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Biographical Narration according to Bourdieu using the Example of the Correspondence of Ewald Christian von Kleist (1715-1759)
I. Ziel und Zweck der Dissertation
Die Dissertation mit dem Titel Biographisches Erzählen nach Bourdieu am Beispiel der Korrespondenz Ewald Christian von Kleists (1715-1759) stellt Optionen biographischen Erzählens am Beispiel von Briefen als Theorie und Methode vor.
Anhand eines hinsichtlich seiner Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte vielschichtigen Quellenmaterials, dessen Entstehungszeitraum in der Mitte des 18. Jahrhunderts liegt und zudem weder umfassend noch nach aktuellen wissenschaftlichen Kriterien erforscht ist, werden biographische Zugänge zu diesem Quellenkorpus anhand theoretischen und methodischen Faktoren vorgestellt.
Ausgangspunkt der Dissertation sowie der theoretischen und methodischen Vorgehensweise sind dabei die spezifischen Eigenschaften des Quellenmaterials, da diese die Grundlage für alle weiteren Schritte vorgeben. Die Quellen sind überlieferte Briefe des Akteurs Ewald Christian von Kleists sowie die im Wechsel mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) und einzelner anderer Briefpartner entstandenen Korrespondenzen.
In den Briefen Kleists an Gleim wiederholen sich stets ähnlich lautende Aussagen des Akteurs, sein Leben beenden zu wollen, aber nicht dazu in der Lage zu sein. Diese Aussagen werden in verschiedenen sozialen Kontexten getroffen, wodurch widerspruchsvolle Wirkungen ausgelöst werden.
Dazu existieren einige ältere Forschungsarbeiten zu Kleist, die dessen regelmäßig auftretende, widerspruchsvoll erscheinende Aussagen relativieren oder Kleist sogar eine emotionale Instabilität zuschreiben. Beide dieser Interpretationen können in vorliegender Dissertation kritisiert sowie erweitert werden.
Es ergibt sich vielmehr die These, dass die Absichten, die der Akteur Kleist mit diesen Aussagen verfolgt, eine existentielle Bedeutung für ihn und seine soziale Position besitzt. Dies begründet sich durch die Annahme, dass Akteure sich stets sinnstiftend nach einer entsprechenden Logik der Praxis verhalten, die für Außenstehende zunächst gar nicht logisch erscheinen muss. Dies gelte sowohl für aktuelle Akteure wie auch für Kleists Zeitgenossen.
Mittels Pierre Bourdieus Begriffsinstrumenten zur sozialen Urteilskraft, die auf die Briefkorrespondenz anwendbar gemacht bzw. um weitere Elemente ergänzt wurden und im Begriff biographischer Habitus zusammengefasst werden, lassen sich die scheinbaren Widersprüche in den Aussagen des Akteurs zunächst extrahieren und schließlich nach einer kleistspezifischen Logik der Praxis auflösen, die sich der Akteur Kleist sozusagen eigens legitimiert hatte.
Die Fragestellung, die für die Quellenarbeit dabei zentral ist, lautet: Was befähigt den Akteur Kleist dazu, sich erfolgreich in so widersprüchlich erscheinenden sozialen Feldern wie Dichtkunst und Militär zu positionieren?
Eine mögliche Antwort darauf, knapp und vereinfachend zusammengefasst, lautet: Es sind Kleists umfangreiche Emotionskonstruktionen, die ihn zwar erst in diese Widersprüche versetzt haben, die allerdings auch Lösungsoptionen bzw. Handlungsanweisungen für die jeweilige Krise des Akteurs bereithalten.
An dem Beispiel ausgewählter Emotionskonstruktionen in Briefen Kleists zeige ich also, wie das Begriffsinstrument Habitus als erweitertes Begriffsinstrument Pierre Bourdieus auf sowie als biographisches Erzählen angewandt werden kann und wie dabei entsprechende Praxisformen den Geschmack der Akteurinnen ausdrücken bzw. wiederum selbst Kapital darstellen.
II. Gliederung der Dissertation
Kapitel 1 - Das Forschungsprojekt: Dieses Kapitel behandelt die methodisch-theoretischen Grundlagen des Forschungsprojekts und ordnet die Quellenkapitel (ab Kapitel 7) so an, dass die theoretische und methodische Perspektive auf die Konversation Ewald Christian von Kleists nachvollzogen werden kann.
Kapitel 2 - Die Begriffsinstrumente Pierre Bourdieus: Vorstellung der Auffassungsweise der Begriffsinstrumente Bourdieus, hauptsächlich basierend auf seinen Texten "Die feinen Unterschiede", "Sozialer Sinn" und "Praktische Vernunft". Es wird auch auf Kritikpunkte an Bourdieu eingegangen.
Kapitel 3 - Emotionskonstruktionen als Forschungsperspektive: Bezug auf "Die feinen Unterschiede", um eine implizite Emotionstheorie darzustellen. Das Kapitel ist in zwei Teile gegliedert: der erste Teil sucht nach dieser Theorie in Bourdieus Werk, der zweite Teil behandelt Beiträge zur Emotionsforschung und deren Herausforderungen.
Kapitel 4 - Biographisches Erzählen als Forschungsperspektive: Vier Unterkapitel, die sich mit den Begriffen Leben, Lebenslauf, Lebenserzählungen und den Schlussfolgerungen daraus beschäftigen. Es wird gezeigt, wie biographisches Erzählen Leben bedeutungsvoll macht, unter Einbeziehung von Zitaten und Beiträgen zur Biographieforschung.
Kapitel 5 - Zur Quellenperspektive: Vorstellung emotionaler Briefstellen von Kleist und eine Selbstreflexion dazu. Anschließend werden Beiträge zur Kleist-Forschung diskutiert, um weitere Aspekte des Forschungsprojekts zu beleuchten.
Kapitel 6 - Begriffseinführung biographischer Habitus: Konzeption des Begriffs und eine Anwendungsmöglichkeit, basierend auf der Quellenperspektive und Bourdieus Begriffen zu Emotionen und biographischem Erzählen. Ziel ist die Verbindung der Theorien und Methoden.
Kapitel 7 - Biographischer Habitus in Briefen Ewald Christian von Kleists: Anwenden des konzipierten Begriffsinstruments auf Kleist, mit Fokus auf seine Lebensverläufe und das Lebensgefühl der Akteurinnen. Das Kapitel ist in drei Teile gegliedert:
• 7.1 Felderbeitritte und Positionierungen: Analyse von Kleists sozialen Möglichkeiten und Positionierungen anhand seiner Briefe und seines Lebenslaufs.
• 7.2 Ein unvollendeter Hungersuizid: Untersuchung von Kleists Briefen über seinen unvollendeten Hungersuizid, Analyse der Erzählkonstruktionen und die beteiligten Personen.
• 7.3 Widersprüchlichkeiten des Brief-Kleists?: Untersuchung der Einflussfaktoren auf Kleists Körper und seiner Wahrnehmung in den Briefen. Fokus auf Herrschaftsverhältnisse und der Rolle des sozialen Geschmacks als Sinnesorgan.
Im Quellenkapitel wird zudem eine Einordnung der Briefe über Kleists unvollendeten Hungersuizid von 1748 in einen (re)konstruierten Lebensverlauf Kleists vorgenommen. Davon ausgehend wird die zeitliche Entwicklung anhand von Kleists weiteren Positionsbesetzungen bzw. Felddynamiken auf den Feldern ‚Adel‘, ‚Militär‘ und ‚Dichtkunst‘ skizziert. Damit werden Kleists relevante überlieferte Lebensstationen chronologisch abgehandelt.
Schließlich werden diese Sinnkonstruktionen Kleists hinsichtlich Distinktionsmerkmalen in Kapitel 8 zusammengefasst. Die Kapitel 8 und 9 enthalten meine Schlussthesen zu Kleists biographischem Habitus, eine Reflexion bezüglich des Begriffsinstruments biographischer Habitus sowie ein Fazit zu biographischem Erzählen nach Pierre Bourdieu.
III. Begriffssynthese biographischer Habitus
Der Begriff Biographischer Habitus umfasst Begriffe Bourdieus, die ich mit weiteren Theorien und Methoden ergänzt habe:
Sozialraum: Bourdieus Sozialraum besteht aus sozialen Positionen und dynamischen, hierarchischen Strukturen. Akteurinnen konkurrieren mit materiellem und immateriellem Kapital um Positionen auf verschiedenen Feldern, welche durch den Habitus und die Praxis der Akteurinnen beeinflusst werden.
Geschmack: Der soziale Geschmack entsteht durch die Dynamik der Felder und den Kampf um legitime Mittel. Akteurinnen nutzen ihren Geschmack und ihr Kapital, um sich in den sozialen Feldern zu positionieren und sie zu (re)strukturieren.
