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Rezension: "„Aleksander Brückner revisited“ – Debatten um Polen und Polentum in Geschichte und Gegenwart / Yvonne Kleinmann, Achim Rabus (Hrsg.) Göttingen: Wallstein Verlag, 2015. ISBN: 978-3-8353-1771-0
Zu besprechen ist ein Sammelband, der zweierlei abbildet. Er spiegelt einerseits das Ergebnis einer Tagung wider, die 2014 – anlässlich des 75. Todestags des namengebenden Gelehrten – am Aleksander-Brückner-Zentrum in Jena stattgefunden hat. Zugleich eröffnet er eine neue Reihe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, „Polen jenseits nationaler Paradigmen im Plural zu denken [...]" (S. 7) und der Anregung der Area Studies folgend als einen Raum zu sehen, der sich abhängig vom historischen, kulturellen und politischen Zusammenhang immer neu konstituiert. Die Ergebnisse dieser Tagung für die Eröffnung einer so konzipierten neuen Reihe zu nehmen, leuchtet ungetrübt ein, erscheint uns Brückner doch mit seiner transnationalen Biografie und seinem interdisziplinären Ansatz, Sprache einerseits im Kontext einer breit verstandenen Geschichte und Kultur und andererseits Geschichte im Kontext von Sprache zu sehen, geradezu (post)modern. Doch von solch instrumentellem Einsatz einer als Eigenlob verstandenen Moderne ist die Konzeption des Bandes glücklicherweise weit entfernt. Die Herausgeber, die Historikerin Yvonne Kleinmann und der Slawist Achim Rabus, verfolgen vielmehr zwei Anliegen. Ihnen geht es erstens darum, Brückner zu historisieren, d.h. seine Forschungsbeiträge im Kontext einer vielfältigen Beziehungsgeschichte zu sehen, und zweitens seinen interdisziplinären Ansatz für heutige Untersuchungen mit den Instrumentarien der Philologie, Linguistik, Ethnologie und Geschichte fruchtbar zu machen. Und so gliedert sich der Band in drei Teile: „Gelehrsamkeit, Polonität und Politik bei Aleksander Brückner" (Untersuchungen von David Frick, Michael G. Müller, Achim Rabus, Yvonne Kleinmann), „Brückner als Sprachwissenschaftler – Sprachwissenschaft nach Brückner" (Beiträge von Marek Łaziński, Anna Piechnik) sowie den umfangreichsten, mit fünf Beiträgen abgebildeten Teil: „Polonität und andere (Selbst)Zuschreibungen in Geschichte und Gegenwart" (Aufsätze von Mirja Lecke, Katrin Steffen, Olena Duć-Fajfer, Agnieszka Halemba, Ewa Dzięgiel)
Rezension: "Vom spätantiken Erbe zu den Anfängen der Romanik: 400–1000" / Christian Lübke, Matthias Hardt (Hrsg.). Berlin: Deutscher Kunstverlag, 2017.ISBN: 978-3-422-06958-9
Mit dem von Christian Lübke und Matthias Hardt herausgegebenen Band "400–1000. Vom spätantiken Erbe zu den Anfängen der Romanik" legt das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) an der Universität Leipzig den ersten Band seines "Handbuchs zur Geschichte der Kunst in Ostmitteleuropa" vor.
