Hamburger Journal für Kulturanthropologie (HJK)
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Cruel Optimism: Träume am Ende der Zukunft
Stefan Wellgraf wertet in seiner Langzeitforschung Zukunftsträume von Hauptschüler*innen und deren Realisierungspotenzial aus. Über diesen Zugang erschließt er objektive und subjektive Voraussetzungen dafür, sich einen Platz und Teilhabe im sozialen und kulturellen Raum abzustecken, und macht auf die strukturelle Benachteiligung von Hauptschüler*innen aufgrund ihrer Positionierung abseits der gesellschaftlich geltenden Bildungsnorm aufmerksam. Der Autor analysiert die Träume dieser Gruppe auf ihre Spezifik in der Imagination von Zukunft. Dabei reflektiert er die konstitutive Rolle von Hoffnung und Optimismus.
This article is based on long-term research conducted concerning ‘dreams of the future’ of disadvantaged pupils at a secondary school. He analyses the dreams of this group to find out about their imaginations of the ‘future’ and reflects on the constitutive role of hope and optimism. With this method the author manages to identify conditions for participation and claiming a stake in society
The Power of Virtual Maps
Der Essay gibt einen Überblick über die Entwicklung von Karten und ihren gesellschaftlichen Funktionen. Er zieht eine Verbindung von ersten Entwicklungen bis zu heutigen Apps. Am Beispiel des Erfolges von Pokémon Go wird verdeutlicht, wie digitale Karten unsere heutige Alltagspraxis durchziehen, und kritisch die damit verbundenen gesellschaftlichen Auswirkungen reflektiert.
The paper discusses the development of maps and their function within society. It links the genesis of early maps with the current development of urban apps and the success of Pokémon Go. Thus it questions the practice of mapping and gives an overview over the critical perspectives of today’s mapping
Autor*innen und weitere Beteiligte
In diesem Abschnitt werden die Autor*innen und weitere Personen, die an der Veröffentlichung beteiligt gewesen sind, aufgeführt.
This section provides information on the authors and other people involved in the publication of this issue
Die Stadt als Parkplatz
Eric Pfromm beschäftigt sich mit der Frage, was eine lebenswerte Stadt ist und wie sie gestaltet sein bzw. werden muss, um dem sich stetig wandelnden, globalisierten und flexibilisierten Leben gerecht zu werden. Die Konzeptualisierung eines solchen Lebensraums fängt seiner Meinung nach beim Planen und Bauen von Wohnraum in der Stadt an und mündet im Designen von öffentlichem Stadtraum. Dies wird Stadtplaner sowie Designer vor immense Herausforderungen stellen.
Eric Pfromm deals with the question of what a city worth living in is and how it will have to be designed in order to adjust adequately to constantly changing, globalised and dynamic life. In his opinion, the conceptualization of an environment like that starts with the planning and building of living space in the city and necessitates the design of public urban space. This, he predicts, will pose immense challenges to urban planners and designers
Mode durchdenken – durch Mode denken: Reflexionen über ein studentisches Projektseminar
Studentische Forschung kann am Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie auch in studentische Lehre überführt werden. Im Sommersemester 2019 haben die Bachelorstudierenden Susanne Hochmann, Manuel Bolz und Thea Gatzke ein Studentisches Projektseminar (SPS) konzipiert und durchgeführt. Dabei haben sie Mode aus der Perspektive von Nachhaltigkeit – einem Imperativ für zukunftsorientiertes Handeln im Kontext von ressourcenschonendem Wirtschaften – unter die Lupe genommen. Die Kulturanalytikerin Stefanie Mallon hat das Seminar begleitet und reflektiert in ihrem Artikel ›Mode durchdenken – durch Mode denken‹ die weiterführenden Gedanken, die sie im Laufe des Semesters daran entwickelt hat.
At the Institue of Cultural Anthropology in Hamburg, it is possible to transfer student research into student teaching formats. Three bachelor students have designed and taught a student project seminar (SPS) in 2019. Their research focus was on fashion and sustainability – which can be considered an imperative for future oriented practice in the context of resource friendly householding. The cultural analyst Stefanie Mallon has supervised the seminar and reflects the insights, which she has had in the course of the semester
Schwarzer Tee mit Zucker: Über Produktion von Alltäglichkeit
An Geflüchtete an Bahnhöfen ausgeschenkt, zeigt der schwarze Tee mit Zucker eine symbolische sowie imaginative Kraft und verdeutlicht prozessuale Wissensproduktionen. Ein sozialkonstruktivistischer Ansatz wird in diesem Artikel für Forschungsgebiete in der Intersektion von Nahrungs- und Migrationsforschung fruchtbar gemacht.
