TATuP – Zeitschrift für Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis
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Party positioning on controversial technologies: Opinion formation within Alliance 90/The Greens on new plant breeding techniques
Mit Blick auf die Positionierung von politischen Parteien hinsichtlich umstrittener Technologien stellt sich insbesondere die Frage, welche Bedeutung bestimmten innerparteilichen Akteuren zukommt und wie diese die Ergebnisse parteiinterner Aushandlungsprozesse beeinflussen. Um dies zu beleuchten, analysieren wir den Meinungsbildungsprozess von Bündnis 90/Die Grünen (B’90/Grüne) hinsichtlich neuer Pflanzenzüchtungstechniken wie CRISPR/Cas. Die Analyse zeigt, dass sich bestimmte Akteure für eine Neuausrichtung hinsichtlich der Verfahren einsetzen, während andere solch einen Kurswechsel klar ablehnen. Beide Seiten führen für ihre jeweilige Position zahlreiche Argumente an, die teilweise auf fundamental unterschiedlichen Haltungen basieren, etwa hinsichtlich der Bewertung von und des Umgangs mit Risiken. Dennoch gibt es Hinweise auf eine Kompromisslösung hinsichtlich der zukünftigen Positionierung von B’90/Grüne zu der umstrittenen Technologie. Für diesen Kompromiss wird eine verstärkte wissenschaftliche Technikfolgenabschätzung von zentraler Bedeutung sein.With regard to the positioning of political parties on controversial technologies, the question arises of how important certain intra-party actors are and how they affect the outcomes of negotiation processes within parties. To shed light on this, we analyze the opinion-formation process of Alliance 90/The Greens regarding new plant breeding techniques such as CRISPR/Cas. The analysis shows that certain actors advocate a reorientation with regard to the new techniques, while others clearly oppose such a change of course. Both sides put forward numerous arguments for their respective positions, some of which are based on fundamentally different positions, e. g., on how to evaluate and deal with risks. Nevertheless, there are indications of a compromise solution regarding the future positioning of Alliance 90/The Greens on the contested technology. For this compromise to succeed, further scientific risk assessment will be of central importance
Cybersecurity: Threat, vulnerability, values, and damage
Die monetären Kosten, die jährlich weltweit durch Cyberattacken entstehen, wachsen stetig und bewegen sich in Dimensionen, die mit öffentlichen Haushalten ganzer Staaten verglichen werden können. Cyberattacken treffen Individuen, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, Behörden und Regierungen; sie treffen eine Infrastruktur, ohne die moderne Gesellschaften kaum mehr funktionieren. Doch die Gewährleistung von Cybersicherheit kann zu Zielkonflikten führen. Die Technologien zur Herstellung von Sicherheit und Resilienz dieser Infrastruktur sollten daher Gegenstand der Technikfolgenabschätzung sein.The annual monetary costs incurred worldwide by cyberattacks are growing steadily and are on a scale comparable to the budgets of entire countries. Cyberattacks affect individuals, businesses, public institutions, authorities, and governments; they affect an infrastructure without which modern societies can hardly function. But ensuring cybersecurity can lead to conflicts of interest. Technologies used to ensure the security and resilience of this infrastructure should therefore be a subject of technology assessment
Urban water management in the age of digitalization: Cybersecurity as an Achilles’ heel
Die Digitalisierung in der Siedlungswasserwirtschaft kann dazu beitragen, die Aufgaben, die sich für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung aufgrund des demografischen und klimatischen Wandels ergeben, besser anzugehen. Gleichzeitig können sich durch Cyberangriffe die Risiken für einen Ausfall dieser Kritischen Infrastrukturen vergrößern. Aspekte der Cybersicherheit werden im Wassersektor jedoch noch nicht hinreichend berücksichtigt. Entsprechende Regularien und Maßnahmen zielen alleine auf die Ausfallsicherheit der Infrastrukturen ab und vernachlässigen dabei die Versorgungssicherheit der Bevölkerung. Die Aufmerksamkeit der Politik auf große Wasserunternehmen und Versorgungsgebiete ignoriert Sicherheitslücken bei kleinen und mittleren Betrieben. Kooperationen zwischen mehreren Wasserunternehmen könnten ein geeignetes Mittel sein, diesbezüglich Synergieeffekte zu erzeugen.Digitalization in urban water management can help to better address the challenges for water supply and sanitation due to demographic and climate change. At the same time, cyberattacks can increase the risks for a failure of these critical infrastructures. However, aspects of cybersecurity are not yet sufficiently addressed in the water sector. Corresponding regulations and measures solely aim at the reliability of the infrastructures and neglect the security of supply for the population. Policy attention to large water utilities and supply areas ignores security gaps in small and medium-sized enterprises. Cooperations between several water utilities could be a suitable means of generating synergy effects in this respect
Converging infrastructures: Amplified socio-technical problems
