Publikationsserver der Leopoldina
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Prävention stärken & neue Therapieansätze nutzen: Wie lässt sich die Adipositas-Epidemie eindämmen?
In Deutschland sind circa jeder vierte Erwachsene und jedes sechste Kind von Adipositas betroffen. Starkes Übergewicht kann zu schweren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes oder Krebs führen. Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren seit langem verschiedene Maßnahmen, Adipositas zu vermeiden – sei es durch Präventionsprogramme, regulatorische Maßnahmen oder neue Therapieansätze. Im Policy Brief in der Reihe „Leopoldina Fokus“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina schlagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Handlungsoptionen für die Prävention und Therapie von Adipositas vor
wissen – handeln
Die gesellschaftliche Rolle von Wissenschaft wird derzeit intensiv diskutiert. Angesichts politischer, sozialer und ökologischer Krisen rückt die Frage nach dem Verhältnis von Wissen und Handeln verstärkt in den Fokus. Das Junge Akademie Magazin #32 widmet sich diesem Spannungsfeld aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven. Die Beiträge beleuchten Formen und Grenzen engagierter Wissenschaft, den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft sowie die Bedingungen, unter denen wissenschaftliches Engagement wirksam und verantwortungsvoll gestaltet werden kann. Anhand konkreter Beispiele zeigen die Autor*innen, wie Wissen in öffentliche Debatten, politische Prozesse oder partizipative Formate eingebracht wird
The Generality of the Law: “Law as Science” and “Law as Institution”: abstract
Der Vortrag geht anhand der Doktrin des allgemeinen Gesetzes im staatsrechtlichen Positivismus der Frage nach, ob sich im öffentlichen Recht des 19. Jahrhunderts eine Spannung zwischen „Recht als Wissenschaft“ und „Recht als Institution“ feststellen lässt. Während das „Recht als Wissenschaft“ sich an abstrakten Systemen und Ideen orientiert – im Zentrum stehen hierbei die staatliche Gesetzgebung sowie die Figur des Richters – betont das „Recht als Institution“ die eigenständige Rationalität einer dezentralen, gesellschaftlich hervorgebrachten Normen- und Rechtsbildung. Bemerkenswert ist, dass beide Konzeptionen strukturelle und formale Entsprechungen in unterschiedlichen Ausprägungen der neuzeitlichen Naturphilosophie finden: So spiegelt das „Recht als Wissenschaft“ eine Konfiguration von Wissenselementen und Ordnungsprinzipien wider, wie sie für die ursprünglich kontinentale mathematische Naturphilosophie charakteristisch ist. Demgegenüber führt das „Recht als Institution“ zu einem Verständnis von Wissen, wie es in der ursprünglich englischen experimentellen Naturphilosophie angelegt ist – nämlich als probabilistisch und erfahrungsbasiert. Welche Auswirkungen dies auf die Lehre vom allgemeinen Gesetz hat, soll exemplarisch am Polizei- und Technikrecht im wilhelminischen Deutschland gezeigt werden. Das hierbei erkennbare Muster einer „Normativität der Normalität“ könnte einen Beitrag dazu leisten, ein zeitgemäßes Verständnis von Recht und Gesetz für die Herausforderungen einer disruptiven Gegenwart zu entwickeln.Based on the doctrine of general law in constitutional positivism, the lecture examines whether a tension between “law as science” and “law as institution” can be identified in 19th-century public law. While “law as a science” is oriented toward abstract systems and ideas – with a focus on state legislation and the figure of the judge – “law as an institution” emphasizes the independent rationality of decentralized, socially produced norms and legal formation. It is noteworthy that both concepts find structural and formal parallels in different forms of modern natural philosophy: thus, “law as a science” reflects an equivalent of elements of knowledge and principles of order that is characteristic of the original continental mathematical philosophy of nature. In contrast, “law as an institution” leads to an understanding of knowledge as originally conceived in English experimental natural philosophy – namely, as probabilistic and experience-based. The implications of this for the doctrine of general law will be illustrated using the example of police and technology law in Wilhelmine Germany. The pattern of “normativity of normality” that can be discerned here could contribute to the development of a contemporary understanding of law and justice for the challenges of a disruptive present
Welcher Gott will welches Gesetz?
