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Child Studies in Udmurtia in the 1920s
Die interdisziplinäre Kinderforschung entstand im späten 19. Jahrhundert im Umkreis des amerikanischen Psychologen und Sozial-Darwinisten G. Stanley Hall. Bald wurde sie zu einer länderübergreifenden wissenschaftlichen Bewegung, die sich unter der Bezeichnung der Pädologie verbreitete und im bolschewistischen Russland der 1920er Jahre besonders stark an Fahrt gewann. Der vorliegende Aufsatz gibt einen Einblick in die pädologische Praxis in der Sowjetischen Udmurtischen Republik und zeigt die Auseinandersetzung der lokalen Eliten mit den theoretischen Implikationen sowie den praktischen Konsequenzen der Anwendung des pädologischen Wissens für die indigene Bevölkerung. Udmurtische Intellektuelle empfanden die sozial-biologischen Theorien als diskriminierend und formulierten alternative Konzepte für die Erziehung der nächsten Generation. Im Beitrag werden die bis heute wenig beachteten Bildungsprojekte udmurtischer Intellektueller vorgestellt, die im Kontext des neuen Programms der Kinderforschung in der Region entstanden sind. Der intellektuelle und wissenschaftliche Transfer, der in Udmurtien stattfand, war keine Einbahnstraße, sondern reektierte den reziproken Kommunikation- und Austauschprozess. Die lokalen Eliten verfügten in den 1920er Jahren über gewisse Freiräume und versuchten, die sowjetische Wissenschaftspolitik zu beeinussen.Die Pädologie erwies sich als ein wichtiges, wenn auch kurzes Kapitel in der russischen Wissenschaftsgeschichte.Interdisciplinary child research emerged in the late nineteenth century with the pioneering work of the American social-Darwinist psychologist G. Stanley Hall. It soon became a transnational scientic movement, pedology, which gained particular traction in Bolshevik Russia in the 1920s. The present essay oers an insight into pedological practice in the Soviet Udmurt Republic and highlights the engagement of local elites, who were concerned with both the theoretical implications and practical consequences of pedology for the indigenous population. Udmurt intellectuals regarded social-biological theories as discriminatory and formulated alternative approaches to school the next generation. This article presents their hitherto little documented educational projects, which evolved in the context of the new programme of child studies conducted in the region. The intellectual and scientic transfer that took place in Udmurtia was not a one-way street, but reects a reciprocal process of communication and exchange. For about a decade, local elites enjoyed a modicum of freedom and attempted to inuence Soviet scientic policy. Pedology proved to be an important but short-lived chapter in the history of Russian science