Schicksal: Das Bewusstsein der eigenen sozialen Grenzen führt zu einer Reflexion der sozialen Wirklichkeit. Dies kann zu einer Umkehrung der Einstellung zum eigenen Schicksal führen, von Akzeptanz (amor fati) zu Ablehnung (odium fati).
Körper: Der Körper der Akteurinnen, oder Hexis, ist ein Ausdruck des Habitus und dient als Antrieb für Handlungen. Hexis und Habitus sind untrennbar miteinander verbunden.
Denkverbote und Denkgebote: Doxa, Allodoxia und Hysteresis beeinflussen die Wahrnehmung und das Verhalten der Akteurinnen in spezifischen Feldstrukturen. Diese Begriffe bieten Modelle zum Verständnis des komplexen Verhaltens in sozialen Feldern.
Verschleierungen: Strategien, wie Euphemisierungen, zielen auf Veränderungen im Leben der Akteurinnen ab. Diese Strategien bieten Einblicke in ihre sozialen Systeme und ihre soziale Verortung.
Diese Begriffsinstrumente Pierre Bourdieus entfalten ihren Erklärungswert erst durch ihre Anwendung, oft in Synthese mit anderen Theorien. Diese Instrumente ermöglichen ein tiefgehendes Verständnis der dynamischen sozialen Komplexität und erschließen verschiedene Perspektiven auf unsere soziale Welt.
Ziel des Forschungsprojekts ist die Anwendung von Bourdieus Begriffsinstrumenten auf Ewald Christian von Kleists, insbesondere durch eine erweiterte Version des Habitus, genannt biographischer Habitus. Besonders im Fokus stehen Bourdieus Begriffe wie Geschmack, Hexis, Doxa, Allodoxia, Hysteresis, Strategien und Euphemismus sowie deren Bezug zu Emotionen.
Biographischer Habitus: Das Konzept des biographischen Habitus habe ich durch die Kombination von Bourdieus Begriffsinstrumenten, Emotionstheorien und Theorien des biographischen Erzählens synthetisiert. Dieses Konzept soll eine emotionskonstruierte soziale Urteilskraft darstellen und auf Lebensverläufe spezifisch angewendet werden können.
Bourdieu verweist auf die Welt der Kunst, um den Begriff soziale Urteilskraft zu erläutern. In Bourdieus Kunstwelt sind demnach nur bestimmte Kunstformen akzeptiert, um legitim über ästhetische Erfahrungen zu kommunizieren. Das ästhetische Urteilen erfordert es, die richtigen, also legitimen Emotionskonstruktionen zu besitzen und auszudrücken. Dabei geht es darum, eine legitime Wahrnehmungsweise zu zeigen, die von Außenstehenden als legitim erkannt wird. Obwohl der Begriff Emotion dabei nicht explizit genannt wird, werden die damit verbundenen Faktoren und Eigenschaften, wie habitualisiertes Wissen und Körperlichkeiten, beschrieben. So bespricht Bourdieu Emotionskonstruktionen nicht direkt anhand von Beispielen, weshalb dies oft als Lücke in seinen Theorien angesehen wird.
Dennoch sind diese Emotionskonstruktionen in den Begriffen zur Urteilskraft und den Kategorien der Wahrnehmung implizit enthalten. Also lässt sich zusammenfassen, dass Emotionen vom Habitus produziert werden sowie diese miteinander in Wechselwirkung stehen. So kann man schließen, dass Emotionen in Bourdieus Theorien zwar nicht explizit ausgeführt, aber dennoch präsent und wichtig sind.
All diese Aspekte fasst das von mir entworfene Begriffsinstrument biographischer Habitus in einer anwendungsorientierten Methode zusammen, die ich schließlich auf konkrete Briefstellen des Akteurs Kleists anwende.
IV. Anwendung biographischer Habitus
Biographischer Habitus besteht aus drei theoretischen Komponenten, die als Methode zusammengefasst werden und variiert, ergänzt oder erweitert werden können:
1. Rekonstruktion sozialer Felder: Welche sozialen Felder nach Bourdieu werden von den Akteurinnen beansprucht oder nicht? Was befähigt sie dazu? Diese Felder werden samt ihrer Geschichte, Dynamiken, Exklusivität und Logiken rekonstruiert.
2. Rekonstruktion der persönlichen Laufbahn: Welche Positionen auf den Feldern werden von den Akteurinnen beansprucht oder nicht? Was befähigt sie dazu? Die Beantwortung dieser Frage beleuchtet die emotionskonstruierten Bezugnahmen auf Zäsuren im Lebensverlauf der Akteurin.
3. Analyse der Verhältnisse der Positionierungen und Narrative: Welche Positionierungen werden von den Akteurinnen beansprucht oder nicht? Welche individuellen Narrative entstehen daraus? Was befähigt sie dazu? Diese Narrative werden extrahiert und hinsichtlich ihrer jeweiligen Beziehungen zu Feldern, Positionen, Kapitalsorten und Praxisformen eingeordnet.
Biographischer Habitus bietet tiefgreifende Einblicke in Praxisformen des täglichen Lebens und befähigt dazu, deren Bedeutung zu rekonstruieren. Er ermöglicht ein Verständnis dafür, wie Individuen in soziale Strukturdynamiken passen oder daran scheitern können.
Das Konzept erkennt die individuelle Logik und den Sinn der Akteure an und hilft, den Eigensinn von historischen Akteurinnen zu erkennen und zu verstehen. Biographischer Habitus kann demnach auch zur Selbstreflexion verwendet werden und zeigt, wie Handlungen und Entscheidungen von emotionskonstruierten Wechselwirkungen beeinflusst werden.
V. Ergebnisse
Das Forschungsprojekt Biographisches Erzählen nach Bourdieu analysiert die Korrespondenz von Ewald Christian von Kleist (1715-1759), um vermeintliche Widersprüchlichkeiten in seinen Positionen und Feldern zu untersuchen. Kleists Fähigkeit, sich sowohl als Adliger als auch als Bürgerlicher souverän zu positionieren, wird anhand seines unvollendeten Hungersuizids und seiner Nutzung von Wissensmodellen wie „Melancholie/Hypochondrie“ analysiert. Diese Praxisformen ermöglichten ihm, seine Positionen zu objektivieren und sich zwischen verschiedenen sozialen Feldern zu positionieren.
Die Ergebnisse zeigen, wie Kleist seine Gegensätze sinnstiftend verband und seine Positionen selbst ausformte. Seine „Doppelposition“ als Dichter und Offizier erlaubte ihm, sich innerhalb der Dynamik und Effekte verschiedener Felder legitim zu verhalten. Diese Positionen und Dispositionen waren durch Distinktions- und Herrschaftseffekte geprägt, wie seine patriotischen Äußerungen und sein Verhalten in der Schlacht bei Kunersdorf zeigen.
Schließlich konnte sich Kleist durch seine Doppelposition und seine Korrespondenz als „Autor“ und „ehrlicher Mann“ positionieren. Nach Kleists Tod wurde diese Doppelposition als Identifikationsmodell weiter ausgestaltet und von Soldaten, Offizieren und Dichtern gemäß der preußischen Kriegspropaganda und dem „Vaterlandsgefühl“ angestrebt.
Ich fasse die geschichtswissenschaftlich relevanten Aspekte zum Kontext des Akteurs Kleist zusammen: Hierbei ist zunächst die Korrespondenz zwischen Kleist und Gleim zu nennen bzw. deren Überlieferungsgeschichte. Denn die Briefe wurden von Gleim überliefert, der sich dadurch soziales Kapital verschaffte. Ein weitere Aspekt sind den Briefen entnehmbare Herrschaftseffekte der preußischen Machthaber. Diese und der Siebenjährige Krieg lösten patriotische Emotionskonstruktionen in der Bevölkerung aus. Die Korrespondenz spiegelt dies eindrucksvoll aus verschiedenen Perspektiven wider. Dazu kommt die jeweilige Rezeptionsästhetik aus verschiedenen Zeiten, in welche die Überlieferungsgeschichte sowie der Umgang mit der Korrespondenz teils schillernde Einblicke bieten. So lassen sich Kleists Briefe in facettenreiche und ganz unterschiedliche historische Kontexte eingeordnet, wie etwa dem Geniediskurs des 18. Jahrhunderts oder Kriegsimaginationen des 19. Jahrhunderts.
Dazu kann Kleist in all diesen Kontexten ein Alleinstellungsmerkmal zugeschrieben werden. Denn Kleist erscheint aufgrund seiner „Doppelposition“ als Dichter und Offizier durchaus als besonders, da dessen gesamtes Werk aus der Zeit als aktiver Offizier stammt. Zudem nutze Kleist patriotische Denkmodelle und Emotionskonstruktionen wie „Vaterlandsliebe“, um persönliche emotionale Widersprüche aufzulösen. Kleist erscheint zwar stets privilegiert, aber in seinen Handlungen durchaus sozial eingeschränkt, wobei er es verstand, sich als etwas Besonderes zu inszenieren und zugleich ‚legitim‘ wahrgenommen zu werden.
