TATuP – Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis
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Quo vadis, energy transition law? Shaping the future energy system
Die Energiewende betrifft als Transformationsprozess eine Vielzahl von Beteiligten: Unternehmen, Forschung, Verbraucher*innen und den Gesetzgeber. Letzterer kann ein erheblicher Treiber oder ein vehementer Bremser der Energiewende sein. Das Energiewenderecht entscheidet maßgeblich über das Gelingen oder Misslingen der Energiewende und ist damit Teil der energierechtlichen Zukunftsgestaltung. Diese Energiezukunft braucht technologische, ökonomische und regulatorische Innovationen. Angesichts des schwierigen Umgangs mit Innovationen steht der Gesetzgeber vor besonderen Herausforderungen. Zur Bewältigung dieser hat er einen breiten Instrumentenkanon zur Verfügung. Im Fokus stehen derzeit unter anderem sogenannte Experimentierklauseln. Ob das Energiewenderecht hiermit auf die Technologien und Geschäftsmodelle der Zukunft vorbereitet ist, untersuchen die Autoren in diesem Aufsatz.As a transformation process, the energy transition involves a variety of actors: enterprises, science, consumers, and the legislator. The latter can be a major driver or inhibitor of the energy transition. The energy transition law is decisive for the success or failure of the energy transition and plays a part in shaping the future energy system. This energy future requires technological, economic, and regulatory innovations. Given the complexity of innovations, the legislator faces special challenges. It has a wide range of legal instruments at its disposal to deal with these challenges. A current focus is on so-called experimentation clauses. In this article, the authors examine whether these instruments are sufficient to prepare the energy transition law for the technologies and business models of the future
Making the invisible visible: Normativities in and of technology assessment
Die Technikfolgenabschätzung (TA) ist eine analytische und interaktive Methode zur wertenden Beurteilung der gesellschaftlichen Auswirkungen von Technik. Trotz dieser klar wertenden Ausrichtung bleiben die TA-Programmen und -Methoden inhärenten „Normativitäten“ oft im Verborgenen. Somit werden in der TA-Praxis und ihren Ergebnissen oft eine Reihe von methodischen, ethischen und politischen Aspekten nicht berücksichtigt. Um hier Abhilfe zu schaffen, untersucht der vorliegende Artikel, auf welche Weise TA die politische Entscheidungsfindung in Wissenschaft und Technik verbessern will (Meta-Normativität) und wie sie von den Werten, Normen und moralischen Standpunkten von Teilnehmern und TA-Praktikern geprägt ist (In-Normativität ). Er gibt Empfehlungen, wie die der TA inhärenten Normativitäten sichtbar und damit offen für neue Erwägungen und Veränderung gemacht werden können.
Technology assessment (TA) is an analytic and interactive practice that produces evaluative judgments about the societal implications of technology. Despite this distinct evaluative disposition, “normativities” inherent in TA programs and practices often remain hidden. Therefore, TA practice and outcomes often overlook a range of methodological, ethical, and political issues. In an attempt to remedy this shortcoming, this article explores how TA aims to improve political decision making in science and technology (meta-normativity) and is imbued with the values, norms, and moral positions of both participants and TA practitioners (in-normativity). It provides recommendations to render these normativities in TA more visible, and thereby amenable to reconsideration and change
Indicator work: Context-neutralizing and context-open strategies in the analysis of complex problems
Die Analyse komplexer Probleme, unter anderem mittels Indikatoren, gehört zum Alltag der Technikfolgenabschätzung (TA). Indikatorenarbeit verdeutlicht, dass die Auswahl von Indikatoren, trotz genereller Regeln, auf akteursabhängigen Entscheidungen beruht. Die These des Artikels lautet, dass TA kontextneutralisierende wie kontextoffene Analysestrategien nutzt. Die Analyse von Indikatorenarbeit an einem Beispiel im Feld der Nachhaltigkeitsanalyse zeigt, wie die Spannung zwischen diesen beiden Analysestrategien in der Indikatorenarbeit durch Verfahrensregeln transparent zu machen ist. Normative Transparenz kann durch reflektierte Indikatorenarbeit in der TA sichergestellt werden.The analysis of complex problems, e.g., using indicators, is part of technology assessment (TA) practice. The term “indicator work” illustrates that the selection of indicators is, besides general rules, based on individual decisions. The hypothesis is that TA uses two analytical strategies: context-neutralizing and context-open variants. Looking at an example of sustainability analysis in TA, we will show how the tension between the two strategies can be made transparent by procedural norms in indicator work. Normative transparency can be ensured by reflective indicator work in TA