Engl.:
Given to refugees at central stations, the black tea with sugar reveals a symbolic and imaginative power and illustrates processual productions of knowledge. The article adopts a social constructivist stance and shows its value for the intersectional research field of nutrition and migration studies.
 
Die Materialität von Welt und Wissen: Geschichte und Bedeutung der Sachkulturforschung am Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie
Sabine Kienitz hebt den Stellenwert der materiellen Kulturforschung am Institut in Hamburg hervor. Sie zeichnet dazu einen historischen Überblick über die Geschichte des Instituts und die Verwobenheit und Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von ›Materialität‹ als Zugang zur Kulturforschung. Die anfängliche Verknüpfung des Instituts mit dem Museum für Hamburgische Geschichte und die daraus folgende Fokussierung auf Sachkulturforschung werden in dem Zusammenhang thematisiert. Deutlich wird aber auch der Zusammenhang zwischen den Forschungsinteressen der jeweiligen Forscher*innen und den strukturellen und epistemischen Bedingungen ihrer Zeit.
Material Culture research has always stood at a prominent position at the Institute of Cultural Anthropology in Hamburg. Sabine Kienitz writes an overview over the history of the institute and the initially close connection to the Museum of the History of Hamburg. She, furthermore, clarifies the connection between the research interests concerning material culture of researchers at the institute now and the structural and epistemical conditions of their time
Hamburg, der FC St. Pauli und die Volkskunde
Dieser Beitrag beschreibt die Annäherung an ein Forschungsfeld – die Fankultur um den FC St. Pauli. Forscher*innen der europäischen Ethnologie, so wird gezeigt, geht es nicht nur um abstrakte Phänomene, sondern um die Relevanz lebensweltlicher Wirklichkeitserfahrung. Sie nehmen dabei nicht nur intellektuell das Wissen auf, sie eignen sich zudem das körperliche Wissen an, um Einblick in die Disposition der Subjekte der Praktik zu erlangen.
This article describes a researcher approaching her research field – the fan culture surrounding the football club of St. Pauli in Hamburg. It shows that European ethnologists are not just concerned with abstract phenomena, but also with the relevance of the experience of the ‘real world’. Knowledge is not just acquired through the intellectual approach, but also physically to gain insights into the disposition of the subjects of the practice
Wege ins Institut – Wege aus dem Institut
In der Beilage zu dieser Ausgabe des HJK erläutern Studierende eine studentische Perspektive auf das Institut und das Studium und konzentrieren sich dabei auf die Themen Wissen und Wissensproduktion: Sie fragen einerseits danach, welches Wissen Studierende ins Studium mitbringen und welches Potenzial dieses im Laufe des Studiums noch entwickeln kann. Auf der anderen Seite erkunden sie, wie kulturanthropologische Forschung und Wissensproduktion in der Gesellschaft wirken. Die Autor*innen dieser Beilage befassen sich zudem bei der Frage nach Zukunftsfähigkeit mit der Funktion von wissenschaftlicher Sprache und ihrer Rolle bei Vermittlung von Wissen. Die Zugänglichkeit von Wissen sehen sie als essentiell für die Gestaltung der Gesellschaft und das positive Einwirken auf kritische Gegebenheiten und Missstände
On reflexive and participatory approaches in digital preservation today. Interview with Samantha Lutz
Digitisation brings new demands and new challenges to the realm of cultural heritage, particularly around voice and preservation. Natalie Harrower is Director of the Digital Repository of Ireland (DRI), a national digital repository for archiving, preserving and providing access to Ireland’s cultural heritage, humanities and social sciences data. In the interview, Natalie Harrower examines current developments in digital preservation from a practical perspective, offering concrete examples that range from technical and legal challenges and participatory memory practices to future challenges of digital preservation such as creative practices of reuses, economies of sharing cultural heritage and preservation of digitally-born materials. Against this backdrop, she addresses ethical issues and the question of cultural sustainability, spanning the poles of remembering and forgetting and diverging preservation strategies in today’s digital universe.