VI. Fazit
Die Analyse der Äußerungen von Kleist, sein Leben beenden zu wollen, ist ein zentraler Aspekt des Forschungsprojektes, da diese in bisherigen Forschungsarbeiten oft ausgeklammert oder als eindeutig interpretiert wurden.
Die Dissertation versucht zudem, die Bedeutung der überlieferten Korrespondenz Kleists neu zu definieren und weitere Forschungsansätze zu bieten.
Emotionale Teilnahme wird als grundlegende sinnstiftende Befähigung von Akteurinnen betrachtet. Darüber hinaus kann eine reflektierte Anwendung der Theoreme Pierre Bourdieus zu einem herrschaftsfreien Diskurs beitragen, sowohl in der Lehre als auch in politischen Diskussionen.
Die Wahrnehmung von Kleists Besonderheit in der Forschungslandschaft wird aufgegriffen, ernst genommen und in den Fokus der Forschungsfragen gestellt. Kleists Korrespondenz wird dabei als soziales Kapital betrachtet, das (s)eine erzählbare Geschichte liefert.
Mit erweiterten Begriffsinstrumenten Pierre Bourdieus zu biographischem Erzählen zu arbeiten, ermöglicht es also, sich verschiedenen Perspektiven aus den Quellen empathisch und distanziert zugleich anzunähern und die sozialen Positionen aller am Forschungsprozess Beteiligten anzuerkennen. Das Begriffsinstrument biographischer Habitus befähigt demnach zu einer ‚neuen‘ Art von Bewusstheit, sich als Teil der Welt zu begreifen und nicht dieser gegenüberzustehen. Bildung und Empathie sind entscheidend, um sich die Welt auf eine entsprechend sinnstiftende Weise anzueignen.I. Purpose and Objective of the Dissertation
The dissertation titled Biographical Narration according to Bourdieu using the Example of the Correspondence of Ewald Christian von Kleist (1715-1759) presents options for biographical narration using letters as both theory and method.
Using a complex source material in terms of its origin and transmission history, dating back to the mid-18th century and not comprehensively researched according to current scientific criteria, biographical approaches to this corpus are introduced using theoretical and methodological factors.
The starting point of the dissertation as well as the theoretical and methodological approach are the specific characteristics of the source material, as these form the basis for all further steps. The sources are transmitted letters of the actor Ewald Christian von Kleist as well as the correspondences that arose in exchanges with Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) and several other correspondents.
In Kleist's letters to Gleim, the actor repeatedly makes similar statements about wanting to end his life but being unable to do so. These statements are made in various social contexts, which trigger contradictory effects. There are several older studies on Kleist that either relativize these recurring, contradictory statements or even attribute emotional instability to Kleist. Both interpretations are critiqued and expanded upon in this dissertation.
The thesis posits that the intentions pursued by Kleist with these statements hold existential significance for him and his social position. This is based on the assumption that actors always behave meaningfully according to a corresponding logic of practice, which may not initially appear logical to outsiders. This applies to both current actors and Kleist's contemporaries.
Using Pierre Bourdieu's conceptual tools for social judgment, which have been applied to the correspondence and supplemented with additional elements summarized under the term biographical habitus, the apparent contradictions in the actor's statements can be initially extracted and ultimately resolved according to a Kleist-specific logic of practice, which Kleist himself had legitimized.
The central research question is: What enables the actor Kleist to successfully position himself in social fields that appear as contradictory as poetry and the military? A possible answer, summarized briefly and simply, is that Kleist's extensive emotional constructions have placed him in these contradictions but also provide solutions or guidelines for each of the actor's crises.
Using selected emotional constructions in Kleist's letters as examples, I show how the conceptual tool habitus, as an extended conceptual tool of Pierre Bourdieu, can be applied to biographical narration and how corresponding practice forms express the actors' taste and can also represent capital themselves.
II. Outline of the Dissertation
Chapter 1 - The Research Project: This chapter deals with the methodological and theoretical foundations of the research project and organizes the source chapters (from Chapter 7 onwards) so that the theoretical and methodological perspective on the conversation of Ewald Christian von Kleist can be traced.
Chapter 2 - The Conceptual Tools of Pierre Bourdieu: Presentation of the conceptual tools of Bourdieu, mainly based on his texts "Distinction", "Social Sense", and "Practical Reason". Criticisms of Bourdieu are also addressed.
Chapter 3 - Emotional Constructions as a Research Perspective: Referencing "Distinction", to present an implicit theory of emotions. The chapter is divided into two parts: the first part searches for this theory in Bourdieu's work, the second part deals with contributions to emotion research and their challenges.
Chapter 4 - Biographical Narration as a Research Perspective: Four subchapters dealing with the concepts of life, life course, life stories, and the conclusions drawn from them concerning biographical narration. It is shown how biographical narration makes life meaningful, incorporating quotes and contributions to biographical research.
Chapter 5 - On the Source Perspective: Presentation of emotional letters from Kleist and a self-reflection on them. Subsequently, contributions to Kleist research are discussed to illuminate further aspects of the research project.
Chapter 6 - Introduction of the Concept of Biographical Habitus: Conception of the term and an application possibility based on the source perspective and Bourdieu's concepts of emotions and biographical narration. The aim is to combine theories and methods.
Chapter 7 - Biographical Habitus in the Letters of Ewald Christian von Kleist: Application of the conceptual tool to Kleist, focusing on his life courses and the life feelings of the actors. The chapter is divided into three parts:
• 7.1 Field Entry and Positioning: Analysis of
Change patterns in dynamic event attributes
Process mining bridges the gap between process science and data science in order to understand and improve business processes. It utilises process execution data to derive insights about how processes are actually conducted. Event logs represent process executions and provide information about the activities performed. In addition to generic event attributes like activity name and timestamp, events might contain domain-specific attributes that occur quite frequently during a typical process, such as a blood pressure
measurement in a healthcare environment. These event attributes are sensitive to process execution, making them susceptible to change. We refer to those as dynamic event attributes. This thesis adds a new perspective on dynamic event attributes, allowing us to understand how their values change in the form of change patterns. This helps to confirm the expected behaviour of dynamic event attributes but also allows for the derivation of novel insights by identifying unexpected changes. In this thesis, we provide the necessary methods and tools to detect and analyse change patterns in dynamic event attributes. This includes an event log extraction tool to extract event logs with dynamic event attributes from the Medical
Information Mart for Intensive Care (MIMIC-IV), as well as a classification technique to automatically identify dynamic event attributes in event logs. Representing the core of this thesis, we provide an exploratory technique for detecting change patterns in dynamic event
attributes. In order to get a better understanding of change patterns, we contribute a method to automatically identify relationships between them. Additionally, we cover event logs where dynamic event attributes are associated with recurring activities and allow for the
detection of change patterns in those. Finally, this thesis allows for the comparison of process variants based on event attribute values, including change patterns. Orion, an implementation presented in this thesis, demonstrates the feasibility of the proposed approaches by offering an end-to-end solution for detecting and exploring change
patterns. We tested the analysis methods on real-world healthcare event logs from MIMIC-IV and Sepsis. Together with medical experts and domain knowledge from clinical guidelines, we evaluated the results.Process Mining schließt die Lücke zwischen Prozesswissenschaft und Datenwissenschaft, um Geschäftsprozesse zu verstehen und zu verbessern. Es nutzt Daten über die Prozessausführung, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Prozesse tatsächlich durchgeführt werden. Ereignisprotokolle stellen Prozessausführungen dar und liefern Informationen über die durchgeführten Aktivitäten. Neben allgemeinen Ereignisattributen wie Aktivitätsname und Zeitstempel können Ereignisse auch domänenspezifische Attribute enthalten, die während eines typischen Prozesses recht häufig auftreten, wie z. B. eine Blutdruckmessung in einer Gesundheitsumgebung. Diese Ereignisattribute reagieren empfindlich auf die Prozessausführung und sind daher anfällig für Änderungen. Wir bezeichnen diese als dynamische Ereignisattribute. Diese Arbeit fügt eine neue Perspektive auf dynamische Ereignisattribute hinzu, die es uns ermöglicht zu verstehen, wie sich ihre Werte in Form von Änderungsmustern ändern. Dies hilft, das erwartete Verhalten dynamischer Ereignisattribute zu bestätigen, ermöglicht aber auch die Ableitung neuer Erkenntnisse durch die Identifizierung unerwarteter Veränderungen. In dieser Arbeit stellen wir die notwendigen Methoden und Werkzeuge bereit, um Änderungsmuster in dynamischen Ereignisattributen zu erkennen und zu analysieren. Dazu gehört ein Tool zur Extraktion von Ereignisprotokollen mit dynamischen Ereignisattributen aus dem Medical Information Mart for Intensive Care (MIMIC-IV) sowie eine Klassifizierungstechnik zur automatischen Identifizierung dynamischer Ereignisattribute in Ereignisprotokollen. Den Kern dieser Arbeit bildet eine explorative Technik zur Erkennung von Änderungsmustern in dynamischen Ereignisattributen. Um ein besseres Verständnis von Änderungsmustern zu erhalten, stellen wir eine Methode zur automatischen Identifizierung von Beziehungen zwischen ihnen bereit. Darüber hinaus befassen wir uns mit Ereignisprotokollen, in denen dynamische Ereignisattribute mit wiederkehrenden Aktivitäten verbunden sind, und ermöglichen die Erkennung von Änderungsmustern in diesen. Schließlich ermöglicht diese Arbeit den Vergleich von Prozessvarianten auf der Grundlage von Ereignisattributwerten, einschließlich Änderungsmustern. Orion, eine in dieser Arbeit vorgestellte Implementierung, demonstriert die Machbarkeit der vorgeschlagenen Ansätze, indem sie eine End-to-End-Lösung zur Erkennung und Untersuchung von Änderungsmustern bietet. Wir haben die Analysemethoden an realen Ereignisprotokollen des Gesundheitswesens aus MIMIC-IV und Sepsis getestet. Gemeinsam mit medizinischen Experten und Fachwissen aus klinischen Leitlinien haben wir die Ergebnisse ausgewertet
Mikrobielle Treiber der Bodenbildung und -stabilisierung in der chilenischen Küstenkordillere
Soil microorganisms influence soil development through mineral weathering, nutrient cycling, aggregate stabilization, and changing soil water properties. These activities are particularly critical in arid and semiarid environments, where soil formation is limited by low water availability and high evaporation rates. Despite this knowledge, a gap remains in our quantitative understanding of the specific mechanisms and microbial species that shape Earth's surface across diverse climate conditions. Therefore, this study expands the knowledge of bacterial communities, their roles in soil development and stabilization under different climates, and their response to climate change. It also explores the interplay between bacterial communities, biological soil crusts, and plants in the initial formation of arid and semiarid soils.
