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    STREIT!

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    Wissenschaft bedeutet Streiten. Schließlich geht es ganz wesentlich darum, bislang unbeantwortete Fragen zu klären — und gäbe es auf diese Fragen nur eine mögliche Antwort, wären siae nicht unbeantwortet. So weit, so selbstverständlich. Die Selbstverständlichkeiten der wissenschaftlichen Streitkultur werden momentan von verschiedenen Entwicklungen erschüttert, die auch die Debattenkultur in anderen Gesellschaftsbereichen erfassen. Das betrifft etwa die Rolle der Wissenschaft im gesellschaftlichen Diskurs. Expertise und Analyse können keine selbstverständliche Autorität mehr beanspruchen, sondern sehen sich zunehmend einer ähnlichen Form der Elitenkritik ausgesetzt wie Journalismus oder Politik. Gleichzeitig beklagen manche das Fehlen großer intellektueller Figuren in der Öffentlichkeit und wünschen sich ein stärkeres Hineinwirken der Wissenschaft in die politischen Debatten. Darüber hinaus erfasst die Veränderung der Debattenkultur auch den Streit in der Wissenschaft selbst. Die sozialen Medien ermöglichen eine viel schnellere, schärfere und stärker zugespitzte Kommunikation, als das in tradierten Formaten wie Zeitschriften oder Büchern möglich war. Das bietet die Chance zu schnellerer Selbstkorrektur, aber auch das Risiko, dass vor allem diejenigen Gehör für ihre Argumente finden, die über die meisten Follower und somit die größte Reichweite verfügen. Diese Ausgabe des Junge Akademie Magazins stellt deshalb die Frage, wie guter wissenschaftlicher Streit gelingen kann und welche Herausforderungen sich dabei ergeben. Die einzelnen Texte des Postermagazins beleuchten unterschiedliche Aspekte aus der Perspektive verschiedener Disziplinen. So untersucht der Informatiker Dirk Pflüger, wie sich der Streit in Gesellschaft und Wissenschaft verändert, wenn wir nicht mehr per Briefwechsel, sondern elektronisch kommunizieren. Die Kunsthistorikerin Nausikaä El-Mecky fragt, wer sich überhaupt am Streit beteiligen darf und welchen Habitus er — und vor allem sie — dabei an den Tag legen muss. Der Rechtswissenschaftler Timo Rademacher lenkt den Blick darauf, was es für den akademischen Streit bedeutet, wenn seine Argumente am doppelten Maßstab wissenschaftlicher und anwendungspraktischer Kriterien gemessen werden. Und der Islamwissenschaftler Simon Fuchs überlegt, ob Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Verantwortung haben, sich in politische Debatten einzumischen, auch wenn dabei Differenzierungen verloren gehen. Vor allem ist dieses Magazin eine Einladung, mehr Streit zu wagen. Streit, so lautet die gemeinsame Überzeugung der Autorinnen und Autoren, kann ausgesprochen produktiv sein. Das setzt allerdings voraus, dass tatsächlich unterschiedliche Positionen zur Geltung kommen. Der Physiker Michael Saliba und der Politologe Lukas Haffert argumentieren, dass dies dann besonders gut gelingt, wenn der Streit nach Regeln ausgetragen wird, die ein klares Herausarbeiten unterschiedlicher Argumente ermöglichen. Und die Physikerin Astrid Eichhorn weist darauf hin, dass ein Streit vor allem dann produktiv ist, wenn die Streitenden selbst ganz unterschiedliche Ideen und Perspektiven mit in die Debatte einbringen. Am Ende geht es bei einem guten Streit natürlich nicht immer um neue Erkenntnisse, sondern manchmal auch ganz profan darum, wer als Sieger daraus hervorgeht. Welche Streitstrategien sich dabei in der Wissenschaftsgeschichte als besonders erfolgversprechend erwiesen haben, darüber gibt das Poster auf der Rückseite dieses Junge Akademie Magazins einen Überblick. Vielleicht erkennen Sie Ihr eigenes Streitverhalten in einigen der historischen Beispiele wieder ? Und wenn Sie das Poster neben Ihre Garderobe oder an Ihre Bürotür hängen, inspiriert es vielleicht sogar Ihre Besucherinnen und Besucher dazu, neue Streitstrategien an Ihnen auszuprobieren

    Forschungsorganisationen unterstützen Ungarische Akademie der Wissenschaften im Kampf gegen drohenden Autonomieverlust

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    In einem Brief an den ungarischen Minister für Innovation und Technologie, Làszlo Palkovics, haben neun deutsche Forschungsorganisationen unter der Federführung der Leibniz-Gemeinschaft und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ihre Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ausgedrückt

