffneutralität zu erreichen und grüne Energietechnologien voranzutreiben. Das Ergebnispapier „Perspektiven der Energiewende in Korea und Deutschland“ behandelt die Bereiche Solartechnologien, Wasserstoff, Batterien, Netzmanagement und zukünftige Energiequellen. Es zeigt wissenschaftliche Herausforderungen auf, identifiziert Prioritäten für die bilaterale Forschung und bietet Empfehlungen für politische Entscheidungsträger in Korea und Deutschland. Dieses gemeinsame Papier basiert auf den Ergebnissen des 8. bilateralen KAST-Leopoldina-Symposiums und einer Reihe von virtuellen Expertenworkshops im Jahr 2024
Naturgesetze und Naturwissenschaftliche Theorien
Die Entdeckung von Regelmäßigkeiten in der Natur hat immer wieder zu der Formulierung von „Naturgesetzen“ geführt, die fundamentale Zusammenhänge zwischen mehreren Beobachtungsgrößen ausdrücken. Naturgesetze waren später oftmals der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines umfassenden theoretischen Rahmens, in dem sich diese Gesetzmäßigkeiten in einem größeren Zusammenhang verstehen lassen. Dabei stellt sich die Frage nach den Anforderungen an eine solche Theorie. Während eine Theorie im umgangssprachlichen Gebrauch nur eine mehr oder minder unbegründete Vermutung ist, handelt es sich bei einer naturwissenschaftlichen Theorie um ein systematisches, möglichst allgemeines und logisch konsistentes System von Annahmen, die auf experimentell gesicherten Tatsachen beruhen. Eine derartige Theorie erlaubt es dann, Aussagen zu machen, die über die bereits bekannten Tatsachen hinausgehen. In den exakten Naturwissenschaften, in denen Theorien mathematisch formuliert werden können, lassen sich dadurch sogar konkrete, quantitative Vorhersagen über das Verhalten eines Systems machen. Einsteins allgemeine Relativitätstheorie, die Newtons Gravitationsgesetz in einen größeren Kontext stellt, ist in vieler Hinsicht der Idealtyp einer physikalischen Theorie. Sie sagt nicht nur schwarze Löcher voraus, sondern unterstützt uns inzwischen auch im Alltag, indem sie dem Navigationsgerät in unserem Auto hilft, das von uns gewünschte Ziel zu finden. Die Begriffe Naturgesetz und naturwissenschaftliche Theorie werden in meinem Vortrag anhand mehrerer Beispiele diskutiert.The discovery of regularities in nature has repeatedly led to the formulation of “laws of nature” that express fundamental relations between several observable variables. These laws were later often the starting point for the development of a comprehensive theoretical framework in which they could be understood in a larger context. This raises the question of the requirements for such a theory. While a theory in colloquial usage is merely a more or less unfounded speculation, a scientific theory is a systematic, general and logically consistent system of assumptions based on experimentally proven facts. Such a theory then allows statements to be made that go beyond the already known facts. In the exact natural sciences, where theories can be formulated mathematically, it is therefore even possible to make concrete, quantitative predictions about the behavior of a system. Einstein’s general theory of relativity, which places Newton’s law of gravity in a larger context, is in many respects the ideal type of physical theory. It not only predicts black holes, but now also supports us in everyday life by helping the navigation device in our car to find the desired destination. The terms law of nature and scientific theory will be discussed in my lecture using several examples
Der soziale Raum des Normativen: doppelte Möglichkeitsunterstellungen in normativen Ordnungen
Normen sind nicht primär Instrumente zur Verhaltenssteuerung. Sie setzen begrifflich sowohl die Möglichkeit ihrer Befolgung als auch der Abweichung voraus. Normen sind damit eine doppelte Möglichkeitsunterstellung, sie können ihre Befolgung nicht verursachen. Aus diesem begrifflichen Argument folgt, dass empirische Beobachtungen normkonformen Verhaltens nicht ausreichen, um die Existenz und Effektivität von Normen zu belegen. Soziale Normen sind nicht kausal eindeutig, da Normen ihre Wirkung nicht allein durch strikte Durchsetzung, sondern auch durch Devianz entfalten. Wenn abweichendes Verhalten nicht möglich ist, verliert das Normative seine Bedeutung und wird zu bloßem Zwang. Der Beitrag untersucht diese drei gängigen Fehlvorstellungen zu Begriff, Empirie und Institution von Normen. Er schließt mit einer normativen Perspektive auf Rechtsstaatlichkeit und das Rechtsstaatsprinzip, die Rechtsdurchsetzung als Ausweis einer funktionierenden Ordnung zurückweist.Norms are not primarily