Samples for this study were collected from four sites in the Chilean Coastal Cordillera, spanning a climate gradient from arid, semiarid, and mediterranean to humid conditions. The consistent underlying bedrock makes this gradient ideal for comparing microbial influences on soil development. In parallel with analyzing soil samples from these four locations, a climate simulation experiment was conducted with soils from the arid and semiarid sites subjected to humid conditions as a climate change scenario. An interdisciplinary approach integrating microbiological, molecular biological, physicochemical, and bioinformatics methods was employed to explore soil-microbial dynamics.
The findings revealed significant variations in bacterial community diversity and structure depending on microclimate and physicochemical properties, primarily driven by large-scale factors such as climate and latitude. These physicochemical properties indicated progressive soil formation along the Coastal Cordillera, linking community structure to soil development. Bacterial specialization was higher under arid and humid climates and on south-facing slopes, while diversity was lower, likely due to stable climate conditions. This specialization corresponded with shifts in ecosystem functional traits, from organic matter accumulation by pioneer bacteria under arid climates to organic decomposition under humid climates. In contrast, sites under semiarid and mediterranean climates hosted generalist bacterial communities, reflecting metabolic versatility to maintain ecosystem functions and stability.
Simulated humid conditions in arid and semiarid soils, mimicking climate change, intensified aggregate formation and soil stabilization through microbe-plant interactions within short time scales. However, microorganisms alone or with biological soil crusts showed no distinct physicochemical patterns compared to abiotic controls, likely due to water-masking effects. High specialization in arid soils led to community restructuring under simulated humid conditions, while semiarid soils with generalist communities remained stable. This restructuring in arid soils involved increased gene transcription for weathering, phosphorus metabolism, soil aggregation, and organic matter turnover, demonstrating the biotic potential of microorganisms in initial soil formation. Proteobacteria and Actinobacteriota dominated these specific functions. Proteobacteria increased abundance from the arid north to the humid south and in arid and semiarid soils under humid conditions, while Actinobacteriota decreased.
The findings revealed that soil formation largely depends on climate and microclimate conditions, with microorganisms potentially controlling biotic processes in these soil environments. Additionally, they indicated that soil and climate legacies are crucial for current microbial structures and interactions as well as for future soil development and microbial responses to climate change.Bodenmikroorganismen beeinflussen die Bodenentwicklung durch Mineralverwitterung, Nährstoffkreisläufe, Aggregatstabilisierung und durch Änderung der Bodenwassereigenschaften. Diese Aktivitäten sind besonders wichtig in trockenen und halbtrockenen Umgebungen, in denen die Bodenbildung durch geringe Wasserverfügbarkeit und hohe Verdunstungsraten begrenzt ist. Trotz dieses Wissens mangelt es an unserem quantitativen Verständnis von spezifischen Mechanismen und mikrobiellen Arten, die die Erdoberfläche unter unterschiedlichen Klimabedingungen formen. Diese Studie erweitert daher unser Wissen über Bakteriengemeinschaften und ihre Rolle bei der Bodenentwicklung und -stabilisierung unter verschiedenen Klimabedingungen und ihre Reaktion auf den Klimawandel. Das Zusammenspiel zwischen Bakteriengemeinschaften, biologischen Bodenkrusten und Pflanzen bei der Entwicklung trockener und halbtrockener Initialböden wird ebenfalls untersucht.
Bodenproben Für diese Studie wurden an vier Standorten entlang der chilenischen Küstenkordillere genommen, die einen Klimagradienten von ariden, semiariden und mediterranen bis hin zu feuchten Bedingungen abdecken. Das durchgehende darunter liegende Grundgestein macht diesen Gradienten ideal für den Vergleich mikrobieller Einflüsse auf die Bodenentwicklung. Parallel zur Untersuchung der Bodenproben von diesen vier Standorten wurde ein Klimasimulationsexperiment durchgeführt, bei dem während eines Klimawandelszenarios Böden der ariden und semiariden Standorte feuchten Bedingungen ausgesetzt waren. Ein interdisziplinärer Ansatz, der mikrobiologische, molekularbiologische, physikochemische und bioinformatische Methoden kombinierte, wurde verwendet, um die Dynamiken der Bodenmikroben zu untersuchen.
Die Ergebnisse zeigten erhebliche Unterschiede in der Vielfalt und Struktur der Bakteriengemeinschaft in Abhängigkeit vom Mikroklima und von physikochemischen Eigenschaften, die hauptsächlich durch großräumige Faktoren wie Klima und Breitengrad bedingt sind. Diese physikochemischen Eigenschaften wiesen auf eine fortschreitende Bodenbildung entlang der Küstenkordillere hin und eine Verknüpfung der mikrobiellen Gemeinschaftsstruktur mit der Bodenentwicklung. Unter ariden und feuchten Klimazonen sowie an Südhängen war die bakterielle Spezialisierung stärker ausgeprägt, während die Vielfalt wahrscheinlich aufgrund stabiler Klimabedingungen geringer war. Diese Spezialisierung deckte sich mit Verschiebungen in den funktionalen Merkmalen des Ökosystems: von der Ansammlung organischer Stoffe durch Pionierbakterien unter ariden bis hin zur organischen Zersetzung unter feuchten klimatischen Bedingungen. Im Gegensatz dazu beherbergten Standorte unter semiariden und mediterranen Bedingungen generalistische Bakteriengemeinschaften, mit einer metabolischen Vielseitigkeit, die die Ökosystemfunktionen und -stabilität aufrechterhalten.
