Ethnoscripts
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Organisationsethnologie als Grundlage von Organisationsberatung
Organisationsethnologie nimmt an Relevanz im Kontext von erfolgreichem Change Management immer mehr zu. Entscheider erleben in der Praxis, dass sie ihr Unternehmen häufig im Blindflug steuern, weil sie die hidden transcripts der Unternehmenskultur nicht kennen. Damit nimmt in den letzten Jahren ein klassisches Anwendungsfeld der Ethnologie – die Organisationsethnologie – an Bedeutung auch als Berufsfeld für junge EthnologInnen zu. Dieser Artikel geht den Fragen nach, wie es dazu kommt, welche Kompetenzfelder der Ethnologie hier im Besonderen zum Einsatz kommen und wir Berufseinsteiger aufgestellt sein müssen, um sich hier erfolgreich zu behaupten
Der Stellenwert der Anthropologie in der humanitären Hilfe am Beispiel von Ärzte ohne Grenzen
Die rezente Ebola-Epidemie in Westafrika hat ein verstärktes Interesse an derkultursensiblen Herangehensweise von AnthropologInnen und deren Einsatz inhumanitären Hilfsprojekten entfacht. Ausgehend von dieser Beobachtung wird die in den letzten Jahren zu verzeichnende beidseitige Annäherung von Anthropologie und humanitärer Hilfe dargestellt. So wird zum einen humanitäre Hilfe als eigenes Forschungsfeld mit einem Fokus auf ethnographische Studien beleuchtet. Zum anderen werden konkrete Einsatzmöglichkeiten von (Medizin-)AnthropologInnen mit ihren Fertigkeiten als „kulturelle VermittlerInnen“ in der humanitären Hilfe am Beispiel von Ärzte ohne Grenzen erörtert
Hess, Sabine, Johannes Moser und Maria Schwertl (Hg.) (2013) Europäisch-ethnologisches Forschen. Neue Methoden und Konzepte. Berlin: Reimer, 322 S., 11 Abb., Index
Rezensio
Editorial: Erkundung ethnologischer Arbeitsfelder
Das Editorial bietet einen Überblick über die Thematik und die im Heft zusammengefassten Beiträge
Kathrin M. Gradt im Gespräch mit Katharina Mocharitsch über ihren Weg von der Wissenschaft in die selbständige Erwerbsarbeit „Ich denke, ich bin eine Querschwimmerin“
Das Gespräch gibt einen Einblick in die herausfordernde liminale Phase zwischen Studienabschluss und ersten Berufserfahrungen und zeigt einen möglichen und mutigen Einstiegsweg ins Berufsleben. Des Weiteren erörtert es Möglichkeiten der Anwendung von theoretischen und methodischen ethnologischen Kompetenzen in so unterschiedlichen Arbeitsfeldern wie der Unternehmensberatung und Atemarbeit
“Arm, aber sexy” (Poor, but sexy): Homelessness in Berlin
Berlin is a fascinating city full of paradoxes. More than a decade ago, exmayor of Berlin Klaus Wowereit captured the imagination of the world’s creative, hungry and poor by advertising the city with the tagline, “Berlin ist arm, aber sexy” (“Berlin is poor but sexy”) and opening its doors to newcomers of all shapes and sizes; today, Berlin has truly reaped the demographic rewards of such campaigns. However, the promise of a “poor” but “sexy” life in Berlin remains an unfulfilled one for many people, particularly the estimated 16,000 homeless people who have no secure long-term residences. The harsh everyday struggles of the poor and homeless in Berlin have been gradually overshadowed amidst the ongoing financial and refugee crises. This article hopes to reclaim a small space for the voices of some people who have experienced life on the streets in Berlin. This paper seeks to answer the research question, “Why do homeless people stay in the city centre andwhat influences their decisions regarding the places they stay at?