Das gesamte auf neun Bände angelegte Handbuch nimmt erstmals 1500 Jahre kulturelles Erbe in der Region zwischen Adria, Ostsee und Schwarzem Meer in einer grenzübergreifenden, gesamteuropäischen Perspektive in den Blick. Die kulturellen Zeugnisse des östlichen Europa aus dem ersten nachchristlichen Jahrtausend spiegeln die vielfältigen Wandlungen der Region im Spannungsfeld zwischen dem römischen (später byzantinischen) Reich im Süden, dem Frankenreich im Westen und den Steppenvölkern im Osten wider. Der Band umfasst mit den hier vorgestellten Kunstwerken und Geschichtszeugnissen eine Zeit, von der nicht zuletzt archäologische Funde Auskunft geben. Deshalb tragen die beteiligten Expertinnen und Experten neben kunsthistorischem Wissen auch Erkenntnisse aus der Geschichtswissenschaft, Bauforschung und Archäologie zur Kunst Ostmitteleuropas zusammen
Rezension: "Zagłada w „Medalionach” Zofii Nałkowskiej" /Tomasz Żukowski (Hrsg.). Warszawa: Instytut Badań Literackich PAN, 2016. ISBN: 978-83-64703-44-7
Zofia Nałkowskas Prosasammlung Medaillons (1956, Orig. Medaliony, 1946) von acht Kurzgeschichten gilt als eines der ersten polnischen literarischen Zeugnisse des Holocaust, in denen die polnische Mitschuld thematisiert wird. [1] Diese Lesart blieb jahrelang unbeachtet und wurde sogar bewusst umgedeutet, wie die Analysen der Autor/-innen des hier besprochenen Sammelbandes belegen. Die von ihnen verfolgten Fragestellungen und Schlussfolgerungen zeugen davon, wie der Diskurs die Lektüre mitprägt. Maryla Hopfinger bringt dies in ihrem einführenden Beitrag auf eine einfache Formel: „Heute lesen wir anders." (S. 24). Neben Nałkowskas Kurzgeschichten wird in dem vorliegenden Band auch eine Ethik des Lesens besprochen, indem die bis dato kollektive Deutung ihrer Texte, welche das Leiden der Polen hervorhob, dekonstruiert werden soll
Multi-Agent Route Planning in Grid-Based Storage Systems
Infolge der Globalisierung und des E-Commerce steigt die Nachfrage nach Logistik-flächen. Doch Logistikflächen sind begrenzt und teuer, insbesondere in urbanen Gebieten. Daher müssen vorhandene Lagerflächen mit höchster Effizienz genutzt werden. Gitterbasierte Lagersysteme bestehen aus Lagereinheiten, die dicht auf einem Quadratgitter gelagert sind. Jedes Gitterfeld ist entweder frei oder durch eine einzelne Lagereinheit besetzt. Die Lagereinheiten können gleichzeitig und jeweils voneinander unabhängig in die vier kardinalen Richtungen bewegt werden. Dies ermöglicht hochdichtes und gassenloses Lagern. Um eine Lagereinheit auf ein besetztes Gitterfeld zu bewegen, müssen andere Lagereinheiten bewegt werden. Daher muss mindestens ein leeres Gitterfeld vorhanden sein. In dieser Arbeit wird ein Ansatz zur Planung von gleichzeitigen Ein- und Auslagerprozessen mehrerer Lagereinheiten in einem gitterbasierten Lager vorgestellt. Zu diesem Zweck wird ein entkoppelter Multi-Agenten Routenplanungsansatz vorgestellt, bei der die Planung auf zwei entkoppelten Ebenen stattfindet. Auf der ersten Planungsebene wird die Bewegungsreihenfolge von Lagereinheiten sowie ihre Bewegungspfade bestimmt, welche kollisionsfrei sind in Bezug auf dauerhaft gelagerte Lagereinheiten, jedoch nicht auf bewegte Lagereinheiten. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die puzzlebasierte Auslagerungsplanung gelegt. Ähnlich wie beim bekannten Schiebepuzzle "15-Puzzle" mit nur einem freien Feld, können die Lagereinheiten mit der minimalen Anzahl an Bewegungen von einer Position zu einer anderen Position im Gitter geschleust werden. Während bisherige Forschungsansätze optimale Lösungsverfahren für Gitter mit einem oder zwei freien Gitterfeldern geliefert haben, wird in dieser Arbeit ein optimales Lösungsverfahren für Konfigurationen mit einer beliebigen Anzahl an freien Feldern vorgestellt. Dazu wird das Problem als Zustandsraumproblem formuliert und mit Hilfe von Graphensuchverfahren gelöst. Auf der zweiten Planungsebene werden Kollisionen zwischen den bewegten Lagereinheiten mittels Zeitablaufsteuerung behoben (d.h. die Belegungszeiten der Lagereinheiten entlang ihrer Bewegungspfade, welche auf der ersten Planungsebene bestimmt wurden, sind derart zu planen, dass Kollisionen untereinander entlang ihrer Bewegungspfade vermieden werden). Abschließend erfolgt eine Evaluierung der entwickelten Ansätze im Rahmen einer Simulationsstudie anhand der Gestaltung und Analyse eines gitterbasierten Lagersystems im Einsatz als Frühgepäckspeicher eines internationalen Großflughafens.Driven by globalization and e-commerce, the demand for logistics space is rising. However, logistics space is limited and costly, which is especially true for urban areas. Therefore, available storage space must be used with the utmost efficiency. Grid-based storage systems consist of densely stored unit loads on a square grid. Each grid location may be either empty or occupied by a single item. Items are simultaneously and independently movable in the four cardinal directions. This makes high-density storage possible without using fixed aisles. To move an item to an