Simulierte feuchte Bedingungen in trockenen und halbtrockenen Böden, die den Klimawandel nachahmen, intensivierten die Aggregatbildung und Bodenstabilisierung durch Mikroben-Pflanzen-Interaktionen innerhalb kurzer Zeiträume. Mikroorganismen allein oder mit biologischen Bodenkrusten zeigten jedoch aufgrund von potentiellen Wassermaskierungseffekten keine ausgeprägten physikochemischen Muster im Vergleich zu abiotischen Kontrollen. Die hohe Spezialisierung in trockenen Böden führte zu einer Umstrukturierung der Gemeinschaft unter simulierten feuchten Bedingungen, während halbtrockene Böden mit generalistischen Gemeinschaften stabil blieben. Diese Umstrukturierung in trockenen Böden beinhaltete eine erhöhte Transkription von Genen, die bei Verwitterung, Phosphorstoffwechsel, Bodenaggregation und organischen Stoffumsatz eine Rolle spielen. Dies demonstrierte das biotische Potenzial von Mikroorganismen bei der Bildung initialer Böden. Proteobacteria und Actinobacteriota dominierten diese spezifischen Funktionen, wobei Proteobacteria Mit zunehmender Bodenfeuchte von Nord nach Süd sowie in trockenen und halbtrockenen Böden unter feuchten Bedingungen an Häufigkeit zunahmen, während Actinobacteriota abnahmen.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Bodenbildung in hohem Maße von Klima- und Mikroklimabedingungen abhängt, wobei Mikroorganismen möglicherweise die biotischen Prozesse in diesen Bodenumgebungen steuern. Darüber hinaus zeigten sie, dass das Vermächtnis von klimatischen Bedingungen für die aktuelle mikrobielle Struktur und deren Wechselwirkungen sowie für die zukünftige Bodenentwicklung und mikrobielle Reaktionen auf den Klimawandel von entscheidender Bedeutung sind
Die Ansätze der Weltbank zur Reform des öffentlichen Dienstes und zur Stärkung der Verwaltung in Afghanistan: Errungenschaften und Misserfolge
“Develop a lean, effective and honest civil service and institutions of public accountability” (World Bank, 2001, p. 14)
By 2004, the World Bank and the Government of Afghanistan (GoA) jointly proposed the strategic CSR objective as: “Building a reformed and sustainable civil service accountable to its citizens to provide services that are affordable, accessible, and adequate” (Independent Evaluation Group, 2012, p. 36)
“I always liked the fact that World Bank wanted more efficiency. It wanted to promote increased salaries but at the same time, reduced number of employees in line ministries and agencies. World Bank wanted to make leaner structures of ministries and agencies. One other good principle that it always promoted was to improve management capacity in important ministries. I think we achieved good results in terms of performance of line ministries because of injection of qualified people in line ministries’ management through special WB financial assistance, but we clearly fell short on achieving strategic long-term CSR objectives”. (Former DG IARCSC, Interview 1, March 2022)
In the case of developing and post-conflict states, the international development and financial institutions (IOs and IFIs) not only lead the state-building process in a significant manner, but they also engage with the client governments in public sector reforms (PSR) in a formidable way. Amongst, today’s existing IOs, the World Bank is arguably the leading organization in terms of financing and promoting PSR in the context of developing and post-conflict countries. Public sector reform constitutes as one of the main pillars of the reconstruction, economic recovery, and development agenda.
While under the larger PSR framework, civil service reform (CSR) forms the cornerstone initiative for improving the government’s performance, efficiency, effectiveness, and ultimately delivery of services to the people. In terms of CSR, the role of the World Bank is even more integral because it provides the financial resources and the technical assistance that are critical for advancing the reform agenda and implementing the programs and projects.
In the case of Afghanistan, the International Bonn Conference of December 2001 marked a historical shift in the context of the country and resulted in the start of a never before experienced era of international aid and assistance for reconstruction and development. The Interim-Government of Afghanistan established in December 2001, based on this Bonn Conference’s agreements which was mutually endorsed by the selected political leadership and its international political and development allies, established the Independent Administrative Reform and Civil Service Commission (IARCSC) in May 2002 with the aim to promote and implement civil service reforms in the Afghan public administration.
At the same time, the World Bank as arguably the leading international counterpart organization for the Government of Afghanistan (GoA) in the reconstruction and development agenda, undertook the role of the administrator for the multi-donors’ funding mechanism established unanimously by all the international donors and partners, which was titled ‘Afghanistan Reconstruction Trust Fund (ARTF)’.
“The ARTF was and continues to be a unique feature of the Afghanistan portfolio. It is the largest single country multi-donor trust fund in the World Bank and provided US$12.3 billion (ARTF 2020) of almost exclusively on-budget support to Afghanistan between 2002 and 2020” (Verheijen et al., 2022, p. 4).
Therefore, the World Bank became the IARCSC’s direct counterpart to develop and pursue civil service reform objectives and implement the programmatic framework in the Afghan civil service administration. The World Bank sanctioned considerable amount of financial and technical resources for the CSR programs and projects through the ARTF, and together these two institutions as the two main actors, implemented a series of civil service reform and administrative capacity building programs and projects between 2002 to 2021, to achieve the strategic CSR objective. The main question of this thesis is to assess, whether the World Bank financed and supported civil service reform programs and projects achieved the strategic CSR objective or not?
After a pause from 1996 to 2001, the World Bank reinitiated its direct engagement with Afghanistan in November 2001. In its most initial reengagement paper on Afghanistan, the World Bank in terms of the Afghan civil service administration, presented a strategic reform vision, which stated: “Develop a lean, effective and honest civil service and institutions of public accountability” (World Bank, 2001, p. 14). By 2004, this vision was further translated in collaboration with GoA into a more defined strategic CSR objective, which stated: “Building a reformed and sustainable civil service accountable to its citizens to provide services that are affordable, accessible, and adequate” (Independent Evaluation Group, 2012, p. 36).
In order to find the answer to the main question, this thesis thoroughly reviews and analyses the programmatic results and outcomes of the major World Bank financed and supported CSR programs and projects from 2002 to 2021. It is worth noting that the programmatic objectives of all these programs and projects were entirely derived from the strategic objective, and the main aim was to achieve the elements of the strategic CSR objective.
The final analysis of this research concludes that the strategic CSR objective was not achieved. But at the same time, it presents two main observations. The first observation is that the programs and projects in which the World Bank mainly undertook the role of a coordinator for the program with other international and national stakeholders, and allowed the IARCSC to take the lead implementation role, achieved results that were more in-line with the programmatic objectives. While, the second observation is that the programs and projects where the World Bank undertook a direct implementation role, those projects delivered more failed results especially against the programmatic objectives.
Furthermore, in order to conduct a more comprehensive analysis of the programmatic results, this thesis reviews and analyses the achievements in terms of intended and unintended results produced by these World Bank supported CSR programs and projects. The intended results were the outcomes that were planned as the programmatic objective, while the unintended results were the positive outcomes which were not initially planned as the programmatic objective but had a positive impact on promoting the overall civil service reform agenda in the Afghan civil service administration.
While, the failures are classified within the categories of internal and external factors. This thesis recognizes internal factors as the issues related to the project and its process. While, the external factors are the issues related to the concerned GoA institutions and the political, bureaucratic, and social contexts.
The final analysis indicates that the majority of the achieved intended results were produced by the programs where the IARCSC independently led the program’s implementation, while, the projects directly implemented by the World Bank produced more unintended positive results. In the same manner, it is also noted that the programs where the World Bank undertook a direct implementation role, produced more failures than achievements. In this case, the external factors played a more significant role in undermining the program’s objectives, priorities, and implementation activities.
Finally, based on the conclusion and findings, this thesis notes implications and provides recommendations for the practitioners and academics on the World Bank’s future CSR engagement approach and framework in the developing and post-conflict states. Also, since this thesis is completed at a time when the World Bank has officially suspended its direct engagement again with Afghanistan due to the ongoing political crisis, the recommended changes in the World Bank’s CSR programmatic framework, may also be considered when the organization resumes back its direct operations in Afghanistan, specifically in the area of civil service reforms in future.Die internationalen Organisationen und Finanzinstitutionen (IOs und IFIs) sind ein integraler Bestandteil der globalen Politik, Wirtschaft und Verwaltung in der heutigen Welt. Diese Institutionen wie der IMF, die Weltbank, die Vereinten Nationen (UN), die Welthandelsorganisation (WTO), die Europäische Union (EU) und einige andere üben einen erheblichen politischen, wirtschaftlichen und sogar sozialen Einfluss auf die Entwicklungs- und Post-Konflikt-Länder der Dritten Welt aus. Während die Ergebnisse der politischen und wirtschaftlichen Programme der IOs umstritten sind, wird die finanzielle und technische Unterstützung, die sie den nationalen und lokalen Regierungen gewähren, allgemein geschätzt.
Unter diesen Institutionen ist die Weltbank der wohl führende internationale Partner der Regierungen der Entwicklungsländer und der Länder post-Konflikten in den Bereichen Reform des öffentlichen Sektors (PSR), Management des öffentlichen Sektors und Reform des öffentlichen Dienstes (CSR). In den letzten fünf Jahrzehnten hat die Weltbank beträchtliche finanzielle und technische Ressourcen in die CSR in den Ländern der Dritten Welt investiert, was meist im Einklang mit den Strukturanpassungsprogrammen (SAPs) des IMF stand. Die CSR der Weltbank war eine wichtige und konsequente Komponente ihres umfassenderen PSR-Rahmens und wurde in hohem Maße durch die Reformelemente des neue öffentliche Verwaltung (NPM) inspiriert.
Diese Studie stellt fest, dass die drei wichtigsten und konsistenten Bereiche des CSR-Programmrahmens der Weltbank sind: Verkleinerung, Entwicklung der institutionellen Leistung und Aufbau von Verwaltungskapazitäten. Die Studie stellt außerdem fest, dass es bei allen CSR-Flaggschiff-Programmen zwei Hauptakteure gibt. Diese sind: die Weltbank und die politische Kundenregierung und institutionelle Führung.