instruments for controlling behaviour. Conceptually, they presuppose both the possibility of compliance and the possibility of deviation. Norms are thus a double presumption of possibility; they cannot cause their observance. It follows from this conceptual argument that empirical observations of norm-compliant behaviour are not sufficient to prove the existence and effectiveness of norms. Social norms are not causally unambiguous, as norms develop their effect not only through strict enforcement, but also through deviance. If deviant behaviour is not possible, the normative loses its meaning and becomes mere coercion. This article analyses these three common misconceptions about the concept, empiricism and institution of norms. It concludes with a normative perspective on the rule of law and the rule of law principle, which rejects law enforcement as evidence of a functioning order
Preface
Die Frage nach Gesetzen, nach Regelmäßigkeiten stellt nicht nur ein elementares Prinzip wissenschaftlicher Arbeit dar. Sie vermag es ebenso, die verschiedenen Bereiche der Wissenschaft in der Leopoldina in diesem Anliegen miteinander zu verbinden. Denn nicht nur der Naturforscher, auch ein Sozial- oder Geisteswissenschaftler ist daran interessiert, solche Ordnungen zu entdecken und zu definieren. Der Physiker sucht nach Naturgesetzen, ein Politologe, der Wahlforschung betreibt, fragt nach den Regelmäßigkeiten im Verhalten an der Wahlurne, die Prognosen ermöglichen, und auch ein Musikwissenschaftler, der den Personalstil eines Komponisten beschreiben möchte, fragt nach wiederkehrenden musikalischen Mustern in seinen Werken, um z. B. die ungewisse Autorschaft für eine Symphonie oder Sonate bestimmen zu können. Der Gesetzesbegriff aber ist zugleich durch einen tiefen Gegensatz geprägt, den wir durch den Untertitel für die Jahrestagung 2023 der Leopoldina kenntlich gemacht haben: Regeln der Wirklichkeit – Regeln für die Wirklichkeit.The question of laws and regularities is not only an elementary principle of scientific work. It is also able to connect the various fields of science in the Leopoldina in this concern. After all, it is not only natural scientists who are interested in discovering and defining such orders, but also social scientists and humanities scholars. The physicist searches for laws of nature, a political scientist who conducts election research asks about the regularities in behavior at the ballot box that make predictions possible, and a musicologist who wants to describe the personal style of a composer also asks about repeating musical patterns in his works in order, for example, to be able to determine the uncertain authorship of a symphony or sonata. At the same time, however, the concept of law is characterized by a profound contrast, which we have identified in the subtitle of the Leopoldina’s 2023 annual assembly: Rules of reality – rules for reality
Climate Change and Well-being: Science20 (S20) South Africa 2025 Statement
This statement was prepared by the National Academies of Sciences of the G20 states under the leadership of the Academy of Sciences of South Africa (ASSAf) to provide scientific advice to the G20 Summit of Heads of State and Governments in South Africa in 2025. Climate change remains one of the most urgent challenges of our time, with far-reaching consequences for human and planetary well-being. It threatens health, livelihoods, and the stability of Earth’s life-support systems—especially for people in vulnerable situations. The Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) bases its assessments about climate change on decadal and multi-decadal averages, not single-year observations. The year 2024 was designated as the warmest year on record due to incremental global warming trends. Since the industrial era, unequivocal historical and ongoing human activities have been the primary drivers of climate change, far outweighing natural phenomena like solar variations, volcanic activity, ocean circulation patterns, and natural greenhouse gas emissions. Responding to the effects of climate change requires urgent, science-based solutions for mitigation and adaptation, informed by evidence-driven policy and global cooperation. While climate change poses risks and trade-offs, addressing it also creates opportunities for innovation and delivers multiple co-benefits for health, ecosystems, and the economy. The 2025 Science20 (S20) focus on Climate Change and Well-being aligns with South Africa’s G20 theme Solidarity, Equality, and Sustainability. This Statement outlines five areas, each with supporting recommendations