occupied location, other items must move. Thus, one or more empty locations must be available. In this work, we present an approach for the planning of simultaneous storage and retrieval processes of multiple items in a grid-based storage. For this purpose, a decoupled multi-agent route planning approach is proposed in which planning is done at two essentially decoupled levels. At the first level, the order of items and their movement paths are computed, which is collision-free with respect to the stored items in the grid, excluding the moved items. Special attention is paid to the puzzle-based retrieval planning. Similar to the classical 15-puzzle children's game with one empty location, items can be maneuvered from one location to another in the grid using the minimum number of item moves. While previous research showed optimal solutions for one or two empty locations, this thesis provides an optimal solution approach for configurations where multiple empty locations are arbitrarily positioned in the grid. To this end, the problem is formulated as a state space problem and solved using a graph search. At the second level, collisions between the moved items are resolved by scheduling (i.e., the occupancy time of each item along their paths, computed at the first level, are selected in such a way that they avoid collision with each other along their respective movement paths). Finally, we evaluate the approaches that were developed in this thesis in a simulation study by designing and analyzing a grid-based early baggage storage system at a major international airport
Die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie und ihre Auswirkung auf die Vergütung von Lehrkräften des Schuldienstes
Die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie hat Ausstrahlungswirkung für die Bemessung des Entgelts von Lehrerinnen und Lehrern. Selbst wenn die Qualifikation EU-ausländischer Lehrer*innen nicht anerkannt wurden und diese als Nicht-Erfüller tätig werden, sind sie in der Vergütung gleich zu behandeln wie inländische Lehrer*innen, soweit sie aufgrund ihres Abschlusses im Ausland zur Lehrtätigkeit in der entsprechenden Schulstufe berechtigt sind. Auf die inhaltliche Gleichwertigkeit der Qualifikation kommt es dann nur noch an, soweit diese sich in einer unterschiedlichen Tätigkeit ausdrückt. Insbesondere können ausländische Lehrer, die tatsächlich in zwei Fächern unterrichten, das Entgelt für die zweifache Unterrichtsbefähigung beanspruchen, auch wenn sie formal aus deutscher Sicht lediglich in einem Fach qualifiziert sind
Relative Durchsetzungsfähigkeit - Notwendige oder hinreichende Bedingung der Tariffähigkeit
In der letzten Zeit ist vereinzelt vertreten worden, Tariffähigkeit i.S.d. § 2 I TVG sei "relativ" zu verstehen, das heißt in Bezug auf den konkreten Geltungsbereich des jeweils angestrebten bzw. abgeschlossenen Tarifvertrags. Die Theorie von der "relativen" Tariffähigkeit" beruft sich zu Unrecht auf die herrschende Meinung und ständige Rechtsprechung zu den Kriterien für die Bestimmung der Tariffähigkeit. Zutreffend ist allerdings, dass die relative Durchsetzungsfähigkeit einer Organisation im Einzelfall eines unter mehreren Indizien für die Bejahung der Tariffähigkeit sein kann. Mit den Wirkungen und Funktionen eines Tarifvertrags nach deutschem Recht ist es jedoch nicht vereinbar, relative Durchsetzungsfähigkeit als notwendige Bedingung der Tariffähigkeit zu verlangen
Instrumente einer Europäisierung des Prozessrechts. Zu den Anforderungen an den kollektiven Rechtsschutz im Antidiskriminierungsrecht
Im Folgenden soll dargestellt werden, welche Unterscheidungen zwischen Verbandsbeteiligung und Verbandsklage im Einzelnen zu treffen sind (1), bevor darauf eingegangen wird, was die Richtlinien verfahrensrechtlich mindestens verlangen (2) und welche weitergehenden Fragen der allgemeine Grundsatz der Effektivität aufwirft (3). Das Antidiskriminierungsrecht bietet dabei auch eine Klammer für eine gemeinsame Betrachtung des Zivil- und Arbeitsprozessrechts
Rezension: "Terroryzm na usługach ugrupowań lewicowych i anarchistycznych w Królestwie Polskim do 1914 roku" / Waldemar Potkański. Warszawa: DiG, 2014. ISBN: 978-83-7181-842-4
Die Geschichte der breit verstandenen sozialistischen Bewegung auf dem Gebiet des Königreichs Polen ist mit der Geschichte der Sozialisten im Russischen Reich eng verbunden. Die westeuropäischen sozialistischen Ideen waren im Königreich Polen zwar bekannt, doch waren gerade von Beginn an Einflüsse aus und Verflechtungen mit Russland für die Sozialisten des Königreichs entscheidend. Auf diesem Wege wurde auch der politische, gegen den Zaren und seine Beamten gerichtete Terrorismus populär. Dieses Phänomen, dessen Anfänge mit dem Attentat von 1881 auf Alexander II. zusammenhängen, wurde im Kontext der russischen Geschichte mehrmals untersucht. [1] Arbeiten zum Terrorismus in Kongresspolen halten sich dagegen deutlich in Grenzen [2]; meistens wird der Terrorismus eher am Rande von Abhandlungen über die Revolution von 1905 im Königreich Polen erwähnt.