Im Falle von Afghanistan, nach einer Pause von 1996 bis 2001 nahm die Weltbank ihr direktes Engagement im November 2001 wieder auf und eröffnete ihre Resident Mission unmittelbar nach der Einsetzung der Interimsregierung, die auf der internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn 2001 gebildet wurde. Die Weltbank übernahm die Rolle des Verwalters des Afghanistan Reconstruction Trust Fund (ARTF). Der ARTF ist der von allen internationalen Gledgebern und Partnern einstimmig eingerichtete Finanzierungsmechanismus zur Förderung des Wiederaufbaus und der Entwicklung des Landes.
Die Internationale Bonner Konferenz, auf der die Islamische Republik Afghanistan (2004-2021) gegründet wurde, gehörte CSR zu den wichtigsten Verpflichtungen, und die Politiker und politischen Parteien, die an der Konferenz teilnahmen, hatten sich gemeinsam verpflichtet, CSR in der afghanischen öffentlichen Verwaltung umzusetzen. Daher gründete die Übergangsregierung im Mai 2002 die Unabhängige Kommission für Verwaltungsreform und öffentlichen Dienst (IARCSC), die den Auftrag erhielt, die CSR in Zusammenarbeit mit den internationalen Partnern und Geldgebern zu leiten.
Mittlerweile erklärte die Weltbank als Verwalter des ARTF die CSR zu einer strategischen Priorität innerhalb des umfassenderen Wiederaufbau- und Entwicklungsprozesses und legte gleich eine strategische Vision vor, die hieß: "Entwicklung eines schlanken, effektiven und ehrlichen öffentlichen Dienstes und von Institutionen der öffentlichen Rechenschaftspflicht" (Weltbank, 2001, S. 14). Bis 2004 wurde diese Vision in Zusammenarbeit mit der GoA in ein genauer definiertes strategisches CSR-Ziel umgewandelt, das lautete: "Aufbau eines reformierten und nachhaltigen öffentlichen Dienstes, der den Bürgern gegenüber rechenschaftspflichtig ist und Dienstleistungen erschwinglich, zugänglich und angemessen erbringt" (IEG, 2012, S. 36). Die Hauptfrage dieser Doktorarbeit ist daher, ob die von der Weltbank finanzierten und unterstützten CSR-Programme- und Projekte das strategische CSR-Ziel erreicht haben oder nicht.
Um das strategische Ziel der CSR in der afghanischen öffentlichen Verwaltung zu erreichen, wurde die Weltbank zum direkten Partner der IARCSC bei der Förderung und Umsetzung von CSR-Programmen in der afghanischen öffentlichen Verwaltung. Die Weltbank stellte über den ARTF beträchtliche finanzielle und technische Ressourcen für CSR-Programme- und Projekte zur Verfügung, und gemeinsam führten die beiden Institutionen als Hauptakteure zwischen 2002 und 2021 eine Reihe von CSR-Programmen- und Projekten durch, die auch den Aufbau von Verwaltungskapazitäten umfassten.
Um eine Antwort auf die Hauptfrage zu finden, werden in dieser Arbeit die programmatischen Ergebnisse und Resultate der wichtigsten von der Weltbank finanzierten und unterstützten CSR-Programme- und Projekte von 2002 bis 2021 gründlich untersucht und analysiert. Es ist erwähnenswert, dass die programmatischen Ziele all dieser CSR-Programme- und Projekte vollständig aus dem strategischen CSR-Ziel abgeleitet wurden, und das Hauptziel dieser Programme- und Projekte war es, die Elemente des strategischen CSR-Ziels zu erreichen.
Die abschließende Analyse dieser Recherche kommt zu dem Schluss, dass das strategische CSR-Ziel nicht erreicht wurde. Gleichzeitig werden jedoch zwei wichtige Feststellungen getroffen. Die erste Beobachtung ist, dass die Programme- und Projekte, bei denen die Weltbank hauptsächlich die Rolle eines Koordinators für das Programm mit anderen internationalen und nationalen Akteuren übernahm und dem IARCSC erlaubte, die führende Rolle bei der Umsetzung zu übernehmen, Ergebnisse erzielten, die eher den programmatischen Zielen entsprachen. Die zweite Beobachtung ist, dass die Programme- und Projekte, bei denen die Weltbank eine direkte Umsetzungsrolle übernommen hat, insbesondere im Hinblick auf die programmatischen Ziele eher verfehlte Ergebnisse lieferten.
Um eine umfassendere Analyse der programmatischen Auswirkungen vorzunehmen, werden in dieser Arbeit die Ergebnisse der von der Weltbank geförderten CSR-Programme- und Projekte im Hinblick auf beabsichtigte und unbeabsichtigte Ergebnisse überprüft und analysiert. Die beabsichtigten Ergebnisse waren die positiven Resultate, die als programmatisches Ziel geplant waren, während die unbeabsichtigten Ergebnisse die positiven Ergebnisse waren, die ursprünglich nicht als programmatisches Ziel geplant waren, aber eine positive Auswirkung auf die Förderung der allgemeinen CSR-Agenda in der afghanischen öffentlichen Verwaltung hatten.
Die Misserfolge werden in die Kategorien der internen und externen Faktoren eingeteilt. In dieser Arbeit werden die internen Faktoren als die Probleme im Zusammenhang mit dem Projekt und seinem Prozess betrachtet. Bei den externen Faktoren handelt es sich um die Probleme, die mit den betroffenen Institutionen der Regierung und dem politischen, bürokratischen und sozialen Umfeld zusammenhängen.
Die abschließende Analyse dieser Arbeit zeigt, dass die Mehrzahl der beabsichtigten positiven Ergebnisse durch die Programme erzielt wurde, bei denen das IARCSC die Programmdurchführung unabhängig leitete, während die direkt von der Weltbank durchgeführten Projekte mehr unbeabsichtigte positive Ergebnisse erbrachten. Ebenso ist festzustellen, dass die Programme, bei denen die Weltbank eine direkte Durchführungsrolle übernahm, mehr Misserfolge als Erfolge brachten. In diesem Fall spielten externe Faktoren eine größere Rolle bei der Untergrabung der Programmziele, Prioritäten und Umsetzungsaktivitäten.
Auf der Grundlage der Schlussfolgerungen und Ergebnisse werden in dieser Arbeit Empfehlungen für Praktiker und Wissenschaftler zum künftigen CSR-Engagement der Weltbank in Entwicklungs- und Post-Konflikt Ländern formuliert. Da diese Arbeit zu einem Zeitpunkt abgeschlossen wurde, an dem die Weltbank ihr direktes Engagement in Afghanistan aufgrund der anhaltenden politischen Krise offiziell wieder eingestellt hat, können die empfohlenen Änderungen im programmatischen Rahmen der Weltbank für CSR auch in Betracht gezogen werden, wenn die Organisation ihre direkte Tätigkeit in Afghanistan, insbesondere im Bereich CSR, in Zukunft wieder aufnimmt
Ionische Materialien für elektrochemische Anwendungen: von ionischen Flüssigkeiten über Zwitterionen zu ionischen Flüssigkristallen
Der weltweite Energiebedarf steigt, während die Ressourcen schwinden und der Klimawandel die Menschheit vor riesige Herausforderungen stellt. Es ist daher notwendig, neue Energietechnologien zu entwickeln oder die vorhandenen zu verbessern. Hierbei liegt ein wesentlicher Fokus auf der Entwicklung und Anwendung sicherer und effizienter Elektrolytmaterialien. Diese Dissertation leistet hierzu einen Beitrag, indem sie die Auswahl an möglichen Elektrolytmaterialien erweitert.
Hierfür werden eine Reihe von Materialien hergestellt, die von protischen ionischen Flüssigkeiten (ILs), über Zwitterionen hin zu ionischen Flüssigkristallen (ILCs) reichen. Die ionischen Flüssigkeiten werden zudem in unterschiedlichen Polymeren immobilisiert, wodurch sog. Ionogele (IGs) entstehen. Die thermische und elektrochemische Analyse der erhaltenen Materialien zeigen vielversprechende Eigenschaften auf: hohe thermische und elektrochemische Stabilitätsfenster, hohe ionische Leitfähigkeiten, und für einige der untersuchten ILs und ILCs zudem günstige Kompatibilitäten mit der gewählten PolymerMatrix. Diese vielversprechende Mischbarkeit führt zu transparenten und flexiblen IGs.