Ethnologie und außeruniversitäre Praxis
In der akademischen Ethnologie wird häufig verdrängt, dass die meisten Absolventen und Absolventinnen heute außerhalb der Universität arbeiten, die wenigsten Dozenten aber diese Berufswelt aus eigener Anschauung kennen. Dabei gibt es mittlerweile vermutlich auch in Deutschland mehr nicht-akademische als akademische Ethnologen. An der Universität wird jedoch wenig darüber reflektiert, welche Kompetenzen das Studium der Ethnologie vermittelt, die für die Praxis von Bedeutung sind. Dies ist nicht in einem technischen Sinne gemeint. Absolventen erwähnen in diesem Zusammenhang eher einen gewissen ‚Erkenntnisstil‘, eine bestimmte Herangehensweise an Probleme. Stichworte sind hier systematischer Perspektivenwechsel, das Einnehmen des ‚emischen Blicks‘, die Aufmerksamkeit für das Informelle und für verdeckte Strukturen, ein eher normfreies Herangehen an gesellschaftliche Probleme, kulturelle Offenheit für unterschiedliche Realitäten, Sensibilität für die Verwendung von Sprache, auf der Basis genauen Hinhören, Sensibilität für das Nicht-Gesagte und die Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Erkenntnisposition. Noch weniger wird in der akademischen Ethnologie darüber reflektiert, welches theoretische Potential die außerakademische Praxis hat
Bericht zur Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde 30.09.2015 - 03.10.2015 in Marburg
Reflexion und Eindrücke zur DGV-Tagung. Tagungsthema: Krisen. Re-Formationen von Leben, Macht und Wel
Angewandte Ethnologie heute. Arbeits- und Minenfelder jenseits des Kokons
Dieser Aufsatz verbindet einen Überblick zu ethnologischem Handeln außerhalb der Akademie mit einer Position. Dabei stelle ich internationale Ansätze und Möglichkeiten inklusive notorischer Probleme dar. Ethnologinnen und Ethnologen verbinden die wissenschaftlich distanzierte Außensicht auf Kultur mit den Innensichten der Menschen, bei und mit denen wir forschen. Durch den lokalen und dabei erfahrungsnahen Zugang haben wir nicht nur intensive Lokalkenntnisse, sondern auch eigene interkulturelle Erfahrungen über längere Zeiträume. Wir sind trainiert in Perspektivenwechsel, vergleichender Sicht und der Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Die besondere Stärke der Ethnologie ist die induktive Untersuchung allgemein für Menschen wichtiger und global relevanter Themen anhand intensiver Detailstudien. In einer Welt großer Maßstäbe und der Herrschaft der Durchschnittswerte kann die Ethnologie die „Anwältin kleiner Maßstäbe“ sein. Verantwortliche ethnologische Praxis muss vieles bedenken, das Fach, die Partner, sowie Theorie, Methoden, Ethik und auch neue Wissensformen und Darstellungsweisen. Angesichts einer grassierenden Kulturalisierung des Sozialen und Politischen vertrete ich die Position, dass es uns primär um Menschen und die Menschheit und erst dann um Kulturen gehen sollte. Wir sollten die spezielle ethnologische Fachperspektive in praktische und politische Prozesse einbringen, dies aber allenfalls persönlich als moralisches Projekt auffassen. Dabei müssen wir immer die aktuellen Ziele, Interessen und Bedürfnisse unserer Partner, die in der Regel keine Wissenschaftler sind, beachten. In praktischen Kontexten geht nicht um Vollständigkeit und Tiefe, sondern primär um das Wissen, das zur Lösung momentan gebraucht wird. Meso- und Makro-Kontexte und auch der historische Hintergrund sind nur soweit relevant, wie es zum Verständnis bzw. zur Lösung notwendig ist. Variation in jeglicher Hinsicht und auf allen Ebenen ist zentraler Bedeutung. Wir sollten auf die Relevanz von Vergleich insistieren und Vergleiche nicht nur in kontrastiver Hinsicht durchführen. Im öffentlichen Raum müssen wir verständlich reden und schreiben. Dabei sollten wir den Mut haben, zu vereinfachen, ohne dabei populären Festschreibungen aufzusitzen. Kurzum: die deutschsprachige Ethnologie muss raus aus ihrem Kokon