Überhaupt so fragen zu können, ist alles andere als voraussetzungslos. Möglich wird dies erst in einer Kultur, in der in einer reflexiven Weise bewusst geworden ist, dass sich normative Selbstverständigungspraktiken auf nichts beziehen können, das menschlicher Verfügung entzogen wäre. Wenn aber auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Gott existiert, so ist nach dem strukturellen Gefüge von Gottesbegriff und Gesetz zu fragen.To be able to ask such questions at all is anything but unconditional. This is only possible in a culture that has become aware in a reflexive way that normative practices of self-understanding cannot refer to anything that is beyond human control. However, even if it cannot be ruled out that a God exists, we must ask about the structural nature of the definition of God and the law
Effektiveres staatliches Handeln durch Lernen aus Evaluierungen
Die aktuellen finanzpolitischen Herausforderungen erfordern einen effektiven und effizienten Einsatz staatlicher Mittel. Um sicherzustellen, dass Gesetze die beabsichtigten Ziele tatsächlich erreichen und dabei keine unverhältnismäßigen Kosten verursachen, sind wirksame Evaluierungsinstrumente notwendig. Ein bewährtes Verfahren: Ex-post-Evaluierungen. Sie ermitteln die Wirkung staatlicher Maßnahmen anhand zuvor festgelegter Kriterien. Die Ergebnisse ermöglichen der Politik das Lernen aus Erfahrung. 2013 wurde in Deutschland ein Prozess zur strukturierten Evaluierung von Regelungsvorhaben formalisiert. Dieser Policy Brief in der Reihe „Leopoldina Fokus“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina befürwortet die bisherigen Aktivitäten des Nationalen Normenkontrollrates, der Bundesministerien und des statistischen Bundesamtes im Bereich Evaluierung und zeigt konkrete Handlungsoptionen auf, wie dieser Prozess noch effektiver gestaltet werden kann
Hypothetische Abbildungen: Paläobotanische Landschaftsbilder in Franz Ungers und Josef Kuwassegs Die Urwelt in ihren verschiedenen Bildungsperioden sowie Alexander von Humboldts Ansichten der Natur
Der Artikel untersucht Abbildungen von erdgeschichtlichen Epochen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erläutert den Einfluss von Alexander von Humboldts Ansichten der Natur auf den Bildzyklus Die Urwelt in ihren verschiedenen Bildungsperioden, der aus der Zusammenarbeit des Paläobotanikers Franz Unger und des Landschaftsmalers Josef Kuwasseg entstanden ist. Dabei betone ich die besondere Bedeutung von Pflanzen in beiden Werken. In einem ersten Schritt arbeite ich anhand von Humboldts Ansichten und Kosmos einen metaphorischen, an Tableau und Physiognomie orientierten Bildbegriff heraus. Humboldt stellt spezifische Landschaften in den holistischen Zusammenhang von Verhältnissen und Prozessen, die sich räumlich über die gesamte Erde und zeitlich über deren geologische Geschichte erstrecken. In einem zweiten Schritt erläutere ich, wie dieser doppelte Verweiszusammenhang in Ungers und Kuwassegs Bildungsperioden als einer zusammenhängenden Sequenz von Lithographien über die paläobotanische Pflanzengeschichte der Erde umgesetzt ist. In beiden Fällen, so die Prämisse des Aufsatzes, orientieren sich die Darstellungsstrategien an einem Organismus-Konzept, das sich in der Paläontologie Georges Cuviers findet, und das auf eine Rekonstruktion von ganzheitlichen Zusammenhängen aus einzelnen Bruchstücken abzielt.The article examines illustrations of geological epochs from the first half of the 19th century and reconstructs the influence of Alexander von Humboldt’s Ansichten der Natur on the image cycle Die Urwelt in ihren verschiedenen Bildungsperioden, which resulted from the collaboration of the palaeobotanist Franz Unger and the landscape painter Josef Kuwasseg. As I argue, both works put a particular emphasis on the role of plants. The first part analyses Humboldt’s Ansichten and Cosmos and thereby elaborates on a metaphorical concept of the image that is oriented towards tableau and physiognomy. Humboldt’s understanding of the image places specific landscapes in the holistic context of relationships and processes that extend spatially over the entire Earth and temporally over its geological history. The second part shows how Unger and Kuwasseg implement this holistic principle in their Bildungsperioden, a sequence of lithographs on the paleobotanical history of plants on planet Earth. As I argue, both Unger and Humboldt draw on Georges Cuvier’s palaeontology, in particular his principle of organic organisation that assumes that holistic contexts can be reconstructed from individual fragments