Der 3D-Druck stellt eine neue Technologie zur Herstellung von IGs dar. Diese Dissertation erweitert die Auswahl an bekannten 3D-gedruckten IGs um einen weiteren Prototypen, durch die Anwendung von Stereolithography. Da das gedruckte und das nicht-gedruckte IG sehr ähnliche Eigenschaften aufweisen, bestätigt sich die vielversprechende Anwendbarkeit des 3D-Drucks für die IG-Herstellung.
Durch die Umsetzung sulfobetain-basierter Zwitterionen mit einer äquimolaren Menge an starker Säure werden zudem flüssigkristalline Substanzen erhalten. Diese Flüssigkristallinität in ILs ist wünschenswert, da die Selbst-Organisation zu anisotropen (richtungsabhängigen) Eigenschaften führen und dadurch u. A. die ionische Leitfähigkeit erhöht werden kann. Die zwitterionische Struktur dieser Substanzen kann zusätzlich den Transport von gewünschten Ionen steigern. Die ILCs zeigen hierbei unterschiedliche Typen flüssigkristalliner Phasen mit weiten thermischen Stabilitätsfenstern.
Insgesamt stellt diese Studie eine vielversprechende Erweiterung der möglichen Elektrolytmaterialien, die verlässliche Syntheserouten und Langzeitstabilität aufzeigen, dar.As the climate change challenges mankind to either develop new or improve upon existing energy technologies, with a focus on energy storage or energy conversion, the need for safe and efficient electrolyte materials is indisputable. This thesis contributes to these efforts by adding to the pool of available potential electrolytes.
In the scope of this thesis a range of materials ranging from protic ionic liquids (ILs), to zwitterions and ionic liquid crystals (ILCs) are synthesized. The ionic liquids are moreover immobilized in different polymers, forming ionogels. Thermal and electrochemical analyses of the ILs and ILCs, as well as the resulting ionogels show promising properties: high thermal and electrochemical stability windows, high ionic conductivities and, for some of the ILs and ILCs a favorable compatibility between liquid (crystalline) compound and a matrix material, resulting in transparent and flexible ionogels.
3D printing is an emerging technology for the fabrication of ionogels. This work, by applying stereolithography, contributes to the pool of printed ionogels creating another promising prototype. Furthermore, the non-printed and the printed IG show very similar properties, again underlining the applicability of the SLA 3D printing process for ionogels.
Moreover, by mixing sulfobetaine zwitterions with an equimolar amount of strong acid, the synthesis of liquid crystalline compounds is demonstrated. Liquid crystalline mesophase behavior in ILs is desirable, as this self-assembly can lead to anisotropic (direction dependent) ionic conductivities. These can cause higher conductivities along certain directions in the ordered mesophases, compared to the bulk material. Additionally, adding the zwitterionic feature to these compounds can enhance the transport of target ions such as protons. The ILCs presented in this work exhibit various types of mesophases and a wide temperature window of said mesophases. These ILCs are moreover incorporated into a polymerized IL matrix, leading to transparent IGs.
Overall, this thesis contributes to the severely needed pool of safe, waste- and relatively cost-efficient electrolyte materials that are reliable in their synthesis and long-term stability
Computergestützte Strategien zur Charakterisierung und Behandlung chronischer Erkrankungen durch Nutzung von Elektronischen Gesundheitsakten und Omics-Daten
Due to the progress in digitization and reduced sequencing costs, large clinical datasets coupled with molecular data are increasingly available and enable a comprehensive characterization and phenotyping of patients by incorporating multiple viewpoints. In complex chronic diseases, such as inflammatory bowel disease or cancer, these big multi-modal datasets provide new opportunities to develop precision medicine approaches for diagnosis and treatment selection. Nevertheless, meaningful integration requires a deep understanding of the potential and the limitations of the individual data modalities.
With the example of Electronic Health Records (EHR) and transcriptomics data, my dissertation provides novel insights on the appropriate handling of the mentioned data types while focusing on relevant clinical questions. The following key contributions were made: First, using unstructured and structured EHR data, real-world clinical data was used to improve the computable phenotyping of ulcerative colitis (UC) and Crohn’s disease (CD), focusing on clinical subgroups of CD. Furthermore, the data was leveraged for prediction tasks and a comparative assessment study for second-line biologic treatments in UC and CD. Second, we reported on improved data quality of EHR and transcriptomics data, either by augmenting structured EHR through the incorporation of information from text data or through systematic identification and accounting for technical and biological variance in transcriptomics datasets from patients with cancer, UC, or CD. Third, we analyzed complex and heterogeneous patient data by leveraging a wide range of methodologies, including rule-based approaches, clinical statistics, machine learning, natural language processing, and bioinformatics.
The reported studies provide novel insights into the underlying diseases on clinical and molecular levels, and lay the foundation for integrative approaches in future studies.Aufgrund der Fortschritte bei der Digitalisierung und der geringeren Kosten für die Sequenzierung stehen zunehmend große klinische Datensätze in Verbindung mit molekularen Daten zur Verfügung, die eine umfassende Charakterisierung und Phänotypisierung von Patient:innen unter Einbeziehung mehrerer Gesichtspunkte ermöglichen. Bei komplexen chronischen Krankheiten wie entzündlichen Darmerkrankungen oder Krebs bieten diese großen multimodalen Datensätze neue Möglichkeiten zur Entwicklung präzisionsmedizinischer Ansätze für die Diagnose und Behandlungsauswahl. Eine sinnvolle Integration erfordert jedoch ein tiefes Verständnis des Potenzials und der Grenzen der einzelnen Datenmodalitäten.
Am Beispiel von Electronic Health Records (EHR) und Transcriptomics-Daten liefert meine Dissertation neue Erkenntnisse über den angemessenen Umgang mit den genannten Datentypen bei gleichzeitiger Fokussierung auf relevante klinische Fragestellungen. Die folgenden zentralen Beiträge wurden geleistet: Erstens wurden unter Verwendung unstrukturierter und strukturierter EHR-Daten reale klinische Daten verwendet, um die berechenbare Phänotypisierung von Colitis ulcerosa (UC) und Morbus Crohn (CD) zu verbessern, wobei der Schwerpunkt auf klinischen Untergruppen von CD lag. Darüber hinaus wurden die Daten für Vorhersageaufgaben und eine vergleichende Bewertungsstudie für biologische Zweitlinienbehandlungen bei UC und CD genutzt. Zweitens demonstierten wir die Verbesserung der Datenqualität von EHR- und Transkriptomdaten, entweder durch die Erweiterung strukturierter EHR durch die Einbeziehung von Informationen aus Textdaten oder durch die systematische Identifizierung und Berücksichtigung technischer und biologischer Varianz in Transkriptomdatensätzen von Patienten mit Krebs, UC oder CD. Drittens analysierten wir komplexe und heterogene Patientendaten durch den Einsatz verschiedener Methoden, darunter regelbasierte Ansätze, klinische Statistik, maschinelles Lernen, Verarbeitung natürlicher Sprache und Bioinformatik.
Die berichteten Studien bieten neue Einblicke in die zugrunde liegenden Krankheiten auf klinischer und molekularer Ebene und bilden die Grundlage für integrative Ansätze in zukünftigen Studien
A time sensitive modelling of the two extreme BL Lacertae objects 1ES 1218+304 and 1ES 0229+200
In this thesis, the broadband spectral energy distribution (SED) of the sources 1ES 1218+304 and 1ES 0229+200 is studied. 1ES 1218+304 and 1ES 0229+200 are two well-known extreme high-frequency-peaked BL Lac objects (EHBLs), a type of blazar. Blazars are in turn a type of active galactic nuclei (AGN) with the presence of a jet of relativistic charged particles where, by random chance, the jet points towards Earth.
Data taken by the ultraviolet/optical telescope UVOT, and the X-ray telescope XRT, on board the Neils Gehrels Swift Observatory satellite, are used. The ultraviolet/optical and X-ray data are analysed together with gamma-ray data in the 30 MeV to 300 GeV range taken by the Fermi-LAT detector and in the 50 GeV to 30 TeV range, provided by the VERITAS Collaboration. The light curves of each energy band were built and analysed with a Bayesian blocks algorithm. The intrinsic spectral indices in the VHE range were found to be Γ ≳ 2, except during the quietest period of 1ES 0229+200, from 57419 MJD to 58017 MJD, where the intrinsic spectral index was found to be Γ = 1.2 ± 0.4. Evidence of non-stationary extreme states was found, after analysis of the frequencies and luminosities of the synchrotron peak relative to the TeV slope = 2 − Γ .