    Beijing Declaration on Basic Science

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    Grundlagenforschung ist die Basis innovationsgetriebener Wirtschaftssysteme. Sie ist essentiell, um sich den globalen Herausforderungen zu stellen, die nur in internationaler Zusammenarbeit bewältigt werden können. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur Konferenzreihe „Science for Future“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) haben die beiden Akademien die gemeinsame „Beijing Declaration on Basic Science“ (Pekinger Erklärung zur Grundlagenforschung) veröffentlicht. Darin bekennen sich die beiden Akademien zu einer langfristig orientierten, vertrauensvollen Wissenschaftskooperation jenseits nationaler und kultureller Grenzen und über wissenschaftliche Disziplinen hinweg. Nur gemeinsam können Antworten auf Fragen gefunden werden, die die Zukunft der Menschen weltweit betreffen. Beide Akademien betonen die gesellschaftliche Verankerung von Wissenschaft und ihre besondere Verantwortung, zu einem faktenbasierten gesellschaftlichen Dialog beizutragen

    Wissenschaft und Vertrauen: [Arbeitsübersetzung]

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    Biomolekulare Simulationen mit mehreren Auflösungsniveaus und Zeitskalen: ein Überblick über methodische Aspekte

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    Theoretische und computergestützte Modellierungen, die der Erklärung experimenteller Beobachtungen im Hinblick auf ein bestimmtes chemisches Phänomen oder einen bestimmten chemischen Prozess dienen, erfordern eine Reihe von Annahmen. Diese Annahmen betreffen die essentiellen Freiheitsgrade, die Art der Wechselwirkungen und die Erzeugung eines Boltzmann-Ensembles oder einer Konfigurationstrajektorie. Abhängig von den Freiheitsgraden, die für den interessierenden Prozess unabdingbar sind, wie z. B. elektronische, nukleare oder atomare, molekulare oder supramolekulare, müssen quanten-mechanische oder klassisch-mechanische Bewegungsgleichungen angewendet werden. In Simulationen mit unterschiedlichen Auflösungsniveaus werden verschiedene Ebenen, wie elektronische, atomare, supra-atomare oder supramolekulare Ebenen, in einem einzigen Modell vereint. Dies erlaubt eine Steigerung der Recheneffizienz, wobei eine ausreichende Genauigkeit im Hinblick auf die bestimmten Freiheitsgrade erhalten bleibt. Ein Überblick über die grundlegenden Herausforderungen und Annahmen in Bezug auf Modellierungen mit unterschiedlichen Auflösungsniveaus wird gegeben. Theoretical-computational modelling with an eye to explaining experimental observations in regard to a particular chemical phenomenon or process requires choices concerning essential degrees of freedom and types of interactions and the generation of a Boltzmann ensemble or trajectories of configurations. Depending on the degrees of freedom that are essential to the process of interest, for example, electronic or nuclear versus atomic, molecular or supramolecular, quantum- or classical-mechanical equations of motion are to be used. In multi-resolution simulation, various levels of resolution, for example, electronic, atomic, supra-atomic or supra-molecular, are combined in one model. This allows an enhancement of the computational efficiency, while maintaining sufficient detail with respect to particular degrees of freedom. The basic challenges and choices with respect to multi-resolution modelling will be reviewed. Der Vortrag wurde gehalten von Wilfred van Gunsteren. The presentation was given by Wilfred van Gunsteren. Siehe auch / see also: Meier, K., Choutko, A., Dolenc, J., Eichenberger, A.P., Riniker, S. and van Gunsteren, W.F. (2013), Multi‐Resolution Simulation of Biomolecular Systems: A Review of Methodological Issues. Angew. Chem. Int. Ed., 52: 2820-2834. https://doi.org/10.1002/anie.20120540

    The imperative of climate action to protect human health in Europe: Opportunities for adaptation to reduce the impacts, and for mitigation to capitalise on the benefits of decarbonisation

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    The pace and extent of recent environmental change, in particular climate change, poses serious challenges to global health gains made over recent decades. In previous work, the European Academies’ Science Advisory Council (EASAC) has covered several significant challenges relevant to climate change across Europe, for example in assessing the potential of negative emissions technologies in meeting emission targets, and monitoring trends in extreme weather events. In the present report, EASAC focuses on climate change and health. Although the European Union (EU) is very actively engaged in collective efforts to reduce Greenhouse Gas emissions and to identify how best to adapt, the impacts of climate on health have been relatively neglected in EU policy. This must change. Our concern is motivated by the risks to health in the near future. In this report, EASAC advises on (1) using the available evidence to inform coherent health policy development for climate change mitigation and adaptation strategies, and their connection to other policy initiatives; and (2) the priorities for filling knowledge gaps through transdisciplinary and intersectoral research

    Spuren unter Wasser: das kulturelle Erbe in Nord- und Ostsee erforschen und schützen