How decolonial can cooperation be? Critical remarks on ICT interventions in the Global South
Projekte zu Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in der Entwicklungszusammenarbeit im Globalen Süden operieren mit impliziten und expliziten Vorstellungen, Ansprüchen und Zielen. Die kritische Reflexion zu den Rahmenbedingungen, dem ethischen Status und den Konsequenzen solcher IKT-Interventionen und -Projekte kommt dabei oft zu kurz. Durch eine interdisziplinäre Perspektive und unter Rückgriff auf post- und dekoloniale Theorie können die Bedingungen und Partizipationsmöglichkeiten von „Nord-Süd-Kooperationen“ problematisiert und die ihnen zugrunde liegenden Begriffe, Konzepte und deren Konnotationen kritisch beleuchtet werden. Auf der Basis eigener Erfahrungen mit designorientierten Herangehensweisen in einem entwicklungs- und bildungspolitischen Projekt im Hohen Atlas in Marokko sollen diese Kritiken und Problemstellungen veranschaulicht und reflektiert werden. Indem eigene Vorannahmen, Erwartungen und Ansprüche auf den Prüfstand gestellt und Projektverlauf, Technikaneignung und interne Kommunikation nicht als gesetzt, sondern als prozesshaft und wechselseitig aushandelbar verstanden werden, können die Bedingungen für Kooperation in eine dekoloniale Richtung weisen.Information and communications technology (ICT) interventions and development cooperation projects in the Global South operate with implicit and explicit ideas, expectations, and goals about the course of the project and cooperation. Critical reflection on the framework conditions, ethical status, and consequences of such ICT interventions and projects is often neglected. Through an interdisciplinary perspective and recourse to post- and decolonial theory, the conditions and participation possibilities of “North-South cooperation” can be problematized, and the underlying concepts and connotations can be critically examined. Based on our own experiences with design-oriented approaches in a development and education project in the High Atlas in Morocco, we will illustrate and discuss these critiques and problems. The conditions for cooperation can point in a decolonial direction by putting one’s own assumptions, expectations, and demands to the test and by understanding project progress, technology appropriation, or internal communication not as given but as process-oriented and mutually negotiable
Empowering women through digital skills in Argentina: A tale of two stories
„Die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern, ist kluge Entwicklungspolitik“, sagt die Weltbank. Im Einklang damit fördern viele Unternehmen die Geschlechtergleichstellung im Sinne der Überwindung der digitalen Kluft zwischen den Geschlechtern. So werden in Argentinien verschiedene Graswurzelinitiativen von Unternehmen gesponsert, die Schulungen in den Bereichen soziale und digitale Kompetenzen sowie Unternehmertum und Führung anbieten. Ohne die Bemühungen, die Bedeutung und den Wert der Arbeit dieser Gruppen aberkennen zu wollen, untersucht dieser Artikel einige der Widersprüche, die sich daraus ergeben, dass Unternehmen einen zunehmenden Einfluss auf Diskurs und Praxis der Bemühungen um eine Verringerung der geschlechtsspezifischen digitalen Spaltung haben. Meine These ist, dass diese Projekte dazu beitragen, die aktuell bestehenden wirtschaftlichen, sozialen und geografischen Spaltungen zu verstärken, nicht mit klassischen Geschlechterbildern übereinstimmende Menschen zu diskriminieren und die staatlichen Maßnahmen in diesem Bereich weiter einzuschränken.“Promoting gender equality is smart development policy,” says the World Bank. In line with this narrative, many companies have promoted gender equality in terms of bridging the gender digital divide. In Argentina, a growing number of grassroots initiatives sponsored by corporations have emerged and provide training in digital and soft skills as well as entrepreneurship and leadership opportunities. Without denying the efforts, importance, and value of the work of these groups, this paper studies some of the contradictions inherent to the increasing power that corporations have in the discourse and practice of reducing the gender digital gap. My argument is that these projects contribute to reinforcing current economic, social, and geographical divides, to discriminating against gender non-conforming people, and to further limiting government intervention in this area
Global environmental policy: Interview with Klaus Töpfer
Globale Nachhaltigkeit und Demokratie sind für Klaus Töpfer untrennbar miteinander verbunden.Welchen Beitrag leistet dazu die Technikfolgenabschätzung?For Klaus Töpfer, global sustainability and democracy are inseparably linked with each other. How does technology assessment contribute to this