The Bayesian blocks were used to select four periods of data from each source, and SEDs were constructed from the combined data from these periods. A one-zone leptonic synchrotron self-Compton (SSC) emission scenario is used to describe the broadband SEDs. We used a Monte Carlo Markov chain (MCMC) to sample the parameter space of the SSC model and obtain the median and asymmetric 1-sigma standard deviations. The values of the minimum Lorentz factors of electrons are found to be compatible with 1, while the values of the Doppler factor vary between 10 and 90. The estimated values of the equipartition parameter (the ratio between the electrons energy density and the magnetic field energy density) have a maximum of 104 and a minimum of 2, where the latter is not observed in the literature.In dieser Arbeit wird die breitbandige spektrale Energieverteilung (SED) der Quellen 1ES 1218+304 und 1ES 0229+200 untersucht. 1ES 1218+304 und 1ES 0229+200 sind zwei bekannte, extrem hochfrequente BL Lac-Objekte (EHBLs), welche zu den Blazaren gehören. Blazare wiederum sind aktive galaktische Kerne (AGN) mit einem Jet aus relativistisch geladenen Teilchen, der zufällig auf die Erde gerichtet ist.
Es werden Daten des ultravioletten/optischen Teleskops UVOT und des Röntgenteleskops XRT an Bord des Neils Gehrels Swift Observatoriumssatelliten, werden verwendet. Die ultravioletten/optischen und Röntgendaten werden zusammen mit Gammastrahlendaten im 30 MeV bis 300 GeV Bereich, die vom Fermi-LAT -Detektor aufgenommen wurden, und im 50 GeV bis 30 TeV Bereich, die von der VERITAS-Kollaboration bereitgestellt wurden, analysiert. Die Lichtkurven jedes Energiebandes wurden erstellt und mit einem Bayesian Block-Algorithmus analysiert. Die intrinsischen spektralen Indizes im VHE-Bereich ergaben sich zu Γ ≳ 2, außer während der ruhigsten Periode von 1ES 0229+200, von 57419 MJD bis 58017 MJD, wo der intrinsische Spektralindex Γ = 1.2 ± 0.4 betrug.
Bei einer Analyse der Frequenzen und Helligkeiten des Synchrotron-Peaks relativ zur TeV-Steigung = 2 − Γ wurden Hinweise auf nicht-stationäre Extremzustände gefunden. Die Bayes’schen Blöcke wurden verwendet, um vier Datenperioden von jeder Quelle auszuwählen, und SEDs wurden aus den kombinierten Daten dieser Perioden konstruiert. Ein Ein-Zonen-Synchrotron-Selbst-Compton (SSC)-Emissionsszenario wird verwendet, um die Breitband-SEDs zu beschreiben. Wir verwendeten eine Monte-Carlo-Markov-Kette (MCMC), um den Parameterraum des SSC-Modells abzutasten und den Median und die asymmetrischen 1-Sigma-Standardabweichungen zu erhalten. Die Werte der minimalen Lorentz-Faktoren der Elektronen sind mit 1 kompatibel, während die Werte des Dopplerfaktors zwischen 10 und 90 variieren. Die geschätzten Werte des Äquipartitionsparameters (das Verhältnis zwischen der Energiedichte der Elektronen und der Energiedichte des Magnetfeldes) haben ein Maximum von ∼ 104 und ein Minimum von 2, letzteres wurde in der Literatur noch nicht beobachtet
L’élaboration des catégories aspectuelles dans les grammaires romanes (XVIe-XVIIIe siècles)
vant propos / 1. Introduction / 2. Cadre théorique: la sémantique temporelle et aspectuelle / 3. L’aspect dans les langues indo-européennes: la grammaticalisation des formes composées dans les langues romanes / 4. Représentation des valeurs des tiroirs verbaux dans les grammaires antiques grecques et latines / 5. Description des temps verbaux dans les grammaires espagnoles et portugaises aux XVe et XVIe s. / 6. Les grammaires françaises au XVIe s. / 7. Les temps verbaux dans les grammaires italiennes du XVIe s. / 8. XVIIe–XVIIIe s. — Grammaires françaises de Masset (1606) à Irson (1662) / 9. Grammaires françaises de Port-Royal (1660) à Açard (1760) / 10. Grammaires espagnoles aux XVIIe et XVIIIe s. / 11. Grammaires italiennes aux XVIIe et XVIIIe s. / 12. Grammaires du portugais des XVIIe et XVIIIe s. / 13. De Harris (1751) à Loneux (1799) / 14. Conclusion — ANNEXE (Abréviations et conventions graphiques / Tables des figures et illustrations) — BIBLIOGRAPHIE (Sources primaires: Grammaires de l’espagnol / Grammaires du français/ Grammaires de l’italien / Grammaires du portugais / Autres ouvrages — Sources secondaires
Zum Verständnis der molekularen Evolution der Redundanz bei Pflanzen
Gene duplication events have repeatedly occurred during angiosperm evolution, representing an important source of genetic redundancy and contributing to the evolution of genomic complexity. One proposed mechanism for the stable maintenance of duplicated genes is subfunctionalization. This process involves mutations to different functional elements of the genes, leading to a division of subfunctions between the duplicates, ensuring that both copies are required to achieve the complete set of original functions. In line with the modular structure of eukaryotic promoters, mutational changes are believed to predominantly occur at the level of cis-regulatory sequences, thus influencing a gene's spatial and temporal expression.
In this study, we investigate the partial loss of redundancy between two duplicated genes in Capsella rubella, BOP1 and BOP2 and compared to their counterparts in Arabidopsis thaliana. In A. thaliana, BOP1 and BOP2 genes arose from a Whole Genome Duplication (WGD) and remain almost fully redundant. In contrast, in C. rubella, BOP1 is unable to maintain wild-type floral organ numbers or suppress bract formation, likely due to altered expression patterns in cryptic bract primordium. Using transgenic rescue in A. thaliana atbop1 atbop2 mutants and AtBOP1 promoter deletions, it was demonstrated that alterations in the interactions between the blocks of conserved non-coding sequences in the BOP1 promoter regions underlie this evolutionary divergence. These findings highlight the complexity of promoter architecture and the role of cis-regulatory element interactions in driving gene expression changes and redundancy loss. Additionally, we discovered that subfunctionalized BOP1 was already widespread in Capsella grandiflora, the ancestral species of C. rubella, prior to the latter's transition to selfing. Identifying natural modifiers of the crbop2-1 phenotype indicates the large extent of cryptic genetic variation present in the outbreeding C. grandiflora population, providing insights into the evolution of gene redundancy and subfunctionalization.Während der Evolution der Angiospermen kam es immer wieder zu Genduplikationen, die eine wichtige Quelle für genetische Redundanz darstellen und zur Evolution der genomischen Komplexität beitragen. Ein vorgeschlagener Mechanismus für die stabile Aufrechterhaltung von Genduplikaten ist die Subfunktionalisierung. Dieser Prozess beinhaltet Mutationen an verschiedenen funktionellen Elementen der Gene, die zu einer Aufteilung der Teilfunktionen zwischen den Duplikaten führen und sicherstellen, dass beide Kopien erforderlich sind, um die vollständige Reihe der ursprünglichen Funktionen zu erfüllen. In Übereinstimmung mit dem modularen Aufbau eukaryontischer Promotoren wird angenommen, dass Mutationsänderungen vorwiegend auf der Ebene der cis-regulatorischen Sequenzen stattfinden und somit die räumliche und zeitliche Expression eines Gens beeinflussen.
In dieser Studie untersuchen wir den teilweisen Verlust der Redundanz zwischen zwei duplizierten Genen in Capsella rubella, BOP1 und BOP2, und vergleichen sie mit ihren Gegenstücken in Arabidopsis thaliana. In A. thaliana sind die Gene BOP1 und BOP2 aus einer Whole Genome Duplication (WGD) entstanden und bleiben fast vollständig redundant. Im Gegensatz dazu ist BOP1 in C. rubella nicht in der Lage, die Anzahl der Blütenorgane des Wildtyps aufrechtzuerhalten oder die Bildung von Hüllblättern zu unterdrücken, was wahrscheinlich auf veränderte Expressionsmuster im kryptischen Hüllblattprimordium zurückzuführen ist. Durch transgene Rettung in A. thaliana atbop1 atbop2-Mutanten und Deletionen des AtBOP1-Promotors konnte gezeigt werden, dass Veränderungen in den Interaktionen zwischen den Blöcken der konservierten nicht-kodierenden Sequenzen in den BOP1-Promotorregionen dieser evolutionären Divergenz zugrunde liegen. Diese Ergebnisse verdeutlichen die Komplexität der Promotorarchitektur und die Rolle der Interaktionen zwischen cis-regulatorischen Elementen bei der Veränderung der Genexpression und dem Verlust von Redundanz. Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass subfunktionalisiertes BOP1 in C. grandiflora bereits vor dem Übergang zu C. rubella verbreitet ist. Die Identifizierung natürlicher Modifikatoren des crbop2-1-Phänotyps weist auf das große Ausmaß kryptischer genetischer Variation in der auskreuzenden C. grandiflora-Population hin und bietet Einblicke in die Evolution von Genredundanz und Unterfunktionalisierung