An der Schwelle zur ‚Jetztwelt‘: Texturen früher Eiszeit-Hypothesen (Johann Wolfgang Goethe und Karl Friedrich Schimper)
Im frühen 19. Jahrhundert gingen viele mit Georges Cuvier (1769 –1832) und anderen davon aus, dass die „letzte Revolution“ der Erdgeschichte eine große Flutkatastrophe gewesen sei. Dann kam aber auch die These auf, dass es an der diluvialen Schwelle zur geologischen Jetztzeit zu einer Eiszeit gekommen sei. Und das Besondere am einschlägigen frühen Eiszeit-Wissen ist, dass darin zwei im engeren Sinne poetische Texte eine zentrale Rolle spielen: eine Passage aus Johann Wolfgang Goethes (1749 –1832) spätem Roman Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) und eine 1837 publizierte Ode von Karl Friedrich Schimper (1803 –1867), in der der Begriff „Eiszeit“ überhaupt zum ersten Mal in wissenschaftlichem Sinne verwendet wurde. Durch den genauen Blick auf diese beiden Knotenpunkte in der Textur des frühen Eiszeit-Wissens wird deutlich, wie problematisch die verbreitete Vorstellung einer linearen Entdeckungsgeschichte der Eiszeit ist. Die in den Theorien der Pioniere der Eiszeitforschung implizierten – bald katastrophistischen, bald anti-katastrophistischen – Narrative sind zu heterogen, als dass sie sich in eine solche Geschichte einfügen ließen.geohistory had been a catastrophic flood. But then another theory emerged, postulating that an ice age had occurred at the diluvial threshold to the geological present. And a special feature of the early ice age knowledge is that two literary texts play a central role in it: a passage from Johann Wolfgang Goethe’s (1749 –1832) late novel Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) and a poem by Karl Friedrich Schimper (1803 –1867) published in 1837, in which the term “Eiszeit” (“ice age”) was used in a scientific sense for the first time ever. By looking closely at these two nodal points in the texture of ice age knowledge, it becomes clear how problematic the widespread idea of a linear history of the discovery of the Ice Age is. The narratives implicit in the early theories – sometimes catastrophist, sometimes anti-catastrophist – are too heterogeneous to fit into such a history
Laudatio 90 Jahre Volker ter Meulen – zum 19. Juni 2024
In einem 90-jährigen Leben gibt es viele Höhen und Tiefen, selbst in dem, was ich ein gewöhnliches Leben nennen würde. Aber unser heutiger Jubilar hat alles andere als ein normales Leben geführt. Aus dessen wahrhaft ungewöhnlichem Wirken möchte ich nur drei Facetten hervorheben, die ihn, so hoffe ich, in besonderem Maße charakterisieren, nämlich die Virologie, die Leopoldina und das Alter
Wissenschaftsbasierte Politikberatung: ein wechselseitiger Lernprozess: Symposium anlässlich des 90. Geburtstages des XXV. Präsidenten der Leopoldina Volker ter Meulen
Der 90. Geburtstag des XXV. Präsidenten der Leopoldina (2003–2010) Volker ter Meulen bildete den Anlass zu einer Würdigung des Jubilars durch ein Symposium zum Thema „Wissenschaftsbasierte Politikberatung: ein wechselseitiger Lernprozess“. In der Präsidentschaft ter Meulens wurde die 1652 als Academia Naturae Curiosorum gegründete Deutsche Akademie der Naturforscher 2008 zur nationalen Akademie der Bundesrepublik Deutschland. Seit seiner Amtszeit ist die Politikberatung ein Schwerpunkt der Akademietätigkeit, dem sich Volker ter Meulen in seinem Wirken immer besonders verpflichtet sah. Hier berichten Weggefährten in Impulsreferaten und in einer Diskussion über sein Engagement, die Projekte und die Erfolge der Politikberatung nicht nur im Rahmen der Nationalakademie, sondern auch in den europäischen bzw. globalen Akademie-Netzwerken European Academies Science Advisory Council (EASAC) und InterAcademy Partnership (IAP). Laudationes auf den Jubilar und eine Schilderung seines Wirkens aus persönlicher Sicht ergänzen den Band
Health-Extending Medicine in an Aging Society: Perspectives of Medical Research and Practice
Ageing is the primary risk factor for cancer, dementia, and cardiovascular diseases. As the understanding of the biology of ageing constantly improves, there are already initial approaches to geroprotection, which seek to reduce the age-related risk of disease and thus extend the healthy lifespan. The discussion paper “Health-Extending Medicine in an Aging Society: Prospects for Medical Research and Practice” argues for a new perspective in research and medicine in connection with age-related diseases and calls for better research into the ageing process, so that medicine can focus on ageing itself – rather than waiting to treat age-related diseases