Die umfangreiche Habilitationsschrift des Stettiner Historikers Waldemar Potkański widmet sich dagegen in Gänze den terroristischen Aktionen der linken und der anarchistischen Gruppierungen in Kongresspolen und nimmt damit einen längst vergessenen Forschungsgegenstand wieder in den Blick. Der Autor hat Quellen aus mehreren polnischen Archiven, darüber hinaus zahlreiche zeitgenössische Zeitschriften, gedruckte Quellenbände, Erinnerungen und Memoiren ausgewertet. Leider hat der Autor keine Archivrecherche in Russland durchgeführt und es auch versäumt, diese durchaus fragwürdige Entscheidung zu begründen. Nur an einer Stelle (S. 19) erwähnt er, dass bereits in den 1950er Jahren in Polen die Ergebnisse entsprechender Recherchen in sowjetischen Archiven veröffentlicht wurden. Trotz einer Auswertung russischsprachiger Sekundärliteratur betrachtet Potkańskis Abhandlung leider nur eine Seite des Konflikts
Recenzja: "East Central Europe in Exile. Volume 2. Transatlantic Identities" / Anna Mazurkiewicz (red.). Newcastle upon Tyne: Cambridge Scholars Publishing, 2013. ISBN: 978-1443848916
Transatlantic Identities, drugi tom zbioru East Central Europe in Exile, składa się z osiemnastu rozdziałów podzielonych na cztery części. Podczas gdy tom pierwszy koncentrował się głównie na rozmaicie interpretowanych aspektach procesu migracji, tom drugi skupia się na „zachowaniu wschodnioeuropejskiej tożsamości, utrzymywaniu kontaktów ze 'starym krajem' oraz na działaniach podejmowanych na rzecz opuszczonej ojczyzny" (s. xx). Mimo tak jasno zdefiniowanych celów, Transatlantic Identities okazuje się nie tylko znacząco odbiegać jakością od Transatlantinc Migration, ale też tematycznie nie trzyma się ram ustalonych we wstępie przez redaktorów
Rezension: "Neuer Nationalismus im östlichen Europa Kulturwissenschaftliche Perspektiven" / Irene Götz, Klaus Roth, Marketa Spiritova (Hrsg.) Bielefeld: transcript, 2017. ISBN: 978-3-8376-3962-9
Noch um die Jahrtausendwende war die Annahme verbreitet, dass nach dem Ende der Geschichte auch das Ende der Nation bevorstehe. Das Konzept sollte von der Globalisierung weggespült werden oder zumindest in größeren Einheiten wie der Europäischen Union aufgehen. Die jüngeren Entwicklungen muten dagegen wie ein Revival des Nationalismus an. Und trotz eklatanter westlicher Beispiele wie dem Brexit oder Trumps Wahlerfolg wird dieser vermeintlich neue Nationalismus vielfach als ein Phänomen mit besonderer Ausprägung in Ostmittel- und Osteuropa aufgefasst. Ausweis dessen sind etwa die autoritär-nationalistischen Regierungen in Ungarn und Polen mit ihrer rassistischen Rhetorik sowie die beharrliche Weigerung der Visegrád-Staaten, Geflüchtete aufzunehmen.
Der vorliegende Band ist das Ergebnis einer Tagung, die Ende 2016 dezidiert als Reaktion auf diese Tendenzen abgehalten wurde. Ziel war es, wie Mitherausgeberin Irene Götz einleitend erklärt, nach Formen und Ursachen des „neuen Nationalismus" seit dem Ende des Staatssozialismus zu fragen und zu weiteren Forschungen anzuregen. Eine politische Motivation wird angesichts der „beängstigenden Befunde" keineswegs verhehlt (S. 12). Götz wirft auch die weiterführende Frage nach Handlungsmöglichkeiten der Wissenschaft auf und überlegt, inwieweit die Analyse „durch Formen von Aktivismus zu ergänzen" sei (ebd.)