Biologie in unserer Zeit (BiuZ - E-Journal)
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Mathematisch-naturwissenschaftliche Gesellschaften: Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften ist keine Freizeitgestaltung
Ein Positionspapier der in der Initiative Wissenschaft-verbindet zusammengeschlossenen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften fordert Politik wie Schulträger auf, Lehrkräften mathematisch-naturwissenschaftlicher Schulfächer qualifizierte Angebote zu schaffen und die Teilnahme daran während der regulären Arbeitszeit zu erleichtern
Die „Naturverbundenheit“ stärken
Der Schutz von Natur und Umwelt ist eines der zentralen Themen unserer Gesellschaft. Die Fokussierung der Umweltbildung auf die Vermittlung von Fachwissen hat sich in der Vergangenheit als wenig tauglich erwiesen, Menschen für umweltgerechtes Verhalten zu begeistern. Inzwischen hat man die Relevanz ganz anderer Faktoren erkannt, unter denen die „Naturverbundenheit“ eine besondere Rolle zu spielen scheint. Bildungsträger sollten daher diese gezielt in den Blick nehmen
Oribatid mites – inconspicuous diversity from the soil:
Hornmilben sind faszinierende Tiere. Vor über 500 Millionen Jahren entstanden, leben sie heute in hohen Dichten und in großer Vielfalt in den unterschiedlichsten Ökosystemen und Mikrohabitaten auf der ganzen Welt – ein langer Zeitraum, der sich auch in einer großen Vielfalt an Maßnahmen zum Schutz vor den zahlreichen Fressfeinden widerspiegelt. Hornmilben selbst hingegen ernähren sich meist eher friedlich von abgestorbenem organischen Material, Pilzen und Bakterien. Etwa zehn Prozent der bekannten Hornmilbenarten vermehren sich rein eingeschlechtlich – haben also die Männchen im Laufe der Evolution „abgeschafft“. Dass dies über hundert Millionen Jahre funktioniert und sogar zur Entstehung zahlreicher neuer Arten geführt hat, ist ein einzigartiges Erfolgsmodell in der Biologie – und ein „Skandal der Evolution“.Oribatid mites are fascinating animals. Having come into existence over 500 million years ago, they now live in high densities and show a high diversity in a wide range of ecosystems and microhabitats all over the world. This is a long period of time, which is also reflected in the development of a high variety of defence mechanisms in oribatid mites against their numerous predators. Oribatid mites themselves, however, usually feed on dead organic material, fungi and bacteria rather peacefully. About ten per cent of the known oribatid mite species reproduce purely unisexually – i. e. have “abolished” males in the course of evolution. The fact that this has worked over hundreds of millions of years and has even led to the emergence of numerous new species is a unique model of success in biology – and an “evolutionary scandal”
Können Förderprogramme schaden?
Die Einwerbung von Forschungsgeldern, Stipendien und Preisen ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen wissenschaftlichen Karriere. Doch wann lohnt es sich, wie viel Zeit in welche Ausschreibung zu investieren? Gerade für Wissenschaftler/-innen am Anfang ihrer Karriere ist dies schwer zu beurteilen. Hier kommentieren Ulrike Endesfelder, Fabian Schmidt, Martin Dresler, Robert Kretschmer und Eva Buddeberg ihre aktuelle Veröffentlichung und erklären, warum manche Förderprogramme der Wissenschaft eher schaden als nützen
KBF wieder in Präsenz unterwegs für die Biologie
Am 10. Juni 2022 fand die jährliche Plenartagung der Konferenz Biologischer Fachbereiche (KBF, https://www.kbf.bio) in langersehnter Präsenz in Braunschweig statt. Im Rahmen der Konferenz wurde auch die Auszeichnung Science Hero an die Virologin Melanie Brinkmann verliehen, die als Professorin für Genetik an der TU Braunschweig forscht
Ein winziger Krebs mit hohen Stiefeln
Im Grunde ist die Beschreibung einer biologischen Art eine ernsthafte Aufgabe, die zum Beispiel in den „Rules of Zoological Nomenclature“ mehr oder weniger streng festgeschrieben ist. Laut dem leitenden Paläontologen Robert Fortey vom „Natural History Museum“ in London eine der „langweiligsten Bettlektüren“, die er sich „vorstellen kann“. Dessen ungeachtet beschreibt er in seinem Buch „Trilobiten!“ mit hintergründigem britischem Humor einige Kniffe, wie man in die vordergründige Tristesse der Taxonomie vergnügliche Epitheta einbringen kann – natürlich ohne Linnes’ Inspiration ins Lächerliche zu ziehen. Hinter manch einem gräzisierten oder lateinisierten Epitheton verbergen sich die Namen von Angebeteten, Liebschaften, Rockmusikern, Schauspielern oder Schriftstellern