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    Der Meeresboden ist ein faszinierendes Archiv der Menschheitsgeschichte. Das gilt auch für die Nord- und Ostsee. Auf und in ihrem Grund sind nicht nur Schiffwracks zu finden, sondern auch Besiedlungsspuren aus urgeschichtlichen Zeiten, in denen Teile dieser Meere noch Festland waren. Das Kulturerbe unter Wasser ist jedoch bisher nur unzureichend geschützt. Wertvolle Spuren drohen durch Kies- und Sandabbau, den Bau von Windkraftanlagen, die Verlegung von Kabeln und durch Fischerei für immer verloren zu gehen. Um für die Bedeutung des kulturellen Erbes in Nord- und Ostsee zu sensibilisieren, hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina heute das Diskussionspapier „Spuren unter Wasser – Das kulturelle Erbe in Nord- und Ostsee erforschen und schützen“ veröffentlicht. Darin stellen die Autorinnen und Autoren den Wert des Unterwassererbes dar und empfehlen Maßnahmen für einen effektiven Schutz der Kulturgüter

    Forum Zukunft Europas: Wie können Inklusivität und Leistungsfähigkeit der europäischen Forschung und Innovation gesteigert werden?: Gemeinsames Communiqué : [Arbeitsübersetzung]

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    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten (EU13) haben sich beim „Forum Future Europe“ in Berlin darauf verständigt, den Beitrag der Bildung, Forschung und Innovation zur Weiterentwicklung Europas neu zu definieren. Das Treffen fand auf Einladung der Leibniz-Gemeinschaft und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina statt. Die Unterzeichner aus Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern plädieren in einem Gemeinsamen Kommuniqué dafür, dass Entscheidungen zur Zukunft der EU evidenzbasiert erfolgen müssen. Die dafür notwendige wissenschaftsbasierte Beratung der Politik und Öffentlichkeit soll und will die Forschung bereitstellen und besser kommunizieren. Sie sprechen sich in dem Kommuniqué ausdrücklich gegen ein Europa der mehreren Geschwindigkeiten aus. Für ein starkes Europa sei es vielmehr notwendig, dass alle Mitgliedsstaaten ihre Anstrengungen auf der Basis klarer Rechte und Verpflichtungen intensivieren. Die Handlungsfähigkeit der EU und eine moderne Administration auf EU-Ebene müssen sichergestellt werden. Zur Weiterentwicklung des europäischen Forschungsraums betonen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, dass die Exzellenz das leitende Bewertungskriterium sein müsse. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, nicht Politikerinnen und Politiker sollten bei Förderentscheidungen das letzte Wort haben. Zudem sollten neue Vernetzungsinstrumente die Einbindung weniger forschungsstarker Mitgliedsstaaten und damit insgesamt eine vernetzte europäische Wissenschaftskultur gezielt fördern. Im geplanten EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizont Europa“ sollten neue wirksame Maßnahmen entwickelt werden, um der weiterhin bestehenden Kluft zwischen Ost und West, Nord und Süd und dem Brain Drain (Talentverlust) schnell und effektiv entgegenzuwirken. Die Unterzeichner schlagen personengebundene Förderinstrumente für Brain Gain (Talentzugewinn) und Brain Circulation (Talentmobilität) innerhalb Europas vor. Um die globale Wettbewerbsfähigkeit Europas sicherzustellen, sollen Synergien zwischen modernen Forschungsinfrastrukturen und den vielfältigen Stakeholdern der Wissenschaft systematisch gefördert werden

    Biomasse im Spannungsfeld zwischen Energie- und Klimapolitik: Potenziale – Technologien – Zielkonflikte : Analyse

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    Bioenergie ist der vielseitigste Energieträger unter den Erneuerbaren und liefert mehr Energie als Wind- und Wasserkraft, Solarenergie und Geothermie zusammen. Eine konsistente Bioenergiepolitik muss sicherstellen, dass die Bioenergienutzung keine negativen sozialen und ökologischen Folgen hat und einen maximalen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Die Arbeitsgruppe „Bioenergie“ des Akademienprojekts „Energiesysteme der Zukunft“ schlägt vor: Rest- und Abfallstoffe können risikoarm energetisch verwendet werden. In Deutschland gibt es große Potenziale an Restholz, Stroh und tierischen Exkrementen. Energetisch aufbereitet könnten diese bis zu 17 Prozent des zukünftigen deutschen Primärenergiebedarfs decken. Für einen nachhaltigen Einsatz muss Bioenergie systemdienlich genutzt werden: Sie kann diejenigen Funktionen im Energiesystem übernehmen, für die andere Erneuerbare ungeeignet sind. Bioenergie könnte beispielsweise Schiffe und Flugzeuge antreiben oder Wärme für Industrieprozesse liefern. Klimamodelle zeigen, dass der Atmosphäre künftig CO2 entnommen werden muss, um die Pariser Klimaziele zu erreichen Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um solche „negativen Emissionen“ zu erzeugen. Eine Option ist, Kohlendioxid in Bioenergieanlagen abzuscheiden und dauerhaft unterirdisch zu speichern (BECCS). Dieser Ansatz sollte bei künftigen Einsatzgebieten der Bioenergie mitbedacht werden. Ein ausreichend hoher CO2-Preis und Zertifizierungssysteme können sicherstellen, dass Bioenergie dem Klima nützt. Sie sind am wirksamsten, wenn nicht nur Bioenergieträger, sondern alle landwirtschaftlichen Produkte darin einbezogen werden

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