Konvergierende Infrastrukturen verdeutlichen die Komplexität in Prozessen der operationalen Sektorkopplung sowie der soziotechnischen Sektorintegration. Welche Konsequenzen dieser Entwicklung kann die Technikfolgenforschung bereits jetzt abschätzen und welche Schwierigkeiten ergeben sich dabei? Dieser Artikel stellt das TATuP-Thema sowie die einzelnen Beiträge vor und stellt neben technischer Machbarkeit und Effizienz auch explorative Fragen nach gesellschaftspolitischen Aspekten: Welche Strategien sollen den umfassenden Wandel initiieren und kontrollieren? Welche Mechanismen erlauben Handlungsfähigkeit trotz großer Unsicherheiten für zukünftige Akteure konvergierender Infrastrukturen für Energie, Transport und Wärme/Kühlung? Der interdisziplinäre Ansatz orientiert sich an drei zentralen „soziotechnischen Problemen“ und gibt einen ersten Einblick, unter welchen Bedingungen konvergierende Infrastrukturen entstehen und welche Konsequenzen diese Prozesse möglicherweise haben werden.Converging infrastructures illustrate the complexity of the processes involved in both operational sector coupling and socio-technical sector integration. What consequences of this development can technology impact research estimate today and what difficulties will arise in doing so? This article introduces the TATuP special topic as well as the individual contributions and also addresses socio-political aspects, beyond the usual questions of technical feasibility and efficiency: What strategies are developed to initiate and control comprehensive change? What are the mechanisms to maintain the ability to act despite great uncertainties for all those concerned with future converging infrastructures for energy, transport, and heating/cooling. The interdisciplinary approach to the topic focuses on three central “socio-technical problems” and gives a first insight into the conditions under which converging infrastructures emerge and what consequences these processes might have
Building restoration between energy efficiency and user acceptance: Two empirical case studies
Die Akzeptanz unter Bewohnern und Bewohnerinnen gewinnt bei hoch komplexen, technisch anspruchsvollen energetischen Sanierungen als „Innovationsmotor“ zunehmend an Relevanz. Der Beitrag basiert auf zwei Fallstudien zur partizipativen Nutzereinbindung bei energetischen Sanierungen im genossenschaftlichen Wohnbau historischer Stadtquartiere in Regensburg. Neben einer sozialverträglichen Sanierung wurde jeweils ein hohes Maß an Energieeffizienz bei den technischen Lösungen angestrebt. Haushaltsbefragungen und qualitative Interviews zeigen die hohe Akzeptanz von Sanierungsmaßnahmen, sofern die Senkung der Energiekosten die erhöhte Miete kompensiert. Abschließend werden Akzeptanzfaktoren wie Partizipation, Vertrauen, Sozialverträglichkeit und Autarkie erörtert.Acceptance among residents is becoming increasingly important in establishing highly complex technical energy systems and energy-efficient modernization measures. This paper is based on two case studies on user involvement in the energy-efficient restoration of two cooperative owned building complexes in historic quarters of Regensburg/ Germany. Household surveys and qualitative interviews show the high acceptance of restoration measures, provided that the reduction of energy costs compensates for the increase in rents. Finally, acceptance factors such as participation, trust, social acceptability, and self-sufficiency are discussed
The convergence of electricity and digitalization in the Netherlands: Data governance as an emerging policy issue
Dieser Artikel befasst sich mit der Konvergenz von Elektrizität und Digitalisierung in den Niederlanden. Anhand des Advocacy Coalition Framework zeigen wir zunächst, dass das Pariser Abkommen zur globalen Erwärmung im Jahr 2015 zu einem neuen Paradigma der Politik für erneuerbare Energien geführt hat, bei dem Digitalisierung eine zentrale Rolle spielt. Darüber hinaus werden wir zeigen, dass die weitreichende Konvergenz von Elektrizität und Digitalisierung, die von europäischen und niederländischen Politikern angestrebt wird, neue politische Fragen aufwerfen wird. Die zentrale Herausforderung ist ein entsprechendes Energiedatenmanagement. Darüber hinaus wirft die Digitalisierung auch politische Fragen im Bereich Sicherheit, Verbraucherschutz, demokratische Kontrolle und die gleichmäßige Verteilung von Kosten und Nutzen in einem digitalisierten Energiesystem auf. Da der Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem rasch erfolgen muss und Energiedaten hierfür voraussichtlich eine entscheidende Rolle spielen werden, sind diese Fragen dringend.This paper explores the convergence of electricity and digitalization in the Netherlands. Based on the Advocacy Coalition Framework, we first show how the Paris Agreement on global warming in 2015 has led to a new renewable energy policy paradigm, in which digitalization plays a key enabling role. We will then show that the far-reaching convergence of electricity and digitalization pursued by European and Dutch policy makers will raise new policy issues. The core challenge is adequate energy data governance. Digitalization also raises policy issues in the areas of safety, consumer protection, democratic control, and equal distribution of costs and benefits in a digitized energy system. As the transition to a sustainable energy system must take place rapidly and energy data are expected to play a crucial role in achieving this, these issues are urgent