Luangwa – the valley of the leopard:
Das Luangwatal im Osten Sambias ist eine der letzten großen afrikanischen Naturlandschaften mit weitgehend intakten Lebensräumen. Durch seine besondere klimatische Stellung als Trockengebiet fungiert es als Brückenhabitat zwischen den Trockensavannen Ost- und des südlichen Afrikas inmitten eines Meers aus Miombowald. Dies zeigt sich in diesem Verbreitungsgebiet durch eine Reihe von Tierarten und einer Tendenz der taxonomischen Eigenständigkeit einzelner Arten wie der Rhodesiengiraffe und dem Cookson-Gnu. Das Gebiet ist durch mehrere Nationalparks geschützt. Die Pandemie und die damit verbundenen Reiseeinschränkungen führten zu einem Zusammenbruch des Tourismus und negativen Konsequenzen für die Lokalbevölkerung und die Tierwelt. Hervorgehoben wird die essentielle Rolle des Tourismus beim langfristigen Erhalt dieser wichtigen Großlebensräume.The Luangwa Valley in Eastern Zambia is one of the last big African natural landscapes with largely intact habitats. Due to its special climatic status as a dry area, it acts as a bridge habitat between the dry savannahs of Eastern and Southern Africa in the middle of the Miombo forest belt. In this distribution area, this is manifested in a range of animal species and in the tendency towards the taxonomic independence of individual species such as the Luangwa giraffe and the Cookson’s wildebeest. The area is protected by several national parks. The pandemic and the associated travel restrictions led to a collapse in tourism and negative consequences for the local population and wildlife. The essential role of tourism in the long-term preservation of these important large habitats is emphasized
Zeugnisse der europäischen Kulturgeschichte: Historische Parks und Gärten für Schüler/-innen erschließen
Wie können historische Gärten und Parkanlagen für Schüler/-innen erschlossen werden? Welche spezifischen Lerninhalte können in diesen Anlagen vermittelt werden? Wie kann man diese Lernpotenziale bestmöglich ausschöpfen? Ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt soll diesen und ähnlichen Fragen nachgehen. Gemeinsam mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Hessen entwickelt die Biologiedidaktik der Goethe-Universität Frankfurt neue Perspektiven für den Lernort „Gartendenkmal“
The unexpected diverse venom evolution in centipedes:
Jüngste Erkenntnisse aus der modernen Tiergiftforschung zeigen, dass die Vorfahren der Hundertfüßer vermutlich ein recht simples Gift mit wenigen neurotoxischen Komponenten und Enzymen besaßen. Dieser Giftcocktail wurde im Laufe der Evolution unerwartet stark verändert und an die heutige Lebensweise der Hundertfüßer angepasst. Tatsächlich gibt es keine Toxinfamilie, die in den Giften der untersuchten Arten aller fünf Ordnungen gemeinsam vorkommt, und damit gibt es auch nicht das eine Hundertfüßergift. Die Klimax sind die extrem diversen Gifte der Skolopender, die zahlreiche neue Neurotoxine beinhalten. Die Prozesse, wie die Giftproteine in den Hunderfüßern entstehen und evolvieren, sind hier durch neue Studien beleuchtet. Erste Daten zeigen, dass auf genomischer Ebene sogar horizontaler Gentransfer eine Rolle spielen könnte.Recent studies in the field of modern venomics illustrate that the ancestors of today’s centipedes presumably had a rather simple venom cocktail at their disposal with few neurotoxic components and enzymes. In the course of evolution, this venom cocktail has experienced unexpected changes with diverse adaptations to centipede lifestyles – a development that led to unique venoms in all five centipede orders that share no single toxin family, which makes it impossible to speak of a centipede venom. The venoms of giant centipedes (Scolopendromorpha) represent a climax with several new neurotoxic peptides. The processes that have led to the development and evolution of venom proteins in centipedes are illustrated here. First data on genomic level suggest that even horizontal gene transfer might play an important role